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Jüdische Rundschau · 1913-06-27 · Heft 26 (27.6.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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r I Abonnements •uf di« wöchentlich am Freit«» er- »üieinendt »,jüdisch© Uund*ulu\u‘‘ koalm bei der Kxprdition und bm allen IVratiirniern vierteljährlich l.fft M-, außerhalb Deutschland« und Q<r»Ur• reidfUüfarn» 2,— M.j für MiMteder jüditflher Vereine in Semmclbeiug durch den V«*rein 1,— M. Vwl*g JüdUcht Ro!ui14*a C. G. m. b. H. BERLIN V. 15! SXchsladi« 5traßo 8. Telephon t Amt Uhlerul (H5, Cr»rJ1..fls1»1׳״!bn1 9 * 1 und 4—7 Uhr» S aufler dotmabend und Sonntag, I J I I j:״'3 fנ U v V Numiiier 20 C' ' ־-«•«וויי ץ־׳"*־־' /Lt»!. ך"־*? \ '׳^ r "־r ד"־׳ ך":; \יי .1<•״ ״ ־* ״־ ץ, / ■ } $ 'י‘ t f / . 1 -יי. j u * K -. 4$ ׳׳״ '!י■ י י , ך ף ..‘׳ן ף! * 1 1 t ן Üü.r! 1 i v ׳ ־ , j Berlin, tlcü Zi* Jr;i1 11 ||1״fV'lt7 י'/*. \■'i; t litt Mk/iWtHli } ״ '1, K J ך־ץ | t i" fl *eil• oder deren Raum 4Ö Pf.ן Stell••- ■ Ang-cboto und *Ge»u»h• *owi# Verein*■ J MhlUüungeo und .,Kleina Aoteigea” IQO our 30 Pfeanif, Q Q § Manuakrljite werden, wenn Porto b*Ui»f4« | •tata lurudf jeaendt Ke*i*Vtiooaaobluftl j Mittwoch vormittag». ן Radaktlon Jßdlrdia RtaadUdba■ i BERLIN W. IS, SXcbalacLa Straft• ft.! Talephoai Amt UUland B4S. I“ 1 * ' ‘ ‘ XVIII. Jiilirpng Ausweis Schekel! Köln a. RI». 06,—, Lüneburg 1, , <;1״'s1n 10,-־, I)eutsch-Eylau 7, , Zirke (Posen) 1, linilni 160,— , EytUkuhnen 'JO,—, üds i. Schl. 7,—, I:(,nri 10,—, Wrescheii 16,—. Zabern 15,—, Landsbn!» o. S. 1,-, ״Hcbronia“, Berlin 5,—, Gießen 1, , (;;rbucli 1,--, Berlin 15,- und 1 — M. für 1012. Landesarganisationsbciträge: 1. Ortsgruppen: Lüneburg 3,—, Berliner Ziu• nisliscltc Vereinigung 6,—, Dcutscli-Eylau 15,—, Bres• 1.111 50,—, Erfurt 15,—, Oels i. Schl. 7,—, ״Hcbro•!11.1׳', Berlin 5, , Breslau (Hiit/elbeitrng) 2, , Mann- Ihm13,50 ״, Berlin 12,— M. 2, Einzelpersonen: Zahnarzt Ernst Baschuii/, Bromberg 25, , Zahnarzt L. Baschwitz, Bromberg 5,■־־, Elisa Pionski, Zirke (Posen) 5, -, Arthur Armltlieiin, Erfurt 5,—, Betty Saft, Lamlsbcrg Oh.-Sclil. 6,—, Joseph L, OpiKiiltcimer, Frankfurt an! Main 10,—, Isidor Stern, □!eilen 8, —, Sally Marklmff, Corbnch (!. Rate) 7,50, f)r. Wintritz, Deutsch- Eylau 6,— M. Eingang vom 19. bis 25, Juni 1913! Schekel: 355,— M. und 1,— M. Schekel f. 1012, Landesorganisationsbeitriige: 206,— M. Gesamteingang: Schekel: 3703, 25 M״ Landesorganisationsbeitrage: 8200,87 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H, Hcymenn & Co., Berlin W 56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Bericht igung. In Nr. 21 sind irrtümlich 11,— M. Schekel aus Nürnberg (Verein Hasamir) ausgewiesen. Dieser Betrag sollte nach Mitteilung des Vertrauensmannes für den N.-F. bestimmt sein, Die Addition ist dementsprechend abgeändert worden. Zionismus und Antisemitismus Von Dr. Ernst Ha!11 burgcr. fl*׳״ “ «׳• '״-!adlet:.a Vor: Pel4kiLI11a.a ־־•v'•׳«י־׳־־- ■«*״' mm mtw «■m 1 k 1uJtHWn.B»■ 1 ־'״.»!:•! e׳rsJr&*j| fHr da* c'10 £7:ן;גנ1ו1’1מ c.’ncr t.׳i*ent* ״c:;2c!:ostcn Kciiastlltio In!2—BCÜor Progroraos• ״ . י mmmm sie auch noch so obcrflächlicii durch Tatsachen ge*' stützt wird, eines gewissen Eindrucks stets sicher zu sein pflegt. Allerdings können die Bekärripfcr des Zionismus sich nicht rühmen, diese Methode crf 11 nde 11 zu haben; im Gegenteil kehrt dieses taktische Mätzchen mit fast ermüdender Eintönigkeit im politischen Kumpfe wieder — auch ein Beweis für seine einfach agitatorische Wirksamkeit. Als Lassalle die Taktik der Fort* sehnttspartei im Vcrfassimgskonfliktc angriff, da entstand eine allgemeine Entrüstung bei den Fortschrittlcrn über den ,,Helfershelfer der Reaktion“; auch in dem Lassalle feindlichen marxistischen Lager war man vielfach überzeugt, daß er zeit* wellig nur nach der passenden Gelegenheit suche, um zu Bismarek überzugehen, eine Ansicht, die agitatorisch weidlich ausgenutzt wurde, und die noch heute so starken Anhang hat, daß ihr kürzlieh ein so kompetenter •Beurteiler wie Eduard Bernstein in den sozialistischen Monatsheften eine eingehende Widerlegung zuteil werden ließ. In unseren Tagen, in denen im deutschen politischen Leben der I iauplknmpf des entschiedenen Liberalismus der Reaktion gilt, pflegt wiederum die fortschrittliche Volkspartei bei der Abwehr nach links ständig mit dem Gedanken zu arbeiten, daß die Sozialdemokratie die Helfershelferin der Reaktion sei. Man braucht nur die liberalen Flugblätter der letzten Reichstagswahlcn zur Hand zu nehmen oder die Zeitungen zu lesen, die auf dem Boden der Parteitaktik stehen, wie die Freisinnige und Vossische Zeitung, um sich zu überzeugen, für wieviel wirksamer man äugenblicklich diese Methode der Bekämpfung der Sozialdemokratie hält als die Widerlegung des Zukunftssiaates. Daß der Zionismus ein indirekter Bundesgenösse des Antisemitismus sei, ist ein Satz, der überaus häufig — besonders in den letzten Monaten — für die Bekämpfung der zionistischen Bewegung verwertet worden ist. Wir müssen daher annehmen, daß dieser fortwährend wieder-!sollen und unermüdlich in neuen Variationen aufgetischten Behauptung eine große a g i - lato rische Kraft inncwoluit; denn im politischen Tagcskampf pflegen die Waffen weniger mit Rücksicht auf die unbedingte innere Zuverlässigkeit der behaupteten Tatsachen, als vielmehr auf die Zugkraft gewählt zu werden, die sic in Rede und Schrift auf den Hörer oder Leser ausüben. An den durchschnittlich geistig interessierten Juden unserer Tage treten so viele Probleme heran, daß er gar nicht die Möglichkeit hat, sich in den Kern der meisten Fragen hineinzuarbeiten; um so fester haftet in ihm eine stets wiederholte These, die ihm auf den ersten Blick einleuchtend erschien und zu deren Re- Vision oder gar Korrektur er sich aus dem oben angeführten Grunde nicht veranlaßt sah. Aus dieser Ursache ist die fortwährende Auf- Wärmung der Behauptung von der Verwandtschalt zwischen Antisemitismus und Zionismus *u erklären. Daß ein Teil des Judentums dem schlimmsten Feind, den es hat, in die Hände arbeitet, zum Verräter wird, das wiederholen die Gegner fort und fort, eine Kampfesart, die, wenn Das ist die c i n e Sei te des Problems; ganz abgesehen von der Richtigkeit oder Falschheit seiner Behauptungen, arbeitet der antizionistische Agitator mit der effektvoll blendenden Theorie, daß die schlimmsten Feinde des Judentums von uns unterstützt würden. Man lese sich nur einmal in der Broschüre ״Zionistische Taktik“, die das anti/.ionistlsche Komitee verbreiten läßt, die darauf bezüglichen Stellen durch. Ich gestehe, daß ich kaum jemals eine so pedantische, jeglichen mitreißenden Schwunges entbehrende Flugschrift gelesen habe. Aber wenn der Verfasser spricht von der ״unleugbaren, gefährlichen Gemeinsamkeit der zionistischen Lehren mit depen der Antisemiten, die auf ganz der gleichen Theorie gewachsen sind“, von ״dieser u n hei!11 liehen Nachbarschaf t“, da sieht man förmlich, wie der Anonymus mit drohend erhobenem Zeigefinger und gewaltigem Pathos hier einsetzt, um vor den.Zionisten graulieh zu machen. Es ist eine alte und oft bestätigte Erfahrung, daß die Extreme sich berühren. Ebenso wie vor kurzem ein hochkonservatives Mitglied des Herrenhauses zu.dimmcnd die Atußcrung eines sozialdemokratischen Abgeordneten — gegen eine liberale Anschauung polemisierend — anführte, ebenso natürlich ist cs, daß unsere nationale Auffassung vom Judentum bei den konservativ gerichteten Parteien auf ein Verständnis stößt, das den Liberalen völlig fehlt. Der jüdische und deutsche Liberalismus hat sieh in seiner Bekümpfung des Antisemitismus so völlig darauf festgelegt, daß das Judentum eine Konfession und nur eine Konfession sei, er holt alle seine Gründe und Theorien gegen den Antisemitismus so ganz und gar aus dieser ihm fast heiligen Idee, daß er entsprechend seinem starren Doktrinarismus davon nicht mehr loskommt. Da wagen nun die Liberalen — tolerant wie sie sind! — von uns zu verlangen, daß wir unsere Ucbcrzeugung vom Judentum als einer Nation aufgeben sollen, damit sie einen von vornherein verlorenen, weil auf wankendem Grunde, für ein’ Hirngespinst aufgeführten Kampf behaglich weiter ausfechten können; sie wagen zu behaupten, wir fallen ihnen in den Rücken, weil wir die Ansichten, zu denen uns unser Denken geführt hat, nicht verleugnen wollen zugunsten von liberalen Tiraden. Und so wenig Achtung bezeigt ein anonymer Broschürenschreiber dem Gegner, der sich seine Ansicht gebildet hat, ohne die Parteibrille zu benutzen, daß er unsere ehrliche Meinung mit den Worten abzutun glaubt: ״Die Zionisten haben merkwürdigerweise nicht den Stolz, die Grundlage des Antisemitismus zu erschüttern, ihr so materialistisch orientierter Nationalstolz ist eine ständige Kapitulation vor dem Geist der Judenfeinde.“ Unserer Ansicht nach ist das Judentum imstände, auf nationaler Grundlage den Kampf gegen den Antisemitismus erlieblich erfolgreicher zu führen als bisher. Die liberalen Juden bemühen sich nun glücklich seit 30 Jahren, die ״Grundlagen des Antisemitismus zu erschüttern“; sie laufen Sturm gegen alles, was in den Juden mehr sieht als eine bloß konfessionell geeinte Masse, und was haben sie erreicht? Daß heutzutage der Herr Abgeordnete Waidstein sich als deutscher Jude im deutschen Reichstag hinstellen und erklären darf, Dr. Werner-Gießen würde mit seinen Reden^las bißchen Rest von Antisemitismus, das in Deutschland noch bestände, vollends totschlagen. In einer Zeit, in der die Parteien der Antisemiten deshalb nicht mehr lebensfähig sind, weil das antisemitische Gift alle anderen Parteien mehr oder weniger infi ziert hat, redet Herr Waldstcin von dem bißchen Rest von Antisemitismus, erklärt der Sozialdemokrat Herr Schöpflin, es gäbe ja keine antisemitische Bewegung mehr. ״Du ahnst es nicht!“ sagt die ״Tägliche Rundschau“, die ich zitiere auf die Gefahr hin, zum Antisemitenfreund erklärt zu werden. Das ist eben die Vogelstrauß- Politik, das Versteckspielen, das wir unerbittlich bekämpfen: die liberalen Juden beurteilen die Stärke des Antisemitismus nach der Zahl der Versammlungen, Reden und Flugblätter, die gegen die Juden gehalten werden; sie merken nicht die veränderte Methode, und wenn sie auf v. Graefe und Werner, die tölpelhaften Wortführer des Radauantisemitismus losschlagen, dann glauben sic, den Antisemitismus da zu treffen, wo er gefährlich ist, während sie doch nur den Vertretern seiner alten, überlebten Takt i k eine wohlverdiente Lektion erteilen. Was wollten unsere Liberalen machen, wenn sie nicht mehr mit der Dummheit der Regierung zu rechnen brauchten? Nehmen wir einmal an, sie bekämen ihre Konzession-Cohns als Reserve- Offiziere, sie bekämen einen zweiten jüdischen

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