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Jüdische Rundschau · 1913-05-30 · Heft 22 (30.5.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 22 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnements »yf di« wöchentlich am FreiUf «f» •rheinmd• ״Jüdische Rundschau** Ico'itn bei der Expedition un4 bei •llcn l’ostamtern vierteljährlich ],$» M., außerhalb Deutschis *ul* und Oesterretch-U״f*rn• 2,— M.l für Mitglieder iüdischer Vereine Im Satnmelbesug durch dea Verein 1,— M. Verlag Jüdisch• Runds eh•• E. G. m. b. H. BERLIN W.1S, Sächsische St.-ft« g, Telephon: Amt Uhland 845. GewJmfUstunden 5 9-1 und 4—7 Uhr, sutter Sonnabend und Sonntag. tmmmß LJ SmJ L*J f ' Anzeigen koatei» für die aryhsgespaUene Petit• xetl« oder deren Kaum 40 Pf.ן Steiles• Angebot« und «Geaudbe sowie Vereiaa• Mitteilungen und ״Kleine Anieigeo* □ P our SO Pfennig. O P Manuskript« werden, wenn Portobeiliegt, stets surüti gesandt Kedsktionaachluii Mittwoch vormittags. Redaktion Jüdisch• Rundach•■ BERLIN W. 15, Sächsisch« Straft« I, Telephon 1 Amt Uhland 845. '** י‘" י ‘ * *I ss•^ nd Donnerstag fl Klag». ן rvn /ד f! ( •-> p 1 v J \ * r* /-־י־"/ (י״־■} n *ר/ ף \ *; \ / I “ I f ־־־! / i.i rv )v‘)U U v״. J ■ *—«* י■». *a« Nummer 22 ׳?/ Berlin, den 30. זי T 23. Ijar 5673 XVIII. Jahrgang Ausweis Schckcl: Berlin 4,—, Bremerhaven 8,—, Stettin 30, Mark. Landesorganisationsbeiträge 1 1. Ortsgruppen: Berliner Zionistische Ver• einigung 6,—, Bremerhaven 8,־~, Stettin 30,— Mark. 2. Einzelpersonen: Pr. mcd. kosenbtiscli, Naugarti, b,—, I)r. Jacoby, Stettin, 5,-- Mark. 3. Verschiedene Spenden: Berlin 50,— Mark. Eingang vom 21. bis 28. Mai 1913: Schekel: 42, M., Landes organisationsbeitrii ge: 101, - Mark. Gesamteingang: Schekel: 2386,25 M., Landesorganisationsbeiträge: 7116,32 Mark. Im Zcntralburcau gingen direkt 60,- M. Schekel aus Essen ein. Berichtigung. In Nr. 11 sind von Herrn üoldniaim-Cheinnitz 10,- M. für den Organisationsfonds ausgewiesen, die für den Zentralfonds eingegangen sind. Pie Addition ändert sich dementsprechend. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W 56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Der erste Streich Das assimilatorische Judentum in Deutsch־ land merkt, daß es ernst wird. Die verzweifelten Versuche unserer Gegner die Tatsachen, wie sie geschichtlich geworden sind, hinwegzulcugnen auf der einen Seite und die ziclbcwußte, wahrliaftige Arbeit der nationalen Juden auf der anderen, drängen zur Entscheidung. Wie dieser Kampf ausgehen wird, kann für niemanden zweifelhaft sein, der sich den Glauben an die sieghafte Kraft eines klaren Gedankens gewahrt hat. Wenn dieser Glaube seit Einberufung unseres ersten Kongresses auch nur einen Augen* blick von uns gewichen wäre, so wären wir heute nicht mehr Zionisten und der Auflösung!;- prozeß, dem das deutsche Judentum so lange Zeit verfallen schien, ginge ungehemmt seinen Gang. Wie stumpf aber die Waffen sind, mit denen man uns zu bekämpfen sucht, und wie 1)0111 und inhaltslos die Argumente unserer Gegner immer bleiben müssen, wurde noch niemals in dem Maße offenbar, wie gerade jetzt, wo man versucht, den Kampf gegen unsere Bewegung zu organisieren, den Antizionismus zum Progratnm zu erheben. Während früher der eine oder der andere noch glauben mochte, daß nur die Bequemlichkeit der Gegner unsere Beweisführung letzten Endes unwidersprochen lasse, zeigt sich die geistige Armut dieser Leute jetzt in ihrer ganzen Nacktheit. Wir hatten vor mehreren ,Wochen unsere Leser mit der Gründung des ״Antizionistischen Komitees“ bekannt gemacht, das seine Tätigkeil mit der Herausgabe mehrerer Schriften zur ״Aufklärung“ über den Zionismus beginnen Sollte, Der ״Liberalen Vereinigung“, die, wie es heißt, neben dem Kampf gegen den Zionismus noch anderen Aufgaben dienen soll, mochte man ihre Unorientiertheit durchgehen lassen und ihre ungeschickte Kampfesweise der Tatsache zugute halten, daß sie die Zionistenhetze ja eigentlich nur ״im Nebenamte“ betrieb. Nun, da man ®ich spezialisiert und das Kind mit dem rechten Namen benannt hat, sollte man mehr verlangen. ״Der Zionismus erstrebt für da■ jüdische Voll! die Schaffang einer Sfftot• alcli-recMllela gesicherten Heimstätte In Palästina.** Baseler Programm. Die erste Publikation des Komitees liegt jetzt vor und wir gestehen es ehrlich — wir sind überrascht über das Maß von Gedankenlosigkeit und Unkenntnis in jüdischen Dingen, das man den Kreisen zutraut, die durch dieses Pamphlet über den Zionismus ״aufgeklärt“ werden sollen. Wenn die paar Dutzend potenter Namen, die unter das Begleitschreiben gesetzt sind, nicht ״überzeugen“ der Inhalt des Heftes wird kaum Schaden anrichten. Die Mitgliederliste des Komitees bringt uns kaum eine Ueberrascliung. Dieselben Leute, die ihr Judentum immer erst dann entdecken, wenn cs gilt, ihre deutsch-nationalen Gefühle zu beteuern, haben auch diese Gelegenheit, sich unrühmlich hervorzutun, nicht versäumt. Viele, die uns sonst rücksichtslos bekämpfen zu :müssen glauben, sind nicht vertreten. Ihnen scheint die Sache doch zu bunt gewesen zu sein und die Unterschriftensammier dürften auf ihren Werbegängen manche unliebsame Enttäuschung erlebt haben. Druck und' Ausstattung des Heftes lassen auf eine sehr hohe Auflage schließen und die Zahl von 100000, die uns genannt wurde, dürfte kaum zu hoch gegriffen sein. Wenn man überhaupt von einem Gedanken reden will, der den Ausführungen der Broschüre zugrunde liegt, so ist es dieser: Die zionistische Idee, wie sie im Basler Programm verkündet wird, wird von ihren Anhängern täglich und stündlich gegen eine Welt von Unorientäcrtcn, Indifferenten und prinzipiellen Gegnern verfochten. In Broschüren und Büchern, von der Tribüne und in der Presse verkünden wir seit sechzehn Jahren, Was wir wollen und welches die Wege sind, auf denen wir unsere Ziele zu verwirklichen suchen. Müßte es da für einen Gegner, dem sachliche Argumente mangeln, nicht lohnend sein, all diese Verlautbarungen gegeneinander abzuwägen und nachzuprüfen, ob sich nicht irgendwelche scheinbare oder wirkliche Widersprüche aufdecke״ lassen? Der anonyme Verfasser hat diesen Weg gewählt und mit viel Fleiß sechs Jahrgänge der ״Jüdischen . Rundschau“ gewälzt. Da fand sich denn im Jahre 1906 irgendeine Diskussionsrede, die nicht genau dasselbe sagte, wie eine redaktionelle Bemerkung aus dem Jahre 1912, dann wieder eine Kundgebung, die Herzls präzionistische Auffassungen weiter entwickelt; und triumphierend ruft unser Anonymus: ״Da seht ihr, wie die Zionisten ihre Fahne nach dem Winde drehen! Eine Bewegung, die mit solchen Mitteln verfochten wird, verdient keine Förderung und muß wirklichkeitsfremd und hohl in all ihren Teilen seinl Daß eine Bewegung, die von einem lebendigen Gedanken getragen wird und für eine ferne Zukunft wirken will, von anfänglichen Irrtüincrn zur Wahrheit streben muß, daß sie — unbeschadet ihrer Intransigcnz in den prinzipiellen Grundfragen —. einer Entwicklung unterworfen ist, das alles will unser Broschürenschreiber nicht sehen, und mutet seinen Lesern zu, ihm das Kunststück nachzumachen. Aber trotz allen Eifers genügt dieser eine Trick nicht, um die 32Seiten des Heftes zu füllen. Es müssen noch einige ״Mißverständnisse“ und recht eigentümliche Deutungen herhalten, bei denen es sehr schwer fällt, dem Verfasser den guten Glauben zuzugestehen. Wir werden uns wohl oder übel noch einmal mit der Schrift und ihren einzelnen Behauptungen befassen müssen, um die Taktik dieser Art politischen Kampfes ein wenig genauer zu beleuchten. Dann aber wird dieser erste Streich des Komitees für uns erledigt sein. Es gibt Broschüren in sehr unscheinbarem Gewände, die das deutsche Judentum in starkem Maße beeinflußt haben. Sie sind nicht in 100000 Exemplaren aufgelegt worden und der Segen unserer Justiz- und Kommerzienräte ist ihnen nicht geworden. Aber irgendein Gedanke hat ihnen im guten Sinne oder im schlechten über den Tag hinaus zur Wirkung vcrholfen. Dieses Pamphlet wird schneit vergessen sein; und das Komitee tut deshalb recht daran, wenn es verkündet, daß diesem ersten Streich bald ein zweiter und dritter folgen wird. Der Zionismus kann all diesen Versuchen mit heiterer Gelassenheit entgegensehen. Klingendes Geld und tönende Titel werden scheitern an der Macht der einen großen Idee, die die jüdische Welt erobern wird. Ueber-Zionismus Daß der Zionismus eine ״Gefahr“ ist, haben wir schon oft gehört, glauben und wissen es selber, und sind alle Tage bemüht, ihn immer mehr dazu zu machen: zu einer Gefahr nämlich für den weiteren Fortschritt der jüdischen Assimilation im Westen und — im Osten. Nun v/ird uns aber auch klar gemacht, daß der Zionismus eine Gefahr sei für das jüdische Volk selber, das große lebende und arbeitende jüdische Volk, dem ein paar westlich• bourgeoise Ideologen oder Romantiker ihre eigenen, aus ihren kleinen Judcnschmcrzcn herausgeborenen Aspirationen aufzwingen wollen. Denn nichts weiter als das ist der Zionismus I . . . So verkündet es Herr Fritz Kaufmann in der ״Freistatt“, einer neuen ״Alljüdischen Revue“, von der bisher zwei Hefte vorlicgcn. Um allen Mißverständnissen die Spitze von vomherein nbzubrcchcn, sei hier erst einmal ausdrück• lieh betont, daß wir natürlich uns jeder neuen bewußt-jüdischen Publikation freuen und sic von Herzen empfehlen. Wir dürfen auch sagen,* daß an dieser Stelle noch niemals eine Kritik am Zionis* mus und seinen Organen a priori mißbilligt oder gar unterdrückt worden ist — haben wir doch selber von dem Recht zu solcher Kritik hier oft genug Gebrauch gemacht I Etwas anderes aber ist Kritik und Kritikastcrei. Kritik muß legitimiert sein durch die unanfechtbare Tatsächlichkeit ihrer Behauptungen und die unerschütterliche Logik ihrer Argumentation oder — wenn tk darauf verzichten zu können meint und ins Allgemeine hinein tadelt und besser weiß — d urch die Persönlichkeit des Kritikers. Kommt aber Herr F. M. Kaufmann, den wir bisher nur aus einigen Artikeln kennen und erklärt in langen, konfusen Aufsätzen, in denen die Logik zu wahren T aschenspielerkuuststückcn mißbraucht wird, den Zionismus als eine Gefahr, die Zionisten für bedauernswerte Ignoranten oder bestenfalls kleinbürgerliche Schwärmer, so weisen wir das einfach zurück als eine durch nichts gerechtfertigte Anmaßung, i Herr Kaufmann glaubt, daß er dem Westen ein unabhängiges Organ bieten müsse, ״das Ihm Unverzerrt die jüdischen Wirklichkeiten widerspiegeln und den unmittelbarsten Kontakt Herstellen wird zwischen der westlichen Peripherie Und den zentralen Volksteilen". Gut — also ein neues Organ zur Erörterung jüdischer Dinge unter bestimmtem Gesichtswinkel. Das würden wir gern empfehlen, namentlich, wenn es, äußerlich in Druck und Papier

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