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Jüdische Rundschau · 1912-12-13 · Heft 50 (13.12.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 50 (13.12.1912)
Date
1912-12-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 50 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seile 487 TURrteN 5.SPORT Unter überaus zahlreicher Beteiligung der turne• rischen Provin/vcreine wurde Sonntag, den 8. De• zember, der I, Kreisturntat' der weslösler* r c i c h i s c h e n jüdischen T u r n e r s c 11 a f t ab• gehalten. Vormittags fand in der Turnhalle des I. Wiener jüdischen Turnvereines ein interessanter Wettkampf statt, bei welchem prächtige leichtathletische l.eistun• gen erzielt wurden. Nachmittags taute die 1 )elegierten• Sitzung und beriet Orjpmisationsfrageit, Den I Jähe• punkt des Turntages bildete ein glänzendes Schau• turn c n im Sophiens»,11c. * Der J ii d i s e h e R u d e r k 111 b ״I v r i a" in Her• Jin hat, wie in jedem Winter, auch in diesem Jahre wieder seit Anfang Dezember mit dein Kaslenrmlerii begonnen. Dasselbe findet allwöchentlich am Milt• woch Abend um 1,9•״ Uhr im Realgymnasium zu (iraß*Liel1k׳rfehle־West, Drakestr., wenige Minuten vom Balmhof ()roB-Liehterfeldc-West, statt, liier er• folgt die erste Ausbildung der neueiuirctemlen Junioren, für die cs unbedingt notwendig ist, daII sie, bevor sic ins IJoot kommen, die .Schule des Kaslonrinleriis diirchmachen, da sie nur dadurch die erforderliche Sicherheit in der niderischen Technik erlangen können und auf diese Weise auch bereits imstande sind, die Ostertour initzmnaehen, welche den jungen Ruderer ein gutes Stück vorwärtsbriugt. Neben dem Kastenrudern wird auch in diesem Winter einmal in der Woche geturnt; außerdem finden zur Pflege der Geselligkeit des öfteren Vorträge, Ausflüge usw. statt. Auch das Rudern im Freien ist noch nicht eingestellt worden, und cs wird beabsichtigt, hei günstiger Witterung während der Weihnaeiilslage eine Tour in die Duberow zu unternehmen. Zuschriften werden an Herrn Karl H cnschcI Chnrlottenburg, Sybclstr. 39, erbeten. Vom Turnverein ,.Bar Koch ha“. Hei Sonnenschein, blauem Himmel, Waldcsluft und klarer, frischer Winterluft Sport treiben zu können, ist ein angenehmer Vorzug, den die Bar Kochbnncr durch ihren prachtvollen Sportplatz in Scluilzciulorf ge• nießen. So ließen die günstigen Bedingungen unsere Sportsmen am vorigen Sonntag mit frohem, ge• hobciicm Mute mul doppelter Freude an ihren ge■ liebten Sport gehen. Die Hockeyabteiluug halle die erste Mannschaft des bekannten Sportklubs ״Meteor11 zu einem Match cingeladen. Das Meeting gestaltete sich für unsere Mannschaft zu einem grollen Erfolge. Während in der ersten Spielhälfte bereits 5 Tore für den Har Kochba gefallen waren, denen die Gegner nichts ent• gegenzusetzen vermochten, gelang es bei frischem und flottem Spiel, die Torzahl nach Halbzeit auf 9 zu erhöhen, während ״Meteor" wiederum leer ausging. Mit 3 kräftigen, in der klaren und reinen Luft weithin schallenden ״Medads" schloß ilas interessante Spiel. Das Skore 9:0 bedeutet für den Har Kochba einen glänzenden Sieg und berechtigt für die Zukunft zu großen Hoffnungen. Zu beklagen ist leider nur die ge• ringe Beteiligung der Zionisten in der Sportabteilung. Diese setzt sich fast aus• schließlich aus Nationaljuden zusammen, und hier wäre ein sehr geeignetes Tätigkeitsfeld für die Agitation. Auch im eignen Interesse der Zionisten ist zu wünsehen, daß sie Sich im Har Kochba sportlich betätigen und. dadurch physisch regenerieren. Wer einmal draußen auf dem ,herrlichen Sportplatz im Walde polnischen, faustähnlichen Sagengestalt ״Pan Twar• dowski" einen Opcintcxt. Die Texte sind alle — bis auf den für die Nicolaischc Oper, an dem der Komponist selbst mitarbcitctc — von stillblcicher Empfindsamkeit durchsetzt. Hat sich nun in den Gedichten, Dramen und Opcrnbuchcrn die Art Mosenthals deutlich gezeigt, ebenso wie seine dichterische Erlassung des Juden• tums (besonders in ״Deborah“), so ist über seine ״Bilder aus dem jüdischen Familienleben" wenig He• solideres zu sagen. Sic sind mit Liebe und Ernst geschrieben; die Innigkeit des Erfassens des jür dischcn Familienlebens leuchtet hervor. FreiJich — der dichterische Wert ist gering. Die Charaktere sind wohl mit Liebe und Güte, aber nicht mit Kraft herausgearbeitet. Nur die Erzählung ״Taute Gut• traut", die das Ideal jüdischer Oaltentrcuc verkörpert, hat lebendigere Färbung. Die Gestalt dieser jüdischen Ehefrau hat in ihrem Leiden manchmal einen Zug' von Größe. Sonst sind die Geschichten schematisch diaraktcrisicrt, mit viel Rührung durchsetzt. Ihre geringe dichterische Unmittelbarkeit wird ain deut• liebsten klar in der Vorliebe des Dichters, die Per• sonen, die einen komischen Anstrich durch die Bc• tdiräiikthcit ihres Gesichtskreises haben, durch weit• bergehohe Vergleiche zu verzerren, wodurch ihnen das Wahre und das Komische zugleich genommen wird. Besonders die Geschichte ״Schlemihicltcn" wird dadurch unerträglich. Und doch — trotz ihrer Mängel haben diese Ge• schichten Mosenthals und die deutsche Ghcttolitcratur gerade jetzt einen bedeutenden Wert. Denn diese die Lungen gedehnt und die Muxkcln gestrafft hat, für den ist der Sport zu einer wahren Duell;׳ der Freude geworden, die seinen Körper erfrischt und seinen Geist belebt. Darum: Zionisten, treibt Sport im Har Kochba. Meldungen nimmt entgegen der Sport* wart Georg Israel, Berlin N., Pasteurslr. •13. ßUS Den GCMeiNDCN Berlin. Am 120. und 27, November hat die Prüfung von 9 Im Kranhenhaiise der jüdischen Gemeinde ausgchildeten Schülerinnen, welche dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin;1.1• gehören, stattgehinden. Sämtliche Schülerinnen lialn'.i die staatliche Prüfung mit dem Prädikat ״reelu gut“ mul ״gut״ bestanden. Danach gehören diesem Verein heute 81 Schwestern an, welche 1111 jüdischen Kranken• hause, in der Privat• mul Armenpflege in Berlin, zum Teil auch in auswärtigen Gemeinden und Anstalten wirken. Duisburg. Nach angestrengtem Wahlkampf siegte bei Jen Repräsentantenwaiileii der jüdischen Gemeinde die reforingeguerisrhe Liste. Von unsern Freunden wurde Eduard (i e Iber als Repräsentant mul Noe Colinen als Stcllveilreler gewählt. Die Wahlbeteiligung war sehr stark. Die Gegner, die mit allen Mitteln arbeiteten, ließen sieh vor allem die Verdächtigung des Zionismus angelegen sein. AUS HAMBURG-ALTONA Wir bitten die Mitglieder und Schckelzahler der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona eimlriug• liehst, die ihnen im Laufe der vergangenen Woche zugegangenen Fragebogen für die Zcntral-Kartothck des Zionistischen Zentralburcaus aiiszutüllen und an das Bureau der Zionistischen Ortsgruppe, Gr. Blei• dien 97, umgehend zurückzusenden. Ferner ersuchen wir, die Jahresbeiträge und Schekolim für das Jahr 5973 gemäß der jedem Mit• glied und Schekelzaliler zugegangenen Zahlungsaufforderung dem Bankkonto der Ortsgruppe bei der Dresdner Bank in Hamburg oder dein Postscheckkonto Nr. 3275 zu überweisen. Der Vorstand. * Im Logenheim I lartutigstraßc fand zum ersten Male in llaiulmrg ein hebräischer Konvcr.sationsabend statt, und ,/war auf Einladung des Komitees zur Verbreitung der hebräischen Sprache in I lamburg. Die erschienenen 59 Teilnehmer lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit dem etwa :l istii.uJigen Vor• trag des hebräischen Lehrers II. Flcischmniitt-Hain• bürg über ״Sprache und Land". Uelier das Ilehräische als lebende Sprache im vollsten Sinne des Wortes, sowie als Muttersprache der jüdischen Jugend in Palästina sprach der zweite Referent, Herr wein• h e rg Jerusalem. An die Referate schloß sich eine lehhaitc Diskussion ebenfalls in hebräischer Sprache und die ebenso wie die Versammlung von Herrn Dr. Fink in hebräischer Spruche geleitet wurde. Die I )iskussion, an der sieh u. a. die I lerren Dr. L a 1111 e s , Dr. med. I)eh an, Siemon Magnus lisw. he• teiligten, brachte viele neue interessante Gesichtsunkte hervor und gab den Teilnehmern eine will• oimuene Gelegenheit, ihre hchrüisehen Sprachkeimt• nisse zu zeigen. Dem aus tler Versammlung heraus geäußerten Wunsche, derartige Koiiversationsahemlc )läufiger zu wiederholen, wird jedenfalls vom Komitee entsprochen werden. Literatur läßt die Ideen und alle ihre Nuancierungen erkennen, die am Anfänge einer Zeit stehen, welche jetzt durch eine neue Zeit des Judentums abgelüst werden soll. Diejenigen, die da sagen, sie wollen diese Zeit erhalten und seien die wahren Hüter der jüdischen Ideen, deren Anfänge uns liier geschildert werden, sprechen in unwissendem Dünkel. Sie kennen diese Ideen kaum, da sic von ihnen weit entfernt sind. Wären sic ihnen näher in Sinn und Kenntnis, so würden sie nicht sagen können, daß ihre in keiner Gemeinschaft fußenden moraliscli-rcligiös-wclt* begUickerischen Konvulsionen identisch seien mit den einer auf Gcinciiischaftsiilccn — wenn auch nicht auf den konsequent richtigen — aufgehauten Zeit des Judentums, die in den Ghcttoerzähhmgeii in ihren Zielen und Absichten zutage tritt. Die aber, welche im Kampfe erneuern wollen, die können ger.ule aus den Ideen, welche die Ghcttolitcratur gehören haben und welche sic in sich schließt, durch richtige historische Wertung dieser Zeit die stetige ״jüdische Linie" hier finden, wo die blinde Meinung sagt, sie sei nicht vorhanden und der Kampf darum Zeilen anklagt, die wohl irrig, aber nicht schuldig sind. Und eine richtige, würdige Wertung der Assi• milatioiispcriode ist gerade in diesem besonderen Zweige der Literatur zu finden. Das ist ein bedeutsamer Wert, Und darum verlohnt cs sich, der ganzen Ghcttolitcratur die richtige, nüiniieh die historische Aufmerksamkeit zu schenken. Denn alle Formen und Ideen des Judentums gehören in den Gesichtskreis derer, die seinen neuen Ideen Raum in sich geben. Gesellschaft zur Verbreitung jüdischer Literatur• werke, e. V., Hamburg. Durch unsere Ziehung tur das III. Quartal 1912 gewannen lolgendc Mitglieder unseres Vereins: H a I Im• r s I ad 1 (Frl. Lina S t r 11 in p f): Zimt, Lohenstein, U.aer, Gninwahl, Freund; Köln (Arthur Cali 11, Küln-Kalk. llauplstr. 235): Hugo Dann, Skat• kluh ״lledatl“, Emil Meyer, Elsa (/ihn, Duo Mae; 11 a 1111 o v e r (L e h m a ii n . Amlrcasstr. 2.1): Dr. Jaciihsohu, Paula Wollt', l.iclileiibcig, rrcn/dorl; IScrliii (Zaluiar/t Sternberg, CliarlciHciiburg, Kautstr. 159a): Mark, Rosenthal, Reineh. Gla-er, Cohn; 11 i I d e s 11 e i 111 (Frl. (1 u m p c r t / . Vimiville• stralle 12): Senta Frank; Stuttgart (Kit Iler- Bopserstr. 8): Killler; Posen (Dr. Beiher, St. Adalhertstr. 2(1 II): K'.irnck, Roliimann. lworo.ler; Hamburg (außer dem Vorstand unserer Gesell* schaft Frl. Merker. Frl. S e 11 w a r / . die Herren M e I n וזו e r s o h 11, M i 11 d c 11, R a b i n o wie/): Dora Weigert, Miller, Minden, Wolff, Eiioch Alb. Meyer, Jl. Meyer, Frau Dr. link, Lotte Hecker, Kaufmann, I lirsehfeld, Weigert, Israel, wissenseliaitl. Verein, Somlrowiiscli, Erna Hecker, Israel, wissenscliaftl. Verein, Dr, Kalmus, Lea Unna. 111 Königs• 11 ü 11 e (Iran Dr. Laehiiiann), Oels (i'r.m R. Luchs), Nürnberg (I )r. Bamhergcr) und W i e s h :1 d e 11 (Lehrer Roscuhcrg) sind ,für diese Ziehung keine Lose verkauft worden. Die Zahl der verkauften Quartalsjose ist von 595 des ersten Jahres nunmehr auf 1375 gestiegen, die verlosten Bücher liatten einen Einkaulswert von 599,11 M. gegenüber 2.» 1,75 M. des Vorjahres. Der Ladenwerl der von uns verteilten Bücher beträgt etwa 119:1 M.U Wie im ersten Geschäftsjahre veranstaltetcn wir mit gutem Erfolge auch in diesem Jahre mehrere außerordentliche Ziehungen auf den Festen und Ausflügen der jüdischen Vereine, verkauften eine große Anzahl von Flugschriften und Büchern nach jüdischen Vorträgen und entfalteten für das Werk von Dr. Zollschait eine unifangreiehe Pro• paganda. Als Ucbersdiuß unserer außerordentlichen Ziehungen konnten wir 20,85 M,, als Umsatzsteuer (unseren Satzungen entsprechend 5"״ der Einnahmen) 3-1,35 M., im ganzen 55,20 M., dem N. F. überweisen. K a s s a A b s ch 1 u ß per 30. Juni 1912. Einnahmen: Kassenbestaiul am 31. 8. 1911 . . . . . •17, M. 1375 Mitgiiedsbeiträgc.. . 9S7.50 ״ Uebersclniß aus gclcgcntl. .Verlosungen 20,85 ״ 755,35 M. Ausgaben: Biichcrnukauf .. . 590,11 M. Porti .33.15 ״ ZoIlschan־Propagnmln.59,— ״ N. F. Abgaben. 55,29 ״ Kassenbestaiul. 23,59 ״ 755,35 M׳. Wenn sich auch unser Wirkungskreis bedeutend vergrößert hat, so hat die Idee unserer Gesellschaft doeli bei weitem noch nicht die Verbreitung gciunJen, die sie verdient. Das liegt zum Teil an der allzu großen Nachlässigkeit mancher unserer Mitarbeiter, zum Teil daran, daß sich 1ms noch lange nicht genug Gesinnungsgenossen fiir die dankbare .uul leichte Tätigkeit in unserem Interesse zur Verfügung stellten. Die Ziehung für das IV. Quartal 1912 findet am 15. Januar 1913 statt. Wir bitten schon heute unsere Vertrauensleute, recht eifrig für uns zu arbeiten und uns Geld und Loskopien rechtzeitig zu schicken. Zu jeder Auskunft sind wir stets gern bereit. Namens des Vorstandes: Zahnarzt Alfred Unna, Hamburg 13, Rotenhaum-Chaussce Nr. •15. What is Judaisni? By Ahrain S. I s a a c s , Professor semitischer Sprachen an der Universität New York. Verlag G. I*. Putnam's Sons, New York. ״Es war einer, dem’s zu Herzen ging, daß ihm der Zopf just hinten hing!" Ebenso wie es dem Manne in der alten Fabel nichts nützt, sich hin• und her/udrehen, weil ihm der Zopf im Nacken ärgert, so nützt es nun einmal einer bestimmten Klasse von Juden nichts, an ihrem Judentum hin• und herzudeuteln. Wem cs Spaß macht, wieder einmal eines der Taschenspiclerstiiekehen zu sehen, mit denen ein Jongleur mit Worten der Welt beweisen will, daß der Jude eigentlich gar kein Jude, sondern •ein Kosmo• polit mit einem bestimmten Credo ist, sehe sich das Buch des amerikanischen Professors •in. Das Credo selbst soll angeblich sein: Glaube an Gott, an die Offenbarung auf dem Sinai und an das Fortlcbcn nach dein Tode. Weiter gibt es auf der Welt kein Merkmal, das den Juden vom Nichtjiulcn unterscheidet. Und wenn endlich der große internationale Kongreß aller Religionen ziisanmicnkomnit, den der Verfasser herbeisehnt, so wird es ja auch der Menschheit endlich klar werden, daß der Jude — ja gar kein richtiger Jude ist! Denn das bißchen• Credo macht doch keinen Unterschied, wenigstens nur einen ganz kleinen. Er dreht sich hin, er dreht sich her — Der Zopf der hing ihm hinten I

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