Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651815-2651830--08879-2666162- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
־ i I; Anzeigen kostet» för die *echsywpaHen• Petit• I «11« oder deren Raum 40 Pf.ן Stell«»- | ן Angebot• 0»x| -Geaudie sowi• Vefeioei * Mitteilung־«!» and ״Kieit»• Aueigta* 5 I O Q nur SO Pfranif. O O I | Manuakrtplewerdpn, wenn Porto beilieft♦ I “ •Uts >urudcg-es«B(lt RedaktioniMblait I Mittwocb vonuitUg•.׳ ■ Redaktion JÜdlatli• Rundsdia« " BERLIN V. 15, SftduUch• Strafe S. ך׳"/ ץי*יי^ ן \***^ ך״״׳־־ץ ך״״״ין TelepHoa» Amt Uhland 845 ס י ך-.*ן כ״/ ח._ ח( 1 j LJ Berlin, aen 4. 1313 ■26 ־■־־־. Mar 11 5673 Nummer 14 XVIII. Jahrgang Abonnements aut die wöchentlidh am Freitag ericheincnde ״jüdlacke RnncUchau" kosten bei der Expedition und bei allen Poatimteru vierteljährlich 1,9DM., außerhalb Deutachlanda und Oester» reich-Ungirn• 2,~ M.t für Mitglieder judi«dber Vereine im Sammelbezuf durch dea Verein 1,— M. Varlag Jüdisch• Rnndachan E G. m. b. H. BERLIN W. 15, SUchalidie Straße 8. *Telephon: Amt Uhland 645. Gesdhiftastunden! 9—1 und 4—7 Uhr, außer Sonnabend und Sonntag. 8 “ ־־ ־״- *״ * * •*״י * * “B , Erklärung Der ״Zcntralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ hat in seiner Generalver* Sammlung vom 30. März 1913 eine Resolution gefaßt, die den Versuch macht, die ״deutsche Gesinnung“ der Zionisten zu verdächtigen, um. so den Ausschluß der deutschen Zionisten aus dem Zcntralverein zu begründen. Die zionistische Organisation ist seit dem Jahre 1897 in Deutschland tätig. Von diesem Zeitpunkt an hat sie jederzeit das gleiche Pro■ gr.unm vertreten. Trotzdem hat der Zentralverein slets öffentlich erklärt, daß ihm zionistische Mitglieder ebenso willkommen seien, wie andere und hat die Mitarbeit der Zionisten ausdrück• lieh erbeten. Wenn also der Zentralverein es jetzt für erforderlich hält, sein Verhalten zu ändern, so können dieser Taktik nur agitatorische Erwägiingen zugrunde liegen. Der Zcntralverein sieht, daß die zionistische Ideenwelt die wertvollsten Kreise des deutschen Judentums, insbesondere die Jugend, ergreift, daß die zionistisdie Organisation dauernd an Mitgliedern wächst und daß das neue jüdische Lehen in Palästina den Beweis für die Lebenskraft »des nationalen Judentums erbracht hat. Inhaltlich haben wir zu der Resolution folgendes zu erklären: 1. Der jüdische Nationalismus beruht auf der unbestrittenen Tatsache der gemeinsamen Abstammung aller Juden und ihrer gemeinsamen Ueberlicferungen. Die Ableugnung des nationalcn Charakters dieser Ueberlicferungen und die Unterdrückung des jüdischnationalen Bewußtseins bedeutet einen Bruch mit der historischen Kontinuität des Judentums und muß daher — allen gekünstelten Konstruktionen zum Trotz — zu seiner allmählichen Auflösung führen. 2. in dieser Erkenntnis halten wir cs für unsere Pflicht als Juden, für die nationale Zukunft des jüdischen Volkes zu arbeiten. Dieses Bestreben, das in einem großzügigen Kolonisationsvverk in Palästina, der historischen I Icirnat und dem Lande der Zukunft unseres Volkes, seinen Ausdruck findet, dient zugleich der wirtschaftlichen und sozialen Hebung des jüdischen Volkes, dessen überwiegende Mehrheit in Osteuropa unter entwürdigenden und unerträglichen Verhältnissen zu leben gezwungen ist. 3. Diese jüdischnationale Gesinnung lind Betütigunjr berührt in keiner Weise die Interessen des Deutschen Reiches, noch stellt sie mit unserer aufrichtigen staatsbürgerlichen Gesinnung und Betätigung im öffentlichen Leben Deutschlands in Widerspruch. Wenn der Zcntralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einen solchen Widerspruch zu konstruieren sucht, so liegt darin eine Verkennung des nationalen Charakters des Judentums und der historisch gegebenen Beziehurig des Judentums zum Deutschtum. Unsere staatsbürgerliche Auffassung schließt nicht nur die formale Erfüllung unserer Pflichten, sondern eine auf der Erkenntnis von der sittlichen Bedeutung des Staates beruhende Treue und Hingabe ein, die aber niemals zur Aufhebung des auf viertausendjähriger Geschickte beruhenden nationalen Zusammenhanges führen kann, der uns mit allen Juden verbindet. Wir Weisen daher den vom Zentralverein unternommenen Versuch, unsere Staatsbürgerliehe Zuverlässigkeit vor der Oeffentlichkeit zu verdächtigen, und unsere tätige Anteilnahme an ״»>w Zloe!f:?.n'ts erstrebt fSr da» JQdlcclie Volk «Mo ßcb.nffuapf ctscr öffettfc- *risrtsn IJaJraaUllto in Dnscler ProgToiesa» tich-rcchkUcüa Pal&stfan״' dem öffentlichen Leben Deutschlands mit den Konsequenzen für unvereinbar zu erklären, die wir aus unserer Zugehörigkeit zur jüdischein Nation zu ziehen haben, auf das Entschiedenste zurück. 4. Unsere Ideen haben infolge der Offenheit und Entschiedenheit, mit der wir die Judenfrage zu behandeln gewohnt sind, seit langem die Sympathie hervorragender Männer auch außerhalb des Judentums gefunden. Die Größe der Aufgabe, die wir uns gesetzt haben, hat uns die Achtung und Zustimmung weiter Kreise verschafft. Wenn nun gerade von jüdischer Seite Widerspruch gegen den Zionismus erfolgt, so wird durch solchen Widerspruch weder ein deutsches, noch ein jüdisches Interesse, sondern nur die in Westeuropa immer weiter fortschreitende innere und äußere Auflösung des Judentu ms gefördert. Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für D e u t s c 111 a ה d. Rechtsanwalt Dr. H a n t k e , Vorsitzender. Pest Von Dr. Julius Moses in Mannheim. Die Würfel im Zentralverein sind gefallen. Wenn man nur jetzt wüßte, auf welche Seite sie gefallen sind. Wir haben ja vorausgesehen, daß der Zcntralverein sich die günstige Gelegenheit nicht würde entschlüpfen lassen, einmal wieder auf Kosten des Zionismus sein eigenes Deutschtum in empfehlende Erinnerung zu bringen. Aber das war doch gar nicht de utsch, als die Herren nicht den Mut fanden, ein klares J a oder ein deutliches Nein zu sprechen. Statt dessen holte man aus dem hintersten Winkel der politischen Rumpelkammer eine im Parteikampfe längst verbrauchte und verrostete Waffe: Man dividierte den zionistischen Gegner in zwei Teile und konstruierte zwei imaginäre Hälften, deren einer man die geheiligten Pforten des Zentralverein offen lassen will, deren andere man grausain von der Türe weist. Ein Diskussionsredner auf der Versammlung des Zcntralvereius hat ausdrücklich davor gewarnt, sich selbst einen Zionismus zu konstruieren und hat beantragt, sich an das Baseler Programm zu halten und die Resolution so zu fassen, daß jeder, der sich zum Baseler Programm bekenne, nicht Mitglied des Zentralvereins sein könne. Die Versammlung ist diesen Weg der Klarheit und Konsequenz nicht gegangen und hat nicht nur die Warnung, keinen Zionismus zu konstruieren, unberücksichtigt gelassen, sondern sogar zwei Zionismen konstruiert. Wenn hierzu die Hoffnung, einen trennenden Keil in die Reihen der deutschen Zionisten treiben zu können, verleitet haben sollte, so müßte eine solche Erwartung geradezu wahnwitzig genannt werden. Man hat ja auf und schon vor der Tagung wiederholt versucht, einzclnc Zionisten, wie Franz Oppenheimer, Prof. Lewin und auch mich gegen die übrige Masse der’ Zionisten auszuspielen pnd Prof. Car! Lewin, der auf der Generalversammlung den zionistischen Standpunkt mit Würde und Festigkeit vertrat, hat man damit bange machen wollen, daß für ihn, wie es für Herrn Franz Oppenheimer geschehen sei, von seiten der Zionisten der ״Zahltag“ kommen würde. Nun müßten , wir, wenn gegen Herrn Dr. Oppenheimer bei uns ein Scherbengericht abgehalten worden wäre, doch selbst auch davon etwas wissen; die Zcitschriftcnpolcmik anläßlich des bekannten Aufsatzes von Oppenheimer ״Volksbewußtsein und Staminesbewußtscin“ hat offenbar den Herren vom Zentralverein, die ja gerade in bezug auf Presseäußerungen eine fast krankhaft zu nennende Empfindlichkeit an den Tag zu legen pflegen, genügt, um daraus eine ״Abschladitung“ Oppenheimers zu konstruieren, der doch, wie selten einer, sich bei seinem Sicdlungsprojckte der willfährigsten Gefolgschaft erfreuen durfte. Der Zentralverein mag sich ob des Schicksals Oppenheimers und Lewins im Zionismus beruhigen. Wir werden die jetzt von ihm eingeschlagene Methode der Unduldsamkeit und Intoleranz nicht nachmachcn und in unseren ׳ Reihen Platz haben für Anschauungen und Kundgebungen, die nicht obcrhirtlich abgestempelt sind. Der Versuch, unsere Einheit und Geschlossenheit durch die gefaßte Resolution zu gefährden, wird jämmerlich fehlschlagen. Wir lassen uns nicht von außen ein zionistisches Programm aufdrängen, denn wir haben eines, das, wie es die auf der Generalversammlung wieder aufgewärmte Resolution der Protestrabbiner überdauert hat, noch manche Resolution unserer Gegner zäh überleben wird. Um das Linsengericht der Aufnahme in den Zentralverein wird niemand aus unseren Reihen das Baseler Programm verlassen. Nach dieser Richtung dürfte die Resolution vom 30. März ihren Zweck verfehlt haben. Ob sie nach außen auf Juden und Nichtiudcn, für welch letztere sie doch vor allem ge m ü n zt ist, die erhoffte Wirkung haben wird, kann erst die Zeit lehren. Wir haben demgegenüber nur die Pflicht, wie seit 15 Jahren, vor der Oeffentlichkeit unsere Forderungen, Wünsche, Hoffnungen und Leistungen in steter Evidenz zu halten. Im Kampf gegen den Zcntralverein selbst, den dieser uns aufgedrungen hat, wird es uns sehr zustatten kommen, daß er durch seine Resolution, die def klaren Beantwortung der vor acht Tagen an dieser Stelle an ihn gerichteten Frage, ob er die Mitarbeit der Zionisten wünscht oder nicht, ausgewichen ist, ein bängliches Zagen und eine zaudernde Unentschlossenheit an den Tag gelegt hat. Die zionistischen Mitglieder im Zentralverein werden sich auf die spitzfindigen Unter- Scheidungen der Resolution nicht einlassen, sondern eine klare Antwort geben. Im Kampfe gegen die Halbheit wird die Geschlossenheit unseres Programms sicher nicht den kürzeren ziehen. Man wäre wohl versucht, im Anschluß an die Referate und Diskussionsbemerkungen auf der Berliner Generalversammlung die grundlegenden Fragen über die Psychologie und Stellung des deutschen Juden, über Nationalismus und Patriotismus wieder aufzurollen. Ich habe indes aus der Lektüre der Veröffentlichungen über die Versammlung den Eindruck gewonnen, als ob der Zcntralverein nur an Worten klebt, I h ווו ist die Art, wie die einzelnen Schlagworte bei Philo- oder Antisemiten ffij