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Jüdische Rundschau · 1913-08-01 · Heft 31 (1.8.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 31 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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R«Kta)«ti0B Jüdiicbs Randscboi BERLIN W. 15, SSchalacLo Straß•», Telephon 1 Ami UhJand »4$. ־I i. . *tj I I | Spredutundxn Dienet•? und Doaaentaf I *—* ^**r **“",'11***׳ r n /-ו ־ r "ץ p, f ־׳/ <״~> n ב־׳/ ח ״ ו י״;_■־. * \ ״.״ ן ־ ן :^ , ז f י ׳ .. v . -־״' י׳*- ׳׳״.«< ׳.* lJ —) Nummer 31 XVHI. Jahrgang Ausweis Schekel: Mainz 45,—, Straßburg i. Eis. ft — Königshütte 12S,—, Rybnick 3,—, Velbert 16,—, Dortmuiui und Umgegend 19,50, Rawitsch 3,—, Lübeck 3, , Gailingen 3b,—, Gleiwitz 100,—, Grofi-Strehiitz 2, , Kattowitz 242,-, Nikolai 26,-, Sohrau O.-Schl. 10.—, Hannover 50,—, Stuttgart 14,—, Breslau 5,—, Tilsit 26,—, Steele 1,—, Freiburg 90,—, München 27,—, Blumcnthal 1,—, Sulz 3,—, Her/l-Klub Berlin 2,--, Bonn 15,—, Kroloschin-Militsch 1,—, Wolfenbüttel 3,—, Elberfeld 20,—, Leipzig 9,—, Zionistische Jugendgruppe Leipzig 20, , Chemnitz 7,—, Mülhausen i. Thüringen 5,—, Jüd, nat. Fraucnvcrcinigung Berlin 36,—, Ratibor 1,—, Verbindung Hcrzliah Berlin 31,—, Berlin 27,—, Bcuthcn 7,— M. Schekel 1912: Berlin 1 M, Landesorganisationsbeiträge: 1. Ortsgruppen: Hcrz.l-Klub Berlin 3—, Jüdisch-nat. Frauenvereinigung Berlin 3,—, München 9,—, Blumcnthal i. H. 2,-~, 'Dortmund; 4,—,! Krotoschin- Militsch 2,—, Hannover 50,—, Gailingen 18,—, Mainz 50,—, Berlin 4,—, Leipzig (Einzelbetrag) 4,— M. 2. Einzelpersonen: Max Elias, Mülhausen i. Th. 10,—, Dr. Moses Smoira, Königsberg 5,—, Ref. Kurt Goldschmidt, Berlin, 1(. Rate 2,—, Professor Dr. Opet, Kiel 5,—, Leopold Laclimnnn, Danzig 5,—, Ing. I. Snisbach, Friedenau 5,—, Dr. mcd. J. Bam* berger, Kissingcn 5 M,—, Zahnarzt S. Bambcrger, Kissingen 5,—, Zahnarzt M. Bambcrger 5,—, Dr. Klatzfin, Köln 5,—, Dr. Georg Gereon, Berlin 5,—, Nathan Kaminski, Berlin 5,—, Erwin Brasch, Berlin 5,~, Zahnar/.t Ludwig Baschwitz, Bromberg, II. Rate 5,--, M. Albam, Königsberg 5,—, Rabbiner B. M. Auerbach, Obersitzko 5,— M. 3. Gelegentliche Spenden: Importgesell־ schalt ״Palästina“, Provision für an Zionisten verkaufte Weine 108,—, Dr. Wintritz, Dtsch.-Eylau lt. Text in Nr. 30 der ״J. R.“ 10,- M. Eingang vom 23. bis 30. Juli 1913: Schekel 1912: 1,—; Schekel 1913: 1027,50 M., Landes- Organisationsbeiträge 349,— M. Gesamteingang: Schekel: 7208,75 M., dazu beim Zionislischen Zentralburcau direkt cingegangenc 357,— M., insgesamt 7572,75 M., Landcsorganisationsbeiträge: 10 85*1,97 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto! A. H. *Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Zur Schekeisammlung Mit dem 30. Juli ist die Schekelsammlung der Deutschen Landsmannschaft zu einem vorläufigen Abschluß gelangt und mancherorts werden die Kon* greßwahlen bereits in diesen Tagen vorgenommen. Das bedeutet aber nicht daß eine weitere Sammeltätigkeit für die Schekel 5673 nunmehr zwecklos oder gar untersagt wäre. Denn der Schekel ist nicht allein ,der Ausweis für die Wahlen zu unserem Kongreß, sondern in weit höherem Maße und in erster Linie ein Mittel, uns und den anderen die Zahl unserer organisierten Anhänger zu erweisen. Und diese Rechnung darf erst bei der Eröffnung des Kongresses als abgeschlossen gelten. Deshalb fordern wir alle unsere Freunde dringlichst auf, die kurze Zeit, die ihnen noch bleibt, zu energischer Arbeit im Dienste unserer Schekelsammlung auszunutzen und etwa noch ein-‘ gehende Betrage schnellstens abzuführen, damit die Zahl der deutschen Schekel auf dem Kongreß ein richtiges Bild von der Größe unserer Landsmannschaff gibt. rr,EP5? erstorobt f3־r das J!T.*r3-’:*־ ¥al!11!.!3 f 3I'.afr׳sajy einer Cffcnt» Sc':.״rcn!’;T".!sIj ITclmctMta In _, u b — E~cdior ProjjraiEm. M 4■#’ W V«# L Ul L Im• II £ Knr״dcrua113end Der deutsche Zeitungsleser war in diesen Tagen Zeuge einer Preßkampagnc, deren Gehässigkeit und innere Unwahrhaftigkeit wohl nicht so leicht überboten werden kann. Zielpunkt dieser Hetze war zunächst das ״Berliner Tageblatt“ und — wie das nun einmal üblich ist - in zweiter Linie das gesamte deutsche Judentum. Was war geschehen? In Leipzig hat in der Zeit vom 12. bis 16. Juli das XII. Turnfest der Deutschen Turner- Schaft stattgefunden. An diesem Fest nahmen etwa 70 000 aktive Turner teil und 100000 Zuschauer umsäumten die riesige Arena, die besonders für diesen Zweck hergerichtet wurde, Es war gewiß keine Uebertreibung, wenn diese Veranstaltung ganz allgemein als das größte Volksfest bezeichnet wurde, das Deutschland je gesehen hat. Das ״Berliner Tageblatt“ ließ sich nun bei dein Feste durch einen Herrn vertreten, der als Theaterkritiker und Feuilleton- Schreiber seine Verdienste haben mag, der aber der Aufgabe, die ihm dort beim Turnfeste gestellt wurde, keineswegs gewachsen war. In einem Aufsatze ״Das Fest der Hunderttausend“ fand er wohl Worte der An erkennung für die Straffheit der turnerischen Ordnung und die acsthctische Wirkung der Massen- Vorführungen, er befand es aber für gut, mit einigen witzelnden Worten gewisse Aeußerlich* keiten zu geißeln, die seinem urbanen Geschrnack zuwiderliefcn. Der Vorsitzende der Turnerschaft, Herr Geheimrat Dr. Goetz, ließ darauf der Redaktion des Blattes ein Schreiben zugehcr,, das an Grobheit nichts zu wünschen übrig ließ und vergaß nicht, das Verhalten des Tageblattes sogleich als ״antideutsch und antinational“ Innzustellcn. Das Tageblatt gab seinem Bedauern über das Vorkommnis Ausdruck, und bemerkte, daß der Artikel nur durch ein Versehen die Redaktion unkorrigiert passiert habe. Wer den Aufsatz gelesen hat, der wird ohne weiteres annehmen, daß das Tageblatt über Redakteure verfügt, die das Unpassende der Turnfestwitze rechtzeitig erkannt hätten. Man sollte meinen, daß damit das an sich recht unerhebliche Vorkommnis für alle Teile erledigt war. Zweifellos würde das zutreffen, wenn cs nicht eben das ,״Berliner Tageblatt“ gewesen wäre, dem der Bock unterlaufen war und — wenn der Verfasser des Artikels nicht Pinkus heißen würde. Man heißt eben in Deutschland nicht ungestraft Pinkus! Den Grundton für all die hämischen Angriffe und antisemitischen Pöbelcien, die nun folgten, hatte der greise Geheimrat Goetz ja bereits in seinem oben erwähnten Schreiben angegeben, Die Frage hieß nun ״National oder antiimtional“. Noch niemals hat die Deutsche Tumcrscliaft soviel Verehrer und begeisterte Ver-!echter gehabt wie in diesen Tagen. ' Die Brüh ns che ״Wahrheit“, die ״Staatsbürgerzeitung“ und die biedere ״Kölnische Zeitung“ variierten in ihren Angriffen nur um geringfügige Nuancen. Besonders die Antisemiten vergaßen plötzlich, daß sie die Deutsche Turnerschaft wegen ihrer Stellung zur Judenfrage hundertmal als national unzuverlässig gebrandmarkt und ihr im ״Deutschen Turnerbund“ ein Konkurrent unternehmen entgegen gestellt hatten. Auch die wenig schmeichelhaften Bemerkungen des ״Reichsboten“, der Verfehlungen einzelner Turner gegen die guten Sitten in demagogischer Weise verallgemeinerte, wurden in der großen Hetze überschrieen. Herrn Pinkus wurde in einer Leipziger Badeanstalt eine Tracht 'Prügel verabfolgt und in den Vereinen der ״Turner- Schaft“, wird mit gutem Erfolge nicht nur zum Boykott des ״Berliner Tageblatts“, sondern sogar all der Wirtschaften aufgefordert, in denen das Blatt ausliegt. Wer von unseren Freunden jenen Artikel gelesen hat, der den ganzen Sturm entfesselte, der ,wird sich mit uns über die Ungehörigkeit herzlich geärgert haben. Er wird empfunden haben, daß es sich hier um einen recht unerfreuliehen Typ handelt, der in den Reihen der groft* städtischen Jugend nicht vereinzelt dasteht und besonders oft unter der jüdischen Jugend zu finden ist. Unter jenen Leuten, die selbst aller Ideale bar, auch jeden Respekt vor den idealen anderer vermissen lassen. Die ihren sterilen Witz an all und jedem üben zu müssen glauben, da ihre innere Hohlheit eine ernste Stellungnahme nicht zuläßt. — Es handelt sich da um jene Seclenvcrfassung, die in der Erziehung einer früheren Generation begründet ist und die in den Reihen der jüdischen Jugend nicht eher schwinden wird, als bis unsere jüdischen Ideale die ,Herrschaft über die Gemüter wiedergewonnen haben. Wenn uns Nationaljuden also auch jedes teilnehmende Verständnis für die Feuilletonergüsse des Herrn Pinkus abgeht, so ändert das doch nichts an der Tatsache, daß es sich in der ganzen Angelegenheit letzten Endes um eine Lappalie handelt, die von skrupellosen Agitatoren zu einer großen Haupt- und Staatsaktion aufgebauscht wurde. Und — das sei mit Bedauern konstatiert — die Hetze hat gute Aussicht auf Erfolg: Die Deutsche Turnerschaft verfügt heute über weit mehr als eine Million Mitglieder, die in gut nationalem Sinne erzogen wurden. Antisemitische Neigungen aber waren den Vereinen in ihrer großen Mehrzahl fremd. Ja man hat im Kampf um den Arierparagraphen die Absplitterung des deutschösterreichischen Kreises geschehen lassen, ohne den antisemitischen Forderungen nachzugeben. Dauert die Hetze, wie wir sie jetzt in Turnerkreisen erleben und die doch r.ur äußerlich das ״B. T.“ zum Ziel genommen hat, an, so kann das anders werden und aus dein lächerlich kleinen Anlaß können dem deutschen Judentum einige Armeekorps von Feinden erwachsen. Manchem aber dürfte dieser Vorfall die Augen öffnen darüber, wie herrlich weit wir Juden es bis heute in Deutschland doch gebracht haben, wenn die Ungehörigkeit eines einzelnen jüdischen Schriftstellers genügt, um eine• journalistische Juden hetze zu entfesseln, an der selbst die bewährte Auslcgungskunst eines Hopp- Städter Rabbiners dem Zionismus kaum wird die Schuld beimessen können.

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