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Jüdische Rundschau · 1913-08-01 · Heft 31 (1.8.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 31 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31 JUEDiSCIIE RUNDSCHAU Seite 317 taktik ein; wenn wir in der Obcrklassc einer Volksschule als ״Kostprobe״ einige Kapitel aus dem Fe״- tateucli übersetzen lassen, so wählen wir dazu Geschichten wie die von Isaaks Opferung oder Josephs Träumen. Warum? Weil wir empfinden, dali unserc Bemühungen für die Kat/.׳ wären, wollten wir irgendein wildfremdes Stück iiberse(/en lassen. Das wäre eine Qual sondergleichen, die hermifzuhcschwüren jedem Lehrer schon der gesunde Egoismus verbietet, Pie genannten Geschichten aber sind dem Schüler fast wörtlich nach der Bibel gdüufU mul dem Sinne nach vertraut, sie sind längst jn de1?biblisehen Geschichte durchgcnomnicn, und aller Gefühlswert ist schon damals aus ihnen gehoben worden. Wozu dienen sie jetzt? An Stelle daß der hebräische Text das religösc Gefühl heben sollte (wie unsere Gegner cs mit uns gemeinsam wünschen), listet man dem voraufgenommenen Verständnis seines Inhalts, der längst deutsch vermittelt worden ist, ein wenig Interesse für die sonst tote und öde hebräische Stunde ab! Nicht die hebräische Stunde stützt die Keligionsstunde, sondern diese liefert die Surrogate, mit denen man das Hebräische für den Schüler ein wenig schmackhaft zu machen sucht! Und nun das Gcgcnbiid! Gesetzt, uns läge wirklieb gar nicht an einer wirklichen Reform des hebräisclicn Unterrichts als religiöser Disziplin, und cs wäre uns nur um die I’ropagierung der ״I;!schon Mmiiiniscli" zu tun, unsere einzige Sehnsucht «ei, ״ein hebräisches Witzblatt zu verstehen״. Was wäre die folge der Erfüllung dieser Hoffnung für den Religionsunterricht? Die Folge wäre, daß der Religionsunt erricht sich nicht mehr würde plagen müssen mit U cbcrsctzcn und Uebcrsctzu 11 g en. Wem das Hebräische ״Laschon Mammiscb“ ist, der braucht sich bei der Sprache der Bibel nicht aufzuhalten: er wird die Bibel im Hebräischen mit der gleichen Leichtigkeit lesen, wie er cs heute deutsch denn auch die beste Uebersetzung gleicht nicht dem Original, am allerwenigsten beim Buch der Bücher! Dieser erhöhte Genuß wird aber geiadc das sein, was inan als Zweck des Hebräischen im Religionsunterricht nannte: eine Steigerung des religiösen Gefühles. Ihm, der die Sprache des heiligen Buches beherrscht, ilun sprechen daraus wirklieh die Stimmen der Väter und die Stimme Gottes. Hebräisch kann nur als Sprachunterricht gegeben werden, wenn er nicht zum methodischen (!11• sinn ausarten soll. So wenig wie einzelne Räder und Schrauben einer komplizierten Maschine allein eine Arbeit verrichten können, so wenig können einzclne losgelöste Worte und Satzkonstruktionen einer Sprache irgendwie lebendige Werte im Menschengeistc schaffen. Auch die Sprache ist göttlich und darum ״einig und einzig״. Bleiben die praktischen Hindernisse, von denen kein Ernsthafter behaupten kann, cs gäbe zu ihrer Besiegung keinen Weg, auch wenn man wolle. Da ist zuerst die Frage der Lchrcrvorbildung. Dann die Frage der Methode. Letztere ist bereits gelöst. Sie heißt: ״Ibrith b'Ibrillt,״ Ls ist die uns aus dem Bcrlitz-Systcm geläufige Methode, eine Sprache durch die Sprache selbst zu unterrichten, nach dem Beispiel der Art und Weise, in der das kleine Kind seine Muttersprache lernt. Ucbcr den Wert dieser Methode braucht man in keine Diskussion cin/.utreten, er steht fest. In den Schulen des flilfs Vereins, in der riesigen Schule der Salonikcr Gemeinde und in manchen anderen Schulen ist diese Methode mit den allerbesten Erfolgen angewandt worden. Es wäre überaus dankenswert, wollten die Leiter der llilfsvercinsschulen, besonders aber der Leiter der Sabniker Gcmcindcschulc, Dr. Isaak Eppstein, der eigentliche Schöpfer der Methode, ihre Erfahrungen der breitesten jüdischen Oelfcntlichkeit zugänglich machen, Es würde sicher enorm dazu •beitragen, dem Gedanken eines vernunftgemäßen Unterrichtes bei uns freie Bahn zu brechen. Bleibt die Frage der Lchrcrvorbildung. ‘ Zu ihrer Lösung wäre wohl neben anderem zweierlei unbedingt nötig, die Berufung pa!ästine 11 sischer Lehrer an die jüdischen Seminare und, ein Studienjahr aller, die das Lehrerexamen bestehen wollen, in Palästina. Beides ist nichts Unmögliches. Der Vor- »chlag des Studienjahres ist neulich auf der Tagung der Jüdischen Jugend in Italien mit einer Selbst- Verständlichkeit gemacht worden, die imponieren mußte. Es bedeutet sicherlich eine Belastung, aber es ist eine Belastung, die der Idealismus des jiiclisehen Lehrers, von dem wir Beweise haben, mit Freude tragen wird. Denn durch dieses Jahr werden sic eigentlich erst zu dem werden, was sie dem Namen nach schon heute sein sollten: zu Lehrern des Hebräischen I Et gibt da natürlich noch viel zu sagen, z. B. über die Frage des hebräischen Kindergarten*, der für den hebräischen Unterricht un* entbehrlich ist. Aber all das möge in der ״Lehrer* diskussioo" gesagt werden, die wir erwarten. Sicherlich, daß wir uns da, wo wir positiv zusammcnarheiien werden, uns auch innerlich näher kommen. Diese Funkte lieben sich in letzter Zeit erfreulich gemehrt, man denke au die Ycmcniten- Aktion. Sollte die jüdische Schule, die uns allen gleich am Herzen liegt, nicht gleiche Macht haben? Der gegenwärtige Stand U U su» der Ans!ünclerfrage Eine Utiiorrcdun״ Im■ preußischen Ku! iusr.31 tt 1 cAerimu Die Lage der ausländischen — d. h, der jüdischen ~ Studenten an den deutschen Universitäten wird immer kritischer. Immer lauter werden die Forderungen der Kliniker nach beschränkenden Maßnahmen gegen die Ausländer, und die einzelnen Univcrsitätsbchörden werden mehr und mehr geneigt, diesen Forderungen nachzugeben. Das Präsidium des Ilundes Jüdischer C o r p o r a t i o n e n, das der Auslämlcrfrage fondauernd seine Aufmerksamkeit gewidmet und auch die ihm nngeschlosscncn Kartellvereine, die ״Vereine Jüdischer Studenten“ ersucht hat, ihm ständig über die Klinikerbewegung an den einzelnen Universitäten zu berichten, beauftragte daher sein Mitglied, I Icrrii Rcchtwuiwalt Dr. Salti Jlirsch, im I<11ll11s111i11intc1ium 11m eine Audienz nneh/usiiehen, Rechtsanwalt Dr, Hirsch wurde von dein für die Ausliindcrfrage zuständigen Dezernenten, dein Geh. Oberrcgicrungsrat Tilmann empfangen und hatte Ge- Icgenheit, den Standpunkt darzulegen, den der B, l.C, und mit ihm alle aufrechten Juden in der Ausländerfrage einnehmen. Der Vertreter des B. 1. C. wies darauf hin, daß es sich bei den ״Ausländern“ tun russische Juden handele, denen wegen ihrer Zugehörigkeit zu in Judentum durch eine raffiniert abgcstufte Prozentnorm das Studium in Rußland unmöglieh gemacht sei; er legte ferner dar, was die Möglichkeit des Studiums für die russischen Juden hedeute, wie eigentlich nur durch das Studium ein sozialer, kultureller und auch politischer (Wohmingsrecht 1) Aufstieg der russischen Juden möglich sei. Herr Geheimrat Tilmann, der diesen Ausführungen — wie ,sich insbesondere auch aus Zvvischenfragen ctgab —- mit Interesse gefolgt war, betonte nochmals, daß er kein Antisemit sei und sich bei der Bearbeitung dieser Angelegenheit nur von rein sachlichen ßrwägungen leiten lasse, aber er fügte hinzu, man könne nicht verlangen, daß die preußische Regierung von Maßnahmen, die sie als notwendig erkannt habe, nur deshalb Abstand nehme, weil der größte Teil der davon Betroffenen Juden seien. Als Dr. Hirsch darauf fragte, ob etwa schon irgendwelche Beschlüsse vom Kultusministerium in der Frage gefaßt seien, verncintc dies der Ochcimrat und erklärte, die Angc- Icgenheit befinde sich noch ״im Stadium der Erwägungen“. Dr. Hirsch wies nunmehr darauf hin, daß die Zurückweisung der Ausländer auch vom Standpunkte des Deutschen Reichs aus nicht vorteilhaft sei, da die Ausländer, die ln Deutschland ihre Aus- Bildung genossen hätten, später, wenn sie in Ruß- Und als Aerztc tätig ,seien, ihre reichen Patienten In die deutschen Bäder und zu den deutschen Autoritäten zu senden pflegten. Dieser Gesichtspunkt schien Ochcimrat Tilmann durchaus cinz-ulcuchten. Der Vertreter des B, I, C, unterbreitete ilun darauf folgenden Vorschlag, dessen Anregung von Herrn Dr. W e i ß c nborg in Berlin ausgegangen ist: Für den Fall, daß beschränkende Maßnahmen durchaus nicht zu ver* meiden seien, sollten von den an fast allen Univcrsitäten zahlreich vorhandenen Privatdozenten und Assistenten Parallel- oder Ferienkurse für Ausländer ahgehalten werden, deren Absolvierung dem Besuch der ordentlichen Kurse in jeder Beziehung glcichzustellen sei, Hierdurch würden sich Beschränkungen in der Zulassung zur Immatrikulation vermeiden lassen, cs werde genügen, wenn die Ausländer lediglich hinsichtlich der Zulassung zu den ordentlichen Kursen beschränkt und so in ihrer Mehrzahl zur Teilnahme an dein Parallclkurse genötigt würden. Dieser Vorschlag erschien Herrn Geheimrat Tilmann sehr beachtenswert, und er versprach, ihn auf seine Durchführbarkeit hin zu prüfen. Der Vertreter des B. I. C. überreichte zum Schluß ein Memorandum, in dem die Huuptgcsichtspunktc seiner Ausführungen schriftlieh nicdcrgclegt waren. Herr Ochcimrat Tilmann versprach deren Berücksichtigung. Dr. I Ursch hatte nach seiner Unterredung mit dem Dezernenten den Eindruck, daß beschränkende Maßnahmen gegen die Ausländer kommen werden, daß insbesondere die Einführung der Prozentnorm uns nicht wird erspart bleiben. Angesichts dieser Sach- ' läge gewinnt der Weißenbcrgschc Vorschlag eine erhöhte Bedeutung; nach Ansicht erfahrener Acrzte ist seine technische Durchführbarkeit durchaus gegeben. Durch die Einführung der Parallelkurse würde es gelingen, wenigstens das *chllmmstc Verhüngnii von den Ausländern abzuwenden. Wahlrechtsraub in Chemnitz! Wie erinnerlich, standen die letzten Wahlen zur Ocmcindcrcprüscntanz in Chemnitz im Zeichen des Kampfes für und gegen das Wahlrecht der nicht reichsangcltörigen Juden. Der ״Neue Jüdische Geinciniicvcrci 11“, der sich mit Elfer der Sache unserer ausländischen Brüder annahm, war damals uiilcrlegen, und es ist nicht wunderlich, daß die, mich harten Kämpfen zustande gekommene Repräscntnutcnversaminhmg jetzt ■noch einmal ihre Macht ausnutzt, um sie sich womöglich für immer zu sichern. Bisher hatten die Ausländer, — die etwa die Hallte der Gcmcimlciiiitglicdcr ausmachen, — aktives Wahlrecht. Nach einer nun neuerdings vom Gemeinde- Vorstand vorgesclilagenen Statutenänderung, der — falls die Genehmigung des Ministeriums nicht aus? bleibt — die Annahme in der Repräsentanz sicher ist, sollen nur diejenigen ausländischen Mitglieder ihr aktives Wahlrecht behalten, die zehn Jahre in Chemnitz wohnen und für diese Zeit mindestens 25׳ M. jährliche Steuer entrichtet haben. Das würde einem Einkommen von 4000 M. entsprechen! Durch diesen neuen Modus würden nur etwa 20 bis 25 Leute wählen können, während vorher etwa 200 Ausländer ihr aktives Wahlrecht ausübten. Es zeigt sich also, daß für die Chemnitzer Geiiieiudegewaltigcn jener von uns so heftig angegriffene Aufsatz im ״Israeiitihclicn l'miilltenblatt", Hamburg, nicht umsonst geschrieben wurde, In dein den um ihre Alleinherrschaft besorgten Liberalen der Weg gewiesen wurde, wie sie jedem, noch so plumpen Wnlilrcchtsraub ein verbrämendes Mäntelchen umliiingen könnten. Aufgabe aller derer, denen es um die Einheit des Judentums, eine fortschrittliche Verwaitung unserer Gemeinde, oder auch nur um die einfachsten Forderungen politischer Anständigkeit zu tun ist, wird es sein, dieses ticfbcschämcndc Vorgehen beim rechten Namen zu nennen und aufzuzeigen, welche schweren Gefahren für den Bestand auch des eingeborenen Judentums drohen, wenn auf dem!Wege fortgeschritten wird, auf den rücksichtslosester Machtdunkel diese Herren getrieben hat. Bemerkenswert ist, daß man sich in Chemnitz just zu der Zeit anschickt, das Auslandcrwalilrecht zu revidieren, wo die benachbarte Leipziger Gemeinde eine Kommission eingesetzt hat, um das alte Unrecht, das dort so lange in dieser Frage geübt wurde, gutzumachen. Hoffen wir, daß das Kgl. Sächsische Ministerium, von dessen Entscheidung es abhängt, ob die neuen Statuten Rechtskraft erhalten, mehr Einsicht in die Aufgaben und Pflichten jüdischer Gemeindeverwaltungen zeigt, als die Herren, deren demokratische Prinzipien für die Verwaltung der Kommunen und des Staates in Fetzen gehen, sobald ihrem eigenen unumschränkten Regime in der jüdischen Gemeinde Gefahr droht. Der XL Kongreß Tribünenkarten Einlaßkarten können nur noch für die Er* Öffnungssitzung ansgegehen werden. Für die übrigen Sitzungen ist der Vorverkauf geschlossen, und weitere Vorbestellungen für diese Sitzungen sind zwecklos. Die noch vorhandenen Karten (Stehp'fitzcl) gelangen erst am 2. September, vormittags 10 Uhr, an den Schaltern im Musikvcrcinsgebäude zu# Ausgäbe. Der Preis der Karlen für die Eröffnungssitzung beträgt im Vorverkauf 3,— Kronen. Programm Dienstag, den 2. September! 8 Uhr abendst Eröffnungssitzung in der Katharinenhailc. Mittwoch, den 3. September! 10 Uhr vormittags! Beginn der Vormittagssltzung des Kongresses ins Musikvereinssaal. U Uhr vormittags: Vortrag im Beethovensaal; 4 Uhr nachmittags! Beginn der Nachmittags- Sitzung des Kongresses im Musikvereinssaal. 1/88 Uhr abends: Hebräische The atervor- Stellung in der Neuen Wiener Bühne; 8 Uhr abends: Meeting im Sofiensaal; 8 Uhr abends: Lichtbildervortrag im Beetliovcnsaal (Vortragender: Dr. H e i n r. Loe w e). Zu noch zu bestimmenden Stunden Führungen durch das jüdische Museum und die Adria- Ausstellung. Donnerstag, den 4. September! Dasselbe Programm wie Mittwoch. Außerdem: 3 Uhr nachmittags: Versammlung des Ver* bandes jüdischer Frauen für Kultura rbe 1t in Palästina im BeethovensaaL (Näheres s. unten.) Freitag, den 5. September! 10 Uhr vormittags! Beginn der Vormittagssltzung des Kongresses im Musikvereinssaal. 11 Uhr vormittags: Matinee des Giern0• witicr Gesangverein» im Bcethovensaal; 4 Uhr nachmittags! Beginn der Nachmittag•- Sitzung des Kongresses Im Muslkvereintsatü. , Abends! Gottesdienst

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