Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 7 (14.1.1913)
- Date
- 1913-01-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Anzeigen 1 ko«t«a för <jt• »eoh«f«fa«ltw»• P#Mt* I teil« oder deren Raum 45 Pf.ן Stetten Angebote und •Geeudhe nowi* Verein*- Mitteilunroo und ״Kleine Anselfna" □ O nur 30 Henotf. Q 0 V ךי*׳י*י^ ן Manuskripte werden, wenn Porte beiliert, I stets lurfirkfetandb Redaktiomadbitili Mittwoch vormittHpa. Rednktfon JÜdtache Kamhcfca« BERLIN W. IS, Sichtlich« Straft«•. Telephon 1 Amt Uhlnsd S4S. Sprechstunden Dieostef und DoneersUf $—4t Uhr oechmiUsf•. n /ר״״״ y ü'\J 1v ' ץ ף ף די׳־־׳" j y V. i Nummer 7 dar I 5673 XVIII. Jahrgang Abonnements auf di« wäth*ntl1d1 am Fraitar er- •cVinfnd• ״JttdJatiic KundaJ.au" koaten bei der Eipedition und bai allan PoiUmtern vierteljährlich auberhalb Dautadilnnda und Oralerreid.-U1.jf.rna 2»— M,j für Mitglieder jüdiarber Vereine im Semmelbezu, durah den Verein 1,— M. VnUg JOdlech• Raudadui E. C. m. b. H. BERLIN W. IS, Skchalache SlraBa I. Telephons Amt Uhlend 845, Oeadiiltutundeni 9—1 und 4—7 Uhr, auüer Sonnabend und Sonntag, Ausweis Schckcl: für 1913; Halberstaüt 10,- Glogau 10, ־, Herxheim 1,—, Stuttgart 10,— M. Landeiorganisationsbcitrtigc: 1. Ortsgruppen: für 1912: Uieiwitz 20,50, K11״ik׳sbiitte 10, , Eschwcilcr 6Ö,™; für 1913: (ilogau 2, , Herxheim 2, -, Leipzig (2 Einzelbeiträge) f>, — Z. V. 18,— M. 2. Einzelpersonen: für 1913: S. Schocken jr., Zwickau, 50.Betty Demant, Piplin, 5,—, Max tioldreich, Beuel, 10,—, I>ipl.-lng. Max Pincttc, Köln (V. J. St.), 12,—, Fritz Abraham, Berlin, 10,—, Willi, llubiner, Leipzig, 5,-, Luis Leescr, Neumühl 5,—, l)r, Jacobsohn, Erfurt, 15,—, Rechtsanwalt Keiler, Schweidnitz, 5,—, Rechtsanwalt Zucker, Oleiwitz, 10, M. 3. Verschiedene Spenden; für 1912: Kattowitz 1,50; für 1913: Dresden 9, , Berlin 1,—, Hamburg 1,— M. Eingang vom 6. bis 12. Februar 1913: Sehe• kel für 1913: 31,—; Landesorgan isations• beitrage für 1912: 121,50; für 1913: 106,- M. Gesamteingang: Schekel für 1913: 357,—; Landesorganisationsbeitrage für 1912: 20 362,46; für 1913: 3824,50 M, Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin NW., Unter den Linden 59. Nochmals das Gemeindewahlrecht Hamburg, im Februar 1913 Der Kampf gegen das bisher unangefochten bestehende Gemeindewahlrecht unserer auslän• dischcn Brüder ist entbrannt. Und die Angreifer sind Juden Man wird unwillkürlich an die schweren. Kämpfe erinnert, die im siebzehnten Jahrhundert in Norddeutschland zwischen den stolzen portu• giesischen Juden und den eindringenden russischpolnischen Juden stattfanden. Gestützt auf die ihnen eingeräumten Privilegien suchten die Portugiesen die Eindringlinge abzuwehren Der Zwist ist längst begraben. Der spärliche Ueberrest der portugiesischen Juden in Hamburg kämpft jetzt Schulter an Schulter mit den gleichberechtigt gewordenen Brüdern für die Einheit des Judentums. Und jetzt, nach Jahrhunderten des Friedens, wird wiederum von Hamburg aus die Brandfackel des Bruderzwistes in die Judcnheit getragen. Schüchterne Versuche in zwei kleineren rheinisch-westfälischen Gemeinden geben dein Hamburger Familienblatt, das sich stolz das verbreitetste jüdische Blatt Deutschlands nennt, den Anlaß, in einem scheinbar zum Frieden mah• nenden Leitartikel für die Aufnahme auslandischer Juden in die jüdischen Gemeinden eine Karenzzeit und ein Kapitaldepositum, also eine Art Schutzgeld, und für Inländer das Plural- Wahlrecht in Vorschlag zu bringen. Dem durchaus sachlichen Gegenartikel unseres Freundes Dr. Blöde, der in Nr. 5 dieses Blattes als Leitartikel erschienen ist, wurde aus nichtigen Grün• den die Aufnahme verweigert. Uns Hamburger Zionisten wurde bald klar, daß das Familienblatt einem mächtigen Vorstoß gegen das Ausländerwahlrccht, der von jüdisch- ״liberaler“ Seite sorgfältig vorbereitet war, seine Spalten geöffnet hatte. Wir verbreiteten daher in 5000 Exemplaren den zurükgewiesenen Gegenartikel unseres Freundes Bloede und luden die gesamte Judenheit Hamburgs zu einer großen Versammlung ein, in der Dr. Klee über den jüdi- ״Der ZliHslBitias ©«strebt für das Jütllßdio Volk 111a ScliafCeaff einer Offent• ilcli-reclitlld» £ee!r.I10r&«u EeliastMta In wJEUU" Casalor ProrrranBta• scheu Solidaritätsgcdankcn unserer Zeit sprechen sollte, Wir hatten Grund anzunchnien, daß in dieser Versammlung die Juden aller Richtungen gegen die schmachvolleil Versuche, den Ausländern das Wahlrecht zu rauben, Protest erheben und für die Einheit des Judentums Zeugnis nblcgcn würden. Kaum war die Ankündigung der Versammhing bekannt, als das Familienblatt in einem neuen Leitartikel eine Flut persönlicher Beschimpfungen über die Einbcrufer ausgoß. Nach diesem Erguß trat es aber in der Sache selbst einen kläglichen Rückzug an. In dem ersten Leitartikel des Familicnblnttcs: ״Ausländer“ hieß cs einleitend recht schwungvoll: ״Aus dem Osten und Westen des Deutschen Reiches, aus kleineren und mittleren jüdischen Genicinden kommen Nachrichten von heftigen Kämpfen, die um dieses Wahlrecht bereits entbrannt oder im Entstehen sind, den inneren Frieden und die Einigkeit der Gemeinden bcdrohend.“ Eine Woche später behauptete derselbe Redakteur, er hätte nur die unbestreitbare Tatsache konstatiert, dal) in mehreren jüdisehen Gemeinden — es handelt sich bekanntlich nur um Duisburg und Bochum — ein Konflikt über das Gemeindewahlrecht der Ausländer besteht. Er habe mit seinen Vorschlägen auch nur eine Einigung dahin empfohlen, den Ausländern unter einigen leicht zu erfüllenden Bedingungen das jüdische Gemeindewahlrecht in den hadernden Gemeinden zuzusprechen. Zu den leicht zu erfüllenden Bedingungen zählt das Familienblatt also auch die Forderung des Kapitaldepositums. Vielleicht ist es der Meinung, daß der Verleger des Familienblattcs in Erinnerung an seine langjährige ״Aus- Iänder“-Eigcnschaft den unglücklichen Brüdern bei der Beschaffung des Kapitaldepositums hilfreich zur Seite stehen wird. Die Beschränkung der ״Einigungsvorschläge“ auf die hadernden Gemeinden ist zu gütig. Es genügt also nur die Aufrollung des Konfliktes von böswilliger Seite, um den Ausländern der betreffenden Gemcindc den gemilderten Wahlrcchtsraub des Familicnblattes zuteil werden zu lassen. Trotzdem das Familienblatt den üblichen redaktionellen Hinweis auf unsere Versammlung unterlassen hatte, war doch ein Massenbesuch zu verzeichnen. Dr. Klee erklärte, die Tatsachc, daß wir hier den jüdischen Solidaritätgedanken erörtern müßten, beweise, daß etwas faul im Staate Dänemark sei. Man fange an, die Ausländer bei uns als etwas Besonderes zu betrachten. Der Zionismus wolle als der getreue Eckchard des jüdischen Volkes beizeiten warnen, daß man uns nicht einen Schnitt mache, den die Kinder und die Enkel bedauern werden und der unjüdisch sei. Was nütze uns alle wackere Tätigkeit, die möglichst schnelle Naturalisation der Auslände{ herbeizuführen und sie vor Aus- Weisung zu schützen, wenn jüdische Gemeinden offen bekennen, wir wollen sie nicht einmal religiös einbürgem. Dies sei eine freilich unbeabsichtigte Denunziation der Ausländer bei der Regierung, damit liefere man Wasser auf die Mühlen des Antisemitismus. Es sei charakteristisch, daß die Agitation gegen die Gemeinde* rechte der Ausländer von der sog. jüdisch-״libe* ralen“ Seite ausginge. Das habe zwei Ursachen. Zunächst weil die Ausländer zum größten Teil konservativen Anschauungen huldigten, zweitens seien diese Ausländer meist Zionisten. Solange die Zionisten noch jung waren, da habe man auch in ״liberalen“ Kreisen so gütlich polemisiert, cs sei schön, wenn die Jugend sich begeistere. Als aber die Zeit kam, da dieses herangewachsene junge Geschlecht sieb seinen Platz an der Sonne suchte und wünschte mitzuraten und mitzutaten, wo über die Zukunft der jüdisehen Gemeinden, wo über die Zukunft unserer Kinder entschieden werde, da waren wir mit einem Male die Störenfriede. Als sich nun noch zeigte, daß das Gros der Ausländer mit uns gemeinsame Sache machte, da hatten wir mit einem Male die Ausländerfrage, und in die letzte Auffassung von dem einen Gott und dem einen Volk war eine Bresche gelegt, und wir hatten auf einmal zweierlei Juden: Juden des Westens und des Ostens, Juden, die in die Gemeinden hinein* geboren werden, und Juden mit Karenzzeit und Kapitaldepositum. (Stürmischer Beifall.) Nach einem glänzenden historischen Ucberblick über die Entwicklung der Assimilation schloß der Redner mit einer eingehenden Schilderung der zionistischen Forderungen und Leistungen seine meisterhaft aufgebaute Rede. In der Diskussion sprach zunächst der Redaktcur Levinson des Hamburger Familien* blattes. Er schätzte die Intelligenz der Versamm* lung offenbar sehr gering ein, indem er wagte, das Folgende wörtlich zu erklären: ״Es wird Ihnen gegenwärtig sein, daß der Artikel sich bestrebt hat, auf der einen Seite die Strömungen zu schildern, die das Gemeinde* Wahlrecht den Ausländern nehmen wollen, auf der anderen Seite diejenigen Bestrebungen, die es ihnen uneingeschränkt geben wollen, und daß der Artikel getreu der Tendenz unseres Blattes, versöhnend zu wirken und die Einheit innerhalb der Gemeinden herzustellen und zu erhalten, einen Weg gesucht hat, ihnen uneingeschränkt das volle Recht zu gewähren, daß er dann dazu gekommen ist, eine gewisse Karenzzeit vorzuschlagen für die Ausländer. Und wenn nun Herr Dr. Klee auf der einen Seite für das Staatsbürgerrecht eine möglichst schnelle Gewähiung wünscht, ist das etwas anderes, als wenn man sagt, für das Gemeindewahlrecht will man auch eine möglichst schnelle Gewährung durch eine Karenzzeit? Also in dieser Beziehung glaube ich, besteht kein Widerspruch zwischen den Bestrebungen, die Herr Dr. Klee vertreten hat, und den Bestrebungen, die dieser Artikel vertreten hat. Der Inhalt dieses Artikels wollte genau dasjenige, was Herr Dr. Klee in seinen Ausführungen als die Bestrebungen hingestellt hat, die seine Parteifreunde wollen.“ Das war zu viel 1 Ein Artikel, der Karenzzeit und Kapitaldeposituni für Ausländer, Pluralwahlrecht für Inländer vorschlägt, der von Kultur* differenz spricht und eine besondere Ausnahme* Stellung ausländischer Zionisten fordert, ein solcher Artikel soll dasselbe erstreben wie wir Zionisten 1 Mit vor Erregung zitternder Stimme erklärte unser Freund Dr. Halpern, daß Herr Levinson den Artikel seines Blattes bis ins Letzte ent• stellt habe. Er bedauere, daß Levinson nach Ktee's Rede sagen könne: ״Klee hat ja nichts