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Jüdische Rundschau · 1913-02-21 · Heft 8 (21.2.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Sprechstunden Dienst •r und Donnerst«* in..__ ן Sprechstunden Dienst «f und Doonerttof Nummer 8 3r\n ר/ח «ו־־ץ r\ ג־׳/ י׳-י׳ן י/חח C~f /O IrJLg d-'V ן:\, U. ÜU Berlin, den 21. Februar 1913 — 14. Adari 5673 XVIII. Jahrgang Ausweis Schekel für 1913: Düsseldorf 19,- , Ratibor 70,—, Waldenburg i. Schl. 1,— M. Landesorganisationsbeitrüge.׳ 1. Ortsgruppen: für 1912: Eschwcilcr 40,—, für 1913: Düsseldorf 57,—, Ratibor 70,—, Ratibor (2 Eiuzelbciträge) 5,—, Lübeck 177,—, B. Z. V. 18,— M. 2. Einzelpersonen: Dr. Walter Steinitz, Breslau, 10,—, Dr. Mirjam Model, Danzig, 5,—, Dr. Adolf Friedemann, Wiesbaden, <10,—, Rechtsanwalt Fischer, Berlin (f. 1. Quartal) 20,—, Leo Künstlinger, Waldenburg i. Schl., 5,—, aus Ratibor: Zahnarzt Block, Fritz Glücksmann, Hugo Marcus, Carl Stein• fehl, Walter Zcrnik je 10,—, Siegfried Fröhlich 5, ־ M. Eingang vom 12. bis 19. Februar 1913: Sehekel; 90, ־ M.; Landesorga nisationabcltrage für 1912: 40,—, für 1913: 462,— M. Gesamteingang: Schekel: 167,— M.; Landesorganisationsbeitriigef. 1912: 20 402,46, für 1913: 4286,50 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Siichsische Str. 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin NW., Unter den Linden 59. Der ״gute Ton“ In der Iclzlcn Nummer der ,,Allgemeinen Zeitung des Judentums“ ergreift Herr Juslizrat Breslauer das Wort, tun auf Auswüchse hinzuweisen, die nach seiner Meinung der Kampf der jüdischen Anschauungen in neuerer Zeit gezeitigt hat. Justizrat Breslauer ist ein Gcgner des Zionismus; aber er gehört nicht zu der Sorte von Leuten, deren Anteilnahme an jü• dischcn Dingen sich in antizionistischer Agitation erschöpft. Seine Verdienste um die jüdische Sache, vor allem um den Kampf für unsere deutschen Staatsbürgerrechte, sollen ihm nicht geschmälert werden und wenn er glaubt, in einer Sache seine mahnende Stimme'erheben zu müssen, so ist es ihm nur eben um die Sache zu tun und jede agitatorische Nebenabsicht liegt ihm fern. Deshalb wollen auch wir uns gerne in sachlicher Weise mit seinen Ansichten auseinander setzen. Den mittelbaren Anlaß zu dem Artikel gab eine Reihe von Angriffen, denen die im ״Bunde Jüdischer Corporationcn“ vereinigten studentisehen Vereine in letzter Zeit ausgesetzt waren. Das stärkste Kampfmittel aller dieser Gegner war ein gleiches und — wie man wohl sagen darf - durchaus unredliches, so daß sich der ״B. J. C.“ gezwungen sah, in seiner Abwehr die ordentlichen Gerichte anzurufen. Uebcr den Hergang der Sache war Justizrat Breslauer bei Niederschrift seines Artikels nicht orientiert und das Präsidium des angegriffenen Bundes hat der Redaktion der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums“ eine Berichtigung cingcsandt, die wir weiter unten wiedergeben und die wohl auch den Autor des Artikels veranlassen wird, sein Urteil über die Angelegenheit zu revidieren. Der übrige Inhalt des Artikels ist großenteils recht allgemein gehalten, so daß es schwer ist, ihm zu widersprechen. Ja wir geben gern zu, daß in letzter Zeit auch von Leuten, mit denen uns manche gemeinsame Anschauung verbindet, eine Form des Kampfes gewählt worden ist, die wir nicht zu billigen vermögen. Der Autor ist einsichtig genug, für diese Vorfälle nicht eine bestimmte Organisation verantwortlich zu machen, aber aus dem gesamten Tenor seiner ״Der Zionismus erstrebt für das Jüdtadie Volk die Schaffung einer üffent• üch-rccMUcIt gesicherten Heimstätte In Palästina* Baseler ,Programm. Ausführungen geht doch wohl hervor, daß er seine engeren Gesinnungsgenossen und ihm Nahestehende nicht hat treffen wollen und es in erster Linie auf die national gesinnten Kreise des deutschen Judentums abgesehen hat. Daher ermangelt seiner Aufzählung die Vollständigkeit. In dem Artikel ist viel von ״denunzieren“ und von ״Anrufen der Staatsbehörde“ die Rede. Die Worte sind mißverständlich angewandt. Jedenfalls hätten den Vorgängen, auf die angespiclt wurde, auch einige Waffen aus dem Arsenal unserer liberalen Gegner gegenübergestcllt werden sollen. Denn Angriff und Parade bilden im Kampfe doch schließlich immer ein zusammenhängendes Ganzes und eins ist ohne Kenntnis des anderen nicht verständlich. Ist beispielsweise nicht die schärfste Form der Zurückweisung am Platze, wenn uns in einer jüdischen Versammlung von Juden das Wort vom ״Patriotismus auf Kündigung“ entgegengerufen wird, und sollen wir es uns mit sanftem Gleichmut gefnllci’ lassen, wenn unsere Gegner neuerdings zum gesellschaftlichen Ab- Schluß vielerorts noch das verwerfliche Mittel des wirtschaftlichen Boykotts gefügt haben? Gewiß ist cs leicht, bisweilen in der Beurteilung des Zionismus einen maßvollen, ja sogar einen väterlich ratenden Ton anzuschlngcn, solange man noch die Macht in Händen hat, mißliebige Strömungen der Gemeindestube und anderen einflußreichen Stellen fernzuhalten. Und wir halten ein sehr derbes und deutliches Wort immer noch für anständiger und der Sache des Judentums weniger gefährlich als beispielsweise den Versuch, unsere ausländischen Stammesgenossen wegen ihrer besonderen jüdischen Anschaumig aus den Gemeinden auszuschlicßcn und damit der Staatsregierung ein Beispiel zu geben, daß den Bestand des Judentums in Deutsch‘ Sand überhaupt gefährden muß. Der Artikel spielt dann ferner auf einen Aufsatz an, der vor einiger Zeit an verschwiegener Stelle erschienen und erst durch die ausführliche Behandlung in einem Leitartikel der ״Allgcm. Zeitung des Judentums“ einem weiteren Kreise bekannt geworden ist. Dieser Aufsatz soll ״den hervorragendsten jüdischen Gelehrten“ angcgriffen und herabgezogen haben. Der Verfasser wird uns glauben, daß wir solches Vorgehen mißbilligen, wenn er sich etwa noch entsinnt, in welcher Weise die Persönlichkeit Abraham Geigers in unseren Spalten gewürdigt wurde, oder wenn ihm etwa noch der kleine Aufsatz zur Hand ist, in dem vor nicht allzu langer Zeit einer unserer Freunde versuchte, der Bedcutung Mendclsohns gerecht zu werden. Aber weshalb solche einzelnen Vorkommnisse immer gleich zum Gegenstand rührseliger Tiraden machen?! In dem Kampfe, der nun einmal im deutschen Judentum ausgebrochen ist, wird man hüben wie drüben noch manches einstecken müssen, ohne daß die persönliche Achtung des Gegners bei den Einsichtigen beider Parteien darunter zu leiden braucht. Für uns Zionisten ist unser Judentum eben so etwas ganz anderes wie für die anderen Juden in Deutschland, daß es Vorkommen kann, daß wir in der Diskussion mit unseren Gegnern aneinander vorbeireden, ohne uns gegenseitig zu verstehen. Wenn wir die Bewertung der Anschauungen ganz außer acht lassen, so wird auch Justizrat Breslauer nicht leugnen wollen, daß gesinnungsgetnäß ein gradueller Unterschied zwischen unserem Judentum und dem seiner Parteifreunde bestellt. Für wen das Judentum nichts weiter ist als eine Religion, der wird naturgemäß diese Fragen in anderer Weise zu behandeln gewohnt sein als wir, die wir unsere ganze Persönlichkeit in allen unseren Anschauun-' gen und in all unserem Handeln nach jüdisehen Gesichtspunkten orientiert haben. Und cs ist begreiflich, daß eine haltlose Verdächtigung, die unsere gesamte jüdische Existenz trifft, uns in besonderem Maße reizen muß. Eines der vielen neuen Momente, die der Zionismus in das jüdische Leben hineingebracht hat, ist das, daß wir uns als politische Partei gewöhnt haben, jüdische Fragen, wo es in der Natur der Sache liegt, politisch zu beleuchten, und wir verdenken es unseren Gegnern keineswegs, wenn cs ihnen bis heute noch nicht gelungen ist, in diesem Punkte umzudenken, und wenn ihnen daher auch unsere politischen Kampf- Mittel noch nicht Zusagen. Aber sie sollen nicht rufen: ״Haltet den Dieb!“ solange sie selbst in der Wald ihrer Waffen so wenig wählerisch sind, wie wir cs gerade In den letzten Wochen und Monaten erlebt haben. Zu den politischen Mitteln, auf die wir nicht verzichten werden, weil wir wissen, daß sie unsere Gegner schwer zu treffen vermögen, ge* hört die Satire, und wir werden dabei den billigen Vorwurf nicht scheuen, daß solche oder ähnliche Gedichte vielleicht auch die Spalten antisemitischer Zeitungen schmücken könnten. ״Aus anderen Gründen“ — wie es in der bekannten Fabel heißt — bekämpfen wir die gleichen Leute und — vielleicht auch die gleichen Fehler wie jene. Dort ist das Motiv der Judenhaß, hier aber die glühende Liebe zum Judentum, dessen Ansehen und Bestand so oft von jüdischer Seite gefährdet wird. Wir wissen uns mit Herrn Justizrat Breslauer eins in dem sehnlichen Wunsche, den nun einmal notwendigen Kampf frcizuhalten von allem, was die gemeinsame Sache schädigen könnte — denn noch gibt es sehr vieles Gemeinsame zwischen den deutschen Juden — aber wir müssen wünschen, daß auch er seinen großen Einfluß in dieser Richtung zur Geltung bringt, und daß er allen Leuten, die den Kampf um des Kampfes willen erstreben, unzweideutig die Türe weist. Unter diesem Gesichtspunkte wäre es intcressant zu erfahren, ob das ״Antizionistische Komitce“, dessen vergiftender Einfluß schon heute merkbar ist, noch immer die Gastfreundschaft der ״Liberalen Vereinigung“ genießt, deren Vorsitzender Justizrat Breslauer ist. Hierin Wandel zu schaffen, dazu wäre es wirklich ״Höchste Zeit“, wenn — woran wir, wie gesagt, nicht zweifeln — der Artikel ernst gemeint ist, der diese gut gewählte Ueberschrift trägt. Die Berichtigung, die von Seiten des ״B. J. C.“ an die Redaktion der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums“ ge» saadt wurde, hat folgenden Wortlaut: #

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