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Jüdische Rundschau · 1913-06-20 · Heft 25 (20.6.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Telephon 1 Amt Uhlend 845, Sprechstunden Dienstsr und DonnertUg 5-4 tlhf oncomitUfs. \*״^ ףן ך־/ «י' ) VJ Nummer 25 ך־־י^ ךן ךץ י c J .) i ^־־־־״׳^ PI * '0 ע S ' »J LJ gW" 1lai'—agi■ W» mm 15. Ssiwan 5673 XVIII. Jahrgang Ausweis Schekel: Gollub 12,—, Cleve .4,-, Hannover 50,-, Hochfclden 15, , Sulz u. Wald 1, Fulda 2, , Uriescn 1, W, 6,—, Bamberg 7,- Konstanz 41, , Dessau 38,—, Bruinath 11,— PeiskreLscham 2, , Eschw-eiler 30, -, Dresden 50,—, Erlangen 7,—. Darmstadt 32, , Braunschweig 3,—, Posen 150,—, Mut/ig i.E, 9, Straßburg i. E. 4,—, Berlin 6, M. Landesorganisationsbeiträge: 1. Ortsgruppen: Cleve 4,—, Straßburg 4,-, Braunschweig 3,—, Erlangen 0,—, Dessau 35,—, Ber* lin 8,—, Hannover 50,—, Bamberg 15,—, Sulz 2,50 M, 2. Einzelpersonen: Julius Strauß, Bamberg 5,—, Notar Jakob Schachtel, Berlin (18,80, Rechtsauwalt Wilczck, Krefeld 5,—, J. L. (ioitein, Frankhirt a. M. 5,—, Dr. Frankel, Chemnitz 30,—, Heimann ßoclmcr, Schönlanke 10,—, Apotheker Cassel, Penzig b. Görlitz (für Juni) 5,—, Dr, Franz Landsbeiger, Breslau 10,— M. 3. Verschiedene Spenden: Hamburg (in Nr. 24 spezifiziert) 10,—, Dt.-Eylau 7,25 M, Eingang vom 5. bis 18. Juni 1913: Seit ekel: 483,— M., Landesorganisationsbeiträge: 280,55 M. Gesamteingang: Schekel: 3350,25 M., La 11• desorganisationsbeitriige: 808-1,87 M. Beiin Zentralburcau ging direkt 1, M. Schekel aus Berlin ein. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W55, Flintcr der Katholischen Kirche 1. Nachlese Die Herren vom ״Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ tuen sehr verwundert, weil sich die Teilung in weiße und schwarze Schäflein innerhalb des Zionismus, wie sie ihre Resolution vom 30. März fordert, nicht mit der erwünschten Selbstverständlichkeit und Ruhe vollzieht. Man versucht, cs noch weiterhin so dar* zustellen, als sei von einem Angriff auf den Zionismus gar keine Rede und als sei die Ent* rüstung der zionistischen Allgemeinheit und der Austritt aus dem Verein lediglich ein rein agitatorisches Manöver, dem jede innere Berechtigung abgeht. Herr Dr. Ludwig Holländer selbst unternimmt es, in einer Reihe von ״Glossen zur Zionistenresolution“ in der Zeitschrift ״Im deutschert Reich" diese Ansicht iin Kreise seiner Mitglieder zu verbreiten, und wir ergreifen gerne die Gelegenheit, die Unmenge falscher Dar- Stellungen, die uns immer wieder begegnen und hier einmal übersichtlich zusammengestellt sind, richtig zu stellen, wenngleich unsere Hoffnung nun gering ist, daß diese Argumente nunmehr aus der Diskussion verschwinden werden. Gleich die erste Glosse des Herrn Dr. Holländer mutet dem Leser ein ganz gehöriges Stückchen Naivität zu. Sie dreht sich um die für den Zentralverein gewiß wichtige, uns aber im allgemeinen höchst gleichgültige Frage, welche Bedeutung in diesem oder jenem Falle dem Beifall der Antisemiten beizulegen sei. Die ״Staatsbürgerzeitung“ hatte nämlich an der Resolution vom 30. März Gefallen gefunden und schmunzelnd konstatiert, ״daß der Zentralverein international denkende Juden kenne, die ein deutsches National- Befühl leugnen, die ihre Betätigung als Deutsche nur in der Erfüllung ihrer Staatsbürger* liehen Pflichten sehen, und von denen im Gegen- Mb hierzu Betätigung deutscher Ge* ״Per Zionismus erstrebt für da■ Jüdische Volk die Schaffung einer fiffeat* ilcli-rcchtüch gesicherten Heinutütto In Palüstlna.*4 Baader Programm• sinnung im bürgerlichen Leben“ verlangt werde. Mit gutem Recht wird dazu bemerkt, daß sei ״antisemitisch im wahren Sinne des Wortes“. Wenn Herr Dr. Holländer in den zweieinhalb Monaten, die seit jener Hauptversammhing verflossen sind, noch immer nicht eingesehen hat, inwiefern er und seine Freunde sich zu Gesinnungsgenossen der Antisemiten degradiert haben, so sei ihm gesagt, daß antisemitische Gesinnung getragen ist vom Geiste der Unduldsamkeit und Angeberei. Daß es ein Unterschied ist, ob wir die historisch erkannte und gefühlsmäßig erfaßte Tatsache unseres jüdisehen Volkstums bekennen oder ob andere, die diese Tatsache leugnen, unter Betonung ihrer deutschnationalen Gesinnung sich von uns trennen zu müssen vorgeben. W i r hegen gegenüber dem deutschen Volkstum, der deutschen Kultur und dem deutschen Vaterlande alle jene Gefühle der Treue, Anhangliüikeil und Zuneigung, denen unser jüdischnationales Bekenntnis keineswegs zuwidcrläuft, der Zcntralverein aber, der die Tatsache des jüdisehen Volkes leugnet und uns dennoch die Betätigung deutscher Gesinnung abspricht, erhebt damit den Vorwurf antideutscher Gesinnung und mangelnder Vaterlandsliebe, ״den die Anti* semiten von jeher gegen das Judentum erhoben haben“. Denn wenn ich eine Gesinnung, die mi; nach meiner historisch gedingten Anlage eigen sein müßte, nicht hege, 8 0 stelle ich mich bewußt in einen Gegensatz zu eben dieser Gesinnung. Der Beifall der Antisemiten bleibt demnach als schwerer Vorwurf auf den? Zcntralverein sitzen, und die ״Welt“ war sehr wohl im Recht, als sie diese kompromittierende Gemeinsamkeit der Argumente festnagelte. Nun glaubt Herr Dr. Holländer, diesen Vorwurf zu entkräften, indem er feststellt, daß auch die Voraussetzung, von der wir bei der Verfechtung unseres nationalen Programms ausgehen, von den Antisemiten anerkannt wird, und triumphierend ruft er aus: ״Wer vom Anti* semiten ißt, stirbt daran I" Ernste Leser der Zentralvereinsschrift sollten sich doch nun endlich solche Kunststückchen verbitten! Denn man braucht nicht gerade ein Kolleg über Logik gehört?u haben, um zu wissen, daß eine gleiche Voraussetzung zu ganz gegensätzlichen Folgerungen führen kann und dann als wirkliche Gemeinsamkeit nicht ange* sprechen werden darf. Während der Haß der Antisemiten die Vernichtung des Judentums fordert, wollen wir unser Volk, das wir lieben, erhalten und ihm eine bessere Zukunft schaffen. Die ״Staatsbürgerzeitung" hat demnach zweimal ihre Zustimmung kundgegeben: Beim Zen* tralverein fand sie verwandte Gedankengänge in der Argumentation, mit dem Zionismus aber hat sie die erste primitivste Grundlage seiner nationalen Beweisführung gemein. Dort muß ihr Beifall von einem jüdischen Verein als schwerer Schimpf empfunden werden, hier läßt er uns kühl, weil wir wissen, daß es eine wirkliche Gemeinsamkeit zwischen Zionismus und Antisemitismus nicht gibt, niemals geben kann noch geben wird. Dem Zentralverein mißfällt nun weiterhin die Art der Abwehr, die wir seinen Angriffen gegenüber für gut halten. Sein Zorn richtet sich besonders gegen Herrn Blumen* feld, der das Auftreten des Herrn Prof. Fal* k e n h e i m im jüdischen Leben mehrfach zum Gegenstand seiner Kritik gemacht hat. Herr Prof. Falkenheim, der Hauptreferent der Zentralvereinstagung gegen den Zionismus, hat sich in einem längeren Schreiben an die ״Zionistisclie Vereinigung für Deutschland“ gewandt und versucht, einige der Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, zu entkräften. Dieser Brief wird nun in der Vereinsschrift in extenso wiedergegeben, und die Ocffcntlichkeit hat daher ein Recht zu erfahren, in welcher Weise sich Herr Blumenfeld zu den einzelnen Punkten geäußert hat. Wir lassen das betreffende Schreiben im Wortlaut folgen: ״Ich habe niemals behauptet, daß Herr Professor Falkenheim die Kandidatur Lichtenstein zu Fall gebracht oder sich in diesem Sinne bemüht habe. Ich habe den Fall Lichtenstein auch in Berlin aussehlicßlieh in Zusammenhang mit der Sombart-Affäre als charakteristischen Beweis lür die Wahrheit jenes Aus- Spruches Sombarts, gegen den sich der Vorwurf des Antisemitismus am stärksten richtet, hingcsteltt: ,Man־ wird den Juden die volle Gleichberechtigung geben. Die Juden werden jedoch den Takt haben, von dieser Gleichberechtigung keinen vollen Gebrauch zu machen.‘ Es ist dies der einzige Punkt, der einer tatsächliehen Klarstellung bedarf. Die übrigen Ausführungen Professor Falkenncims, in denen er darzulcgcn ver* sucht, daß ich ihn zu Unrecht persönlich angreife und in denen er persönliche Verunglimpfungen er* blickt, sind derart, daß er sämtliche von mir aufgestellte Behauptungen in Ihren tatsächlichen Unter* agen als richtig zugibt, dal) aber naturgemäß sein jüdisches Empfinden ihn zu anderen Urteilen führt als mich. fc Mir genügt cs, daß Professor Falkenhelm zugibt, ,wir seien in einer ganzen Reihe von Gegenden ge* zwungen, unter Umständen auch Täuflinge als Mit* arbeiter gutzuheißen׳, um die von mir in der ,Jüdischcn Rundschau' 1913, in Nr. 15 in der Versammlung vom 8. April gemachten Aeußcrungcn als sachlieh berechtigt vollinhaltlich aufrcchtzucrnaltcn. Der Bericht des Professors Falkenheim über die ,Kaiserhocli-Affäre' war falsch — so falsch, daß der Vorstand der Königsberger Ortsgruppe des Zentral- Vereins sich genötigt sah, seinen Vorsitzenden in der Zeitschrift ,Im Deutschen Reich* 1913, Nr. 4, S. 182 zu korrigieren. Daß Herr Professor Falken* heim in dieser ,Berichtigung' eine Desavouierung nicht erblickt, ist wiederum ausschließlich Sache seine» persönlichen Empfindens, das sich von unserem Emp* finden wesentlich unterscheidet. ich habe den Bericht von Herrn Professor Falken* heim ,gefälscht‘ genannt. Das Wort .bewußt‘ habe ich zwar nicht gebraucht, ich habe aber dem Sinne nach zweifellos gemeint, aal) der Bericht absichtlich entstellt war. Zu dieser Behauptung hat mich die Tatsache veranlaßt, daß nicht nur die Zionisten, sondern auch weite nichtzionistische Kreise Königsbergs das Verhalten der Universitätsbehörde als antisemi* tisch empfunden haben und daß ich es nidit für möglich nahen konnte, daß ein Mann, der im jüdisehen Leben Königsbergs eine Rolle spielen will, hierüber nicht unterrichtet war. Wenn Herr Professor Falkenheim erklärt, daß dieser Bericht nur objektiv falsch sei und daß ihm jede Fälschungsabsicht gefehlt habe, so nehme ich diese Erklärung zur Kenntnis und werde in Zukunft nur behaupten, daß Herr Falkenheim die Angelegenheit schon deshalb nicht .als antisemitisch anschen könne, weil in der Klinik des Herrn Professors Winter ein jüdischer Oberarzt und ein jüdischer Assistenzarzt arbeiten. Daß Herr Professor Falkenheim die deutsche Burschenschaft ,Germania‘ nicht für antisemitisch hilf, ist seine Sache. Diese Burschenschaft hat seit zwei Jahrzehnten tatsächlich keinen Juden mehr auf* genommen und wird auch in Zukunft keinen Juden

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