Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 350 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr, 34 Sonder-Tagungen Delegiertentag der Zionistischen Föderation ״Mlsrachi“. Tagesord n un g in Wien, Restaurant Hucbncr, IV, Allccgassc 8, am Sonntag den 31. August 1913 (28. A\v 5073) und Montag, den I. September 1013 (20. Aw 5673). Sonntag, den 31. August 1913, Beginn •1 Uhr .naclinr.: a) Eröffnungsrede — Dr. Fraiick; Begrüßungen; Wahl des Präsidiums. b) Belicht über die Tätigkeit während der Kongreß- Periode — Referent: Dr. Fraiuk. c) Finanzbericht — Referent: Rechtsanwalt David. d) Generaldebatte. Montag, den 1. September 1<)13, Beginn 10 Uhr vormittags: e) Bericht über Palästina-Arbeit — Referent: Rabb. Fiscbmann, Jaffa. f) Bericht über Tachkemoni — Referent: S, Wolff, Antwerpen. Debatte. Nachmittags: g) Referat über Agitation und Propaganda — Referent: Redakteur Berlin. h) Organisation — Referent: Rechtsanwalt David. Debatte. i) Wahlen, k) Diverses. Hebräische Konferenz In Wien 25.-28. August im Beethovensaal. Tagesordnung Montag, den 25. August, 7 Uhr abends: Eröffnung der Konferenz; Wahl des Präsidiums; Vor* trag des Herrn Isak Epstein: Das Hebräische in der Erziehung; Debatte. Dienstag, den 26. August, <P/a Uhr vormittags; Vortrag des Herrn David Frischmann: Die hebräische Belletristik; Vortrag des Herrn Ch. N. Bialik: Das hebräische Buch; Debatte. 4 Uhr nachmittags: Vortrag des Herrn Dr. Joseph Klausner: Hebräisch als Umgangssprache; Vortrag des Herrn Dr. Schmarja Levin: Das Ziel und die Bewe* ung in der Renaissance des Hebräischen; De* atte. Mittwoch, den 27. August, 9*/a Uhr vor* mittags: Bericht des Zentralburcaus; lieber die hebräische Bewegung in den verschiedenen Ländern: a) in Rußland: T. Herr Hillel ZI o t o p o I s k y; 2. Herr S. Tschernowitz (lieber den hebräischen Büchermarkt); b) in Galizien: Herr Dr. Ph. Korn* rün; c) in Rumänien: Herr Rabbiner Dr. Jakob acht; d) in Deutschland: Herr Dr. Heinrich L o c w e; c) in Amerika: Herr Ab. G o I d b erg; Vortrag des Herrn Dr. B. M o s s i n s o h n (im Namen der Lehrer-Zentrale in Jaffa): Die hebräische Kulturarbeit in Palästina; Debatte. 4 Uhr nachmittags: Ucber T'chijah“: Rabbiner Jakob Mose; Ucber den waad-Halaschon (Sprach-Komitee) in Jerusalem; Herr David J e 11 i 11; Ucber ״Kcdcm“: Herr Nalium Sokolow; lieber die Gründung Ein Mosesbuch Ach a d II a a m hat einmal gegenüber der modernen Bibelkritik, deren Resultate immer mehr popularisiert wurden und die Gemüter teils ver* wirrten, teils zu sinnloser Ueberhebung triebt!!, in einem Artikel über Moses' (Haschiloach 1904, in ״Al pcraschat Dcrakhim“, 3. Band) darauf hingewiesen, daß das Wesen historischer Realität durchaus nicht in der Tatsache einer ״archiiologisclicn Wahrheit“ bestellt, sondern in der Wirkung auf das Leben des Volkes. Die Phantasie des Volkes schaffte sich in ihrer Weise ein Bild des Heros, ״und dieses Phantasiebild, das sich das Volk nach seinen Bedürfnissen und Neigungen schafft, das, nur das gibt uns den geschichtlichen Helden, nicht das sinnlich erfaßbare Original, das nur kurze Zeit existiert hat und von dem das Volk gar nicht weiß, wie es war“. Die Gestalt des Moses, die durch fast drei Jahrtausende im jüdischen Volk lebendig war, kann ihm durch keinerlei ״Wissenschaft‘1 geraubt weiden. Wohl aber müssen wir so ehrlich sein, uns zu gestehen, daß Moses für unser jüdisches Geschlecht nicht mehr lebendig ist. Es ist vielleicht das traurigste Kennzeichen unserer heutigen Juden, daß sie das Verständnis für die großen Heroengcstalten des Judentums verloren haben, daß sie vom jüdischen Mythos ganz und gar losgelöst sind. Nicht nur den jüdischen ״Freidenkern“ und ״Liberalen“, auch den Orthodoxen mit ihren verknöcherten Idealen ist der wahrhafte, volkstümliche, lebendige jüdische Mythos fremd. Aber die neue nationale Bcwe8“nß. die wieder eine Bewegung zu jüdischem eines hebräischen Schriftstellerverbandes: Herr Markus Kaha n; Debatte; Vorschlag eines ürgam* sationsstatuts. Donnerstag, den 28. August, 9</a Uhr vormittags: Verhandlungen über den Vorschlag des Organisation*• Statuts; Wahlen. Die jüdische Turnerschaft wird, wie bereits mitgcteilt, eine Besprechung der an der Jugendpflege — insbesondere durch Turnen und Sport — interessierten Kongreßbesucher veranstalten. — Näheres über diese Versammlung wird demnächst bekaimtgegeben. Der Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina wird eine grolle Frauen* Versammlung veranstalten, die am Donnerstag den 4. September, nachmittags 3 Uhr im Beet* hovensnale stattfinden wird. Als erste Referentin spricht Frau Johanna Simon •Friedberg über ״die speziellen Aufgaben der jüdischen Frau“, als zweite Referentin Fräulein I lelciic Hanna Cohn über tlas Thema: ״Wie gewinnen wir die weibliche jüdische Jugend zur Mitarbeit für Palästina?“ Frau lusti/.rat üod cnhclmer wird die Versammlung leiten. Der Jüdische Handlungsgc 11 iifenverb a 11 d veranstaltet eine Besprechung über die Lage der jüdischen Handels* und Privat* a n g e s t c 111 c n , sowie über die Schaffung einer Weltorganisation. Ort und Zeit der Versammlung werden noch bekannt gegeben. Anfragen sind zu richten an den Jüdischen Handlungsgchilfenverband, Wien II., Taborstraßc 11b. Die erste Sitzung der Deutschen Landsmannschaft findet am Montag, den 1. September, nachmittags 4 Uhr, im Beethovensaai statt. Die iDelegierten erhalten noch besondere Einladungen. Logis Für die Unterkunft der Kongreßbesucher werden Privat-Zimmcr und Hotel-Zimmer zur Verfügung ge* stellt. Die Preise für Privat-Zimmcr betragen (ohne Frühstück) Kr. 3,— bis Kr. 5,—, für einzelne Schlaf* stellen Kr. 2,— täglich, ln Privat*Pcn8ioncn sind Zimmer mit voller Verpflegung von Kr. 6,50 an zu haben. Die Hutclpi'ci&e schwanken zwischen Kr. 7,— und Kr. 2,00 für Zimmer mit einem Bett, Kr. 12,— und Kr. 4.60 für Zimmer mit zwei Betten, ln Gast* höfen sind Zimmer mit einem Bett für Kr. 1,60, mit zwei Betten für Kr. 3,50 zu haben. Es wird wiederholt darauf lungewiesen, daß der auch aus anderen Ursachen zu erwartende starke Fremdenverkehr zur Zeit des Kongresses rechtzeitige Logisbcstellung dringend erforderlich macht, da nur bei frühzeitigen Bestellungen für Logisbeschaffung garantiert werden kan״. Wenn die Bestellungen nicht ausdrücklich eine andere Anweisung enthalten, wird angenommen werden, daß es den Bestellern gleich* gültig ist, ob sic in Hotel* oder Privatzimmcrn unter* gebracht werden. Es ist in Wien ortsüblicher Brauch, daß bei Bestellungen auf Privatzimmer ein Angeld von 3 Kr. miteingesandt wird, da nur so bindende Verträge ge* schlossen werden können. Das Angeld, das bei der Bestellung miteiiizusenden ist, wird auf den Miets• preis verrechnet. L e b e n ist, muß ihre Kräfte wieder aus der uralten Volkskraft ziehen; wie einst die Romantiken dem deutschen Volk das Wesen der deutschen Helden* gestalten neu erschlossen und dadurch der ver* annteii Volksseele Nahrung und ungestümen Antrieb gaben, so obliegt es uns, den Weg zu finden zur Vergangenheit und zur Sagenwelt, zum Mythos un* seres Volkes, auf daß diese wieder lebendige Kräfte unserer Seele werden; denn ohne diese Kräfte werden wir nicht erlöst werden. Uns Verlorenen hat nun einer unserer Besten den Weg gezeigt, den größten Helden unseres Volkes, Moses, zu verstehen und als Wirklichkeit zu er* leben; einer, der sein Wesen ganz erfaßt hat: Dr, Hugo Bergmann hat in der Sammlung ״Die Weisheit der Völker“ (Verlag J. C. C. Bruns, Minden in Westf,, Preis pro Bändchen 2,50 M.) ein Buch* lein ״Worte ״Moses" heratisgegehcn und gibt in einer Einleitung eine Darstellung der Bedeutung der Mosegestalt. Pie l.cbciisgcschichtc Moses, die uns das Fimfbiich erzählt, ist der grollartige Entwicklung«• gang eines Propheten, wie er in dieser ergreifenden Größe auch in der Bibel einzig dasteht, Er ist anfangs ein Mensch mit allen menschlichen Schwächen; zwar tut er das Gerechte und hilft den Schwachen, aber nur ״wenn niemand da ist“. Er folgt der Forderung seiner inneren Stimme nicht unbedingt, er schließt noch Kompromisse. Und wie dann die göttliche Berufung an ihn ergeht, weigert er sich, zu folgen, ״wie. sich später noch mancher Prophet geweigert hat und wie wir uns alle weigern, wenn das Göttliche zu uns spricht und gleich Moses sagen: Bitte, Herr, sende doch einen anderen I“ — Dann aber kommt der ungeheure, übermenschliche Kampf gegen das Volk, ■ t! Reise-Ermäßigungen Für die Fahrtcrmäßigung werden Legitima. tionskarten ausgegeben. Die■ Karten lauten auf den Namen und sind mit österreichischen S t c m p elraarkcn im Betrage von 25 Heller für die Ermäßigung 3. Klasse, 50 Heller für die Ermäßi. gung 2. Klasse, Kr. I,— für die Ermäßigung 1. Klasse zu versehen. Die Legitimationskarten werden vom Kongreß-Bureau zusammen mit dem Kongreß *Abzeichen, für welches 60 Heiler im voraus zu entrichten sind, versandt. Stempclmarkcn können vom Kongreß-Bureau gegen Voreinsendung lies entsprechenden Betrages bezogen werden. Die Versendung der Legitimationskarten und Kongreß* Abzeichen erfolgt vom 8. August ab. Die Firma f 11 <> s. Cook ö San erteilt in allen ihren Geschäftsstellen Auskunft über Rciseverbin* düngen zum Kongreß, Frmäliigungen usw, Den auf den Huhnhöfen der Staatshahnen (West* bahnhof, Franz Josefsbahnhof, Nordhalmliof, Nord* wcKtbahnhof und Staatsbalmhot) ankoinmenden Kougrcßbcsuchern wird empfohlen, wegen der Bemale* rimg des Gepäckes den Wiener EiscnbahngepHck* dienst der Internationalen Transportgesellschaft A,*0, durch Vermittlung der Gepäckträger in Anspruch zu nehmen. Ermäßigte Fahrpreise auf den für Kongreßfahrer aus Deutschland In Betracht kommenden Reiserouten! Oderberg— Wien! 1. Klasse 2. Klasse 3. Klasse Schnellzug Kr. 25,21) Kr. 15,40 Kr. 9,80 Personenzug Kr. 16,00 Kr. 10,15 Kr. Bodenbach- Wien: 1. Klasse 2. Klasse 3. Klasse Schnellzug Kr. 17,10 Kr. 28,50 Kr. 17,90 Personenzug Kr. 31,15 Kr. 18,90 Kr. Tribünenkarten Der V 0 r v erkauf für sämtliche Sitzungen ist geschlossen. Weitere Vorbestellungen sind zwecklos. Die noch vorhandenen Karten (im Musik* veretns-üebäude nur Stehplätze) gelangen erst ara 2. September, vormittags 10 Uhr, an den Schaltern im Musikvcreins-Oebäude zur Ausgabe. Die Karten zu den Veranstaltungen werden nicht versandt, sondern an den Schaltern im Musikvercins-üebäude ausgegeben. Die Rescrvierung der Plätze erfolgt gleich nach der Be* Stellung. Bestellungen auf Karten für sämtliche Ver* anstaltungcn, für die ein Eintrittsgeld zu entrichten ist, sollen umgehend an das Bureau ücs XI. Zionisten-Kongrcsses, Wien, Gisela* Straße 12, gerichtet werden. Die Reservierung der Plätze crtolgt sofort nach Eintreffen des ent* sprechenden Geldbetrages, die Ausgabe der Karten nach Fertigstellung. Zum akademischen Festakt erhalten Akade* m i k c r unentgeltlich Karten durch Vermittlung ihrer Korporationen. Für die Meetings werden nur unnumerierte Karten ausgegeben. ♦ Die Adresse der Redaktion der ״J ü dischcn Rundschau“ u״d der ״Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ laue! vom 28 August bis zum 9 September! Wien I! Giselastr. 12. Dorthin wolle man nur ganz eilige Sendungen richten, die auf den Kongress selbst Bezug haben. Al.’e laufenden Geschäfte finden un!«־r der gewohnten Berliner Adresse ihre Er* cdigiing die Masse, den Sklavensinn lind die Gemeinheit, Immer wieder empört sich das Volk, das er zur I ai* heit führen will, gegen ihn; die Schilderung du״cs Ringens ist die Veranschaulichung des cu i״cn Kampfes, der zwei Tendenzen der Mcnschciiavle, der sittlichen, fordernden, nie zufriedenen, zur T:t drängenden mit der trägen, bequemen, genügsamen, jeder Entscheidung ausweichenden. Der Dicl1tcrdic.es Kampfes ist in unseren Tagen Henrik Ibsen gc* worden, dessen Peer Gynt die fortwährenden Ver* siicluingen des ״Großen Krummen“ zu bestellen Int. Und jener Philosoph, der am ehesten den Prophuea Israels zu vergleichen ist, Johann Gottlieb Fichte, vertritt die Forderung der ״rücksichtslosen Ihm 11• set/ung des Sittengesetzes״) ״Anweisung zum seligen Leben", Verlag Felix Meiner, Leipzig), die /mit erstenmal in der Menschheitsgeschichte von M<*,1§ erhoben worden ist. Der Bund, den Gott rlmcli Moses mit Israel schließt, ist ein einseitiger Ver* trag; Israel verpflichtet sich, daß Gesetz zu er* füllen, dafür wird es ״aiiserwählt" — aber auserwahlt eben wieder nur zur I leiligkeit, zur Erfüllung seiner heiligen Tat. Denn in dieser Tat soll tlott durch Israel geheiligt werden. (Diesen tiefster! Sinn der jüdischen Lehre, der hier nur angedeutet wird, fuhrt Bergmann in seinem Aufsatz ״Die Heiligung de* Namens" in dem Sammelbuch ״Vom Judentum“ in erschöpfender Weise aus.) Das Volk sehnt sich immer wieder in die Sklaverei zuruck, zu den Fleischtöpfen Aegyptens. Da will Gott dieses Volk der Blindheit und Verstocktheit vernichten, aber Mose« bittet für sie; Gott verzeiht, aber seine Vergebung ist nur eine halbe: das Geschlecht der Kleinmütigen muß in der Wüste sterben,