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Jüdische Rundschau · 1912-12-06 · Heft 49 (6.12.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 49 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 472 Nr. 49 JUEDISCH E RUN DSCii AU Iiiimcrliiii — cs Ist kaut» mclir als zwei Jahr« her, seit ich mir die Frage vorlegte, ob man wohl dem Eiiivvnmlc begegnen würde, was 1ms denn di»• jeme lilisclicr» Juden angelten, aber heute ist schon Rar!;eine Frage mehr, da» solche Einwürfe nicht zu befürchten sind. In diesen beiden Jahren nämlich sind Ranze Scharen jemenitischer Juden nach Palästina gewaudert und haben in mancherlei Beziehungen die Verhältn'sse des Landes zu andern begonnen. Wohl Ich• ten bereits bisher etwa •1000 jemenitische Joden in Palästina, die im Laufe der letzten Jahrzehnte nach und!•ach cingcwandcrt waren. Aber jetzt erst brach• ten neue Nöte im Jemen es dazu, datl eine Marke Anziehungskraft der in Palästina wohnhaften Jemeniten zu wirken begann. Fünfzehnhundert jfulisclie b'amilien sind aus dem Jemen seither in Palästina cingcwatukrt, Die meisten fandett Arbeit in den jüdischen Kolonien, die erst durch dieses Element der Anstellung arabischer Ar• beiter entraten können. Fleißig mul anspruchslos, geschiitt und intelligent, bilden diese Einwanderer eine hochwillkommene Ergänzung der Einwohner* Schaft in unseren Kolonien, und auch der Dienst* botennot, die sich in Palästina vielfach ebenso fühl* bar!».teilt, wie in Mitteleuropa, wurde durch die Je* nicniteii abgcholfen, Aber nicht nur, dal! sie den uiiiiatürlichcu Xuständen ein Ende machen, unter denen in niauclnr unserer landwirtschaftlichen Ansiedlmigen gelegen!* lieh mehr arabische Arbeiter als jüdische Kolonisten zu sehen waren: die Jemeniten haben uns aiidi schon insofern außerordentlichen Nutzen ge* bracht, als durch ihre Einwanderung (sic sind ja sämtlich ©ttomanischc Untertanen) mehrere unserer Koloni: n seitens der türkischen Regierung Verwal* tungsp/ivilegien zuerkannt bekamen. Außerdem ermöglichen uns die jemenitischen Ein* wandcr:r in jener für den jüdischen ball idealen Form c er Kolonisation schnell vorwärts zu komme», die unler dem Namen der Gartenstadt-Kolonisation hier schon des öfteren auscinaiulcrgcsctzt wurde. Ihre speziell« Eignung hierfür hat sieh bereits erwiesen. Im Jemen waren sic Handwerker — Weher mul Schmiede, Oold* mul Silhcrarhcitcr mul Hanliand* werker iisw. In Palästina haben die meisten als landwirtschaftliche Arbeiter Beschäftigung gefunden, und eine größere Anzahl von ihnen arbeiten in der Kunstgewerbcschule ״Ikzalel“ in Jerusalem. Damit wäre ihre Eignung für Handwerk und Kuustgewcrhc ebenso erbracht, wie die für die landwirtschaftliche Arbeit. Schließlich hat man ja auch bereits im Jahre 1911 eine Anzahl jemenitischer Silherfiligraiiarbeiter der Ilez.alel-'V'erkslatt in einer eigenen kleinen Kolonie (ilenseh.iincu bei Lydda) auf garteiistädtiseher Basis angcr.iedelt, und die Erfolge sind bisher durchaus zufriedenstellend. Die neue Einwanderung hat freilich auch ihre * Schwierigkeiten. Die meisten kommen bettelarm und halbvcrbärgert, und die eben erst sich gesund ent* wickelnde Judenschaft Palästinas ist nicht imstande, allen Anforderungen gerecht zu werde», die eine plötzliche Einwanderung verhältnismäßig grober Mas• sen von Flüchtlingen an sie stellt. Immerhin tun die Juden Palästinas, was sic irgend können, aber um so mehr sollten die Juden der ganzen Welt הנרות הללו Hancrautli fiatolu sdiconu madllRIm — 6s Jagen (Jle Wolken durdi endlose Wellen — Die üldillcin sie brennen In heiliger Sülle Sleldv lWärd\en, entquollen aus uralten Zellen. ׳T,: 6s slclgen empor aus des Abgrundes Clcfen Die nädillldien Sdtaüen, gchöllct In Grauen — Die üldiilcln sie sdilmmern in Iraulldtcm Scheine Und trOälcn Im beiden und spenden Vertrauen: hasst teilen den Sturm, die finsteren Geistert Ilidit können den Funken sic löschen, uernidtten. Gedenket der einstigen Helden, die kdmpftcn FQr Fielitclt und Ehre des Volkes — und siegten! Berlin. 30scf hin. DracKÜmmsaacssaQiQQ wenigstens mit ihrem Gehle uiilhclfcu, in» der Wobinuigsuot mul «len tinniil in Verbindung stoheiulcu sanitären Mißsläiulca zu .slctieru, «1:0 hesonders eine erselireekeml holte Kindersterblichkeit zur Folge liaheti. Naclt ♦len vorliegende» /.Ufern mul Ikrcchmmgen, ilie sieh in zahlreichen I allen der Praxis be* reits bewährt haben, genügen I tKM» Frs., um einer jcnieiiiliscben Familie ein I laus und ein Slüik Gar* tenland zu beschaffen. Für Arbeit und Verdienst sorgen die palcstinviisischcn Juden in Sfa«lt und Land, so daß die neuen Einwanderer von vornherein in der Lage sind, für die zu ihre» Oimsten gemachten Aufwendungen aus ihrem Arbeitsverdienst eine an* gemessene Zahlung zu leisten. Die palästinensischen Institute, die in dieser I linsieht mit ihnen zu tun bähen - - wie die Auglo-Palcsliuc Company und der Jüdische Nalionalfomls — rühmen ihre Zuvcrlüs* sigkc'it. Die letztere Institution hat soeben eine IJrosclilire erscheinen lassen *), in der das Elend der jetneui* tischen Julien und ihre Refüiugsinügliclikciteii aus* fülirlicli und anschaulich geschildert werden, und zwar von einem Manne, der selbst an diesem Werke her* vorrageud tätig ist. Es wäre dringend zu wünsche», daß der hier veröffentlichte Appell, der sieh an jedes alljiülische Interesse in gleichem Malle wendet, wie an die spe* zicllere» Palastinaduterosse» (die ebenfalls von Tag zu Tag ״rdljfidisclicr" werde») — eine» kräftigen Widerhall finde. Was durch eine abseitige Teilnahme au tler schon im Zuge befindlichen Hilfsaktion erreicht werden kann, wird auch künftige Entwicklungen wichtigster Art vorbereitet! helfen. Nochmals: Frauenstimmrecht und Schcchita Die Resolution, die, wie wir ausführlich bcricli* leteu, auf dem Kongreß des bayerischen Verbsmies für Frauenstimmrecht gegen das Schlichten gefaßt wurde, scheint nun doch weitere Folgen nach sich zu ziehen, als ihre übereifrigen Verfechterinnen erwartet hallen,!11111 cs liegen litis eine ganze Reihe von Schriftstücke» zu der Angelegenheit vor, die wir aus Raummangel leider liier nicht wiedergelten können: Die Generalversammlung׳ der Knttnwitzcr Ortsgruppe für Frauenstimmrecht hat auf Antrag ihrer Schriftführerin, (iolda Wiener, einer Eutschlic* Ihmg /»gestimmt, die es mißbilligt, daß ״diese ganz feriilicgeudcn Angelegenheiten zur Verhandlung und Beschlußfassung ziigelasseti worden sind“. Es wird dort sehr richtig bemerkt, «lall dieses Vorgehen ge* eignet sei, ״von der Sachlichkeit unserer Verband* hingen einen schlechten Eindruck zu inaclien und Personen, die sich mit dem erwähnten Beschluß nicht einverstanden erklären können, von der Mitarbeit an unsere» Bestrebungen abznschreckcn". *) ״Die J cmen i t i sclte 11 Juden“. Von Jehüschtia Feldmann, Jaffa. — Die 40 Seiten starke und mit zahlreichen Abbildungen versehene Schrift steht Interessenten kostenlos zur Verfügung, Gell, Zu* schrifte» an die Expedition der Jüdischen Rund* schau, Berlin W. 15, Sächsische Straße S. Es wird auch gebeten, Adressen niif/ugchcii, an die weitere Exemplare der Schrift zu senden seien. (Ainu. d. Red.)!;Zum Grabe der Mutter Rahel Von Schnlom Asch*). Sabbat nachts, als die Sterne am Himmel funkelten und das Oellicht im Fenster, sattelte man die Esel, und wir rillen aus Jerusalem, in der Richtung nach Bethlehem, um mit den ersten Sonnenstrahlen am Grabe der Mutter Rahel zu sein. Es ist das erstemal, daß ich auf diesem Wege reite, mul «loch ist er mir nicht fremd. Nicht fremd sind mir die!•'eitler um! Täler, nicht tceuut «.Uc Gel* bäume, nicht fremd tler I limine! über dem Kopf. Ist’s doch tler Weg nach Bethlehem, auf dem unser Vater Jakob unsere Mutter Rahel begrub. ״Auf dem Wege“ liegt nb er sic, ,,«la «och eine Strecke Landes nach Ephrnth war“. Damit ist ja Bethlehem gemeint. Und siehst iltt nicht die!•'rau ju Snhhatklcidcrii, mit der Sahhathauhc auf dem Kopfe? Ist das nicht Mutter Rahel, wie sie aus dem Grabe sieh erhebt, den ver* triebeueii Juden uaehhlickt und die Hände zum Herrn der Welten emporstreckt . . .? *) Der ״Jüdische Verlag“ hat seine Sammlung ״Vom alten Stamm" mit einem Baud Bilder und Dichtungen aus Palästina aus der Feder Schalotn Asclis begonnen. ״I in Lande der Väter“ lautet der 'litcl dieses :;ehöiten Buches, das geeignet ist sowohl der jüdischen Dichlkmist als mich dem Lande, von dem es mit so starken Worten zu be* richten weiß, überall Freunde zu werben. Das Werte kostet gebunden M. 3.— und broschiert M. 2.*־. Mit Erlaubnis des Verlages veröffentlichen wir dieses Kapitel. So gerne wir davon Kenntnis nehmen, daß dos Vorgehen der Münchener Tagung von einer Orts• gruppe einstimmig verdammt wurde, so wäre doch wohl zu fordern, daß eine ähnliche Entschließung auch von der Verhamlsleitung erlassen würde. I rau Ch.irlotle Landau, Lübeck, ist denn auch an den Vorstand mit dieser Anregung hcraiigelretcn. Drc Antwort, die uns vorliegt, setzt in verbindlichen Tortuen auseinander, weshalb sieb der Vorstand nicht für zuständig hält, einen derartigen Schritt zu tun. ״Die Meinungen darüber, ob das Schächten eine Tier«p1.1lcrci ist, oder nicht, gehen zudem heute noch so weif auseinander, dafS «ler Vorstand gar keine bestimmte Stellung zu dieser Frage zu nehmen in der Lage wäre. Die Aufhebung einer Resolution zu bewirken, ballen wir weder für angängig, noch auch fitr möglich; wir sind vielmehr «ler .Meinung, daß eine Stellungnahme dagegen nur durch eilte G c g e n re s o I tt t i o » erfolgen könnte, die zu fassen und zu veröffentliche» natürlich jeder Organisation des Deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht ttn* bcuomiuen bleibt." Der Vorstand verkennt, daß kein Mensch von ihm verlangt hat, daß er im Streite um die Schlachtmethoden ein abschließendes Urteil geben soll. Zu geißeln ist lediglich, «laß eine Organisation, die an* scheinend auf die Mitarbeit jüdischer Frauen Wert legt, ohne Sachkenntnis in einer Frage Partei er* greift, die sie nichts augeht. Die Anschauung, die sielt der Vorstand von den Grenzen seiner Vcrant* Wortung ttncl Kompetenz znrechtgelegt hat, ist gewill recht bequem, überzeugend ist sie nicht. Audi der ,,Bayerische Verein für Frauenstinun* recht" versucht durch eine sehr feine Unterscheid düng der verschiedene» Instanzen die Schuld von sich abzuweiiden. Seine Generalversammlung hat den fol* gcnUen Beschluß gefaßt: ״Zur Vermeidung von Irrtüntern wolle die Ge* ncralversauiinlung erklären: Der Bayerische Verein für Frauenstimmrecht als solcher hat niemals eine Stellung weder für noch gegen die Frage des Schächtcns eiligem»»• men, uml erklärt ausdrücklich, ‘laß er mit der SomlcrveruustalUmg des Frauenstimmrechts-Kon* grosses München 1912 nicht identisch ist." Eine weitere Mitteilung• besagt: ״Infolge eines Schreibfehlers in einem Teile der Ausfertigungen «ler auf dem Fratienstiiinn• rechts-Kotigreß München 1912 angenommenen Re* solution ist statt des Wortes ,Schächten‘ ,sehlach* teil‘ geschrieben worden. Zweifellos hätte die Resolution in der Debatte * Widerspruch gefilmten, wenn «ler richtige Text allen Kongr«11111־itglie«lcr11 Vorgelegen hätte, zweifellos wäre die Restjhilioti alsd.mu auch nicht einstimtitig angenommen worden, was zur Feststellung der Wahrheit hierdurch von der Kongrcßlcitung nachträglich bekannt gegeben wird," Ware die Sache nicht wirklich ernst, so könnte die Aufklärung, die diese ״Komödie der Irrungen" hier finden soll, Heiterkeit auslösen. U it'erc Auf* gäbe ist es nicht, aus dem liier vorliegenden Ma* tcrial Schlüsse auf die politische Reife einzelner lei* teiulcr Mitglieder des I rauenstimmrcchts-Vcrbamles, die sielt liier blollgcstcllt haben, zu zielten. Mutter Rahel gilt viel bei ihm. Niemand setzt bei ihm so viel durch wie sie. Erinnerst du dich noch au ihren grollen Kampf mit ihm in jener Nacht, da der Tempel zerstört wurde, und er Jeremias schickte, um die Erzväter zu wecken? . . . Siehst du nicht den schwarzen Schalten dort zwischen den Oel* IWiitiiicii? Ist das nicht Jeremias, «ler Prophet, auf dem Wege nach Bethlehem? . . . Die Erzväter Italien nicht . . . Da kaut sic, Rahel, unsere Mutter Rahel, stellte sich vor Gott hin und sprach ztt ihm: ״Herr der Welt! Du weiht ja, wie sehr wich Dein Knecht Jakob lieble, und daß er sieben Jahre meinem Vater mn mich ,diente. Und als die sieben Jahre um waren, horte ich, «laß ihm mein Vater nicht mich, somkru mein«■ Schwester Lea gehen wollte. Da vereinbarte ich Erkennungszeichen mit ihm, damit ihn mein Vater nicht täuschen könne, ich bekam aber Reue, meine Schwester tat mir leid, sie sollte nicht beschämt werden, und ich verriet ihr die Erkennungszeichen, damit Jakob nicht wisse, daß sic Lea sei. Und ich sprach an ihrer statt, damit er ihre Stimme nicht erkenne . . Und war nicht eifersüchtig auf sie . . . Und siehe, ich war ja mir ein Mensch von Fleisch und Blut, von Erde mul Asche, und zürnte nicht Warum zürnst Du Israel, da» es fremden Göttern diente? Was schadete Dir das Götzenbild, dieses Nichts, <laß Du deshalb meine Kinder vertriebst und die Feinde mit ihnen tun ließest, was sic wollten . . .?“ Und dort die Felder hüllen sich in Nebel, ver* schwinden mir am Horizont. Der Himmel hängt über meinem Kopfe. Stern an Stern. Ein Oelbaum

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