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Jüdische Rundschau · 1913-08-01 · Heft 31 (1.8.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 31 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 3! JUEDIF.CHE RUNDSCHAU Seite 319 e: AUS ALLER Wll ״ Deutschland Ganz analog dem Bestreben mancher wuiaUleino• kratiselier l ülircr, die gesamte bürgerliche Gesellschait als eine einheitlielic ״reaktionäre Masse“ er• scheinen zu lassen, bemühen sicit unsere liberalen Blätter, die rechtsstehenden Politiker in ihrer Gesanitheit als antisemitisch hinzusteilcn. Wenn auch die deutschkoiiscrvative Partei durch den antisemitischeu Passus des Tivoliprogramms fcstgclcgt ist, so sind die Ansichten zur Judenfrage innerhalb ’der Reichspartei durchaus nicht einheitliche. Das zeigt sich u. a. in der Art, wie die Führer der!,arid zur Zulassung von Juden zum Offizicrsstande Stellung nehmen. Während erst kürzlich Generalleutnant von L iebert im Reichstage durch seine verletzende und taktlosen Worte unliebsames Aufsehen erregt und dem Juden die Eignung zum Soldaten überhaupt abgesprochen hat, finden sich im ״Tug“ eiii paar recht vernünftige Bemerkungen ■des Freilierrn v. Zcd- Utz zu der gleichen Frage: ״Eine der größten Schwierigkeiten für die volle Ausnutzung unserer steigenden Bevölkerungszahl für den Heeresdienst bildet die entsprechende Verstärkung des Ofiizierkorps, und zwar sowohl der Berufs-, wie der Reserveoffiziere. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint es als ein schwerer Fehler, dalS, abweichend von Bayer», im Bereich des preußischen Kriegsminisleiiums die Juden tatsächlich nicht nur von der Offizieislaufbalm, sondern sogar von dem Reserveoffizierkorps so gut wie ausgeschlossen sind. Die osterreichisclien Erfahrungen lassen darüber keinen Zweifel, daß dadurch unserem 1 lecrcsdieiist und iiamcmlicii dem Rcservcofti zierkorps eine nicht unerhebliche Anzahl tüchtiger Kräfte entgehen. Auch ist die Befuiehtung nicht abzuweiseii, daß der Ausschluß der Juden zu einer laxeren Prüfung der individuellen Ei;.:- mmg für den Heeresdienst bei den anderen Bewerbern und somit zur Aufnahme minderwertiger Elemente in das Ofiizierkorps führt. Im Interesse des i leeresdienstes selbst wird dadurch auch im Bereich der preußischen Heeresverwaltung mit der bisherigen, mit aer Verfassung schwer vereinbaren Uebtuig zu brechen sein. Die mir wiederholt cutgcgcngelialtene Befurchtmsg einer lieberilutung des Olfizicrkorps mit Jude!! teile ich nicht. Bei strenger Prüfung der individuellen Eignung werden sich ungeeignete Elemente unschwer Icrnhalten lassen. Was nach sorgsamer Scheidung׳ der Spreu von dem Weizen übrig bleibt, kann dem Heeresdienste nur zum Vorteil gereichen. Die politische Bedeutung einer solchen Wandlung bedarf der näheren Darlegung nicht. Wenn cs die Aufgabe einer verständigen Regierung ist, die Ursachen berechtigter Unzufriedenheit zu beseitigen, so ist in dem vorüegenden Falle die Bahn fest vorgezeichnet. Hic Rltodus, hic salta!“ Wir verkennen gewillt nicht, daß auch in diesem einen Falle eine Schwalbe keinen Sommer macht. Derjenige aber, der dem deutschen Judentum eine ernstere Auffassung allgemein politischer Dinge wünscht, als sie jetzt vorherrscht, wird immer wieder darauf hinweisen müssen, daß die unentwegte und bcdingungslose Gefolgschaft, die die Juden der Ireisiunigeii Volkspartei so lange Jahre geleistet haben, in den Verhaltnissen durchaus nicht begründet liegt. Wenn sie cs erst einmal gelernt haben werden, über die engen Grenzen der Volkspartei liinmis/useliauen und mich die konservativen Politiker in ihrer I laltimg /.um Judentum richtig einzuscliiitzen, dann werden sie die Freiheit der politischen Entscheidung wiedcigewoiineii haben. Wie sielt diese Entscheidung in jedem einztliien Falle gestalten wird, und ob der einzelne Jude bei den Parteien der Rechten oder der Finken Anschluß findet, ist eine Frage, die in diesem Zusammeiihangc unbeantwortet bleiben muß, da sie lediglich die Anschauungen in Fragen deutscher Politik betreffen kann, 9 Türkei Yakir Be har, ein junger Konstantinopcler Jude, der unseren Lesern durch gelegentliche Mitarbeit an unserem Blatt bekannt ist, hat vor einigen Tagen an der Kgl. Hochschule in Venedig mit glänzendem Erfolge promoviert. Seine Dissertation ist eine eingehende Studie über das B c s t c u e r u 11 g s s y s t e m in der Türkei, -eine Arbeit, die bisher von niemandern in Italien jemals versucht worden ist. Nach Schluß der Dissertation und der sich daran knüpfenden Diskussion wurde er von sämtlichen Mitgliedern der Prüfungskommission und im Beisein des türkischen Konsuls und anderer sehr hochgestellter Persönlichkeiten auf das lebhafteste beglückwünscht. Es würde zu weit führen, auf die Einzelheiten seiner tiefdurelidachten Arbeit ciimigehcn; es genüge hier nur mit- *uteilcn, daß selbige auf über 300 Seiten zuerst histurisch die türkischen Finanzen des ״ancicu Regime“ und der jetzigen Periode, die Einteilung der direkten Steuer« selbst, ausführlich und so sachlich behandelt, daß er dadurch nicht nur eine große Belesenheit in einschlägiger Fachliteratur bekundet, sondern auch sein vielseitiges Wissen, namentlich auch sein spe- 1*fisch-jüdisches Wissen und seine echt jüdische Uc- *innung an den Tag legt, In seiner Dissertation finden *ich häufig Zitate aus Bibel und Talmud, so bez. des ״Zehnten“, auch analog dem türkischen ״Asciar" u. a. m. — Nun wird Herr Dr. Yakir Bciiar von seiner Regierung zur Bekleidung einer amtlichen Stellung berufen, in der dieser strebsame junge ״Manu gewiß reiht ersprießlich auch zum Wolile unserer Gesamtheit wirken möge, in dem Lande, das von jeher dm im Auslände סל sehr bedrängten Juden das ,größte Wohlwollen cntgcgcngebradit hat. V. G. Galicien Die Antisemiten in Galizien setzen nlle Hebel in Bewegung, um In diesem österreichischen Krönlande einen allgemeinen wirtschaftlichen Boykott gegen die jüdische Bevölkerung nach russisch-polniscliein Muster zu organisieren. Ein Teil des niederen katholischen Klerus unterstützt die galizischen Judenfeinde in diesen edlen Bemühungen und heizt die Landbevölkerung andauernd gegen die Juden auf. Dieser Tage erschien eine polnische Broschüre, .in der die Boykottpropagamla unverhüllt betrieben wird. Es wird darin u. a. ausgcfiilirt, die Teilung Polens, sei von vier Mächten vollzogen worden: von Rußland, Preußen, Oesterreich und — dem Judentum. Die Juden werden als die historischen Erbfeinde des polnischen Volkstums bezeichnet, und das polnische Volk wird aufgefordert, sielt dieser inneren •Feinde in der Weise zu entledigen, daß es alle geschäftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den Juden abbricht und diese dadurch zur Massenauswanderung■ zwingt. Dieses ״Schutzmittel“ sei durchaus gerechtfertigt und legal. — Die Broschüre wurde in einer Massenauflage hergestellt und durch antisemitische Agitatoren im ganzen Lande verbreitet. ף* *%«/*־״/וי-ר־״י״יין f—* ,ך-״—•*־-״ L4V i iftj I ia EoU _11 ׳ w Die Kongreßausgabe der Welt Fs wird dringendst darum ersucht, die Aba»nemcntslisten für die Koiigrcßausgabe unverzüg- 1 i c h einzusenden. Bei der großen Auflage der Kongreßausgabe stellt die pünktliche tägliche Versen- 111111g so große Anforderungen an unser Bureau, daß wir durchaus auf eine planmäßige Verteilung der Arbeiten bedacht sein müssen. Eine übermäßige An- Sammlung von in den letzten Tagen vor dem Kongroß eingehenden Aboiincmentsbcstclhiiigcn könnte bei den besonderen Schwierigkeiten der Expedition am fremden Orte deren ordnungsgemäßen Ablauf in Frage stellen. Die Abonncmcntslisten und Be- Stellungen sollten uns daher allerselmcllstens zugeschickt werden, ohne daß natürlich die weitere Vorarbeit für die Kongreßausgabe dadurch gehemmt zu werden braucht. Bestellungen werden selbstvcrständlieh bis zum letzten Tage entgcgcngcnommcn. Der Jüdische Kulturfonds, der der» hebrüischen Namen ״Kedetn“ (״Morgenland“) erhalten hat, ist dieser Tage in das Londoner Gesellsehaftsregister eingetragen worden, Dein Direktorium gehören u, a, die Herren M, Feldstein - Warschau, Rechtsanwalt Dr, Arthur I laiitke-Berlin, Schriftsteller N. Sokolow-Bcrliu und Uiiiversitätsprofcssor A. Wcizinami-Manchcstcr an, Die erste Generalversammlung der Gesellschaft wird Anfang September d, J. im Anschluß au den Kongreß in Wien stattfiuden, Den Grundstock des Fonds bildet bekanntlich die eine Spende unseres Gesinnungsgenossen M, Feldstein- Warschau im Betrage von 100) 10׳ M. Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Für das ״Jüdische Gemeindejahrb 11 c 11“, das in wenigen Tagen im Verläße der ״Zionistischen Vereinigung für Deutschland" erscheint, gibt sich bereits ein ganz außergewöhnliches luteresse kund. Aus redaktionellen Gründen muß das Erscheinen des Werkes um einige wenige Tage hinaus* geschoben werden. Um sich eine prompte Zusendung sofort nach Fertigstellung zu sichern, bediene man sich des Bestellzettels, der dem Inserat an anderer Stelle der vorliegenden Nummer beigegeben Ist. * Wir hatten unseren Freunden vor einiger Zeit Mitteilung von einem Abkommen gemacht, dali wir mit der I m p o r t - G c s e 11 s c h a f t ״P a I ä s t i n a“, Berlin C. Bi, Kurstr. '39, getroffen haben. Auf Grund dieses Vertrages vergütet uns die Gesellschaft auf alle Umsätze, bei denen auf unsere Abmachung Bezug genommen wird, eine Provision, die unserem Organi- ן sationsfonds zugute kommt. Heute sind wir in der Lage, zum erstenmal einen Betrag von 108 M. auszuweisen, der uns aus dein Abkommen zugeflosscn ist. Bei der anerkannt guten Qualität der Weine und dem palästinensischtu Zweck der Gesellschaft dürfen wir wohl damit rechnen, daß unsere Freunde von der Gelegenheit, unseren zionistischen Fonds durch eine entsprechende Wahl ihrer Bezugsquelle zu stärken, auch in Zukunft reckt ausgiebigen Gebrauch machen werden. I _ AUS ÜAMßURG־ALTOMft Dienstag, dm 5. August 1913, abends 9 Uhr, im Logcnhcim, llartimgstr. II Schckclzahlcr-Versammlung. Dclegiorteu-Waliku für den XI. Zionistenkongrcö. Zutritt nur mit der jedem Wahlberechtigten zugesandten LcgitiiiiatinnsRartc gestattet. Am 21. d. M. fand im Logt״heim Hartungstraße unser Schekeltag statt. Referent war Dr. II alpe rn, der im Begriffe sieht, durch IJnbersicdlinig nach Lernberg Hamburg׳, die Stätte seines jahrelangen erfolgreichen zionistischen Wirkens zu verlassen. Er sprach über das Thema: Parteien i 111 Judentum und der Zionismus, wobei er den Zionismus hoch über alle Parteien stellte die im Gegensatz zu ihm nur die Erreichung eines gesunden Fortbestehens für das jüdische Volk überhaupt erstreben. Zu seiner Lösung der Jiidcnfragc brauche der Zionismus in gleicher Weise einerseits die kolonisatorische und kulturelle Er- Stärkung und Eroberung Palästinas und ,andererseits die Wiederbelebung־ des Jiideiituincs auf nationaler Basis. Diese beiden Faktoren hat der Zionismus seit seinem Bestehen unverändert verfolgt. Die Gegner der Bewegung hätten jedoch öfter ihre Taktik geändert, nachdem sie sich vor der Unlultbarkeit mancher eigenen Einwändc überzeugten. So spüre man jetzt fast nichts mehr von der anfänglichen heftigen Bekünipfung der Palästina-Idee, nachdem alle größeren, jüdischen Organisationen den Zionisten nach Palästina gefolgt sind, um dort bewußt oder unbewußt am Judetiwerkc niit/utun. Jet/t richte sich der Kampf vor allem gegen den jüdischen Nationalismus, der allerdings mit Sucht der Assimilantcn überall unter allen Opfern ihrer Jüdisehkcit unbedingt loyal zu erscheinen, unverträglich sei. Mit aller Entschiedenheit wendet sich Redner gegen die irreführenden und grundfalschen Behauptungen des sogenannten antizionistischen Koinitees, es gäbe •unter den Zionisten selbst verschiedene Ansichten itber den Nationalismus. Mit ihm steht'und fällt der Zionismus. Bei kritischer Lichtung des Gesetzes zeigt sieb, daß mir noch bestimmte Kreise der westeuropäischen judcnlieit den Zionismus ernsthaft bekämpfen. Von den meisten anderen jüdischen Parteien ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß sic bald wie die Palästina-Idee so auch den jüdischen Na- (ionnlismus anerkennen werden. Die liDCra'.-jüdischcn Kreise, die sieh in konsequenterweise — denn sie haben sieh ursprünglich nur mit religiösen Problemen befaßt — mit den Antizionistcn identifizieren, leiden au einem Grund inangel, au dem Mangel an Nachwuchs. Die Jugend braucht Ideen, nur große, wenn auch noch so schwere Aufgaben, Der aussichtslose Kampf an die Gleichberechtigung kann, wie man überall sieht, die jüdische Jugend auf die Dauer nicht befriedigen, mich wenn man ihn mit noch so gcschickt vom Zionismus entwendeten Ausdrücken verbrämt. Redner warnt vor der neuesten, dem Judentum so überaus ,gefährlichen Taktik der Gegner, die durch Anpreisung der Neutralität in allen jüdischen Dingen eine neue, und zwar positive Lösung der Jiidcnfragc gefunden zu haben vorgibt. Mit dem jedem Fortschritt und jeder Arbeit feimllielien Prinzip der Neutralität lallt sieh auf die I >;mer keine jüdische Jugend abspeisen. .Zum Schluß ging Dr. II aIpern noch des Näheren auf den bevorstehenden Kongreß und die dort zu leistenden Aufgaben ein. W5ReiNS*RUNDSCHAU Berlin. Ara Sonntag, den 3. August, findet ein D a tu p f e r a 11 s f I u g der I. M!Innerabt. de» J. T. V. Bar Kochba nach 11 essen winke! (Dämmcritz-Sce) statt. Wir lütten die Gesinnungsgenossen, sich diesen Tag frcizuhalten, Billetts für Gäste i 2 M, sind bei Joseph Lewin, Oertraudtenstr. 21, erhältlich. Berlin. Zu der am Sonntag stattfindenden Dampferpartie der I. M i n ner- A t»tlg, des Bar Kochba nach I!essenwinkel (Gesellschaftsbaus) sind noch einige Gastkartcn zum Preise von 2 M. bei Josef Lcwin, Oertraudtenstr. 21, erhältlich. Kattowitz. Montag, den 4. August, 8</a Uhr abends, findet int Saale des Snvoy-Hotels zu Kattowitz, Holtzestraße, die Wahl der Delegierten zum XI. Zionisten-Kongrcsse für den Wahlbezirk Kattowitz Stadt -und Landkreis innerhalb des Zionistisehen Gruppenverbandes Oberschlesiens statt. Dem Wahlakt geilt «in Referat des Vorsitzenden über die Aufgaben des bevorstehenden Kongresses voran. Wegen der aktiven und passiven- Wahlberechtigung zum Kongreß wird auf die Bestimmungen des Organisationsstatuts verwiesen. Alle Sclickelzahler des Bezirks werden zur Teilnahme hierdurch ergebenst eingeladen. Berlin. Der letzte Ferienausflug der jüdischnationalen Frauenvereinigung findet am Dienstag, den 5. August, statt. Da bereits über 300 Kinder daran tcilnchnicn, wäre es wünschenswert, wenn einige weitere Studenten sich der Leitung zur Verfügung stellten. Treffpunkt: Franzensbader Garten im Grünewald, V*3 Uhr.

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