Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 JU EDI SCH E RUNDSCHAU Seite 279 i I I |ag1״ Mitteilungen vor, die auf eine ganz außergewöhnliche Beteiligung der Zionisten am Wiener Kongreß, besonders ' aus Deutschland, Oesterreich- Ungarn, Rußland und den Balkanlandcrn schließen ließen. Aus Palästina wird eine große Zahl von Delegierten erscheinen. Die politischen Ausführungen des Vorsitzenden-StellVertreters Dr. Jacobson aus Koiistantinopel wurden mit berechtigter Genugtuung über die vom Engeren Aktions-Komitee ״eleistete Arbeit und über die politischen Grundsätze zur Kenntnis genommen, ebenso die Mitteilung des Herrn Dr. 11 a n t k e über die Entwicklung der Organisation Herr Professor Otto Warburg berichtete über die Entwicklung der Kolonisation und ihre Institute. Die Tagesordnung des Kongresses wurde festgesetzt. Es wurde beschlossen, als einzige offizielle Sammlung aut dem Kongreß und zur Kongrcß/cit die Sammlung für den Zcntralfonds zu proklatttieren, deren große Wichtigkeit von allen Führern des Zionismus gebilligt wird. Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland In großer Stadt Norddcutsclilands bietet sich eine sehr gute Niedcrlassungsmöglichkeit für einen operativ •״״־gebildeten Gynäkologen, der eine Klinik unterhalten will. Es existiert dort bisher keine offizielle gynäkologische Station an einem Krankenhaus. Nähere Angaben erteilt unser Bureau. Berichtigung, ln der von Herrn Zahnarzt Hugo Schachtel zusammengcstellten Stafisfik sind verscheutlicli M. 39,-־ hcrausgefallen, die die Zionisiiselie Ortsgruppe Gollub an Lnndesheitriigcn für das Jahr 1912 abgeliefert hat. AUS D£N GeweifiDCN Berlin. Das Bureau des D. J.G. B. übersendet uns einen Bericht über die Tätigkeit des Gemeindeblindes, an dessen Schluß die Iteliaiiptuiig aut׳),״stellt wird, daß die ״gemischte Kommission" zur Beratung der Verhältniswahl ohne Widerspruch anerkannt habe, daß das Proportion,•!!Wahlsystem sieh für die AussdnifSwalilen nicht eigne und in den Ausschuß Parteimünuer nicht gehörten. Da s Gegenteil ist richtig. Wenn das Bureau des D. J.G. B, die soeben erschienenen, von ihm seihst verfaßten Mittei• hingen Nr. 83 des üemeindcbumlcs durcligcleseu hätte, winde es gefunden haben, daß in der ״gemischten Kommission" der obigen Ansicht ganz, euergisch widersprochen wurde und daß der Antrag auf Ablehnung der Verhältniswahl erst nach heftiger, stundenlanger Debatte nur mit 15 gegen 7 Stimmen Annahme fand. Es ist schon bei dein Kampfe um die Statutenänderung darauf hingewiesen worden, daß das Bureau des D. j. ü. B. das Statut des Bundes und die Beschlüsse des üemeindetages nicht kannte. Man darf sieh daher nicht wundern, daß dasselbe Bureau in einem an die gesamte jüdische Presse gerichteten Bericht falsche Mitteilungen über die Tagung der ״gemischten Kommission" verbreitet. Berlin. Herr Geh. Rcgicriingsrat Professor J. Barth schreibt uns: Zur Richtigstellung Ihres Beriehts über den Prozeß Löh -. Kalischer, soweit er meine Aussagen betrifft, bemerke ich; Ich habe nicht ״über eine Reihe von Eutlassimgställeu kouservativer Lehrer" ausgesagt. Vielmehr habe ich nur über zwei solcher Fälle Bekundungen gemacht, da mir über die anderen Aufklärungen geworden waren, nach denen die Entlassungen auf vorher erlassenen formalen Verordnungen beruhten, deren materielle Not- Wendigkeit ich allerdings nicht einsehe. Dagegen habe ich noch darauf hingewiesen, daß die Gemeinde für das Religionslehreriniicncxainen eine aus Männern der radikalen Richtung •zusammengesetzte Prüfungskommission eingesetzt hat, und daß die Talmud-Thora-Kommission, wenn konservative Lehrerinnen das Lehrerinnen/eugnis einer hiesigen konservativen Prüflingskommission beibrächtcn, erkläre, daß dieses Zeugnis nicht anerkannt werde. Leipzig. In diesen Tagen verstarb an den Folgen einer Operation einer der beliebtesten jüdischen Aerzte Leipzigs, Herr Dr. Salomon Frei m a 1111, im besten Manncsaltcr von 46 Jahren. Sein unerwarletcr Tod erregte allgemeines Bedauern, daß sich auch in der zahlreichen Beteiligung am Begräbnis kundgab. Leipzig. Am Mittwoch fand in Leipzig die Ein- Weihung der Höheren Israelitischen Schule, der ersten jüdischen Schule Sachsens statt. Die Anstalt, aus einer Realschule und einer höheren Mädchenschule bestehend, eine Gründung des Leipziger Rabbiners l>r. Ca rieb ach, siedelte jetzt nach •einjährigem Bestehen in ihr neues eigenes Heim in der Gustav AdolfstraSc, eines der schönsten und modernsten Schulhäuser Leipzigs, über. Der Eröffnungsfeier wohnten Vertreter königlicher und städtischer Behörden, der israelitischen Gemeinde, der großen iüdischen Verbände, der jüdischen Wissenschaft und des deutschen Lehrerstandes bei. . , Breslau. Für unsere Breslauer Freunde wird es von Interesse sein, daß im dortigen Schul• muteum, Paradiesstr. 25/27, wie die ,Breslauer Margenzeitung" am 19. Juni berichtet, die hebräische Palästinakarte zur öffentlichen Besichtigung ausge* Mellt iit. Wir empfehlen, diese Gelegenheit, das be• fm Namen des Königs 1 In der Privatklagcsaehc des Kauf man 11s Josef Weber in Chemnitz vertreten durch die Rechtsanwälte Dr. Lappe und Wetzlidi, daselbst, Privatklägers, gegen den Schriftleiter Fritz Abrahant in Charlottcnburg, Droyscnstraßc 19, vertreten durch Rechtsanwalt Orcifenhageii in Berlin, Angeklagten, wegen Beleidigung, hat das Königliche Schöffengericht zu Chemnitz in der Sitzung vom 22. Mai 1*113 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen Beleidigung zu vierzig Mark Geldstrafe, au deren Stelle im Falle der Uneinbringlichkeit fünf Tage Gefängnis zu treten haben, verurteilt. Der verfügende Teil des IJiteils ist in der in Berlin erscheinenden ״Jüdischen Rundschau" In demseihen Teile mul mit derselben Schrift, wie der Ahdruck der Beleidigung geschehen ist, auf Kosten des Angeklagten bekannt zu machen. Der Angeklagte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen und dem Privatkläger die diesem erwächsernen notwendigen Auslagen zu erstatten. deufsamc Ktilturwerk zu sehen, nicht vorübergehen zu lassen. Myslowitz. In dem fünf Minuten von Mvs'owit/. entfernten russischen (irenzstiidtehen Modrzcow, das fast ttur van Juden bewohnt ist, entstand in der Nacht vom 22. Zimt 23. Juni ein furchtbares Feuer. In ganz kurzer Zeit standen sechs Häuser, die ausschließlich von armen Juden bewohnt waren, in Flammen, Mit Mühe und Not konnten die Bewohner das nackte Leben retten, da 11 as 'Feuer mit rasender Eile um sieh griff. Alles I lab und Gut ist verbrannt, so dal! die meisten der Ahgebrnnnten vollständig ruiniert 8iml. Versichert war selbstverständlich niemand, dn es alles arme luden sind, Auch die Besitzer der niodcrgebramitcii Häuser sind Juden. Es wäre vielleicht möglich gewesen, den Herd des Feuers zu beschränken. Als jedoch aus dem Nachbarorte Nifka die russische Feuerwehr an die Brandstelle kam und in Erfahrung brachte, die Häuser gehörten Juden, und auch die Bewohner wären Juden, waren die Feuerwehrleute trotz Bittens nicht zu bewegen, dem Feuer Einhalt zu tun, soiulem sie standen intissig da und ließen das Feuer wüten. Auch die in allernächster Nähe stellende Synagoge׳ wäre ein Rauh der Flammen geworden, wenn nicht die' deutschen Feuerwehren aus Myslo- Witz und Umgegend gekommen wären, die daun tatkräktig eingriffen, und so wenigstens die Synagoge und die weiteren Nachbarhäuser retteten. Das Elend unter den Abgebrannten Ist sehr!:roß, und es wird hier in unserer Stadt eine Sammlung veranstaltet, um wenigstens eine kleine Hilfe in der Not zu ermöglichen. ueneins-aUHDScMAU Gruppenverband Oberschlesien Sonntag, den 0. Juli ci , nachmittags 3׳•/« Uhr, findet in Kaftowifz im Veveinszimmer des Hotel Kaiserltof (TcicUstr.) eine Ausschuß-Sitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Vorsitzenden über die Aufgaben des XI. Kongresses. 2. Aufstellung der Kandidaturen für die Delegiertenwählen zum Kongreß. 3. Mitteilungen. Wir erwarten mit Bestimmtheit, daß sämtliche Gruppen des Bezirks vertreten sind und bitten die oherschlesiselieit Gesinnungsgenossen um zahlreiches Erscheinen. Der Vorstand des Ausschusses. Arnold Wiener. Berlin. Herren und Damen, die bei den Fericnaus flügcn der Jüdisch nationalen Frauenvercinigung mitarbciteii wollen, werden höflichst gebeten, sich im Zentralbureau, Sächsische Straße 8, zu melden. Berlin. Sonnabend, den 5. Juli, findet in den Georg-Sälen, Johann-Georgstr, 19, ein jüdischer Studcnten-Abcnd mit anschließendem Tanz statt, veranstaltct vom Verein zionistischer Studeuten aus Rußland ״Hatchijah". Das reiche Programm enthält unter arideren: jüdische Volkslieder, Violincn-Vorträge, lebende Bilder usw. Billcts & 1, 2, 3 M. sind zu haben: Buchhandlung Gonzcr, Oranienburger Str. 26, Verein Jüdischer Studenten aus Rußland, Fricdriclistr. 129 1, und bei der Abendkasse. Leipzig. Der Verein Zionistischer Akademiker zu Leipzig feierte am Dienstag, den 17, Juni 1913, im Etablissement ״Wald-Cafe“ in Lcip/ig-Connewitz sein I. Stiftungsfest, Der schöne warme Sommerabend führte zahlreiche Gäste liin/u, so daß sich bald die angenehmste Stimmung entwickelte, Es war dem Verein gelungen, für die Durchführung des Progrumms ’ ausgezeichnete Künstler zu gewinnen, die durch geschmackvollen Vertrug erfreuten und viel Beifall fanden. 111 erster Linie ist hier zu ■nennen die Sängerin Frl. Toni Frledland, ferner das Trio der Herren Geyer (Violine), van der Meer (Cello) und Bcrkowitz (Klavier), welch letzterer auch mustergültig für die Begleitung sorgte. Es wurde ihnen allen für ihre vorzüglichen Leistungen der herzlichste Dank des Vereins zuteil. In seinen Begrüßungs- Worten konnte der erste Vorsitzende, Dr. hro letsky, auch der Anwesenheit des Herrn Parteisekretärs Kurt Rosenlnimi, des Vaters des Vereins, Erwähnung tun, der auch durch eine zündende’ Ansprache über die Ziele eines akademischen Zionistenvereins hohe Begeisterung erregte. So war der festliche Rahmen für dt• 11 ersten Geburtstag des Vereins Zionistischer Akademiker geschaffen. Der Ball verlief äußerst animiert; Tombola und der Kampf um den Postpreis fanden allgemeine Beteiligung; in Nationalfondsmarken entstand eine ungewöhnliche Hausse, bis am frühen Morgen die Teilnehmer im Kremser oder durchs Pleißental im Stechkahu nach der Stadt zurückkclirteu. Stettin. Im ״Jüdischen Turnverein' sprach Herr Dr. Ha er filier Die Zentral ver einsr e s o 1111 i o 11 und die Stellungnahme der Jüdischen T11 r 11 e rs c ii a f t zu derselben. Breslau. Zu einer für den 3t). Juni cüihzuifencn Schckclzahicr-Vcrsamnilung hatten sieh gegen 9.1 Schekelzahler eingeflinden. Heri Dr. Curt Weiß referierte über den bevorstehenden Kan grell. Herr Hugo Schachtel gab ein Korreferat, an dessen Schluß er folgende Resolution beantragte: Die am 3t). Juni tagende Versammlung der Breslauer Zionisten spricht dem Engeren Actiona- Comitc ihr vollstes Vertrauen aus. Sie erwartet, daß der kommende Kongreß als Grundlage für eine gedeihliche Fortentwicklung der zionistischen Arbeit die Leitungen der zionistischen Finanzinstitute entsprechend den Wünschen des gegeuwürtigeil E.A. C, zusammensetzt umt das Hauptbtirc.ni des ״Jüdischen Nationalfomls‘• nach Berlin verlegt. Die Resolution wurde mit allen gegen 4 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen angenommen. Alsdann wurde auf Antrag des Herrn Dr. Walter Stein itz noch folgende Resolution mit allen gegen 4 Summen angenommen: Die am 3t). Juni tagende Versammlung der Breslauer Zionisten hält es für bedenklich, daß in prinzipiellen Fragen, wie z. 11, in der Frage der neutralen Jtigeiulvcrcinc, ein die Stellung lahme der Leitung pr,ijtidi/iercmler Standpunkt v.1:1 ein- /einen Ortsgruppen oder (1r11|־.|>c11vcrl>ämtcu unter strikter Verurteilung aller Andersdenkenden als der allein richtige proklamiert werde, Bic als nächster Punkt der Tagesordnung in Aussicht genommene Wahl der Koiigrelklelegierten wurde mit Rücksicht auf die noch nicht abgeschlossene Scliekelsmiimlimg bis zum 10. Juli vertagt. Herr Dr. Weiß erstattete darauf einen kurzen ISericlit über die Tätigkeit der ״Breslauer Zionistischen Vercinigung". I )ein Vorstand wurde einstimmig L>etliarge erteilt. Die vorgesehene Neuwahl des Vor- Standes wurde schließlich auch vertagt und der bisherige Vorstand mit der Weiterführung der Geschäfte bis auf weiteres betraut, Herr Rechtsanwalt Jacobso 1111 zugcwählt. Elberfeld. Am 20. Juni sprach Herr Dr. Grüneberg über die antizionistischc H r o - schüre. Er unterwarf die alten gegnerischen Prakt'ken einer scharfen aber sachlichen Kritik, die oft von ätzender Ironie durchsetzt war. Unsere Gegner blieben der Versammlung fern, ebenso erschien der Vertrauensmann des auti/ionislisehen Komitees trotz zweimaliger schriftlicher Einladung nicht zur kritisehen Würdigung der neuesten Emanation jüdischdeutscher (jcdaiikciiläligkcit. Wiesbaden. Zionisten treffen stell jeden Mittwoch abend 11 in 9 Uhr im Cafe Berliner Hof. Samter. Sonntag, den 22. Juni, veranstaltete die hiesige Zionistische Ortsgruppe ein Sommerfest, welches einen sehr guten Verlauf nahm. Nachdem der Vorsitzende Herr Rosen berg die Gäste begrüßt hatte, nahm als Vorsitzender des Distrikts, Herr Karosk i-Posen das Wort. In zündender Rede mahnte er die«Erschienenen, wie unsere Väter vor' hundert Jahren, zusammenzuhnltcn im Kampfe für unser hohes Ziel, für unsere reinen Ideale. Lebliafter Beifall lohnte am Schlüsse den Redner für seine glänzenden Ausführungen. In cntgcgenkommeiider Weise hatte der jüdische Turnverein Posen eine Riege entsandt, welche durch ihre hervorragenden Leistungen am Barren und Reck, viel zum Gelingen unseres Festes beitrug. Auch an dieser Stelle sei allen, die sich um unser Fest bemüht haben, bestens gedankt. Kattowitz. In diesen Tagen verläßt uns Herr Jules Fricdländer, welcher seinen Wohnsitz nach Breslau verlegt. Herr Friedländer war vier Jahre Vorstandsmitglied unserer Ortsgruppe und sowohl er wie seine Gattin haben der zionistischen Arbeit in unserer Gemeinde reges Interesse entgegengebracht. Wir sehen diese liebenswürdigen Menschen ungern von uns scheiden. Zur immerwährenden Erinnerung an seine zionistische Tätigkeit in Kattowitz lassen wir Herrn Fricdländer in das Goldene Buch des jüdischen Nationalfonds eintragen, womit in dieser Nummer ein schöner Anfang gemacht wird. Kattowitz. Am 5. Juni er, hielt Herr Kurt B1 u in c n f e 1 d bei uns einen Vortrag über das Thema: Der Zentral verein ein Liqui• datordes Judentums. T rotz der sommerlichen Temperatur war der Saal des Kaiserhofs dicht ge• füllt und mehr all 200 Personen lauschten den geist* vollen und interessanten Ausführungen des Redners. Von gegnerischer Seite waren verschiedene Herren erschienen, doch als die Diskussion eintetzen sollte.