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Jüdische Rundschau · 1913-01-31 · Heft 5 (31.1.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r I I I I I Abonnements ר cnn n 1 *itf die vdkh.ntli* •m Fielt■; eridieinende ״Judl.che Rundecheu*' kalten bei der Eipeditian uraJ fc■; eilen Poitümtern vicrtrl jährlich 1,5DM., euBerhetb Deutschland. und Oeeter. reich-Unjerne 2,— M,; ffir Mitglieder judiedier Vereine Im Srmnsr.bery״ durch den Verein 1,— M, Verlag JUdUdra Ruedechei E. Ci. m. b, II. BERLIN W. IS, SHchelech« Strefi« ». Telephon! Amt Uhlatnl 8«, OeediSfUetunden! 9—1 und 4-7 Uh,, ■uSer Sonnebend und Sonnt■;, V—— ץי־ Vj V_J LJ L 1 I - *U ’■' ך־ t « y 'k J J J \ K *CN כ n Ln 1 \ 1 Anzeigen palten• Petit• kotten für die i^ch I teil« oder deren Raum 46 Pf.ן Stellen g Angebote und •Ge*udhe •»wie Verein*•! MiUeiiung-eo und ״Klein• Aoieigto* I ם ם nur 30 Pfennig. Q Q | Minuekripte werden, wenn Porto beiliegt« ■ *UU *urmLgfs»mit Ketisklion**dah»ftl ן Miltworit vormittags. ן Redaktion Jüdisch• Randidt•■ י BERLIN W. IS, Saüisiiche Straft• ft. Telephon! Amt Uhland 845, Sprechstunden Dienstag und Donnerstag 5—6 Uhr nachmittag«. I I t^i C־ i i V /״! r^\ n cj /) ח ' j v \ i ׳ | j U O k..:5 U c7״ Nummer 5 Berlin, den 31. Januar 1913 — 23. Sch’bat 5673 XVIII. Jahrgang Ausweis Schekel: 11111912 ׳: l'jn/cliii׳ Zionisten IV,; für 1013; Kolli 14,--, Stuttgart 5, , Massovv 1, , J.itier b , Wanne i, , lleilshcrg I, M, LaiidesorganlsatioiHbdIfitgc: 1. O r l s j! r u p |H■ 11: Für 1012: Kuli» 84, - M. 2. F 1 n ze I p 1־ rso neu: Für 1912: R.-A. Bein- Mamtcburg 5, , Paul C«ltn-<iuUst!ult 2,2) ׳. Rate); für 1013: R.-A. Dr. Illias Straus-Müudicn 40, , I)r. M. Warschauer-Berlin 10, , Dr. Siclif 1-Cheinnit,r 40, , Jacob Uoich-Müncliei» '2(1,•- , Joseph Salztnunn-Königsln׳r!4 40, -, Jacob Friinkii-Münchcit 10, , 1 >r. Adolf Jost1|׳l1sohn (V. J. St.), Königsberg, 10, , l)r, Julius Kat/-Bcrhu 20, , Frau lirna Kary-Jaucr 5, , Dr. R. Oidioii (V. J. St.), Köln, 5,—, Max Reicii-Liegnitz 5,—, Alma Egor-Magdcburg 5,— , Pr. WiutriU-Dt.-Eylau ר, , I, Ziegcllauh-Worins 5,־ , Carl Uacr-Köln H), Julius Wulilfarllt (K.Z.V.), I Icidclhcr!.;, -1, (crsti• Rote), Dt־, Adolf Ziiumcriiianii•Berlin 5 AI. 4. V c r s c h 1 c d c 11 c S pe n d v 11: Für 1914: Aus Kaltnwitz 4, , Berlin 3,~! Elberfeld <1, M. Eingang vom 25. -31. Januar 1913: Schekel: für 1012: 19, M.; für 1<)14: 54, - M. Landes- <> 1׳.!׳ a 11 i s a t io n s b c i t r ä g c: für 1012: <>0, M.; für 1014: 231 M. Gesainteingang: Schekel: für 1912: 7256,25 Mark; für 1014: 405,— M. Landcsorgitnisa• tionsbeitrage: für 1012: 20 156,4(» M.; für 1014: )204 M. Adresse fllr Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sachskc'Iio Str. 8. Postscheckkonto! Berlin 8001, Bankkonto: A, H. Heymann & Co., Berlin NW., Unter den Linden 59. Ausländer und kein Ende Von Dr. Gcrson B1 0 e d e ־ Hamburg. England und Amerika schließen sich gegen Ausländer ab; Skandinavien steht unmittelbar davor, diesem glorreichen Beispiel zu folgen; deutsche Universitäten weisen die Ausländer weg, just in dem Augenblick, wo Männer am Werk sind, rumänischen Wortbrudt an Ausländern endlieh, endlich zu hemmen. Ist’s ncitig r.t! sagen, daß ,,Ausländer“ immer nur Juden bczeichnen soll? Zeitgemäßer konnte also kein Artikel sein, wie der in Nr. 3 des ״Hamburger Familienblaties“ erschienene Aufsatz ״Ausländer“. An leitender Stelle, in durchschossenem Druck und ungczeiclmet, muß er und will *er hoci!offiziell sein. Wir sehen: von Lund bis London, von Galatz bis Galvcston, von der Abcstrafle bis zur Easlside: Ausländer und kein Ende! Zwei Gründe haben den Herrn Namenlos veranlaßt, den Artikel zu verfassen, erstmals, weil die Ausländerfrage hinsichtlich des Gemeindewahlrechts innerhalb der jüdischen Gemeinden akut geworden sei, und dann, weil der Ausschuß des ״Verbandes der deutschen Juden“ in seiner letzten Sitzung hierüber schon bestimmte Beschlüsse gefaßt habe. Drei Dinge könne man mit Sicherheit sagen: Erstens: Die Ausländer als armes und die Gemeinde stark mehrendes Element belasten sie schnell, können sich aber, fluktuierend und der Ausweisung unterliegend, nach Ihrem Forlztigc jeder Beitragszahlung entziehen. Zweitens: Sie seien im grollen und ganzen — Ausnahmen gern zugegeben ־־־ gegenüber inländischen Wahlberechtigten[ kultur; different. Drittens: Ihre Gesinnung könne natürlieh nicht eine deutsche nationale sein, sondern «i häufig eine jüdisdt-iiaüonale, zionistische. ״Der Zlonistiiu« erstrebt für da* jllcllsclie Volk die Schnffunjj einer Jiffcnt- ■ich-rcchtlich gesicherten Ilelinstütte In P«M*tI0a.“ BaseIor Programm. Die Einwanderung sei in gewissen Grenzen notwendig und ersprießlich, aber aus den angegeheuen Gründen könne man erst nach Sicherung des finanziellen, kulturellen und deutschen Bc- Standes der Gemeinde den ausländischen Glaubensgenossen das Wahlrecht ciuräiuncn. Die Lektüre des Artikels ist nicht gerade belustigend, aber folgenden Satz möchte ich doch festlialicn; ״Die Grundsätze der Naturalisation stellen nichtjüdische, nicht immer judeiifrcuinlliche Instanzen fest.“ Hier scheint Sonne. Deutscher Humor ist hier verklärend ausgegossen. Wie seltsam! Man liest den Artikel zu Ende, und auf derselben Seite lange Mitteilungen über die russischen Studierenden, die Dreyfus-Afiärc, die Juden in Palästina, also wieder Ausländer. Mail will den Anfang des Artikels noch einmal genießen, unwillkürlich fallen die Augen auf die Namen der Gemeinden Hamburg, Wandsbek, Altona. Sind diese Gemeinden nicht, von jüdischer Historie aus betrachtet, erst vor wenigen Generationen von Ausländern gegründet? Und die deutschen Juden — sind die Rothschild, Beit, Locb, Cassel usf. nicht jetzt alle Ausländer? Also wiederum: ״Ausländer und kein Ende.“ Wirklieh und wahrhaftig, wir Juden scheinen doch wohl das Volk der Ausländer zu sein: die Judenfrage ist die Ausländerfrage. Doch nun die drei Kernsätze, die drei Argumente: Die finanzielle Seite ist wohl kurz abzutun. Ob die Ausländer das Wahlrecht haben oder nicht, die jüdischen Gemeinden werden es nicht umgeben können, für materiell darbende Mitglieder materiell cinzutretcn, für geistig hungrige durch Lehrer, Beamte, rituelle Institutionen usw. zu sorgen. Dieses Argument hält der Prüfung nicht stand. Aber das zweite: die Kulturdifferenz. Da steht ein westpreußischer Instmann und gegenüber ein Universitätsprofessor, hier ein bayerischer Wäldler und gegenüber ein Hamburger Senator; sollte in diesen Beispielen die Kulturdifferenz. nicht ebenso groß sein, wie zwischen einem Ausländer, der die Strümpfe hausierend cn detail und einem eingesessenen Großhändler, der sie schon en gros verkauft? Wenn man an zahllosen Beispielen sieht, wie oftmals aus so einem armseligen ״Ausländer“ in viel kürzerer Zeit als die Karenzzeit, welche der Verfasser so gütig ist festzusetzen, eine Größe der Kunst, der Wissenschaft, des Handels gewurden ist, eine Zierde der deutschen Judenheit, sollte hier nicht die alte, böse Vcrwcehslung vorlicgcn, von Kultur, — •die man in sich tragen und mitbringen muß -— und. Zivilisalkm, die man sich ancignen kann? Man nehme!ms der Eilte der deutschen Judcnlicit alle Ausländer, sie würde sofort verlieren. Man nehme weiter alle, deren Väter noch Ausländer waren, man würde staunen, wie groß der Vcrlust wäre; man nehme endlich alle, deren Großväter in diese Rubrik falle«, icli fürchte, die •Elite der deutschen Judenhcit befände sich mit einem Schlage auf der ausländischen Seite. Das zweite Argument scheint also weniger auf einer ״Kulturdiffcrenz.“ zwischen Juden zu beruhen, als auf einer W i s s e 11 s differenz zwischen dem Verfasser und anderen. Und nun endlich das dritte ״nationale“ Argument: Da dürfte wohl mancher der Ansicht sein, daß zu einer jüdischen Gemeinde nur jüdi sehe Gesinnung zu gehören habe, daß nicht das Wenden zum Jezer ״l lurrah“, sondern das Abwenden vom Jezer lioraii eine ihrer Aufgaben sei, daß jüdische Gemeinde und Zion einander nicht wesensfremd sein können, sein dürfen. Die Aufgaben eines Kriegervereines hat sie vorerst noch nicht. Was heute üeutsclmationai ist, war es noch nicht vor drei und wird es auch in drei Generationen nicht mehr sein. Um Ewigkeitswerle dreht sich anderswo eine jüdische Gemcinde, und sollte cs auch in Deutschland tun. Indes, liier gilt cs nicht bloß der Widerlegung recht haltloser Argumente, sondern der Vernichtung der Gesinnung, die aus dem Artikel spricht. Diese Gesinnung ist leider im deutschen Judentum verbreitet, und vielen hat der Artikel aus der Seele gesprochen. Das Moralische versteht sich doch immer von selbst; was hier durch eine einflußreiche Schicht bezweckt wird, scheint aber das Gegenteil. Was will seit langem der Antisemitismus? Ein Fremdenrecht für uns Juden. Was wollen hier Juden? Ein Fremdenrecht für ihre eigenen Volksgenossen. Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie. Reden von ״Ausländern“ und meinen unter sich doch nur ״Polackcn“. Vergessen dabei nur, wieviel deutsche Juden ״Polacken“ sind. Die Teilung Polens, ein Geschick, vom Judentum ganz unbeeinflußt, hat den einen Teil der polnischen Juden an Rußland und Oesterreich, den andern an Preußen gebracht. Der Jude des Großherzogtums Posen war — wiederum von jüdischer Historie aus betrachtet — noch vor kurzem von dem in Warschau oder Krakau nicht verschieden. Was an Juden heute Preußen bewohnt, sogar das der Genicindcstuben, das ist zum überwiegenden Teile nichts als ״Polack“, und maßt sich jetzt an, andere Juden auf ihre deutschnationale Gesinnung prüfen zu dürfen! Was ist ״Richtlinie“ bisher dem Gottesdienste gewesen und ist cs auch heute größtenteils noch? Minhag Polen. Ja, woher bezog und bezieht noch das deutsche Judentum seine Lehrer, seine geistigen Kräfte, wenn nicht aus dem ״Ausland“? Man sehe sich darauf hin die Großgemeinden an, mit ihren doch wohl wertvollsten Personlichkeitcnl Man denke an Berlin, an Frankfurt^ Von Hamburg, Altona gar nicht zu reden, wo die sämtliche n maßgebenden Rabbiner eigentlich einer Karenzzeit unterliegen müßten. Die deutsche Judenhcit leidet schwer. Palitisch unfrei, äußerlich hart bedrängt, wird sic innerlich von Taufe und Mischehe ausgehöhlt und zernagt. Immer mehr schwinden die wirklieh deutschbürtigcn Familien. Nur einen gesunden Zustrom hat das blutarme deutsche Judentum, den der Ausländer. Will cs diese unter ein Fremden recht zwingen, so werden wir bald auch in Deutschlands Judcngemehidcn rumäritsche Verhältnisse haben: wenige, vollbcrechtigte Deutsche und unverhältnismäßig viele Fremde, Sollten unsere Rabbincn und Lehrer, von denen so viele Ausländer sind, hier schwelgen können? Noch lebt auch in deutschen Gemeinden das Sch'ma Jisroül, das nur ein Volk kennt, noch wird ״owlnu malkcnu“ angerufen, jener

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