Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1913)
- Date
- 1913-01-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IS, Slchaladia Str•»• (, ן Talaphsai Ami Uhland MS, ־־ BpfaA«lund«n ßlnnal•( und Donmnlaf »mit‘“ 5-8 Uhr naiüinlll•(•, «׳״/ 1,11 Berlin, den 10• Januar 1913 — 2.Sch’bat 5673 XVIII. Jahrgang Ausweis Schekel 1 für 1912: Weinlicim I,-, für 1913: Biscliwciler 18,--. Halbcrstadt 20, - , Ohcrsilvko 1, - M. Lnndcsorßnnlsatlonsbeitrilgc: 1. Ortsgruppen: für 1912: Köni^sliiitlc 30,—. B. 1. V. 60,--. Eydtkulincn 30,- , für 1913: München (Einzclhcifr.ij3 (׳,—, NiisnlH'rg (Eiii/clbd• trag) 3,-•, Berlin (EinzelI»eitr:1 (3 (׳, , Bischwciler 2, —, Bamberg (Einzclbcitrag) 3,—, Breslau (Einzel* beitrag) 3,—. Frankfurt a. M, (Einzclhcitrug) 3, M. 2. Einzelpersonen: für 1912: Justizrat Dnaloszvnski 100,—. l)r. Edelstein, Bonn, •10,—, für I913: Zahnarzt Joseph Freund, Kempen, 0,—, l)r, Hans Oitlcon Heymann, Berlin, 20(),—, l)r. Hermann Fcitli, Frankfurt a. M. (1, Rate), 10,—, Albert 13anull, Essen, 5,—, San,-Rat l>r, Benno Leivy, Berlin, 100,—, Isaak van Clccf, Köln, 15,—, L. Rosenberg, Essen, 20,—. I>r, W. Munk, Berlin, 20, Dr, Schwarz, Breslau, 25,—. Rechtsanwalt Lewin, Dt.-Eylnu, 10,— Frau Elise Marcus, Göthen, i. A5 ״,—, Zahnarzt Roth■ Schild, Lübeck, 5,—, Dr. Salingcr, Blich, 5,—, Max Mnrkrcich, Bremen, 5,—, Fritz Markrcicli, Bremen, 5,—. Max Hcimann, Aachen, 9,—, Dr. Nissel, Königsberg, 10,—. Dr. med. Üolübcrg, Frankfurt-!־leddernheim, 10,—, L. 'Schlesinger, Berlin, 20, Albert Fischer, Danzig, 5,—. Bruno Fischer, Danzig, 5 — Dr. Herbert Lcvy, Danzig, 5,—, Rechtsanwalt Dr. Elias, Kassel, 25,—, Frau Berta Kamnitzcr, Allenstein, 5,—, S. Roscnblüth, Berlin, 10,—, Dr. E. Rosenkranz Charlottenburg, 5,—. Frl. Hedwig Woblfarth, Frankfurt a. M., 5,— Frau Therese Moser, Frankfurt a. M,, 5,—, Rechtsanwalt Hans Stcinilz, Berlin, 10,—, Dr. Walter Stein, Königsberg, 20,—, J. Bacr, Berlin, 12,—, Dr. Löwenstein Berlin, 10,—, Edmund Levy, Berlin, 10,—. Daniel Treu, Essen, 20, Heinrich Auerbach, Essen, 5,—, Rechtsanwalt Dr. Hellmut Fricdcmann, Berlin, 20,— J, Oppenheim, Berlin, 10,—. Lippmann Bloch. Breslau, 50,— Dr, med, G. Wcnnuth, Berlin, 5,—, Ignatz. Fürst, Breslau, 15,— Rechtsanwalt Dr. Klee, Berlin, 20,—, Rechtsanwalt Dr, Siinon, Berlin, 5,— Redakteur Lcwin, Berlin, KM),—, Dr. Falk, Breslau, . Samuel Uoldreidi, Essen, 5,—, Frau Else Goldrcich. Essen, 5,—, Leopold Appel Berlin, .5,—. Marcus Mark, Heidelberg, 2t), - Moritz Ermann, Frankfurt a, M., (>,—, Dr. E. Edelstein, Berlin, 5,—. H. Dülken, Köln, 20,— Gustav Domkcr, Berlin, 5,—, Outtmaiin, Breslau, 10, - Leo Dinesmann, Königsberg, 20,—, S. Ilepner, Berlin, 100,—, Hag» Schachtel, Breslau, 10,—, Dr. Sandler, Cliarlottenburg, 25,—. Hugo Lcwin, Königsberg, 5,— Anna Lcwin, Königsberg, 5,— M, 3. Verschiedene Spenden: für 1912: Kattowitz 54,-, für 1913: Oottlmltuuscn 2. M, Eingang vom 1. bis 8. Januar 1913« Sehe- -k e I für 1912: 1,-, für 1913: 39, ~ M.; Landes- Organisationsbeiträge für 1912: 314,-, für 1913: 1157,- M. aesamteingang« Schekel für 1912: 7231,25, für 1913: 166,— M,; Landcsorganisntions• beitrüge für 1912: 19197,46, für 1913: 1522,— M. Berichtigung, Die in Nr. 1 ausgewiesenen 5,— Landcsbcitrag und 1,— Schekel von Herrn Tassdkraut, Wcißenfels, sind nicht für 1912, sondern für 1913 gezahlt. Dementsprechend ändern sich die betr. Additionen, Adresse für Geldsendungen! Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W, 15, Säch- »liehe Str, 8. Postscheckkonto« Berlin 8091, Bankkonto« A H. Heymann tc Co•, Berlin NW., Unter den Linden 59. ״Der Zifknlnimia erstrebt für das Jüdlsdie Volle «Sie Sclrnffung einer Bffent• ildi-recLillclk goldiertctt HelinstStto ln E»k, Programm. ״Ausländer“ Der deutsche Universitäts-Antisemitismus. Ein dentsch-es Sprichwort sagt, der liebe Gott hatte dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wüchsen. Und so ist cs auch. Meinen die deutschen Juden endlich einmal, Sombart als Antisemiten entlarvt und die Zionisten durch ein zu deren Bekämpfung gegründelcs Komitee unschädlich gemacht zu haben, so schreckt sic schon wieder eine neue Frage aus ihrer beschaulichen Ruhe auf. Mit der ungestörten, friedlichen Assimilation will cs gar nicht mehr recht vorwärtsgehen. Dabei muß inan sagen, daß die deutsche liberale Presse sich redliche Mühe gegeben hat,' die neueste Judenbatz im Deutschen Reiche hübsch schämig als ״Ausländcrfragc an den deutschen Universitäten‘' zu kaschieren. Einem Teil ■dieser Blätter muß mau übrigens Unkenntnis als mildernden Umstand anreebnen, obwohl sie bei Organen der öffentlichen Meinung nicht als solcher wirken kann. Aber der Erfolg bleibt ja der gleiche: Null Komma Null. Jeder Mensch weiß, daß diese Ausländerfrage eine Juden frage und gar nichts anderes ist, weil mindestens 95 ״/» der in Betracht kommenden Ausländer eben Juden sind. Nun kann man aber häufig selbst von Leuten, denen man eine bessere Kenntnis der Dinge Zutrauen sollte, und von denen man böse Absieht nicht anrieiimcn darf, die leise Frage hören, warum denn alle diese russischen Juden im Auslande studierten. Unsere Leser wissen, daß sic das nicht tun, weil sic reich sind und sich's leisten können, scimlern weil die russische ״Pro* zeiituonii“ sie dazu zwingt, die selbst von dein siebenmal gesiebten Häuflein der jüdischen üymnasialahituricntcn nur einigen wenigen Glückliehen das Studium an den russischen Univcrsitäten gestattet, Der niiciif böswillige Zeitgenosse steht also zunächst cinnutl vor der Tatsache, daß Tausende von jüdischen Abiturienten aus Rußland int Auslände studieren müssen. Daß ein so großer Tcfl von ihnen in Deutschland stu* *fielt, hat geographische Gründe, die keiner Frklärung bedürfen, und daß die meisten Medizin studieren, ist wicht mir in dem russischen Aerzteinangcl begründet, der eine freilich oft recht kümmerliche Existenz in weltentiegencn russisehen Städtchen und Dörfern verbürgt, nein, der Grund ■für diese Tatsache liegt zum Teil in einer besonders fein ausgeklügelten russischen Vcrwalttmgsmaxitnc, Nur das im Auslande ab* gelegte medizinisch« Doktorexamen näm* lieh, schafft dem jungen Juden oder der Jüdin rasch eine wirtschaftliche Existenzmöglichkeit, weil cs auf Orund dieses Examens ln Rußland zum medizinischen Staatsexamen zugelassen wird und nach dessen Absolvierung als Arzt praktizieren und im ganzen russischen Reiche wohnen darf. Der Jurist dagegen darf zwar nach einem deutschen Doktorexamen auch in Rußland die juristische Staatsprüfung ablcgen. wird aber darum noch lange nicht zur Anwalt schaft zugelassen, weil die Listen der Anwälte zurzeit — wer weiß, wie lange noch! — für Juden überhaupt gesperrt sind. Ob den armen Studeuten min also Neigung treibt oder nicht — j es bleibt ihm nichts anderes, als Medizin zu ' studieren, und da die meisten seit Jahren mit dem Gedanken vertraut sind, so tun sie’« gern und — Wie von manchen nur mit Zähneknirschen zugegeben wird, aber nicht geleugnet werden kann — in der überwiegenden Mehrheit mit großem Eifer. Was bringt denn nun die deutschen Studenten so sehr in Harnisch, daß diese konservativste Jugend Europas sich zu dem revolutionären Mittel des Streiks hinreißen ließ? Und welches wissenschaftliche Interesse, da Brotneid ja doch ausgeschlossen ist, weil die ״Russen“ niemals deutsche Aerzte werden können? Ach nein, wollen uns doch nichts vormachen! Die Sache liegt so: die russischen Juden, die an dem geselligen Leben der deutschen Studeuten nicht Anteil haben können, noch auch wollen, die in möglichst kurzer Zeit ihr Studium absolvieren müssen, sind — siehe.oben! — eifrig und fleißig, versäumen kaum ein Kolleg, keine Klinik und sind namentlich als ״Praktikanten“ sicher immer anwesend, wenn sic drankommen, Das soll bei den «kutschen Studenten nicht immer der Fall sein. Die sind oft durch wichtige Dinge — als da sind: Frühschoppen, Dammcrschoppcn, Nachwirkung von Abendschoppen u. a. m. — von der Teilnahme ferngehalten, werden in der Liste der Kliniker dann, wie es vielfach Brauch ist, einfach übersprungen, und wenn das im Semester einige Male so geht, dann kann es wohl kommen, daß so ein deutscher Student, der doch hier ״Herr im Hause" ist, infolge der Anwesenheit der fremden Gäste, freilich eben auch infolge seiner eigenen Ab- Wesenheit, am Ende des Semesters kaum ein- «nier zweimal an einen Patienten* herangekommen ist, während die ״Ausländer“ dreimal so oft dran waren. Nun erltolmi die deutschen Studenten seit Jahren schon ein großes Geschrei über die ungenügende Vorbildung der Ausländer. Auf einen Teil traf das zu, und niemand protestierte, als man rigoros von den russischen Studenten ebenfalls das volle Gymnasialmnturitätszcugnii vorlangte, obwohl es für viele Juden in Rußland ja dien eine Unmöglichkeit ist, dieses Zeugnis auf irgendeine Weise zu erlangen. Jetzt aber haben sich’s die deutschen Kliniker — heißt Medizinstinlcutcn in den späteren klinischen Scmeslcm -• besser überlegt. Die Russen sollen auch das Physikum — genau wie die Deutsehen — ablcgen, bevor sie zu den Kliniken zu* gelassen weiden. Na, warum denn nicht? konnte man sagen. Mit Verlaub, das ist gar nicht so selbstverständlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Das ist vielmehr eine ganz unberechtigte, rein ,schikanöse Forderung! Denn das Tcntamen physicum ist eine Vorprüfung zum ärztlichen Staatsexamen, zu dem die Russen aber gar nicht ™gelassen werden, und das sie auch nicht ablcgen wollen, weil es für sie zwecklos wäre. Sie machen hier nur das medizinische Doktorexamen, das außer dem Titel ״Dr. med."• keine Rechte gibt, als jenes, daß sie dann daraufhin in ihrem Heimatlande Rußland das russische Staatsexamen ablcgen dürfen. Die Forderung der ״Gleichstellung der Ausländer mit den Inlin*