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Jüdische Rundschau · 1912-11-29 · Heft 48 (29.11.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 48 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 465 blindes do$11 nicht so ganz sicher fühlte, den Sclud/. und die Firma des ,,Zentralvercins deutscher Staats• btirger jüdischen Glaubens“ in Anspruch nahm und erhielt. Die Meinung der Generalversammlung kam einhellig ilaltin /.um Ausdruck, dnlt wir diese Gründung nicht nach ihrer neutralen Firma, sondern nach den uns wohlbekannten Motiven und weiteren Absichten ihrer Gründer zu beurteilen und ihr demnach fern zu bleiben hätten. Der Flühepunkt im jüdischen Leben des Berichtsjahres war die Rcpräsenlaiitcnwahl am 28. Februar, bei der bekanntlich die Kandidaten des Gemcindcvereins mit großer Majorität gewählt wurden, darunter als Kandidat der Zionisten Dr. Pelz. Der neue Nationalfondskommissar, Herr Leo D i n e s m a n n , konnte berichten, daII auch in den letzten Monaten trotz der Soinincrruhe wieder ganz ander• ordentlich hohe Beträge für den Natioiialfouds eingegangen waren. (Vom 8. August bis 8. November sind von Königsberg 3013 M. abgefülirt worden, darunter die vollen Beträge für 2 Ycmenitcuhäuscr, unser Spcndcnbudi, .,das silberne Buch der Königsbeiger zionistischen Vereinigung“, in das nur Nationalfondsgaben von 30 AL aufwärts, die hei festlichen Gelegenheiten gespendet werden, hebräisch und deutsch eingetragen werden, brachte im Jahre 1011 1812, in diesem iahrc bis 1. November 1287 M., die Nationalfondsbüaiscn wieder, wie im Vorjahre, rund 1000 M.) Der Antrag des Vorstandes den N o r m a 1 b c i t r a g v o n 12 M. (i n k I.,, I ii d i s c h c U u ת d s c h a u" und Sch e k e I) einziiführen, wurde einstimmig angenommen. Der neue Vorstand besteht aus den Iferren: Georg Klcwausky, Kassierer; Dr. Pelz. Schriftführer; A. J. Rosen/weig, Dr. Julius Rose nfcld, Dr. W. Stein. Die Wahl des Vorsitzenden wurde dem Vorstände überlassen. Die Nationalfondsverwaltuiifj hat Herr Leo Dincsni a n n übernommen, den uruppcnvcrhand Ost- und Wcstpreultcn leiten Herr Dr. Hoppe als Vorsitzender und Herr Rechtsanwalt Dr. J acoby als Schriftführer. Im Berichtsjahre wurden neue Ortsgruppen in Eydtkühnen, Memel und Insterburg gegründet. Königsberg i. Pr. Vor einiger Zeit gab Leo G o 11 a 111 n hier einen allgemeinen Liederabend. Die gesamte Kritik feierte ilm einstimmig in ganz außer* gewöhnlicher Weise. Leider war der Besuch sehr miillig. Es fiel allgemein auf, und auch die Kritik selilol', sich diesem Vorwurf an, dall das jüdische Publikum fast völlig fehlte. Es ist tief bedauerlich, dali die hiesigen Juden, die sich an üollanins Vortrag jüdischer Volkslieder so oft erfreut und be« geistert batten, dafür nicht zu danken wunten und nicht verstehen, wie sehr Gollnnin nicht mir die Verbreitung, sondern durch sein grollen Künstlertum, vor allem das Ansehen dieser jüdischen Volkskunst Scfördcrt hat. Dadurch wurde die Undankbarkeit es jüdischen Publikums zu einer beschämenden Herabsetzung des Künstlers Gollanin. Beutlien. Ain 17. Oktober fand die diesjährige Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe statt. Der Vorsitzende erstattete «len Bericht über die Vereinstätigkeit des letzten Jahres und konstatierte eine erfreuliche Zunahme von Mitgliedern sowie eine nicht unerhebliche Steigerung au materiellen Leistungen. Es erfolgte alsdann die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes: Rechtsanwalt Dr. Dobr• zinzky, Vorsitzender, Dr. mcd. Block, Schriftführcr, Frau |)r. Emmerich. Kaufmann Ilern• fehl, 111g. Fraenkel, Dr. Levkowitz. Neugewählt wurde Herr Kirseltner an Stelle des durch Wegzug ausgescliicdencn Herrn Locwenstamni. Herr Kirschner übernimmt auch die Verkaufsstelle für Nationalfondtelcgramme usw. gemeinschaftlich mit Herrn Kaufmann Stahl-Bcuthen. Angeregt wurde die Einrichtung eines Tumkursus und rcgelniäiiigc zwanglose Zusammenkünfte. Der Generalversammlung ging voraus ein ausführlicher Bericht des Herrn Arnold Wien c r• Kattowitz über die Sitzung des Zionistiselten Ccntral-Comitcs-Bcrlin. — Am 9. November hielt Herr Referendar Dr. Martin Ehrlicli-Kattowitz ein Referat über ״Die Aussprache der jüdischen Kulturfrngc im Kunstwart". An den Vortrag schloll sielt eine lebhafte Diskussion, die zur Klärung der Meinim* gen beitrug. Die Versammlungen waren gut besucht. Tarnowitz. Am 4. November 1912 fand die Gencralvcrsatnmlung der hiesigen Zionistisehen Ortsgruppe statt. Es wurde zunächst von dem Geschäftsbericht, der den Mitgliedern und Bekannten in ca. 50 Exemplaren zugegaiigen war, Kenntnis genommen. — Aus diesem gellt hervor, da ft die mitglieümahi wie im vorigen Jahre 25 beträgt, zu denen noch eine Reiiie von Abonnenten der jiklisehen Rundschau kommen. Im Laufe des vergangenen Winterhalbjahrs wurden über die hauptsächlichsten Tagesfragen Vorträge gehalten: ״Taufbcwcgimg und Zionismus“ vom Parteisekretär Rosenba 11 in , ״Kongreßbcriclit“ vom Herrn Dr. Stahl, ״Soziale Ideen in der Bibel" von Herrn Eisenberg und ein Liclitbildervortrag von Palästina von Dr. Sandler. Der Bericht über die Spenden ergab, daß vom 1. Oktober 1911 bis 1. Oktober 1912 für Hcrzl-Waldspcndcn 423 M., aus den Sammelbüchsen 65,11 M., für den Nationalfonds 8 M., fürs Goldene Buch 40,20 M., an Landcsorganisations- und Zentralfondsbeiträgen 350,20 M., an Mitglicdcrbciträgcn 231 Mark und für 2 Dunam Land zusammen 11(10,31 AI. aufgebracht wurden. Die Wahl zum Vorstande ergab die Wahl der Herren Dr. Stahl als ersten Vorsitzenden, Apotheker Panofski als zweiten Vorsitzenden, Rechtsanwalt Kurzweg als Schriftführer, Schäfer als zweiten Schriftführer, Brück als Nationalfondskommissär. Kaufmann Ocorg Böhm als Beisitzer. Kaufmann Frischler wurde als Ven• treter in den Gruppenausschuß gewählt. Für das nächste Geschäftsjahr wurden für den Zentral- und Orgaiiisationsfomls je 100 Ab /!!bewilligt. Am 23. November fand eine öffentliche Versammlung der hiesigen Ortsgruppe statt. In dieser hielt Herr Referendar Ehrlich einen Vortrag ״lieber die Stellung der deutschen Juden in der Literatur und Presse“. Er berichtete über den Kimstwartartikel von Goklstcin, führte wie dieser aus, dall die Juden trotz ihrer bedeutenden Leistungen in der deutschen Literatur mul Presse bei den Nichtjudcn auf erhebliche Widerstände träfen, die letzten Endes auf der bestellenden Abneigung gegen die Juden beruhen. Das Referat wie der nachfolgende Vortrag einiger Heinescher G«lichte fand allgemeinen Beifall. KönigsliUtte. Unsere zionistische Frauengruppe leitete das diesjährige Wintersemester mit ihrem 3. Stiftungsfeste am 10. November ein, welches von mehr als •l(X) Personen besucht war. Man hatte für diesen Abend Herrn Rabbiner Dr. F r i cd in a n 11 als Festredner gewonnen und seine Ausführungen fanden grollen Beifall. Große Anerkennung fanden auch die Rezitationen von Beda, die Herr F i n z i, Troppau, den wir als unseren Gast begrüßen konnten, vortrug, Der jüdische Damcn-Tiirnverein konnte sieh an diesem Abend zum erstenmal öffentlich jiroduzieren, und den Glanzpunkt bildeten seine scliwedisehen Turnübungen. Tanz, Kaffeepause und huriioristische Vorführungen hielten die Gäste bis zur frühen Morgenstunde gesellig zusammen. Einen materiellen Erfolg hatte die Veranstaltung durch eine Verlosung aufzu/eiclincii, die 150 M. UebcrschulL zugunsten der Yeineiiiteiihäiiser, brachte. Ferner fünf neue Mitglieder, Allen Mitwirkcmlen sei au dieser Stelle nochmals unser herzlichster Dank ausgesproehen, ebenso denen die in liebenswürdiger Weise Geschenke für die Verlosung zur Verfügung gestellt hatten. Gncsen. Am Montag fand liier eine Vcrsammhing des Ceritralvcreins zwecks Gründung einer Ortsgruppe statt. Der Referent Herr Dr. (io Idsc 11 m iu t - Königshüttc sprach über das Thema: ״Alle Mann an Deck — ein Zeitbild". Einige verkleidete Ausfälle lind Angriffe auf unsere Bewegtmg widerlegte unser Herr R. A. Dr. Klee, der mit stürmischem Beifall von der /alilreichen Ver- Sammlung begrüßt wurde, in bekannt glänzender, geistreicher lind sachlicher Weise. Durch seine gemäßigte Art mit der er das Unzulängliche des C.-V.-Prograiums anseinamlerset/.te, wirkte er ganz besonders. Der Erfolg des Abends war für den C.-V. ein negativer. Beitrittscrklärimgen und Gründung einer besonderen Ortsgruppe fanden nicht statt. krotoschin. Die Zionistische Ortsgruppe veranstnltctc am 17. November ihre erste öffentliehe V c r s a 111 m 1 u 11 g. Dieselbe wurde von Herrn Rechtsanwalt Not 11 mann geleitet. Herr Dr. Stci- 11 i t /. aus Breslau hielt einen Vortrag über ״J u denw a n d c r u 11 g e n“, der bei dem zahlreich erscliieiienen Publikum — es waren etwa 80 Personen anwesend — allgemeinen Beifall fand. Eine lebhafte Diskussion schloß sich an, bei der sieb allerdings niemand als Gegner des Zionismus bekannte. Mehrere Ncuamnehlungen von Mitgliedern erfolgten. Jarotscmn. Am 17. d. AL sprach in der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe Herr Gustav Atamlok aus Posen in einer /ahlrcicltcn, auch von Nichtmitgliedern besuchten Versammlung. Der Redner beleuchtete in fesselnder Weise ״Die Geschichte der Juden im 19. und 20. Jahrhundert“ und erntete für seinen recht durchdachten Vortrag reichen Beifall. *£'SPR£CjfSÄAl\«» Hcrr Dr. KI a t z k i n Köln sandte der Redaktion des ״I s r a e I i t“ das folgende weitere Sehreihen und bittet uns um gleichzeitige Veröffentlichung. Geehrte Redaktion! Ich bitte Sie um Aufnahme folgender Zeilen: Die Verteidigung ihres Korrespondenten, der die von mir seinem Berichte präzise gcgcnühcrgcstellten Tatsachen nicht zu widerlegen, sondern durch weitschweifige Interpretationen zu verdunkeln versucht — einige ihm von Rabbiner Dr. Manöver, N. Goldmann und mir vorgeworfenen Entstellungen werden sogar umgangen und überhaupt nicht vertckligt — richtet sich von selbst. Ich darf mich daher mit meiner in Nr. •17 Ihres Blattes veröffentlichten Richtigstellung begnügen. Es sei nur folgendes liinzugcfügt: 1. In meiner energischen Verwahrung gegen die mir unterstellte ungeheuerliche Ansicht von einem ״Nationaljudcn christlicher Konfession“ sagte ich am Schluß: ״Ich halte cs unter meiner zionistischen Würde, auf eine solche Schlußfolgerung einzugehen.״ Dies kann ich nur wiederholen. 2. Der Bericht über die ״betreffende Vcrsammlung“ im ,',Stadtanzeiger zur Kölnischen Zeitung“ uncl dem ״Israelitischen Gcmeindcblatt, Köln“ stammt nicht von mir. Kurz gesagt: Der in Nr. 45 des ״Israelit“ unter der Ucbcrschritt ״Eine Kundgebung Jung-Zions“ veröffcntliclitc Bericht ist teilweise — in seinen Hauptpunkten — pure Erfindung und teilweise tendenziöse Entstellung. , Hochachtungsvoll Dr, Jacob Klatzkin. ■ Schluß des redaktionellen Teil». Geschäftliches 12.7 Milliarden Mark Versicherungssumme hatten die 42 deutschen Lcbcnsversicherungs-Ocscllschäften Ende 1911 nach dem Bcriciit der Berliner Börsenzeitung aiifzuweisen. Unter den verschiedemn Vcrsichcrimgsnricn ist in di'11 letzten Jahren die 111vnlidit.itsvcrsichcriing mit mul ohne Gewährung einer Invalidenrente .sehr beliebt geworden, da sie alle Vorzüge der Lebenslind Unfallvcrsieiicriing in sich vereinigt. Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfall entbindet von tler l'raiiiieii/alilnng, beeinflußt aber nicht das Fortbestehen der Versicherung, denn die Versicherungssumme wird an dem iu der Police festgesetzten Zeitpunkt fällig, unabhängig davon, ob Invalidität eingetreten war oder nicht. Durch Mit• Versicherung einer Invalidenrente erwirbt sich der Versicherte eine Pension, die vom Beginn der Ver• Sicherung fest liestimmt und von keiner Karenzzeit abhängig ist. Du• Invalidit.itsversichermig ist für alle Bcriifskreisc «ehr empfehlenswert, und sie bietet den l’rivatangestellteu eine /wetkmäßige und vorteilhafte Ergänzung zu der staatlichen Privat.ingestelltenver- Sicherung. Die Stettiner Germania eine «ler größten und angesehensten Gesellschaften, hatte bis Lude 1911 in der Invalidenversicherung einen Be• stand von 27 393 Policen über 112603 747 Mark mit Einschluß der Invaliditätsgcfalir und mit einer jälir• liehen Invalidenrente von 9•'! Millionen Mark laufen. Der Gesamtbvstand in der Lebensversicherung belief sich bei dieser Gesellschaft Ende 1911 auf 894 Millionen Mark. Die Tarife der Germania tragen allen Ansprüchen der Neuzeit Rechnung und ihre Versieheriingsbedingiingcn beruhen auf den Grundsätzen der Unanfechtbarkeit, der Unverfallbarkeit und der Welt- Police. Holte Dividenden werden den Versicherten alljährlich Vergütet. 8״ kommt z. B. nach dem steigenden Dividendcnplan im Jahre 1913 eine Dividtude bis zu 90V! "״ der einzelnen Jalircspräinie zur Verteilung. Jüdische Gemeinde, Berlin Gottesdienst: Freitag, den 29. November abends: in allen Synagogen 4׳! Uhr. Sonnabend, den 30. Novc mber vormittags: in der Alten, Kaiscrstr.* u. Rykcstr.-Synagoge 9 Uhr, in den anderen Synagogen: Frübgottesdienst: 8 Uhr. Hauptgottesdienst: 10 Uhr. Predigten: A 11 e S y n a g og e: Rabbiner Dr. Escheibachcr. S y n• a g o g e R y k e s t r.: Rabbiner Dr. Blumentlial. N e u e S v n a g o g e: Rabbiner Dr. Weiße. S y n ag o g c L i 11 d e n s t r.: Rabbiner Dr. ikrgmann (Schrifterklärung). Synagoge Fasancnstr.: Rabbiner Dr. Hochfeld (Schrifterklärung). Jugendgottesdienst: Synagoge Ryke• straßc, nachmittags •I Uhr: Rabbiner Dr. Stier. A be 11 dgo 11 e s d i e n s t: •I Uhr 46 Minuten, Gottesdienst an den Wochentagen: morgens: in der Alten, Kaiscrstr.• und Rykcstr.-Svn• agogc 7 Uhr, in den anderen Synagogen 7»/a Unr; abends: in allen Synagogen 4 Uhr. REDEll UM AUFSÄTZE UBER ZEllDEiiDSSISIHE FKÄGEli DES JUDISIHEH VOLKES HERÄUSGEGEBEWVOn DRAHRQtl ELIASBERG 0 vomniTEnsTHmin Eine 5RmmLUf1G!JÜDISCHER BÜCHER 1J0DI5CHER VERLRG Dio ersten Bücher der beiden neuen Sammlungen de• ״Jüdischen Verlags“ sind soeben erschienen: M. Goldstoln: ״Begriff und Programm einer jüdischen Nationallitcratur“, A. Schuolor: ״Der Kassenadel der Juden‘‘, Schalom Asch: ״In! Lande der Väter", Sch. Gorollk: ״Die licbo Provinz", Ntlhoro« im Inserat des ,Jüdischen Verlags". /

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