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Jüdische Rundschau · 1913-03-21 · Heft 12 (21.3.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seife 1!6 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 12 fjoncn über den Zionismus ausgerechnet adventistischeu Schriften entnehmen zu müssen glaubt. Die Nachricht tragt, wie viele ihrer Vorgänger, de» Stempel der Unwahrheit auf der Stirn und doch wird sie wie diese die Kunde durch die gleichgesinnte Presse machen und auf naive (icmüter verwirrend wirken. Für uns dürfen solche böswilligen Erfindungen — die nie aufhären werden — immer nur erneute Mahnung sein, die Kenntnis vom Wesen unserer Bewegung mit Ausdauer und Zähigkeit weiter 1״ verbreiten. Keine Gelegenheit soll da uugenutzt hleihcn, keine aufklarcnde Arbeit /u beschwerlieh oder zu wenig lohnend erscheinen. Da» wir lern von allen geheimen Konvcntikeln unsere eigene Sache niemanden! zu Liebe und niemandem zu Leide in voller Oeffentlichkeit führen, das war bisher unsere Stärke, und das wird un? auch in Zukunft das Veitrauen derer sichern, die auf das (klingen unseres Werkes irgendwie und irgendwann von Einfluß sein können. IV.Delegierten-undMitgliederversainnilung des Jüdischen Frauenbundes E.V. in Leipzig Erster Tag (Dienstag, 18. Marz 1913). Der Jüdische Frauenbund, die grolle Ürgauisation jüdischer Frauenvereine aller Schattiermigen, welchem auch der ״Jüdische Frauenbund für Kulturarbeit in Palästina“ angescltlossen ist, hielt vom 18.—20. März 1013 in Leipzig im ״Hotel de Prussc“ seinen diesjährigen, den IV. Delcgicrtentag ab, Aus allen Gauen Deutschlands waren jüdische Frauen zur Teilnahme erschienen, Dienstag Vormittag 11 Uhr wurde die Tagung von der ersten Vorsitzenden Frl. Berta Pappen heim (Frankfurt a. M.) eröffnet. Sie begrüßte die Delegierten der jüdischen Fraueiivereiiic lieutsehlands und die Abgesandten der Leipziger Organe der jüdischen Wohlfahrtspflege. Dann erteilte sie das Wort zu weiteren Eröffuuugsansprachen. Herr Gemeindevorsteher M a g!1 u s hieß namens der Leipziger Israelitischen Religionsgcmeindc die fremden Gäste in Leipzigs Mauern willkommen und die Seniorin der deutschen Frauenbewegung, Frau Dr. Henriette Goldschmidt, die Begründerin der Leipziger Frauciihochschule, sprach in tief zu Herzen gehenden Worten von den Kämpfen der modernen Frauen, ihrem Ringen, ihrem stillen Märtyrertum, vom jüdischen Weibe und seinem Hoffen und Dulden in aufopfernder Liebe. Der prächtigen, jugcndfrisclicu Rede der geistvollen Frau folgte brausender Beifall, Nach diesem feierlichen Akt wandten sich die Verhaiidjungcn den inneren Angelegenheiten des Bundes zu. Frau Henriette May (Berlin) erstattete als Schriftführcrin den Jahresbericht des Vorstandes seit 1911, Frau Dr. M. Frankl (Berlin) gab den Kassenbericht und Frl. Pappenheim hielt ein instruktives Referat. Aus unserem Programm: Am Nachmittag wurde die Prüfung der Delegationen vorgenommen; Frau Anna N e u in a n n (Leipzig) referierte über ״Die jüdischen W o h I f a h r t s c i 11 r i e!1tung e n Leipzigs“; sodann sprach Frl. Sidouic Werner (Hamburg) über das hochaktuelle Thema ״Zur Sch ii ch t f r a g e“ , welches durch den Mühchener Fraueiistimmrechtskongre» und seine bekannte Resolution /um Gegenstand lebhafter Erörterungen geworden ist. Die Rednerin lehnte die bekannten judenfeindlichcn Unterstellungen mit Entschiedenheit ab und fand hiermit in der anschließenden erregten Debatte allgemeine Zustimmung. Einmütig wurde eine Resolution angenommen, des Inhalts, daß von der Einsicht der Leitung der deutschen I raueustimmreclitsbewegung erwartet wird, ״daß sie ihre Achtung bekundet vor altgeheiligtcii Ucbcrlicfcruugcn der jüdischen Religion, der Mutter der Religionen aller Kulturvölker, vor der Solidarität der Stammesgenossen, vor der freien Selbstbestimmung eines jeden denkenden Menschen“, Gegen die bedauerliche Abkehr von den Grundsätzen der persönlichen Freiheit in Denker! und Glauben wurde daher eindringlich protestiert. Am Abend hielt Frau Justizrat Paula Ollendorf (Breslau) einen großen öffentlichen Vortrag über ״Jüdische soziale H i 1 f s a r b e i t“. Sie sprach von den Bruderpflichten jedes Juden gegen seine armen Stammesbrüder, von der Pflicht zur sozialen Arbeit, von der Fürsorge an den Arbeitsuchenden, den Strafgefangenen, an der schulpflichtigen und der schulentlassenen Jugend und schließlich an den seelisch und körperlich Siechen und Kranken. Hier vermöge nur eine starke Organisation zu helfen. Im Kampfe gegen die Armut müßten alle, die nur irgend könnten, ohne Unterschied der politischen und religiösen Soudermeinung fest und einig zusammcustehcii. Praktisches Judentum sei die Forderung des Tages, jüdische soziale Hilfsarbeit die edelste, größte und zukunftsreichste Aufgabe der jüdischen Frau. Jubelnder Beifall der stattlichen Versammlung lohnte die vom reinsten jüdischen Geiste durchwehten Ausführungen der Rednerin des Abends. Frau Dr. F ran kl (Berlin) faßte den Dank der Dorer in einem kurzen Schlußwort zusammen. Eine Diskussion fand nicht statt. Die j ü d i s e h - d e u t s e 11 ־ p r o t e s t a 11 I i s e h - mosaische Religion der Zukunft, jenes goldene Zeitalter von (lern unsere• liberalen Rabbiner träinnen, ist auf dein Marsche — wenigstens in Danzig. Am Tage der Jahihnmlertfeier 10. März 1913 wurde der Fc'itgottesdicnst in der Pfnrrkirclic zu St, Marien eingeleitet durch das altiiicdcrländischc Dankgehet: Wir treten zu in Beten usw. Bei dem Festgottesdienst der Synagoge sang die Gemeinde als erstes Allgemeines gleichfalls das altniedcrlämlisciic Dankgebet: Wir treten zum Beten 11 sw. Daß noch eine Strophe angeflickt wurde: Wir lohen dich oben, du Herrscher der Welten, Und flehen, mögsi stehen uns immerdar bei, Dali deine Gemeinde nicht Opfer vverd' der Feinde, Dein Name sei gelobt, o Herr, mach uns frei! macht die Sache auch nicht schöner, wenigstens für mein Empfinden, ich glaube -״ für christliches auch nicht. Daß in der Fcstpredigt des Rabbiners wir zionistisclien ״Schwärmer“ eins auf die Nase bekamen, hat mich nicht Beunruhigt. - Im Liederbuch der Jiid. Turncrsdiaft steht auf Seite 32 ein ganz wunderbares Lied über die ״Schwärmer in Israel“, das ich dem I lerrn Rabbiner zur Lektüre empfehle. Beunruhigt hat mich nur, daß es in dem Bericht der ״I Einziger Neuesten Nachrichten“ über die Sy 11a-, gogenfeier heißt: ״Mit dein Gelübde zu Danzig und Vaterland und der Aufforderung, sich neben d e in J u d e 111 u in auch das Dcutschtu m z u bewahren, schloß die Predigt des Rabbiners.“ Die 50 000 Leser einer iiichtjüdischeii Zeitung werden hier ganz, ohne Zweck auf ein Problem ge- Stollen, das nur Wohlwollen zu unseren Gunsten entscheiden kann. Und Wohlwollen bei unserer nichtjüdischen Umgebung vorauszusetzen, verbietet uns doch schon die tägliche Erfahrung. Was Einsichtige immer vorausgesagt haben: Der Kampf gegen das Nationale im Judentum mit den Schlngworten, wie sie unsere autiziouistiscUeu Gegner im Munde führen, muß früher oder später dem Gesamt Judentum Schaden bringen. J. L. * S eil 11 e c j u d e n. Vom ״Verein zur Abw e h r d c 8 A n t i s e in i t i s 111 11 s“ wird kein Mensch erwarten, daß er Spaß versieht. Denn das setzt weit mehr Untcrschcidungsvcrmügcu voraus, als die Merren in den letzten Monaten an den Tag gelegt haben. Man wird sich deshalb nicht wundern, wenn der Verein wieder einmal ganz am Unrechten Ort seine schützenden Fittiche über das deutsche Judentum breiteu zu müssen glaubt. Es handelt sich um eine kleine Episode aus Partcnkirchcn, welche die Münchener Zeitschrift ,,März“ in einer ihrer letzten Nummern brachte mul die uns so gut gefiel, daß wir sie im Feuilleton unserer vorwochigcn Ausgabe abdrucktcu. Mag das Geschichtdien wahr «der erfunden sein, unsere Leser werde» jedenfalls ihre Freude daran gehabt haben, weil da ein Typ von Juden seine Abfuhr erhielt, der leider nicht zu den Seltenheiten gehört. Dali sie an diese Tatsache erinnert wurden, war au sieh peinlich, aber der llmiior der Sache half darüber hinweg. So mußte sieh jeder zu dieser Anekdote stellen, der noch nicht der von unseren Abwehrverciiilerti geflissentlich geübten Begriffsverwirrung anheimgefallcn war. Jene Herren aber, die bekanntlieh immer die ״Giftpflanze des Antisemitismus“ wachseil höre«, waren auf dem Posten. Flugs war der ״langjährige, treue Abonemit“ zur Hand, der der Redaktion des März einen entsprechenden Brief schrieb und ihn den Atnvehrmitteiluiigeii zur Weiter- Verbreitung übergab: ״Derartige Gehässigkeiten, Radau-Antisemitismus, Entgleisungen usw.“ Das gute an dieser Anekdote ist, daß sie zum Nachdenken anregt. Wie mag sich der kleine Siegfried wohl entwickeln, wenn er der Erziehung seiner Frau Mama weiterhin Ehre!nacht? Wir dächten etwa . so; Ein großer Volksredner vor dem Herrn, der bei jeder unpassenden Gelegenheit seinen besonderen jüdiscli-deutschiiatioualeii Patriotismus in empfehlende Erinnerung bringt, anderen ״Patriotismus auf Kündigung“ vorwirft, und ausländische Juden, die nicht nach seiner Pfeife tanzen wollen, entrechten möchte oder so ähnlich. ״Frecher Judenjunge“ wird dann nicht mehr laut gesagt. — * Konfessionslos.' Herr Georg Z c p I c r, der Herausgeber der Zeitschrift ״Der Weg“ hat sich also nicht taufen lassen. '״Konfessionslos“ ist heute modellier und erreicht dasselbe. Außerdem hat ts für naive Gemüter immer noch so etwas von l 'U!> r- /eiigiingstreiie. Man denkt au preußische Beamt« die ilire Karriere opfern. Nur daß dem deutschen Juden leider keine Kariierc offeiistcht, die er opfern konnte und daß seine ko11fcsd<mslow Uchcr/ciigung ihm da«- bekannte ״Fntrccbillet“ embruigt. - ||,rr Georg /epler also legt Wert darauf, fcst/u-.klUn, daß er nicht getan(( sei, wie das jemand aus den! Vermerk int Berliner ״( reincindeblatt“ herausgclc-cn bat. Iteberliaiipt diese Veröffentlichung der ״Austritte aus dem Judentum“, die schon in,»ich ein Abtrüumgcn Kopfschmerzen bereitet Imt, kann unserem Konfession« lose» gar nicht behage»; ״Die jüdische Gemeinde aber möge himlurdi darauf hingt׳wiesen sein, daß diese Bekaimtinadumgen des erfolgten Austritts, wenngleich wohl nicht beabsichtigt, ckmui/iatorisch wirke». Vielleicht wird sie davon Abstand nehmen, wenn eine Anzahl gesehäftlieh Geschädigter sic einmal auf Sehadenersalz mit Erfolg verklagt haben wird. Dem Herausgeber wie dem ״Komitee Konfessionslos“ sind wiederholt Klagen über Aergcrnissc infolge dieser Bekanntmachungen zu Ohren gekommen.“ Wir können den Herausgeber und das ״Komitee Konfessionslos‘‘ darüber belehren, daß derartige K1.1gen bereits verhandelt und - abgevviesen worden sind. Das ״Acrgernis“ wird also weiter bestellen und den Abtrünnigen beider Schattierungen hoffentlieh noch recht viel zu schaffen machen. «t AUS.ALLER Wf LT ״ Deutschland Im ״Kunstwart“ befallt sieh Ferd. A v e n a r i 11 $ mit dem offenen Briefe, den Ludwig Fulda jüngst im ״Berliner Hürscii-Coiiricr“ veröffentlichte und auf den wir damals an dieser Stelle ctiigegaugen sind; ״Die Hauptsache für diese Sorte von Literaten ist immer wieder: Nebel brauen. Weil sie nicht gewillt oder nicht fähig sind, die eigentlichen Schwierigkeifen zu erfassen, über die sich Juden aus allen Lagern im Kunst wart aiisspraelien, dcshalh bleibt ihnen ein dunkles Gefühl des Unbehagens lind der Wunsch, schon die Beschäftigung mit diesen Fragen als etwas Unzulässiges, U11 vornehmes. Rückständiges hinzustellen. Mag es hundertmal schlechterdings dumin sein, die Tendenz einer gegenseitigen Aussprache als antisemitisch liin/tistclieii, bei der sich viel mehr Juden als Nicht Juden beteiligten, mail versucht das, denn man will eben gar keine /Aussprache. So müssen die ״Leidenschaft“, die ״blinde Wut“, die ״Orgien des Rassetifanatismus“ und die Narreteien heran, die man Fulda vorgeredet hat und die der Börscn-Courier aus eigenem reich assortiertem Lagerkeller heraufholt, um den Popanz zu machen, vor dein man dann behauptet: das stand im Kunstwart. Da und dort in der Presse wird der Fuldasehe Brief tatsächlich als eine Entgegnung gegen ״den“ Kuiistwart bczeichnet. Was ungefähr heißt, die Sache auf den Kopf stellen, tun sagen zu können: sieht sie nicht albern aus? Andererseits behaupten durch Herrn Ktird von Strantz die Antisemiten öffentlich: ich hätte ״vor dem Preßjmlcntuin eine starke Verbeugung gemacht“. Was hilft inir's: es merkt es ja nicht!“ Rumänien Die (»:hictsfordeniiigen Rumäniens au Bulgarien finden nach zuverlässigen Informationen aus London bei der englischen Regierung nicht die von Rumänien gewünschte Förderung. Sir Edward Urey stehe atii dem Standpunkte, daß Rumänien, weil es den im Artikel -I I des Berliner Vertrages festgesetzten Grundsalz der Oleichbe recht igmig aller Konfessionen nicht erfüllt hat, nicht das Recht habe, auf Grund dieses Vertrages eine größere Berücksichtigung zu verlangen. Rumänien habe aus diesem Grunde den Wunsch ausgesprochen, daß die Verniitthmgsaktion der Mächte nicht in London, sondern in Petersburg durchgefültrt werden möchte. Denn es hoffe, daß bei den Verliamlliingen ln Petersburg Rußland, das den ciiglischeu Standpunkt in der Judenfrage natürlich nicht teilt, die gewichtigste Stimme haben werde. Türkei Die Union des Association* Israelit cs hatte durch ihre Delegierten Dr. Paul Nathcn, Elken Adler und Dr. Bernhard Kahn, die den Baikan bereisten, Vorsorge getroffen, daß nach der Einnahme von Jannina, das unter seinen Einwohnern etwa 3500 Juden zählt, den durch die lange Belagerung notleidenden Glaubensgenossen in schnellster Weise die nötige Hilfe gebracht werden kann. Zu diesem Zweck war in Prcvcsa mit Unterstützung der griechischen Behörden, die König Georg in der Audienz, welchen er den Delegierten in Saloniki gewährte, in Aussicht gestellt hatte, ein Lebensmitteldepot errichtet worden, um in möglichst kurzer Zeit Nahrungsmittel nach Jannina schaffen zu können. Sofort nach dem Fall Janninas sind für 10000 Frcs. Mehl und Lebensmittel nach Jannina gebracht worden.

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