Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1913)
- Date
- 1913-06-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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r I I I I I I I I 1 Abonnements »ttf die wöchentlich am FreiUf er> ichrinende ,JUdiache Rundschau'* kokten bet der Eipedltion und b«i allen Poatämtern vierteljährlich 1,8) M., außerhalb Deutschland* und Ocrterreich-Ungarna 2,— M.j für Mitglixier jüdischer Vereine int Sammelbtzug durch den Verein 1,— M. Varlag Jüdlach• RtunUcha■ E, G. m, b. H. BERLIN W.15, Südi.l.che Str.fi• 8. Telephon: Amt Uhland 845. Geachäftifttundrn: 9—1 und 4—7 Uhr, auüer Sonnabend und Sonntag, ^»!—!»11■ llll. ■■יי■■■■■■■—«L H/O .V/ 1; ך־ t 1 \ v ä y LJ LJ r\ ח r L.j v_1 Anzeigen kosten für die •*dhage*patten• Petitseile oder deren Raum 45 Pf•! Stellen* Angebote und *Geiuchn sowie Vereine- Mitteilung«(} und ״Kleine Ameifea" □ □ nur 30 Pfennig. Q Q Manuskripte werden, wenn Porto beiliagt, stets suruckgestadt RedaktionaadblttAi Mittwoch vormittag». Rad Aktion Jfldlidte Rutdsdkaa BERLIN W. 25, Sächsisch« Strafe•. Taiephon t Amt Uhland 845. Sprechstunden Dienstag und Doooarttaf oachi 5—6 Uhr nachmittags. witsg 8 _I ך/ ׳ ן■•* CJ v n m r> ־־־־־־־־־-^ ך—י^ ךיןj pj j u c. J y y ף fl tJ Nummer 23 1. Ssiwan 5673 XVIII. Jahrgang y׳ las r 1 ״ Ausweis Schekel: I lalhcrst.'idt 3, , /,ihr/!׳ IS, , Oü'hi• 1111/ 31, , Ryhnik 10, , Cosel 8, , Sinnier 22, , Jnsterbnrn 12, Rees 11, , (äilear 12, - ,!)״rtmuiul :in, , Hisclnvciler i. E. 2, , Eulila '01, - , I leitlel- |)1T}׳ I, , Berlin 2, , 8111/ 2, , Win/cnlteini 7, , i T.niklurl a. M. 38, , NürnlHT;»-N1rll1 ')7, , liemlieii HM», , Rawitscli 1 '1, , Lübeck 18, mul für 1011/12 11.(chtr;i(4l, I, , l ilehne 5, \\. LandcsorganisatiansbeitrSigc: 1. Ortsgruppen: llalbcrstin.lt 23, , Z,1br/e SO, , Rees 3, , l'uliln 108, , Winzenheim i.!., 2, , I' 1 ,mkfiirt a. M. 00, , Rawitscli (1, , Berliner Zinn. Vereinigung (»,--, l'ilehne 3, M. 2. Einzelpersonen: N. N., Nürnberg, II, Rate• ), , l)r, Grüneberg, Elberfeld, II. Rate 20,—, Aebille Rull', Bischweiler, II. Rate '1, , Apotlieker Albert Bernstein (V. J. St,), Brieseu (Westpr.), 3, , l)r. Bruno Tannenwald, Hamburg, ,' I Ir. Rueek, Eichstetten, 3, , Zahnarzt Lichtwitz, (iubeii, 3,--, Paul Colin, Outtstadt (Ostpr.1, 3, , l)r. J. Mint/., Berlin, 10, , Pltilipi» Brand, Cliarloitouhurg, 3, , 1)1. Bernstein, Elberfeld, 10,-.-, 'S. V 0 r s c 11 i e d e 11 e 8 p e 1» d e n: I lambnrg (1, ־, I:\trahe1trag v, M, Mark, Heidelberg, 20, M. Einmalig vom 29. Mal bis 4. Juni 19Ut Sc 11 ekel: 100, und 4, M. für 1011/12; Land eso r* g a 11 i s a t i o 11 s b e i t r ä g e: SO I,־ M. Gesamteingang: Schekel: 2870 23 M,; Lau• d c s o r g a 11 i s a 11 o n s b c i t r ii g e; 7708,32 M. Beim Zcntralburcaii gingen direkt ein; Königsberg 230,— M. Sehekel. ׳• . * .. Ii e r i c 111 i g m n g. Die Beitrage der Insterburger Ortsgruppen-,V\itglieder sind in Nr. 18 irrtümlich mit je 0, - (statt 5,— M.) angebenen. Die Addition ist dcmeiitspreclicnd geändert worden. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße 8. Ausspreclien was ist Eine Antwort auf die Broschüre des antizionistischen Komitees Von Dr. Gustav Witkowsky. ״Die zionistische Bewegung erschüttert die politische, wirtschaftliche und soziale Stellung der Juden . . .“ ״E i 0 e n a t i 0 11 a 1 j ii d i s c 11 e B e - w e g u n g bedeutet daher für die d c u tsehen Juden eine ernste Gefahr." So sieht’s in dem Flugblatt, das das antiz.ioiiistische Komitee zusammen mit einer ״atifkläreiiden Schrift“ über den Zionismus versendet. Wer von uns hätte vor 15 Jahren diesen Erfolg unserer Arbeit vorausgesehen? Wären diese Sätze nicht so unsinnig, man könnte dem Hochmutskoller verfallen bei dem Gedanken, daß die Unterzeicliner, tüchtige Geschäftsleute, erfolgreiche Börsianer, gewiegte und viel verdienende Juristen, für ihre Millionen zu zittern beginnen. Zwar sagen sie selbst, daß man mit Heden und Agitation die Nationalität eines Volksteils nicht zu ändern vermag, daß ihnen also im Grunde unsere Arbeit gleichgültig sein könnte, ״Aber Waffen liefern die Zionisten de m A n t i s e 111 i - tismus.“ Die alte Klage! Nun wollen aber auch w i r einmal nach dem Lcitwort der Broschüre aussprechen was ist. Wir sollen also ein Opfer unseres Intellektes, unseres sittliehen Empfindens bringen, weil Antisemiten die von uns als wahr erkannte Auffassung vom Judentum in ihrem Sinne entstellen könnten. Dieses bescheidene Verlangen richtet z. B. auch ein sehr bekannter Warcnhausbesit/.er an uns. Wag dieser Mann allein im Laufe seines erfolgreichen Lebens an Waffen dem Antisemitismus “־ natürlich ungewollt — geliefert hat, wird die ,,Der Zloiifesisii» erstrebt für du« jiidladio Volk die OcknffsiBJX einer öffeat- »Ieli-rechtII-211 jjorictiertca Helmstiitto In Palllollaa.“ Baseler Programm. jüdisch-nationale Propaganda, nicht in Jahrhundirteu zuwege bringen. Wir Zionisten, die wir einer ״geisllos (I) materialistischen Geschieht«- auffassmig“ huldigen, wie es in der Broschüre so schön heißt, wir wissen sehr gut, daß es sich hier um Konsequenzen des Kapitalismus handelt, die der Jude bekanntlich in besonderem Maße zu verwerten befähigt ist. Daß aber jedem ein- /.einen von 1111s manclier Kampf, manche Feindschaft, manche Gehässigkeit erspart geblieben, den Antisemiten manches Argument entzogen wäre, wenn es keine Ausnahmetage, keine weiße Woche, keine Schlciidernrlikcl, keinen Ruin der kleinen Geschäftsleute, kurz, wenn es keine jüdi seli en Warenhäuser gäbe, wer wollte das leugnen! Ist es uns aber je eingefallen, von dem jüdischen Warenhausbesitzer zu verlangen, daß er sein Warenhaus schließt? Er hätte uns sicher und mit Recht für verrückt erklärt. Es ist darum zum mindesten unbescheiden, von jemand zu einem bestimmten Zweck ein Opfer seiner U-e b-e nz iru g 11 n g zu verlangen, wenn man zu demselben Zweck nicht einmal ein Opfer seines 0 e I d b e u t c I s zu bringen gewillt ist. Dasselbe ließe sich in noch höherem Malk• von einem anderen Unterzeichner des Flugblatts, dem Verleger des ״Berliner Tageblatt“ sagen. - — Nein, das ist wahrlich kein Argument, mit dem man uns bekämpfen kann. Denn mit demselben Recht könnte man auch den Untergang aller Juden fordern. Dann hätte nämlich der Antisemitisnius überhaupt keine Waffen mehr. ״Die Wahrheit aussprechen, sic mag den anders Interessierten lieb oder leid sein, und durch ihre Verbreitung alle billig Denkenden zur Teilnähme zwingen.“ Das war die Taktik, die wir Zionisten als ein unerhörtes Novum in das jüdische Leben hincintrugen, ״Aussprechen, was ist“ wollte noch vor kurzem Moritz Goldstein, als er seinen Kunstwartaufsatz schrieb. Man hat es ihm arg verübelt. Und nun kommt ein anonymer Broschüren- Schreiber cs ist, wie wir wissen, der rabbinische Zionistentöter aus dein Osten und behauptet im Auftrag des antizionistischen Komitees, daß wir es immer umgekehrt gemacht hätten. Unsere Ideen ״umzubicgCn, zurückzudrängen, zu ver- Schleiern, zu bemänteln“, das sei unsere Taktik. Die Grundlage der zionistischen Bewegung, sagt der Rabbi mit dem angeborenen Empfinden für .deutsche Sprachschönhcit, ist ״eine ideologische Mißleitung latenter Leidenschäften zu unrealisierbaren Zielen und darum ist die zionistische Taktik die diplomatische im schlechten Sinne des Wortes“. Aber, ״die gute Taktik einer guten Sache heißt überall Aussprechen was ist“. —• Wenn Ich also, 80 argumentiert der geistvolle Herr, nachwcisc, daß die Zionisten nicht alles sagen, was sie denken, daß im Laufe der Jahre der eine den Zionismus auf diese, der andere auf jene Weise definiert hat, so habe ich a priori den Beweis erbracht, daß ihre Sache faul ist. Vergleiche den Vordersatz! — Setzt sich hin und schreibt eine Broschüre mit ' dem Titel ״Zionistische Taktik“. Eine reife Frucht des ,homiletischen Studiums! Nun hat freilich L a 8 a 11 e den Grundsatz: ,,Aussprachen was ist“. aufgcstellt und für seinen konkreten Fall war er gewiß die gegebene Taktik. Wie muß sich aber das Wellgescheitn im Kopfe unseres Rabbiners!11 ulen, wenn er glaubt, daß überall die gute Taktik einer guten Sache im Ausspreclien, was ist besteht. Bismarck pflegte bekanntlich jedem, der es hören wollte, von seinen letzten Absichten zu erzählen, ebenso in unseren Tagen das jungtürkische Komitee oder König Ferdinand und seine Balkanveibiindeten. Und die haben doch objektiv betrachtet eine ganz, gute Sache vertreten. Sic aber meinen, Herr Rabbiner, Reden ist Gold; man kann, ich begreife cs vollkommen, dieser Ansicht sein. Nur trifft sie auf die Theorie der Taktik nicht zu, auch wenn ein Reserveoffizier für den blühenden Unsinn mitverantwortlich zeichnet. Es ist also nichts mit dem aprioristischcn Beweis von der Minderwertigkeit des Zionismus. Denn erstens kann eine gute Sache durch eine schlechte Taktik geschädigt, eine schlechte durch eine gute Taktik gefördert werden, kann hier das Schweigen, dort das Aussprechen die rieh* tige Taktik sein. So lehrt die gemeine Erfahrung und der gesunde Menschenverstand. Zweitens und das ist die Komik dieser schönen Geschichte - sind wir Zionisten, wie schon erwähnt, gerade diejenigen, die aussprechen, was ist, auch wenn wir dadurch ״dem Antisemitismus Waffen liefern sollten“, weil wir diese Taktik als die uns allein förderliche er- ' kannt haben. War der Zionismus nicht jahrelang das enfant tcrrible, das Dinge aussprach,, über die man nach der Ansicht der anderen lieber schweigen sollte? Floren wir, wie der ,Hcr.r Rabbiner uns das Gegenteil beweist: Herzl wollte einen ״Judenstaat“, die Zionisten wollen nur eine Heimstätte. So Schnell wandelt sich ihre Taktik und Terminologie, ruft er mit hocherhobenem Finger. י Herrgott, gibt es einen gerecht denkenden Menschen, der den Juden nicht einen ״Staat“ gönnte wenn er möglich wäre. Man muß wirklich schon liberaler Rabbiner sein, ein Stück sauer gewordene Menschheit, wie der Reinbranddeutsche diese Art von Juden nannte, um hierin nicht ein ״Ziel“ zu sehen, ״aufs innigste zu wünschen“, um für die Drinstinkte des Menschen, die sich in solchem Streben kundgeben, kein Verständnis zu haben. Warum der I. Kongreß den ״Judenstaat" in die ״Heimstätte“ umwandclte? Weil er ״latente Leidenschaften“ zu realisierbaren ״Zielen“ leiten wollte. Sehr einfach. Was ist daran wunderbar? Weiter behauptet der Rabbiner, wir hätten zwar im Leitsatz der Partei die ״Heimstätte“ für die notleidenden Juden, in der Tat aber ״eine viel schwächere Lösung als unsere Kolonisatlonsunternehmungen“. Unsere ist köstlich. Wo gibt es die, und wer hat von ihnen je gehört. Ich glaube, der Herr Rabbiner spricht liier etwas aus, was nicht ist. Sollte er am Ende die J. C. A. meinen, so wäre seine Behauptung nicht wahrer. Wir hätten das ״jüdische Volk" verschieden definiert, mit dem Begriff der Abstammung, der gemeinsamen Geschichte der Rasse, der Religion. Ganz richtig. Gefühl ist alles. Wie wir es uns und den andern definieren, Sache des Intellektes, der Erziehung, persönlicher Erfahrung usw. Der Herr Rabbiner aber meint, ein Volk, das man so verschieden definieren könne, existiere eigentlich nicht. Merkwürdig, einmal im Monat liest er in der Zeitschrift ״Liberales Judentum“ eine jedes Mal originellere und noch neuere Definition des