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Jüdische Rundschau · 1913-06-27 · Heft 26 (27.6.1913) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 268 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 26 D.is Hauptinteresse konzentrierte sicli auf den in dem erwähnten Artikel von Herrn Loeb dem (icinciiule- Vorstand gemachten Vorwurf, daß er hewuliunuaßen den Religionsunterricht radikalisiere und religiös konservativ gesinnte Lehrer aus Amt und Würden dränge. An diesem Punkt lintte die Widerklage eingesetzt. Obgleich nun Herr Professor Kalischer, der dem Vorstände nicht angehbrt, juristisch wohl kaum herechtigt war, auf diese Bemerkung seine Widerklage zu stutzen, erklärte der Klager sich bereit, den licweis der Wahrheit für diese Behauptung anmtreten. Von den geladenen /'engen wurden eine Reihe vernommen. Als erster I lerr Scmmardirektor a. U. Holzmann, früherer Leiterder Lehrerbildungsanstalt der Gemeinde, der erklärte, dali ihm von einer llenacltteiligung konservativ gesinnter Lehrer nielits Itekaiiut sei. Rabbiner I)r. Wilhelm Lew•y bekundete, daß orthodoxe Lehrer mir selten oder •weit später als liberale angestellt werden, Auf ausdrück liehe s Jlc* fragen seitens des Klägers gibt er zu, dall man ihn vor seiner Anstellung imjiiisitoriseh über seine religiöse Gesinnung vernommen habe. Her nächste Zeuge, Bibliothekar l)r. Piek, bekundete aus seiner eigenen Erfahrung, dall in verschiedenen I allen Lehrer, die auf streng konservativem Boden stellen, entlassen worden seien, ohne dall dafür eine Begründung in ihrer Person oder in ihren Kenntnissen gegeben gewesen sei. Audi hätten diese entlassenen Lehrer sofort anderweitig Stellung gefunden, man sei dort mit ihnen durchaus zufrieden. Zu einem lebhaften Zusammenstoile kam es, als der nächste Zeuge, Herr Geheimer Regierungsrnt Professor l)r. Barth vernommen wurde. Auch dieser bekundet, dali ihm eine Reihe von Fällen bekannt sei, bei denen lediglich aus der orthodoxen Anschauung der betreffenden Lehrer heraus, die Austeilung verweigert bzw. die Enlassung verfügt worden sei. Herr Profcssor K a I i s c h e r, der in erregter Weise den Zeugen öfters unterbricht, sucht dessen Aussage durch die Bemerkung hcrab/.usetzeu, dall Herr üclwimral Barth einer ״separatistischen“ Gemeinde ungehöre. Herr Geheimrat Harth verwahrt sielt gegen diesen Ausdruck energisch, indem er darauf hinweist, dall diese Gemeinde — Adath Jisroel — eilte Syltagogengemeinde im Sinne des Gesetzes sei, die von der Regierung ebenso anerkannt werde, wie die andere Berliner Gemeinde. Die Vernehmung vier weitcren geladenen Zeugen und Sachverständigen wird ausgesetzt, da der Vorsitzende einen Vergleich anstrebt. Beide Parteien erklären, dali sie im Pttnz.ip zu einem Vergleich bereit seien. Der Kläger fuhrt noch an, dali erst vor zwei Tagen ein Vergleichsversuch von dritter Seite gemacht wurde, der aber gescheitert sei, weil der Beklagte, Herr Professor Kalischcr, sich weigerte, die von ihm gebrauchten Ausdrücke zurückzimchimn. Nach längerer Vorhandlung kommt nun folgender Vergleich zustande: Herr Professor Kalischer verpflichtet sielt in der nachsteil Sitzung der Repräseiilaiitenvcrsamnihmg zu sagen, dali er niemals die Absicht gebäht habe, den Kläger zu beleidigen, dall er bedauert, wenn sich Kluge•! verletzt gefühlt hahe, und dali er unter Wahrung des suchliehen Standpunktes seine als beleidigend empfundenen Ausdrücke ztirücknchme. Eine ähnliche Erklärung gibt der Privatkläger bezüglich des im ״Hamburger Familienblat!“ erschienenen Artikels ab, der den Gegenstand der Widerklage bildete. Hiermit ist dieser Prozeß beendigt, der lediglich dadurch hervorgerufen wurde, daß Herr Professor Kalischer als Wortführer der liberalen Majorität der Repräsciitnntcnvcisamiulung, die Grenzen überschritt, die auch bei den schärfsten sachlichen Gegensätzen inncgchaltci! werden müssen. Der Kampf, den die Minorität der Gesetzestreuen innerhalb der Gemeinde für eine Ile rücksichtigung ihres Standpunktes seitens der Gemeinde- Verwaltung führt, wird natürlich hierdurch nicht bcendigt ■werden, im Gegenteil: es kann die Bel euchlung, die das Vorgehen der Tafmud-Thora-Kommission wie des Vorstandes durch die Zeugenaussagen der heutigen Verhandlung empfing, einer gerechteren Wiirdigung der Ansprüche nur förderlich sein. UeReiNS-RUNDSCHAU Berlin. Die Bezirksgruppen des Neuen Jfidisehen Gcmeindevercins veranstalten am Montag, den 30. Juni d. J., ihr Soititticrfcst im Berliner Prater, Kastanien-Allee 5—6. Das vollständige Programm des Praters wird zur Vorführung gelangen. Der Eintritt ist wie immer bei den Veranstaltungen des Vereins sehr niedrig gehalten und beträgt 50 und 40 Pf. Eine größere Anzahl von Mitgliedern hat sich in den Dienst des Vorverkaufs gestellt. U. a. der Schriftführer A. Graupe, Aliensteiner Str. 7, und der Rendant des Vereins, Grünfeld. Lippcltner Straße 13. Berlin. Der Verein zionistischer Studenten aus Rußland ״Hatchijah“ veranstaltet am Sonnabend, den 28. Juni, irn Tsergartcnhof (Bahnh. Tiergarten) eine allgemeine Studentenvcrsammlung über das Thema: ״Die Gründung einer j Cid i - sehen Universität in Palästina,“ Referent: Dr. Heinrich löwe; auch sind andere Redner als Korreferenten vorgemerkt, Freie Aussprache. Um zahlreiches Erscheinen wild gebeten. Beginn: 9 Uhr. Berlin. Am Mittwoch, den 2. Juli, spricht im Herzl-Club, Berlin, Cal 6 Tiergartenhof (am Balinh. Tiergarten), abends 0 Uhr, Herr Heinrich Margitlies über ״Der wirtschaftliche Niedergang der dcut* scheu Juden‘'. Korreferent; Handelsredaktcur Hans Goslar, Berlin. Junge Leute sind als Gäste willkommen. Berlin. Herren und Damen, die hei den Feriennusflügen der JUdlschnationalen Frmienvereiiiigung mitiirheiten wollen, werden höfliehst gebeten, sieh im Zentrallmrcau, Sächsische Straße 8, zu melden. Berlin. Sonnabend, den 5. Juli, findet in den Georg-Sälen, Johaun-Georgstr, 10, ein Jüdischer Studcntcn-Abcnd mit anschließendem Tanz statt, veranstaltet vom Verein zionistischer Studeuten ans Ru III and ,,I I a t c 11 i j a 11“. Das reiche Programm enthält unter anderen: Jüdische Volkslieder, Violincn-Vortriige, lebende Bilder tisw. Ilillets ä I, 2, 3 M. sind zu haben: Buchhandlung (jon/er, Oranienburger Str. 26, Verein Jüdischer Studeuten aus Rußland, Friedrichstr. 120 1, und bei der Abendkasse. ucrim. 1/1c vleiieiaiversaiumuiiig ucr juuiscilnationalen Frauen Vereinigung fand am Donnerstag, den 15. Mai. im Logenltciin, Friedrichstr., statt. Frau Lina W a g n e r- T a 11 b c r erstattete den Jahresbericht und konstatierte, daß auch im vergangenen Jahre viel getan wurde, die zionistische Idee zu verbreite״. Ganz besonders wurde in der Jugender/ielnmg viel geleistet. Der hebräische Kindcrkltib war regelmäßig von ea. 31) Kindern besucht. Der Unterricht, von einer palästinensischen Kindergiirtnenn, Frl. Klef!, erteilt, war leicht faßlich und beleitete den Kindern viel Vergnügen. Der Unterricht findet in den Schulriiiunen der Talmud Thora Rncset Jisroel, Dragoner Str. 15, statt. Ein ähnlicher Kinderklttb soll im Westen Berlins eröffnet werden. Aus der Fülle der Versammlungen, Vorträge und gesdligett Veranstaltungen btaebte uns der Live o’clock tea im Boarding-Palast, das Kinilcr-Purimfest und die Versammlung im Ikiidervercütshaus, in der Frl. Dr. Kate Friede manu sprach, die meisten Freunde. In der Diskussion beklagte es Frau Johanna H aase, daß der Beitrag von <J M. zu hoch sei und dali die Frauenvereinigung deswegen nie die großen Massen der Frauen heranzielicn kann. Letzteres mag vielleicht wahr sein, doch da in dem Beitrag Sehekcl, L a n d c s b e it r.1־ g und Beitrag an die B e r 1. ־zionistische Vereinigung enthalten ist, ist es nicht möglich, den Jahresbeitrag zu reduzieren. Der Antrag von Frau Dr. Loewy dem Bezalel mit 10 M. jährlich beizutreten, wurde angenommen, ebenso der Antrag von Frl. Rosa S e g al 1, das Rechnungsjahr von Januar bis Dezember zu ver* legen. In den Vorstand wurde gewählt: Frau Lina Wagner-Tauber. Frau Dr. Ziegel, Frau Dr. Loewy, Fr), Else lInger, Frau Fentbach, Frl. Segall, Frau Rechtsanwalt Fcblowicz, Frati Regina Holländer und Frl. Manteuffel für den hebräischen Kinderklub. Berlin. Zionisten treffen sich jeden Mittwo ch abend im Garten des Restaurant Tiergarten* Itof (am Bahnhof Tiergarten). Mitglieder der Jüdischnationalen Frauenvereinigung sind anwesend. Berlin. Das Gartenfest der Jüdisch-nationalen Frauenvereinigung, das am Sonntag, den 15. Juni, irn Berliner LngcuUaus stattfand, war als ein nach jeder Richtung hin gelungenes Fest zu bezeichnen. In ihrer Begrüßungsrede brachte die Vorsitzende Frau Lina W a g 11 c r Tn u b c r anläßlich des Rcgierungsjiibiläums ein Hoch auf S, M. Kaiser Wilhelm II. aus; und wies darauf hin, daß wir Zionisten für den dcut• sehen Kaiser, der der zionistischen Bewegung wieder• holt sein Interesse bewiesen hat, ganz besondere Liebe und Vereitrung empfinden. — Aus dem Program 11t sei hcrvorgeliobcn, die kinematographischen Vorführungen mit einem einleitenden Vortrag van Dr. Heinrich Lncwc und eine Tanzaufführung von Geschwister Nissel, Neben der SmtzenaussteUuwg des Kuiturverbatules und der Bezalelaussteliimg war eine Ausstellung von Handarbeiten der Schüler und Schülerinnen der hebräischen Kinderklubs. UnaugeueluH und im höchsten Ciradc bedauerlich war cs, dali das Fest von Zionisten so schwach besucht war. Jedenfalls hatte das Fest mehr Propaganda gemacht, als es Volksversammlungen vermögen. Wiesbaden. Zionisten treffen sich jeden Mittwoch abend um 9 Uhr im Cafü Berliner Hof. Jülich. Vor gut besuchter Versammlung hielt Herr Lehrer Rothschild in der Zionistischen Ortsgruppe einen Lichtbildervortrag über Palästina, der allen Zuhörern sehr gefiel und ihr Interesse für Erez, Israel verstärkte. Line Sammlung ergab einen ansehnlichen Betrag für den Nationalfonds. Eschwoilcr. Am 22. Juni zeigte Herr Julius Kaufmann in der Zionistischen Ortsgruppe den Bodenheimcrschen Lichtbildervortrag: ״E i n e Früh- 1 i n g s f a h r t nach Palästina", Die schönen Bilder gefielen allgemein, und die Versammlung stiftete zwei Cklbäumc auf des Vortragenden Namen. 35 TRiBuene Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion I Beim lugendtag in Frankfurt hat Herr Dr. Apf in seiner Rede mich zitiert. Ich soll in der Berlin Versammlung, die sich mit der schandbaren Res lution des Zentralvcreins beschäftigte, als Lösur des ״Problems“ empfohlen haben: ״objektiv deutle national subjektiv jüdischnational“. — Die Staat bürger-Zeitung bringt sogar schon einen Leitartikel über diese programmatische Wendung. Natürlich habe ich solchen liahnebücheiicn Unsinn nicht gesagt und der Gewährsmann des Herrn I)r, Apfel hat mich mißverstanden. -- Ich Italic die Hcgriitsisraclitcn und Konstruktionsjudeii ironisiert und ihnen in ihrer Verlegenheit uin einen passenden Namen für ihren Verein einen litel wie ״Verein objcktiv jüdischer subjektiv deutscher jüdischer Deutsehen“ (es kann auch eine andere Permutatiou der Schlagwörter gewesen sein) empfohlen. Ich hätte nicht gedacht, daß die Assimilation so weit gehen kann, dali das Verständnis für einen Witz schwindet. Mit Zionsgruft Ihr erg. Gronemann. Schluß de■ redaktionellen Teil■. Jüdische Gemeinde, Berlin Gottesdienst! Freitag, 27. Juni, abends: in allen Synagogen 71/2 Uhr. Sonnabend, 28. Juni (Neumondsweihe), vorm.: in der Alten Synagoge 8',.־ Uhr, in der Kaiserstr.־ und Rjkcstr.-Synagogc 9 Uhr, in den anderen Synagogen 71/2 (J|!r Hauptgott esdienst H) Uhr. Predigt: Alte Synagoge: Dr. Finkei, Synagoge Kaiserstr alle: Rabbiner Gans. Synagoge R y k e s t r a li e: Rabbiner Dr. Stier. Neue Synagoge: Rabbiner Dr. Weiße. Sy nagoge Linde nstra II c: Rabbiner Dr. Bergmann (Schrifterklärung). Synagoge LüUotvStraße: Rabbiner Dr. Blumcnthal. Synagoge F a s a 11 e!1 s t r a ß e: Rabbiner Dr. Baeck (Schrifterklärung). Jugendgottesdicnst: Neue Synagoge, ü r a 11 i e n b u r g c r S t r a ß 1•, nachm. 4 Uhr: Rabbiner Dr. Warschauer. A b e n d g o 11 e s d i e 11 s t: 9 Uhr 31 Min. (Minclta (2 Stunde vorher, in der Alten Synagoge, 4 Ulir). Gottesdienst an den Wochentagen: mor- (je 11s: in der Alten, Kaiserstr.- und Rykcstr.- Synagoge 6'/a Uhr, in den anderen Synagogen 7'Uhr; abends: in allen Synagogen 7 Uhr. Sitzung der R e p ז ä s e 1t t a n t e n - V c r s a 11t nt - lung, Sonntag, 29. Juni, vorm. 10 Uhr, im Sitzungssaal, Oranienburger Str. 30 11. \כוי Jüdischer Nationalfonds Zentrale für Deutschland Gtldiendunfen lind umchlie*»lich <u richten •n Herrn M<1 Wolle!einer CbarloHenbury, Ro*rirr-Str«6« i. Mit dieser Nummer schließt das erste Halftjaltr 1013. Die deutsche S.nnrnclstcllc des Jüdischen Nationalfonds hat in diesem /'.ciiiauin ca, 5tHHK> M. an Spenden iur den J. N.-F, zum Ausweis bringen können. I )icscs Ergebnis bedeutet eine erhebliche Steigerung gegen das Vorjahr, wo wir in den ersten 26 Nummern der ״jüdischen Rundschau“ 28 760,51t Mark ausgewiesen haben. Ls ist zu hoffen, dall wir in diesem Jahre die Summe von 1ÜD000 M. erreichen, wenn nicht ühertreifen, falls unsere Gcsiunungsgenossen, die uns bisher so eifrig durch persönficlte Opferfreudigkeit und Sammclarhcit unterstützt haben, auch für den Rest des Jahres ihre Kraft in gieichcm~Malle""in den Dienst.unserer Sache stellen und neue Freunde zur Mitarbeit zu gewinnen suchen. Jüdischer Nationalfonds, Zentrale für Deutschland. Das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds in Köln hat uns eine Anzahl g r ö ß c r e r N n t i o n a 1• f o n d s - B ü c h s e n zur Verfügung gestellt. Diese sollen in Hotels, Sanatorien, bei Versammlungen um. Verwendung finden. Wir bitten alle hierbei interessier• ten Gesinnungsgenossen Bestellungen an uns zu richten. Dr. Wilhelm Brünn u. Frau gcb. Marx, Jerusalem, danken für Glückwünsche .... 20,— Svivain Haas, F. D., Benno Weil Rechtsanwalt Lang, Andre Rueff, J. Mock, H. Bloch, Straßburg, grat, Emile Cahen zur Verlobung, je —,50.3,50 Fam, Wagenheim, Berlin, grat. z. Hochzeit Marcusc-Roienthal.•־־׳

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