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Jüdische Rundschau · 1913-01-24 · Heft 4 (24.1.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Sch bat 5673 XVIII. Jahrgang Ausweis Schekel: für 012י: tiottin^cn 5, , für 1913 I!•iIh׳hs;iIa־i 24,—, Slallupönen I, , Breslau 1, M. Landesorganhationsbeiträge: 1. Ortsgruppen: für 1912: Main* 50, , B< uthen 15(),-, Tamowitz 80, -, Wreselien 3(1, ״, Kittowitz 150, , Freiburg 5, , für 1013: B. Z. V. 2<י,--. Breslau 4,—, Berlin (Fmzdbeiirag) 3,— M. 2. F i n / e 1 p e r s o n e n: für 1912: l)r. Sclimul, l’.isen 5, , I>r. Bernhard Kahn, Berlin 10,—, für 1013: I>r. I, Kassel, Berlin ־ Wittenau 20,-, I)r. Moses, Mannheim 20,—, II, l'ostavveisky, Stallupoaeii 5. , B. Spira, Pforzheim 5,—, S. Samuel, Ciiarlottenburg 5, , Adolf Granne, Berlin 10,—, Albert Sachs, Königsberg (1 , Arthur Stein (V. J.Sl.), Slraßburg 10, , Pr. Rudolf Leszynsky, Grunewald, 10,— , B, M,, Mannheim 1(K),—, Pr.-Bernhard Kahn, Berlin 10, ״ , Alois Natzler, Regensburg 5, J, Micha• l.uvski,!)iisseldorf ■10, ״, S. 1 iciiiemaiin, Nürnberg (1, , Max Wollslciner, Charlottenburg 30, — , Pr. Bodenhcimer, Köln 5(),—, Rechtsanwalt Pr. Zirker, Berln 10, •-׳, Pr. med. P. Moses, Dessau 5,- , Zahnnr/f Seliereschcwsky, Heilbromi 10, , Berlliold I ciwel, Strallburg I(),—, A. Straus, lX־penau 25,־-, 1)1. II. Mühsam, Berlin ILid. Peutsdiländer, Königsberg 5,-, J. 11. Wagner, Berlin 5, ״, Pr. Selimar Berlowitr. (V, J. St.) Königsberg 5, ־, Rechtsanwalt F. Goilcin, Mannheim I0,־—, Pr. Pfälzer, Weinhemi 10,— M. 3. Verschiedene Spenden: für 1913: Haiberst.nli 1,50 M. Fiiigang vom 16. bis 22. Januar 191.1: Sehe- 1: c! für 1912: 5. , liir 1913: 26,— M,; t.;indesorg a 11 i s a t i on s h e i t r ä g e für 1912: 480, , für 1913; 465,50 M. Gesamteingang; Schekel für 1912; 7237,25, für 1911: 252,— M.; Landesorganisationsbeitrage für 1912 : 20066,46, für 1913: 3068,- M. Berichtigung. Von den in voriger Nummer ausgewiesenen Mark 43, aus Kattowitz waren M. 15,— für den N. F. he- 1.11111ml. Pie Addition ist dementsprechend geändert *orden, י Zionistenkoller Eduard Bernstein erzählte einmal das folgende schone Cjcschichtchen: in einer gröberen, nahe der deutschen Grenze gelegenen Stadt der Schweiz, sagen wir Zürich, hatten die Naturalisationen ״■ dort ״Ein• burgerungen“ genannt — einmal etwas überluiul genommen» Immerhin waren noch eine Anzahl von Kandidaten da, die man ins Bürgerrccht aufnclimcn wollte. Der erste, ein den Schweizern wenig angenehmer Norddeutscher, der seine Naturalisation nur dem Umstande verdankte, daß inan die später zur Abstimmung gelangenden Kandidaten nicht durchfallen lassen mochte und deshalb die Anti-Fremdcnstinnming noch künstlich cindämmte — dieser Biedere also war eben Eidgenosse geworden, als er auch schon den enragierten Schweizer herauszubeißen begann und die Stimmung seiner Mitbürger iin ausländerfeindlichen Sinne bearbeitete. Er hielt alsbald fulminante Reden mit dem Refrain: ״Schluß mit den Einbürgerungen!“ und der Erfolg war, daß die wenigen Stimmen, mit deren Hilfe eben noch er selber das Bürgerrecht erhalten hatte, von der bisherigen Majorität abbröckelten. Keiner von denen, um derctwillcn die Maßgebenden die Fremdenfeindschaft eingedämmt hatten, wurde mehr ins Züricher Bürgcrrecht aufgenommen. Die Geschichte spielt vor einigen Jahrzehnten, aber lehrreich ist sie heute noch, denn die ״gemeine Psychologie“ ist dieselbe geffcblieben. ״Der Zionismus erstrebt für da* jüdische Volk die Schaffung einer Sffent- »Ich-rech'JLlch geeichortea Heimstätte in Palästina.“ BaflcIcr Programm. Jüdische Nutzanwendung? Bitte! Flerr Leßinami in Hamburg ist vor einem Jahre naturalisiert worden, und vorige Woche bringt er in Nr. 3 seines ״Israelitischen Fami־ lienblattcs“ einen Artikel gegen die Zulassung ausländischer Juden ,zu den ücuvcindcwahlcn. Gerade dem Blatte des Herrn Lcßmann hätte es angestanden (davon kommt das deutsche Wort ״Anstand“!), in dieser Frage, die seit längerer Zeit in einigen deutschen Gemeinden diskutiert u׳ird, recht zurückhaltend zu sein. Statt dessen stellt es sich unter dem bei ihm üblichen Vorwände der Unparteilichkeit, auf die Seite der entschiedenen Gegner der ausländischen Juden. ״Prinzipien“ sind einem Blatte, dessen einziges Prinzip die Prinzipienlosigkeit ist, natürlich ein Greuel, und so macht cs erst alle diejenigen lächerlich, die diesen Streit mit Prinzipien zum Anstrag bringen wollen. Es beißt aber doch, nicht nur die deutsche, sondern auch die lateinischc Sprache mißverstehen, wenn man ״Prinzipien“ mit der ironischen Wendung ״hochtönende Worte“ übersetzen zu können meint. Wir wollen gern zur Verbesserung der Sprachkenntnisse der Hamburger Kollegin beitragen und ihr sagen, daß Prinzipien Grundsätze sind, deren weder der einzelne noch eine Gesamtheit im Handeln eiitraten darf, wenn sie auf das Anspruch erlichen, was man Charakter nennt. Ob inan das will oder nicht, ist natürlich Gesclmiacksache, und darüber ist in der Tat jeder Streit aussichtslos. Da nun Herrn Leßiuanns Blatt darauf verzichtet, so ist mit ihm auch nicht zu rechten. Daß es aber zum Unrecht, das es den ausländischen, in Deutschland wohnenden Juden zugefügt sehen will, auch noch den Spott hinzutut, muß niedriger gehängt werden. Was anders als Spott ist es der Masse der in Frage kommenden Juden gegenüber, w׳cnn Herr Lcßmann vorschlägt, zum Ausgleich der finanziellen Lasten, die der Gemeinde erwachsen oder erwachsen könnten durch die Teilnahme der ״Ausländer“ an der Gemeindeverwaltung, sollten diese ein ״Kapitaldepositum“ für den Fall ihres Wegzuges oder ihrer Ausweisung hinterlegen, Unser neuer deutscher Mitbürger-vergißt, daß es nicht jedem seiner ehemaligen Lands-!eilte glückt, eine Inseratenplantage ins Leben zu rufen, die ein solches ״Kapitaldepositum“ ermöglicht. Auf das Gerede von der ״Kulturdifferenz“, die das Hamburger Blatt sich nicht schämt gegen Juden anzuftihren, gehen wir nicht ein . . . Herrn Leßinami ist es nicht gegeben, unsem Stolz so weit zu reizen . . . Die Forderungeiner Karenzzeit bis zur Erteilung des Wahlrechts kann man im Prinzip — Herr Lcßmann, im Prinzip! — anerkennen, aber wepn die Logik im politischen Denken auch nur irgendwie nodt maßgeblich ist, muß diese Karenzzeit dodi für jeden Zugezogenen, auch für den inländischen Juden, zur Anwendung kommen. Der ganze Streit aber — das Hamburger ן Blatt gibt es unvorsichtigerweise offen zu! — wäre ja nie entbrannt, wenn die liberalen Juden, zu deren Sprechern sich Herr Lcßmann macht, weil eine Liebe nun mal der andern wert ist, nicht in der Teilnahme der ausländischen Juden an der jüdischen Gemeindeverwaltung eine Gefahr für sich witterten. D a s ist des Pudels einziger Kern, ״daß die ausländischen Juden aus den östlichen Ländern vielfach den besonderen jiidisch-nationalen Tendenzen des Zionismus huidi ge n“. Daher Kapitaklcpositum, Karenzzeit, Pluralwahlrecht der Inländer und dergleichen, was alles die ״liberalen“ Juden in ihrer Zionistenangst sich ausgedacht haben. Und worüber sie ganz vergessen haben, was sie freilich schon lange nicht mehr recht wissen, daß eine jüdische Gemeinde nur jüdische Aufgaben hat und sonst gar keine. Bloßer Zionislciikoller, der unsere sonst so mutigen ,,Israeliten" erfaßt hat, leitet ihr Vorgehen in dieser 'Wahlreditsfrage. Die blasse Furcht, die Zionisten konnten in die beschauliehe Ruhe und Abgeschiedenheit der Kille-Vervvaltung ein wenig frische Zugluft bringen, veranlaßt sie, alle liberalen Prinzipien einzupacken und alle Mittel und selbst die übelsten Mitteldien ״reaktionärer“ Politik hervorzusuchen. Weil mau die inländischen Zionisten nicht gut entrechten kann, und weil man zu den Erfolgen des neu gegründeten Komitees zur Bekämpfung des Zionismus doch noch nicht ■das rechte Vertrauen zu laben scheint, deshalb versucht man es durch ein Hintertürchen, die bösen Zionisten etwas zu schwächen. Zu diesem edlen Zwecke geniert man sich nicht, selbst antisemitische Argumente zu benutzen, fügt zu den ״Ausländerlietzeu“, die wir Juden gegen alle möglichen antisemitischen Gewalten »uszukämpfei» haben, eine überflüssige neue, die den extremsten Judenfeinden willkominencs Material liefern wird. Und das tun dieselben Leute, die mit Vorliebe die Zionisten als ״jüdische Antisemiten“ bezeichnen. Aber die Herren mögen sich in acht nehmen und sieb von ihrem deutschen Ucberpatriotismus nicht zu weit treiben lassen! Uns wird ihr Vorgehen nicht schaden, denn alle gerecht und jüdisch denkenden Juden werden uns durch solche Kämpfe direkt in die Arme getrieben, aber der Pfeil, mit dem sie uns zu treffen gcdenken, wird bald auf sie zurückprallen. Kampf ist Kampf, und wenn er mit solchen Mitteln geführt wird, könnte man vielleicht den so auffällig laut betonten Patriotismus einmal unter dieselbe Lupe nehmen, unter der ihr Liberalismus schon so viele bösartige Sch immelHecke gezeigt hat . . . Herr Leßinami aber, als der neueste Rufer im Streit, sei zum Schluß noch an ein anderes Gcschichtcbcn erinnert: Da hat sich ein Jude taufen lassen, und als ihn beim Ausgang aus der Kirche ein anderer Jude fragt, wie's gewesen sei, sagt er hochnäsig: ״Geh״ wog, dreckiger Jud׳ I“ Die Moral aus dieser Geschichte mag der reichsdcutsche Herr Lcßmann sich selber ziehen. Seine schon seit längerer Zeit naturalisierten Gesitinungsgenossen aber mögen slch's gesagt sein lassen, daß sie in diesem Kampfe keine Lorbeeren ernten werden I J. B.

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