Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1913)
- Date
- 1913-01-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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SjnredkBttiadeapieMtef und Doneereteg »ecfamlH 5—6 Uhr »< *—w wui ■Mu4n>äH«(0• י־־'׳/ Nummer 1 Berlin, Ausweis Schekel 1 für 1012: Eversael hei Builbci(: 1,-, WcilUnlelt« I,- , Nürnberg 1,--, f(tr 1013: Stuttgart 5,—, Ologau 1, ־, klar 2,—. Landesorganlsatlonsbciträge 1 1. Ortsgruppen: für 1012: l-rcibtiry i. B, (2 Einzclbcitrii|׳c> Klcryka bei üncscit 2,- , verspätet a11Kgcwim׳n: New York 3, -, Myslowit/. 1,־ , (ür 1011: Oolgnu 1.—, Stuttgart 0.—, Mannheim 240, , Ostrowo 12,--, 2. Einzelpersonen: fiir 1012: l>r, Lob, Stuttgart versp, nusgew. 5.-~, Fmmy Hildesheimer, Berlin, 4,•■, Ur. Eniuio Löbl, Leipzig, 5, ■־, Apotheker Heinrich, Neufaltrwasser (2. Rate), ), , Oberkantor S. Cerini, Breslau, 10,•--, Dr. med. Laiulau, l);m/ig, 5, t Dr. kosen, Leipzig, 10—, Rechtsanwalt l)r. Badrian, Berlin. 5, , Dr. Hamann, Elberfeld, 7,—, Albert Lcvi, Neukirchen, 5,—, Karl Scherk, Berlin, 5,—, M, Preißmann, Leipzig, 5,—, l)r. Caspar!, Berlin, 10,—, Salo Schutz, Eversael bei Budberg, 5,—, Dr. B. Pollack, Berlin, 10,—, Baul Baszynski, Lissn, 5,—, Leon Friedmanii, Nürnberg, 5,—, Dr. Stern, Dortmund, 10,- , Rechtsanwalt Dr. Münz, Berlin, 10, Rechts• anwalt Stern, Nürnh׳crg, 5,—, Benjamin!",׳mselkrmit, Wcillcnfels, 5,—, für 1013: N, Baer, Idar, und Frau, je 0.—, Moritz Kristcller, Ologau, 5,—, Theobald Scholcm, Berlin, 40,—, Dr. Stern, Dortmund. 10,—. aus Hamburg: Wolff Qoldscbmidt, 10,--, Berfbold Gold Schmidt 5,~, Hermann Ooldschmidt 5,—, Joseph Gold Schmidt 5,-*. 3. Verschiedene Spenden: Kattowitz (für 1912) 13,50. Eingang vom 24. bis 31. Dezember 1912: Sehekel für 1012: 3, -, für 1013: 8, M.; Landesorg a n i s't t i o 11 s t»c i t rä ß t für 1012: 160,50, 1913: 360,'״ M. Gesamteingang: Schekel für 1912: 7231,25, 1913: 12b,— M.; Landesorganisationsbeiträge für 1912: 16888,46, 1913 : 360,- M. Dr. Maurice Fishberg: ״Die Rassenmerkmale der Juden“ Von Dr. G. Witkowsky. Das Buch ist in einem bekannten wissenschaftlichen Verlag erschienen. Das ist eine Irreführung des unbefangenen Lesers. Er vermutet ' eine wissenschaftliche Arbeit und findet eine Tendcnzschrift, für die zweckmäßigerweise der ״Verein zur Abwehr des Antisemitismus“ oder die ״Vereinigung für das liberale Judentum“ als Herausgeber zeichnen könnten. Es soll hier sozusagen die anthropologische Theorie des Mosaismus gegeben werden, und es ist gewiß kein Zufall, daß gerade ein aus Rußland nach Amerika eingewanderter Jude den Assimiianten seines neuen Heimatlandes, die sich auch in der neuen Welt vom Antisemitismus bcdroht fühlen, die beruhigende Versicherung gibt, eigentlich seien die Juden gar keine Juden, son- . dern Amerikaner, Deutsche 11 sw. — Wir kennen ja die Melodie I ״Das Judentum war und ist eine Religion — aber niemals eine Rasse“, ist der lapidare Schlußsatz des 262 Seiten starken Buches. Auf Begriffe, wie Volk, Nation, Stamm läßt sich der Verfasser schlauerweise nicht ein und indem er eine sinnlose Antithese aufstcilt, glaubt er, daß ״durch das Ergebnis dieser anthropologischen Forschungen auch gleichzeitig . dem Antisemitismus nach dessen Voraus- Setzungen jüdisches Blut mit anderem Blut sich nicht zu mischen vermag, die Juden daher in westlichen Ländern unwünschenswerte ״Fremde“ bleiben — der Boden entzogen ist,“ Nichts mehr und nichts wenigerI Diese hoffnungsvolle Zuversicht blühte vor 20 Jahren wohl auch bei uns in Europa, sie kann uns heute nicht mehr erschüttern, Neu ist aber jedenfalls, daß ein t\ d h pH « « 4% f 4k« 4,41 r -*4״ f־״׳) fl f\ : ijf V• י Lj ל“־־/ וי! ' J 1״cr ןן ר־׳״/ ry *4 XVIII. Jahrgang .,Der Zlonfcmna •3Vc.lI■ Tr׳"״ ::ä er» trollt für da• ■ffetn׳» einer öffent» rtea Ifcteut&tt• In E,1״aoler Programia. Jude sich bemüßigt fühlt, ein dickes Buch zu schreiben, um den wissenschaftlichen Nachweis zu führen, daß durch die Mischehe das Untertauchen der Juden in anderen Völkern möglich sei. liier wird das wahre Ziel der Assimilation nicht mehr verschleiert, und man kann sich vorstellen, mit welcher verbissenen Rcnegatenwut über jüdische Eigenschaften gesprochen wird, die sich dem geliebten Schema der Charaktcrlosigkeit, del! Ueberallvorhandenscins ״flicht fügen wollen. Denn es soll ä tout prix der anthropologische Nachweis geführt werden, daß ״man von ethnischer Elnhcitdcr modernen JudenodcrvoncinerjüdischenRasse so wenig wie von ethnischer Einheit der Christen oder Mohammedaner oder von einer arischen, calvinisti« sehen oder evangelischen reden kann“, daß cs ״Indogermanen jüdischer Konfcssion“ gibt. Prüfen wir die wissenschaftlichen Beweise dieser Auffassung. Die Herkunft des blonden Elements bei den Juden, das in Europa ca, 20 0/« beträgt, ist seit langem anthropologisches Problcm. Die einen, Alsberg, Luschan, führen cs auf die Amoritcr zurück, andere glauben an eine erst in der Diaspora erfolgte Mischung. Die Entscheidung ist schwierig. Für die ursprüngliehe Biondheit spricht die Tatsache, daß die heutigen Samariter, zweifellos die rassereinsten Nachkommen der alten Juden, genau denselben Prozentsatz Blonder aufweisen, wie die europäischen Juden, gegen diese Auffassung der völlige Mangel an Blonden bei den marokkanischen und jemenitischen Juden. Wie dem auch sei, im Grunde ist es eine akademische Frage, durch die das ethnische Problcm der Juden nicht im geringsten berührt wird. Denn M iseliungen mit sogar heterogenen Rassen hat es bei ־ allen Völkern gegeben. Die Franzosen sind aus romanisch-kcltisch-gcrinanischer, die Engländer aus keltisch-germanischer, die Bulgaren aus finnisch-slawischer, die Italiener aus etruskisch-romanisch-germanischer Mischung geworden. Sie alle repräsentieren scharf charaktcrisierte Typen. Nicht minder die Juden. Mehr als 80 0/0 aller Juden sind brünett, derselbe Prozentsatz zeigt eine ungewöhnliche Gleichförmigkeit der Schädelbildung, fast alle sind, ob blond oder brünett, durch eine leicht kenntliche ״fades“ ausgezeichnet. Daß dieser Typ bestellt und überall .und zu allen Zeiten als ethnischer enipfanden wurde, ist Tatsache, die Frage nach seiner Herkunft von sekundärer Bedeutung. Nicht so für Fishberg. Indem er gegen eine ״Rasscreiiihcit“ der Juden zu Felde zieht, die niemand behauptet hat, glaubt er, durch den Nachweis einer Mischung beweisen zu können, daß es keine ethnische Einheit der Juden gibt. Wie er dies tut, verrät ein seltenes Maß wissen* schaftlichcr Leichtfertigkeit. Zunächst behauptet er mit apodiktischer Oewißheit, daß die Juden lieh aufs intensivste mit Slaven ־und Germanen gemischt hätten Da er den geschichtlichen Nachweis nicht führen kann, 80 beruft er sich auf galante Abenteuer germanischer Krieger und räuberischer Kosaken mit jüdischen Frauen, deren Folgen z. B. in Deutschland jeder dritte Jude seine Biondheit verdankt. Diese Herriifeldiade ist in der Tat — so unglaublich es auch klingen mag — das Argument, von dem aus die ganze jüdische Rassenfrage behandelt und die Existenz der jüdischen Konfession ״wissenscliaftlich“ bewiesen wird. Daß gegen die Slaventheoric mehr als für sie spricht, daß vor allem nicht die geringsten Be- Ziehungen der Zahl blonder Juden zu den Zahlen der Blonden unter den verschiedenen slnvischen Stämmen bestehen, daß die Samaritaner denselben Prozentsatz. Blonder aufweisen, daß der Mangel an Blonden bei den Juden Marokkos mit demselben Recht aus intensivster Mischung mit Arabern erklärt werden könnte, wird nicht einmal einer Erwägung unterzogen. Die 80 °/t brünetter Juden werden überhaupt nicht in Rech* nung gebracht und nur die 20 ״/« Blonder müssen dazu!!erhalten, die indogermanische Abstam* mung der europäischen Juden zu beweisen. Alle anthropologischen Tatsachen aber, die dieser An* nähme widersprechen, werden so lange gedreht und gedeutelt, bis sic ins Schema passen. So ergeht es Fishberg mit dem jüdischen Typus. Er muß zugeben, daß cs eine jüdische Physiognomie — auch unter blonden Juden — gibt, die nicht zu verkennen ist. Aber er weift .öich-ztr׳־' helfen. Umständlich sucht er nachzuweisen, daß die jüdische Nase, das Auge, die Lippen usw. sich auch bei andern Völkern finden, folglich — ״ist der Typus nicht anthropologisch oder physisch, sondern sozial,oder psychisch. Es ist nicht der Teint, die Nase, der Kopf, was das Charakteristische ausmacht, es ist die Seele, die den Glauben des religiösen Juden verrät.“ Und der irreligiöse Jude? Ja, der legt sich das Jüdische Ponim durch eine Art Mimikry an, er ahmt die Züge seiner Umgebung nach. Und der Sproßling aus jüdisch •christlicher Ehe? Nun, der sicht nicht jüdisch aus, behauptet Fishberg, und zum Beweise führt er folgende ״wissenschaftliche“ Untersuchung an. Ein Amerikaner hat seine Freunde (!) veranlaßt, in ihrem Bekanntenkreis die Kinder jüdisch-christlicher Mischehen genau zu betrachten und ihm über deren jüdisches oder christliches Aussehen genauen Belicht zu erstatten. Das Resultat dieser Unteisucharig, das ein Ueberwicgcn des christlichen Typus ergab, ermutigt Fishberg zu folgendem gesperrt ge* druckten Satz, den ich wörtlich zitieren will: ״So finden wir denn bei gründlicher Analyse (I), daß auch dieses angebliche Merkmal de• ״auserwählten Volkes“ — seine Prä* poten z bei Mischung mit anderem Blute — rpine Mythe ist. Das Gegenteil scheint zuzutreffen “ Wirklich? Z. B. Dernburg, die Mendelssohns, Sven Hedin, ■der eine jüdische Mutter von osteuropäischer Herkunft hat? Diesem hat sein orientalisches Aussehen cs überhaupt ermöglicht, in der '׳erkleidung eines Eingeborenen seine berühmte Reise durch Tibet zu machen, als blondem Germanen wäre ihm das kaum geglückt. Uebrigens erscheint er in!schwedischer Karikatur immer als prononzierter Jude. Wieviel andere Gegenbeispicle ließen sich noch anführen, die zum mindesten dieselbe Beweiskraft haben, wie Fishbergs Behauptungen. Natürlich erwähnt er nur, was in seinen Kram paßt ״Der Jude teilt seine Physiognomie mit rell* giösen Minoritäten, die viele Generationen hin-