Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r I I I Abonnements ui Freit»» Rundsui« •ul die wöchentlich •m scheinend« ״Jüdisch« kundaumtt' kosten bet der E-ipedition uod bei »llen Postimtern vierteljährlich 1.» 14-, *ufiefhslb Deutsdhland« und Oesterreidi-Unfarn# 2.— M.j für Mitglieder jödisdier Vereine im Scmmelbestif durch den Verein 1,— M, Verl•! Jüdisch• Rtnul*ch«a t. O m. b. H. BERLIN W.15, SCd.aUd״» Straft« ft, Telephon! And Uhland 845, Oeedhäftastunden! 9—1 und 4—7 Uhr, •uler Sonnabend und SonnUg, —i Uhr, ■ 0Ug, I ךיי־־־יץ ח כ־־׳/■ sy׳ S r --י>^ v^״״f ןי^-״)ן ^•י״יי/ "X J \י -.־7 c ץ״' / vj f״y L.J crn ׳ ׳/ (~ V. ׳י• ,, 1 ״-> Ü;V r .. j' נ־'/׳' ,י׳" *י : u '.J Anzeigen I löst*• för HI■ piwf *ו#1*!»־ן■«■ Prtit* | *ftil« deren Rlnsn 46 f*t.j Stelle•• ■ A«^»Lot• and -Gs«;:sowie VertsMN. ־ Mitteilung«• und *Kleins Aßreif«#• I □ O ■ar 30 Hcnaif. O - □ | Manuskripte werden, trenn Portobeeiberfft^ | stets »Uf1-׳> r־־«sftdL ׳ K^iJaktioweaWuli ן * Mittwöch־ vöfteilUegs, ,ן Red«ktioa JBdiidu ftunjidii• I BERLIN W. IS, Sick•!«*• $tr*ft#S. ן Tslsphoat Amt Uhisnd 845. I‘ ** Wa■ Nummer 13 >0 *ti* ms XVIII. Jahrgang Zur Beachtung!! 1)11״ ׳Zionistische Vercinigunj,׳ für Deutschland“ lut ihren Jahresbericht für das Jahr 1912 versandt. In einem Anhang ist der Schrift ein Verzeichnis der Beiträge zum Orgaiiisatioiisfomls 1912 beigctü|>t.■ Die Empfänger der Berichte werden einen Ueberhlick er• halten über die umfangreichen organisatorischen Ar• beiten, die der tieschaftsführendc Ausschuß auf Grund der finanziellen Mittel, die ihm von der Partei zur Vertilgung gestellt wurden, zu leisten vermochte, Exemplare des Jahresberichtes stehen Ortsgruppen mul EinzelruitgUederu, denen solche etwa noch nicht zugeg,iiigen sind, zur Verfügung. Wir wiederholen an dieser Stelle die dringende Bitte an alle deutschen Zionisten, die ihren Beitrag (ür das Jahr 191'} etwa noch nicht geleistet haben, dies umgebend zu tun und uns zeitraubende und kostspielige Erinnerungen 71t ersparen. Auch Ortsgruppenvorstände, die eiligegnngene Beträge etwa noch nicht abgeführt Italien, mögen »lies sofort nachholen. Das organisatorisch« Ziel, dem wir ׳:unbedingt zustreben müssen, ist, daß ein jeder Zionist'seinen Beitrag jedesmal im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres abführt. U11• serc Geschäftsführung Würde durch ein solches ein* sichtiges Verfahren Unserer Mitglieder sehr erlcich• tert werden. ...; , 1 Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin.W. 15, S:iclb_ •ische Sir. 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin NW., Unter den Linden 59. Zur Generalversammlung des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens Von Dr. Julius Moses in Mannheim. Der Zentralverein will am 30. März zu üerieht sitzen — über den Zionismus, wie viele seiner Mitglieder hoffen, in Wirklichkeit aber über sich selbst. Von einer Organi* sation, deren Mitglieder im günstigsten Falle den Zionismus lediglich von dem engen Gesichtswinkel aus betrachten, ob irgend eine Aeullerung irgend eines Zionisten von irgend einem Antisemiten ausgcnützt werden könnte, kann wahrlich kein Urteil über den Zionismus er war• tet werden, das vor der Geschichte und auch nur vor der Geschichte der nächsten Jahre bestellen könnte. Für den Zentralverein aber selbst kann der Ausgang der Zionistendebatte von der einschneidenstcn Bedeutung werden. Er wird sich klar darüber auszusprechen haben, ob er als Zentralverein eine Zusatnmenschlicßung aller jüdischer Staatsbürger des Reiches zum Zwecke der Verteidigung und Verbesserung ihrer politischen Stellung weiter bilden oder ob er in der Tat dem Drängen einiger Heißsporne nachgeben und eine Gruppe deutscher Staatsbürger jüdisehen Glaubens aus seinen Reihen ausschließen und gegen sie den Kampf aufnehmen will. Jedenfalls verlangt die Situation endlich Klärung. Es ist unerhört, daß in einer Organisation der Vorsitzende ständig beteuert, die Mitarbeit der Zionisten sei ihm sehr erwünscht und gleichzeitig die Sendboten des Vereins im Lande herumzichen und gegen den Zionismus hetzen. Die Kraftprobe zwischen den beiden Richtungen muß ausgetragen werden. Und wollte auch die Genendversammlung, wie seither die Leitung, einer bestimmten Stellungnahme ausweichien, wir zio- ״I>er ZlonU im!a, erstrebt fßr ' da» |üdl8cl10 Vo!h dSa Schnffunnr einer &*,ent» iicS^rcchlllcli geclclzcrtea ncitnstHtie In Cno«Ier ProgTmma״ nistischcn Mitglieder haben das Recht und die Pflicht, Klarheit zu verlangen,, Entweder nimmt inan die der Generalversammlung von mehreren Ortsgruppen unterbreiteten Anträge, wonach die jüdisch-nationale Anschauung, wie sie der ZionisiniiÄ propagiert, unvereinbar, sei mit der Zugehörigkeit zum Zcntralvcrcin, an und zwingt uns dadurch zum Austritt oder man verbietet den offizielle.» Rednern des Zentralvercins fortan die Angriffe gegen den Zionismus lind ermöglicht uns dadurch die weitere Mitarbeit. Ein drittes.gilvt es nach den heftigen Ausfällen, die sich, in' jüngster Zeit'die;Vertreter des Zentral- .vereint gegen uns erlaubten, ,nicht mehr und ■muß von. uns :im'Interesse unserer persönlichen Würde und‘iier unserer Bewegung abgclchnt werden. Jedenfalls sehen wir der Entscheidung mit Ruhe entgegen. Nicht um unsere Zukunft handelt es sich, die sich auf gediegenere Grund* lagen stützen darf, als auf die Gnade des Zen- ■tialvcreins, sondern es geht um die Zukunft des Zentralvereins, der sicherlich auch ohne zionistisclie Mitglieder sehr gut bestehen kann, der aber in dem Augenblicke, wo er jüdische Staatsbürger wegen ihrer Gesinnung aus seinen Rcihen ausscheidet, das Rechtverwirk t ,gegen die Zurücksetzungen und Beschränkungen, welche deutsche Staatsbürger wegen ihrer jüdischen Zugehürigkeit erleiden, Front zu machen. Der Ruf nach Gleichberechtigung müßte doch einen sonderbaren Eindruck machen aus dem Munde derer, die in ihrer eigenen Mitte die Gleichberechtigung versagen, Und warum versagen? Man wird nach außen nie zugeben, daß der Zionismus, den man so lange als eine quantitc ncgligcablc behandelte, den man totschwieg oder von Jahr zu Jahr totsagte, durch sein ungeahntes Wachstum auch in Deutschland und besonders durch seine Ausbreitung innerhalb der jüdischen Jugend unbe* quem wird, Man wird vielmehr zu der bewährten patriotischen Phrase greifen, um das Ausnahmegesetz gegen den Zionismus zu rechtfertigen. Auch zahlreiche Nichtzionisten fühlen sich in ihrem jüdischen und ästhetischen Empfinden verletzt, wenn sic die hurrapatriotischen Kundgebungen hören, die nirgends so laut und massenha ft erschallen, wie neuerdings in jüdischen Ver- Sammlungen. Wir dachten immer, daß sich das moralische von selbst verstehe und besonders die Staatsbürgertreue bei uns Juden etwas Selbstverständliches sei, weil sie als eine festgefügte jüdische Tradition in uns lebt und erhalten wird. Aber schließlich ist cs Gcschmackssadie, wie weit man seine Gefühle hinausschrcien will. Wir konnten jedenfalls diese Art, den eigenen Patriotinmus mit Worten der Welt zu bekunden, als ein Privatvergnügen derjenigen betrachten, die von dieser Methode Gebrauch machten. In dem Momente aber, wo sich die hurrapatriotischen Exklamationen und Deklamationen gegen den Zionismus richten, haben wir-alle Veranlassung, nicht mehr ruhig zuzusehen. ׳Denn trotz aller liebevoller Denunziationen, unserer jüdischen Gegner hat man ,uns seitens unserer nicht jüdischen dortsehen. Mitbürgerschaft — vielleicht mit Ausnahme des einen׳ oder der anderen von jüdischer Seite beeinflußten fortschrittlichen Parteipoti tiker* -ך den Vorwurf des Mangels an Patriotismus nicht gemacht. Wir haben offengest,-ihden auch ferner ein Interesse daran, uns ln diesem Ansehen zu erhalten. Deshalb werden wir uns dagegen wehreu, wenn man, wie man bereits in Zentral vereins- und Abwehrversammlungen begonnen hat, den Patriotismus der Zionisten verdächtigt, um den eigenen um so strahlender glänzen lassen. •Wenn sich derartige schwere Vorwürfe gegen die •Vaterlandstreue der Zionisten wiederholen! wie sie zu erheben beispielsweise Dr. Haas•,Karlsruhe offenbar als seihe vornehmste Aufgabe in seiner neuen Eigenschaft als Reichstagsabgcordneter betrachtet, so kann es wohl nicht ausblei- Vien, daß schließlich• auch die nichtjüdische Bcvölkerung und besonders auch die JRegierungskreise, zu denen man durchs Fenster hindurch redet, auf den Vorwürf einschrtappCn. Danh wird es' heißen: ״Seht Ihr, die Zionisten gelten als vaterlandsfeindlich itnd schaffen Antisemitismus“, und man wird gerne vergessen, auf welche Weise diese Stimmung gegen den Zionismus provoziert wurde. Das jetzt beliebte Verfahren, auch in nichtjüdischen Versammlungen, wie auf der letzten Tagung des Abwehrvereins, gegen den Zio* nisrnus loszuziehen, wird in seinen Motive!* aufgehellt durch eine Acußerung Ludwig Geigers, der ja oft ausspriciit, was die anderen verschwelgen. Indem crAvcnarius und alle cdeldenkenden Christen auffordert, mit ihm und seinen Freunden den Zionismus zu bekämpfen, enthüllt er uns die Absichten, die den Angriffen gegen die staatsbürgerliche Gesinnung der Zionisten zugrunde liegen. Man wird allein nicht mehr fertig mit dem Zionismus und ruft deshalb die anderen zur Hilfe herbei. Die Herren, die den' berechtigten Kampf im innerjüdischen Leben dergestalt hinaustragen in die nichtjüdische Ocffentlichkeit in Form schwerer Denunziationen gegen die Zionisten, haben es sich vielleicht doch selbst nicht genügend überlegt, wie sehr ihr Verfahren erinnert an die schlimmen Beispiele in der jüdisehen Geschichte, wo aus unserem eigenen Schoße die schwersten Verleumder gegen die Judenheit entstanden. Die Rolle, die jetzt dem Zentralverein zugeschoben werden soll und über deren Ucbcrnahmc er sich am nächsten Sonntag entscheiden muß, hat in der Türkei vor dem Kriege eine zeitlang die Alliance gespielt. Sie hat die Zionisten in der Türkei als schlechte Patriot«» verdächtigt. Der Großrabbiner wandte sich demonstrativ ab von dem jüdischen Turnvereine Makkabi, dem Sammelpunkt der zionistischen Jugend. Als es jetzt in den schweren Zeiten aber galt, eine nationale Bürger-Garde m schaffen, und auch die Juden sich zu beteiligen wünschten, da wandte sich der Großrabbincr an jenen verpönten Verein Makkabi, dessen Mitglieder in flammender Begeisterung dem Rufe folge lei« steten. So muß und wird stets die Verdächtigung der staatsbürgerlichen Gesinnung der Zionisten vor dem Ernste einer schweren Situation wie eine Seifenblase zerplatzen. Mit Worten läßt §id» trefflich streiten, und patriotische Phrasen sind wohlfeil wie Brombeeren. Wir haben weder Neigung noch Veranlassung, aus der Qeschichte des Zionismus, weitere Beispiele heranzuziehen, die die Grundlosigkeit der gegen uns geschleuderten Vorwürfe entkräften könnten. Wir wollen dem am Scheideweg stehenden Zentralverein in seinen , Entschließungen nicht beeinflussen. .;