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Jüdische Rundschau · 1913-03-07 · Heft 10 (7.3.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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fW I I I Abonnements auf die wodhentlidi am Freitag er• •eheinende ״jQdiadhe Ruodadiau1' koalen bei der Expedition und bei allen Po«timtern vierteljährlich außerhalb Deutschland« und Oester• raieh-Unfarna 2,־״־ M.{ für Mitglieder Jüdiacher Vereine im Sammeibetur durch des Verein 1,— M, Varlag JUdiach• Randich•« E. G. m. b. H. BERLIN W. 15, SRchalach« Straft« 8. Telephon! Amt Uhland 845. Geadiiftutunden: 9—1 und 4~7 Uhr, außer Sonnabend und Sonnb»f. LueKMiwtunucni y—j. ui außer Sonnabend und i ר / ל x* ^יי״מו^ ץ׳ n J Anzeigen V rn konlaa für die aechsgespaHan« Petitseile oder deren Raum 46 Pf.ן Steiles- Angebote und •Gesuche sowie Vereies- Mittelungen und «Kleine Anxcigea* Q P nur 30 Pfennig. ,0 0 Manuskripte werden, wenn Porto betliegt« •teta Burüdcgrsaadb Kedaktioaaachlult Mittwoch vormittaga. Redaktion jadiadto Raxidadta■ BERLIN W. IS, SlehsUclie Straft•!. Telephon 1 Amt Uhleqd 84$, Sprechstunden Dienstag und Donnerstag sdlmitf 5—ft Uhr 01 littagi. r% /״• *y f%. f** >Ü k. נ־־׳/ ד־ ) Nummer 10 Berlin, 1213 23, Adar I 5673 i *< ,<*׳-< XVIII. Jahrgang Ausweis Schekel für 1912: Posen 14,- furt a. M, 54,—, Berlin 1,—. für 1913: Frank- Landesorgan isationsbeiträge:!.Ortsgruppen, für 1912: Gr.-Strchlitz 25,—; für 1913: Frankfurt a. M. 123,—. 2. Einzelpersonen, für 1913: Julius Kaufmann, Eschwcilcr, 10,—, cand, mal. Ernst Fürst, Freiburg i. B., 5,—. Dr. Jungmann, Berlin, 10,—, H. Lurya, Düsseldorf, 5,—, Leo Winz, Berlin, 10,—, Zahnarzt Henry Unna, Berlin, 10,—, Dr. Michael Holfmann, München, 10,—, Dr. Ludwig Wassermann, München, 10,—. 3. VersehicdcncSpendcn: Kattowitz 1,75, Gr.-Strchlitz 1,50. Eingang vom 27. Februar bis 5. März 1913: Schekel für 1912: 14,-; 1Q13: 55,- M. Landesorg a n i s a t io n s bc 11 ra g c für 1912: 25,—, 1913: 190,25 M. Gesamteingang: Schekel, für 1912: 7270,25, 1913: 580,— M. Landcsorganisationsbeiträge: 1912: 20482,46, 1913: 4599,75 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsisclic Str. 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin NW,, Unter den Linden 59. Der Fluch der Geschichte Der Zionismus hat in Deutschland gewiß keine leichte Arbeit zu leisten. Seine Forderungen stehen in diametralem Gegensatz zu all den Anschauungen, die eine frühere Generation mit Eifer und Begeisterung vertreten hat, und wir verstehen cs sehr wohl, daß cs nicht jedermanns Sache ist, in gereiften Jahren seine Anschauungen zu revidieren, radikal umzudenken und aus der Geschichte weniger Jahrzehnte sogleich die rechte Lehre für sein Volkstum zu ziehen. Deshalb wenden wir uns mit so besouderen! Nachdruck an die jüngere Generation und haben die Freude, zu sehen, daß unser Appell hier offene Ohren und begeisterungsfreudige Herzen findet, welche die Größe der Aufgabe, die wir uns gestellt haben, zu besonderer, nicht alltäglicher Anstrengung reizt. Dieses ehrliche Gefühl des ״Nicht-mehr-mitkönnens“ findet denn auch oftmals in den Actißerungen der älteren Generation über unsere Bewegung seinen Ausdruck. Vielfach ist der Wunsch unverkennbar, wenigstens gewissen Leistungen des Zionismus gerechte Anerkennung widerfahren zu lassen, um dann mit um so größerem Nachdruck das zu betonen, was das Judentum von gestern von unserem juiigjüdischcn Ideal scheidet. Wenn diese Darlegungen bisweilen in eine väterlich mahnende Form gekleidet werden, so haben wir auch für diese kleine Menschlichkeit, die die Schwäche ihrer Position verdecken möchte, sehr wohl Verständnis. Was wir in wenigen Jahren in Palästina geschaffen haben, ist nun einmal da und kann nicht wegdisputiert werden, die Belebung des gesamten jüdischen Lebens in Deutschland vvährend der letzten Jahre muß auch seine Ursache haben, und die Ausstrahlungen unserer Gedankenweit reichen so weit in die Winkel und Ecken unserer Gemeinschaft, daß nur Böswilligkeit die segensreichen Wirkungen des Zionismus auf die jüdische Gegenwart leugnen kann. Herr Dr. Auerbach aus Frankfurt a. M., der jüngst in Mainz eine Propagandarede für den ״Zentralverein, deutscher Staatsbürger jiidi* ״Do? ucii-rci Paljjxli Zlnsifn:״«■ «?strebt für da« dio £dsa׳f.*2!״״ einer Qffcnt• ־.Uträ gcalcliertca Holnstfitt» In 4) ״ '** Eacolcr Fro&ramia• scheu Glaubens“ hielt, scheint jedoch den Ehrgeiz zu haben, den Kampf gegen den Zionismus uin eine neue Note zu ״bereichern“. ln der Diskussion der genannten Vcranstaltung kam die Rede auf den Zionismus, und ein Redner, der sich die vom ״Zentralverein“ neuerdings eifrig propagierten Gedanken zu eigen gemacht hat, erkannte zwar die Verdienste des Zionismus um die Hebung des jüdischen Selbstbewußtscins und die Begeisterung der Jugend an, erblickte in der Bewegung jedoch ״eine Gefahr für die Erringung unserer staatsbürgerlichen Gleichberechtigung“. Diese Bemerkung griff der Redner des Abends auf und leugnete rundweg alle Erfolge des Zionismus, den er in jeder Beziehung für. Verderben bringend erachte. Seine Ausführungen schloß er mit dem Satze: ״Einst wird man den Tag verfluchen, an dem der Z ionismus geboren wurde.“ Das sind starke Worte, und wir sind zu höflich um anzunchmen, daß cs dem Herren justizrat lediglich darum zu tun war, sich durch retliorische Effekte einen guten Abgang zu sichern. Wir nehmen vielmehr an, daß er sich dabei etwas gedacht hat. Und wenn seine Worte einen Sinn haben sollen, dann können sic nur gesprochen sein im Namen eines Judentums, das seine eigene Auflösung wünscht. Im Namen eines Judentums, dem die Rettung Tausender von Stammesgenossen aus Barbarei und* Knechtschuft ein Greuel ist und das die menschlichen Tugenden des Stolzes und des Selbstbcwußtscins getilgt wissen möchte, sobald sie den nationalen Selbstmord aufzuhalten vermögen. Dieses Judentum aber wird von seinem selbstmörderischen Treiben lassen oder es wird eben mitergchen und die Spur von seinen Erdentagen wird sehr schnell verwischt sein. Vor diesem Fluche braucht uns also nicht weiter bange zu sein. Wie spätere Generationen über unser Tun urteilen werden, wissen wir nicht, und es könnte überheblich scheinen, wollten wir Beispiele aus der Geschichte anführen von Männern, die für ihr Volk Aehnliches erstrebt haben, wie wir für das unsere. Aber das eine wissen wir: der Geist, aus dem heraus Herr Justizrat Auerbacli sein Verbannungsurteii gegen uns schleudern zu müssen glaubte, wird nicht mehr lange lebendig sein im Judentum. Vielleicht wird man uns später einmal schwerwiegende Fehler nachweisen oder sagen müssen, daß unsere Arbeit lasch und unserem großen Ziele nicht angcmessen gewesen sei. — Wie das Urteil aber auch ausfallcn möge, cs wird gefällt werden von Juden, die das Fortbestehen ihres Volkes wollen und denen die Anschauungen eines Justizrat Auerbach ebenso unverständlich sind, wie sie uns schon heute erscheinen. Er und seine Gesinnungsgenossen werden den Gang der Entwicklung nicht aufhaltcn. Er hat den Fluch der Geschichte nicht zu fürchten. Aber dem Fluch der Lächerlichkeit werden alle die anheimfalien, die heute mit großen Worten eine sehr, sehr kleine Sache zu verfechten suchen. / ׳♦ Versammlung in Karlsruhe Referat von Julius Simon — Dr. Haas Q Q'5 definiert das Judentum Am Mittwoch vergangener Woche veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe Karlsruhe einen sehr zahlreich besuchten Vortragsabend mit unserem Freunde Julius Simon als Referenten über das Thema: ״DcrZionismusunddiedeutscheo Jude n.“ Die Versammlung hatte den besonderen Zweck, die gebührende Antwort zu erteilen auf die antizionistischc Offensive, die der Karlsruher Reichstngsabgeordnctc Dr. Haas in seinem im ״Verein zur Abwehr des Antisemitismus“ gehaltenen Vortrag ergriffen hatte. Und dieser Zweck ist — das sei vorweggenommen — vollauf gelungen; vor allem dank der bekannten vornehmen und tiefgründigen Art des Referenten, dem dann in der Diskussion von gesinnungsgenössischcr Seite die Herren Bcrthold Feiw c I, Dr. L e s s e r und Dr. F r i e d b e r g zur Seite traten. Auf den Vortrag selbst braucht an dieser Stelle nicht näher cingcgangcn zu werden. Es genügt, wenn bemerkt wird, daß der Referent in außerordentlich geschickter Weise eine systematische Dar- Stellung der psychischen und materiellen Beziehungen der deutschen Juden zum Zionismus mit einer kräftigcii Zurückweisung der antizionistisehen Angriffe, insbesondere der Haas’schen, zu verbinden wußte, um in der mit warmer Entschiedenheit vertretenen These zu gipfeln, daß der deutsche Jude, wenn er schon nicht Zionist werde, zumindest den Zionismus mit sympathischer Förderung begleiten müsse. Nach Herrn Simon ergriff Dr. Haas das Wort zu einer langen und in sehr scharfen Ausdrücken gehaltenen Oegcnrcdc. Bei allem Bemühen, dem Oegner gegenüber die Objektivität aufs äußerste zu spannen, muß leider gesagt werden, daß über diese Rede, für di« Dr. Hans, was nicht verschwiegen werden soll, den demonstrativen Beifall einiger engerer Parteifreunde fand, nicht viel zu sagen ist. Von seinen Argumenten, die einen Aufguß der im Abwchrverein gebrauchten boten, und wie dort, so auch hier, unterbrochen waren von allerhand Chauvinismen und Schla* gern, in die das Rauschen der Schwarzwaldtannen einen sentimentalen Einschlag brachte, hob sich nur eines ״klarer" heraus: Für Dr. Haas gibt es (zum Unterschied von denen um Geiger) heute keine jüdischc Glaubensgemeinschaft, aber auch keine Bluts-, Kultur- oder interterritoriale Zusammengehörigkeit — wir sind nur Deutsche, die einer besonderen lüstorisehen Gruppierung angchörcn, die ruhmreiche Märtyrertode erlitten hat und auf die wir irgendwie — wenn wir neben deutscher Hcrocnpflcgc und Kultur- Durchdringung Zeit dazu finden — stolz sein können. Wie lange und wozu man diesem Schemen noch an* hängen müsse, darüber wußte er nicht viel zu sagen. Man muß wahrhaftig - das soll endlich ausgesproeben werden die Prätention bewundern, mit der Leute ohne jeden jüdischen Wissensinhalt in einer Zeit, wo tiefschürfende Werke über die Judenfrage die besten Oeisfer erregen, wo elementare Bew׳cgungen den Organismus des Judentums völlig umgestalten, an exponierten Stellen auftreten, einen inncrjüdischcn Kampf proklamieren und sielt bewaffnet mit der ganzen Fülle des Nichts-Wissens noch selbst das Prädikat des ״guten Juden“ attestieren. Vor einem Gegner Respekt, der aus der Kenntnis der Tatsachen heraus uns etwa über die Kulturfähigkelt des Hebraismus, oder über unser Kolonisttionssystem seine Zweifel äußert. Aber der tönenden Phrase, die als schlimme Kainpfparole hinausgcschrien wird, die Schellenkappe auf, die sie verdient. Herr Dr. Haas hat ״vertraulich" angekündigt, daß jetzt erst der Kampf gegen uns losgclten soll. Er selbst sei durch zwei Tatsachen auf den Kampfplatz getrieben worden, erstens, weil die ״Jüdische Rundschau“ (auf die er’s besonders scharf hat) anläßlich seiner Wahl in den Reichstag geschrieben habe, daß jetzt die jüdischen Abgeordneten dem Kriegsminister das Gehalt verweigern werden und

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