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Jüdische Rundschau · 1912-11-22 · Heft 47 (22.11.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 47 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 455 nittischcn Gedankens in unserer Oe• me in de", das indessen bezüglich der darin ausfcsproclicnen Ansichten mehrseitigen Widerspruch ervorrief und so der Ausgangspunkt einer eifrigen und interessanten Debatte wurde, die in einer zukünftigen Versammlung fortgesetzt werden soll. Ratibor. Unsere Zionistische Ortsgruppe voranstaltete am 17. d. M. unter Leitung von Zahnarzt Block eine öffentliche Versammlung, die sehr gut besucht war. I>r. S a n d 1 c r B e r I i n sprach in fesselnder, sachkundiger Weise über die ״Zionistische Kulturarbeit in Palästina", die er an der Hand der prächtigen Lichtbildaufnaiuucn des ״Jüdisehen Nationnlfomls" erläuterte. Wort und Bild machte auf die Versammlung einen tiefen L'indruck, der sich auch durch Gewinn neuer Mitglieder äußerte. Schweidnitz. Ein von der ״Zionistischen Vercinigung für Deutschland" am 9. November er. in Schweidnitz (Schlesien) veranstalteter Vortragsabend war über Erwarten gut besucht. Die Sachlichkeit und schlichte Vornehmheit, mit denen der Referent, I lerr Dr. Walter Steinitz aus Breslau, das ihm .־mver* traute Thema .,Grund7.ügc einer neuen Judenpolitik" zu meistern wußte, verfehlten nicht ihre Wirkung auf die fast ausschließlich jüdischliberal gesinnte Zuhörerschaft. •Daß der Zionismus, um einen berühmten Satz zu variieren, besonders in den deutschen Mittelstädten oft nur deshalb bekämpft wird, weil man ihn nicht kennt, erhellte zur Genüge die an den Vortrag sich schließende Diskussion. Die Neuheit des Gehörten hält den erfüllbaren Wunsch nach weiteren informierenden Referaten in der Ciemcinde rege. So kann wohl der erste Vortragsabend dieser Art in Schweidnitz, der von cand. jur. Bruno Fcibclsohn (V.l. St. Breslau) geleitet wurde, als Beginn eines jüdischen Lebens, wie wir cs meinen, angesehen werden. Erfurt. Am Donnerstag, den 31. Oktober, sprach Herr Parteisekretär Kurt Kose n b a u m vor etwa 150—200 Personen über das Thema: ״Die praktische Lösung der J u d e 11 f r a g e." Der Redner wies in überzeugender Weise nach, daß nur der Zionismus iinstamlc sei, die Judenfrnge zu lösen und daß Palästina für die Regenerierung des jüdischen Volkes besonders geeignet erscheine. Denn einmal verbände uns die Geschichte mit Palästina, ntilicrdcm habe die Türkei noch niemals Itidcnhcl/cii geduldet. An den mit starkem Beifall atifgcuoimiicncn Vortrag schloß sielt bis Mitternacht eine sehr rege Diskussion an. In dieser vertraten die Herren Rabbiner l)r. S a I z. b c r g e r , Dr. mcd. G r ii n w a I d , I I c II, Dr. Ehrlich und Kann den gegnerischen Standpunkt Sie führten fast sämtlich aus, der Zionismus sei deutschfeindlich und den deutschen Juden scltädlieh. Für den Zionismus sprachen außer dem Reterenten Herr Dr. tned. Jacobs oh 11, Herr lieferemlar Dr. Rudnirki mul Herr D!• mcd. Wolf■! heim. Von diesen Herren verstand es iiamciitticti Herr Dr. Jacobsohn, die Versammlung für den Zionismus günstig zu stimmen. Seine Worte beson• ders und das mit stürmischem Beifall aufgenonmieiie Schlußwort des Herrn Parteisekretärs Rosenbaum hatten zur Folge, daß 30 Personen einer zu gründenden Ortsgruppe Erfurt bcitratcu. Damit ist dem Zionismus in Erfurt der Weg zum Siege gewiesen. Hannover. Am 11. November fand eine Ver* Sammlung der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe statt. An Stelle des Herrn Parteisekretärs R o s e 11 bäum, der durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, erstattete Herr cand. ing. Julius Katzenstein ein Referat über die Kunstwort• dcbattc. Dem Referat schloß siel* eine Diskus• sion an. Siegburg. Am 0. November d. J. wurde auf besondere Anregung hin die erste zionistische Ver־ anstaltung in unserer Gemeinde durch den Vortrag ״Z u r O r g a n i s a t i o n <1 e s d e u t s c 11 e n J u d e 11• tums“ seitens des Hern» Rechtsanwalt Dr. Epstein aus Duisburg eröffnet. Man muß unumwunden zugeben, daß wir bis heute noch nie einen zionistischen Vortrag gehört hatten, der die .zahlreich versammelte Zuhörerschaft von Anfang bis zum Schlüsse in Bann hielt, wie cs der Referent durch sein tiefgründiges und äußerst klares Rcdnerfalcnt verstanden hatte. Eine rege Diskussion, an der sich besonders die Herren Heinrich Levison, Max Heyinann und Her• mann Levy-Hennef beteiligten, folgte dem Vortrag. Mit taktischer Schlagfcrtigkcit wußte der Referent r? נח iü f™% —/ ץ״־✓ י j חי*)!־ 1J Li L u F -4» י WM» 4M» *»**■Ml * » Damit die Zustellung der ״Jüdischen Rundschau“ ordnungsmäßig erfolgen kann, richten wir an die Herren Ortsgruppcnvorstchcr sowie unsere Einzelmitglicdcr das höfliche Ersuchen, uns von Adressenänderungen umgehend Kenntnis zu geben. Bei Reklamationen über den Nichtcrhalt des Blattes konstaticren wir in den meisten Fällen, daß das betreffende Mitglied verzogen, ohne uns seine ncucAdrcssc anzugeben Verlag ״jüdische Rundschau“ BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8 allen Fragen und Einwürfen cntgcgcnzutrctcn. Ein Beweis, welch festen Fuß der Zionismus in hiesiger Gemeinde gefaßt hat, ist der, daß dieser scfion 1111• geführ 00 Mitglieder auch aus der Umgehung zählt. Duisburg. Am 18, November fand hier eine jener bekannten Zentralvvrcinsvcrsainmlunftcn statt, hei der Dr. Herzte Id (Essen) und Dr. Holländer (Berlin) an einer großen Reihe kleiner Einzelfallc die Erfolge der Abwelirtätigkeit des Z, V. darzulegen suchten. In der Diskussion sprachen unsere Freunde Referendar Paul Löwe und R.־A. Dr. Epstein. Ersterer vermißte heim Z. V־! der das deutsche Judentum zu vertreten meine, die jüdische Note. Dr. Epstein ging insbesondere auf den Fall Mugdan ein. Dr. Holländer erwiderte, der Z. V. stehe auf dem Standpunkt, daß er, wenn ein liberaler Kandidat aufgcstellt sei, ihn unterstützen müsse. Deshalb habe der Z. V, seine Mitglieder nicht aiifgcfordert. Mugdan im Stich zu lassen, nachdem dfe Liberalen erklärt hatten, au der Kandidatur Mtigdans fcstziihalten. Malte man das getan, so wäre womöglich der Antisemit gewählt warden. (!) Aus dem Vorstand der hiesigen Ortsgruppe des Z. V. heraus ging mail mit unerhörten Schmähungen gegen die hiesige zionistische Vercinigung vor. Dr. Epstein wies diese Angriffe nachdrfuilicli zurück. Die zionistische Ortsgruppe wird demnächst zu der Angelegenheit nochmals Stellung nehmen. . . ׳•prf ״V" l'Vn>..1«1r.O11׳r ./li’lt, 14. rl, AI pracli in der Ortsgruppe Herr Rechtsanwalt 1fr. 1 ottlieb hier über ״Die Begriffe Volk n d N a t i o n u 11 d ihre A n w e n d u 11 g auf di e u de 1111 eit." hi Anlehnung an Fr. I. Neu- 1 a 1111 und J e 11 i 11 c k wies der Redner nach, daß s kein einziges objektives Kriterium der Nation gehe, lation sei im Gegensatz zu Volk, ein subjektiver azialgesciiiehtlicher. kein naturwissenschaftlich faßarcr Begriff. Das Wesen der Nation sei dynamischer latur (größere oder geringere Intensität). Die Juden ütten 1111 Altertum eine der intensivsten Nationen geildet, im Laufe der Geschichte seien einige Elemente criorcn gegangen, das wesentliche sei jedoch erhalten chlichcn. Die jüdische Nation habe heute im Ver* Icich zu anderen Nationen weniger solcher Elemente, afür aber die bedeutsamsten in stärkerem (irade. )ics suchte der Redner für die osteuropäische uml ,,osteuropäische Judenheit gesondert im einzelnen dar• ulegen. An die geistreichen Ausführungen des Uefe• eilten schloß sich eine anregende Diskussion, an er sich vor allen die Herren I. Braunschweiger nd Rechtsanwalt L c w i n s o 1111 beteiligten. Elberfeld. Am 7. November hatten unsere Ge• iiimingsgenossen die Freude, unscrri verehrten Freund ierrn Rabbiner Dr, Emil Colin in ihren Mauern 1krüßen zu dürfen. Sein Auftreten entbehrte, abgceben von seiner Persönlichkeit, auch schon allein desalb nicht eines (wissen Reizes, als Herr Dr. Coli n;11 Mcndclsohn-Vercin sprach. Die Neutralität diees jüdischen Litcraturvcrcins ist in unsern Kreisen nricliwörtlidi geworden. Sie ist nämlich so groß. _ | Jüdischer Turnverein ״Bar Kochba“, Berlin. I ..— ...I'JSSSS.■■;״״.■=■.--- .דז-=a Sonnabend, den 30. Novembert 9 Uhr, anläßlich des 14. Stiftungsfestes im Künstlerhaus,3Bellevucstraßcj3. i Festrede: Herr Rechtsanwalt Greiffenhagen. | Turnerische Vorführungen. Künstlcrische“Darbietungcn. I Karten 1 2,־— Mark sind in unsorem Büro, Bleibtreuitraße 25,"bei J.ßLcwin, Zig&rettengcichaft, Gertraudtenstrafie 20-21, und auf allen Turnsälen zu haben. Abendkasse MarkJ2,50. 4 i i i : : i i dal) cs genügt, daß ein Redner das Wort Zionisimis in den Mund nimmt, damit ihm vom Vorsitzenden dieses Vereins das Wort entzogen wird. Es war — um hei dieser Gelegenheit eine, w enn auch nicht direkt hierher gehörende, so doch in den Zusammenhang passende kleine Episode zu erwähnen — im vorigen Jahre von dem Rabbiner unserer Gemeinde, Herrn l)r. Norden, eine Versammlung der Vorstände samtlieber jüdischen Korporationen cioberofen worden, in der beraten werden sollte, was zu geschehen habe, damit größere jüdische Veranstaltungen möglichst nicht miteinander kollidierten. Diese Absprache kam indessen nicht zustande, weil der Vorsitzende besagten Litcraturvcrcins an der Versammlung nicht teilnahm, und zwar mit der Begründung: Sein jüdisches Selbsthewußtsein verbiete es ihm, an einer Sitzung tcilzmichrncii, in der auch eine Korporation vertreten sei, die er als jüdisch nicht anerkenne. Und welche Korporation, verehrter Leser, glaubst du. war damit gemeint? Die liberale Ortsgruppe natürlich, höre ich dich sagen, (■) nein, die zionistische. Da legst di nieder. Nun, vv i r lassen uns durch solche Bekenntnissc einer schönen jüdischen Seele nicht beirren; w i r klären unentwegt die lugend auf über das, was wir nufer ״Jüdisch" verstellen, wir gründen ah und zu eine zionistische Ortsgruppe in einer der Nachbar• Städte und vv j r sind endlich gar nicht erstaunt darüber, daß die Herren aus einer verflossenen Epoche j 11 d i s c 11 d e u t s c 11 c r Geschichte kein Verständnis für die Fülle der Gesichte haben, dis uns erfüllen, uml daß sie uns am Ende gar uiijmiisch neniien. Nach aHeilem wird man verstehen, daß wir Herrn Dr. Cohns Vortrag ״Udicr jüdische Er/iclumg" mit Spannung cntgegeiisahen. Meisterhaft nach Form und Inhalt entledigte sich der Redner seiner nicht einfachen Aufgabe, ober jüdische F.r/iehuiigMii.iugel vor Juden zu sprechen. Uns tehlt, das war der Gipfel seines Vortrages, der Staat, der uns erzieht, und die Gesellschaft, uns erzieht nur die Familie. Mehr Strenge, Zucht und Disziplin, und die Zeit wird kommen, wo man nicht mehr mit Recht von einem spezifisch jüdischen Mangel an Takt, an Gefühl für Distanz wird reden dürfen. Abseitiger, reicher Bei• fall zeigte, wie sehr der Redner seinen Zuhörern aus dem Herzen gesprochen hatte. Wie gewöhnlich dankte der Herr ■Vorsitzende dem Referenten, schränkte dann aber, ganz gegen seine 23j ihrige Gewohnheit, den Dank durch die Kritik ein, der Redner habe־ zu stark aufgetragen. Manche verständnisvollen Blicke trafen sieh oh »fieser unbeabsichtigten Illustrierung des I)r. Coluischen Vortrages. Wir aber freuen uns auf das nächste Mal, wo Dr. Emil C.’olm zu uns sprechen wird. - In tiefe Trauer wurde unser Gesinnungsgenösse Herr Dr. ürüneberg versetzt. Am Abend des Jom!Kippur-Tages n.uiilieh starb nach kurzer KrankheiJMmUcn_ aus ,,ijejp ,yollen .Lcbgi^.luy^U'i v;iü bedeutet nicht nur für seine Familie, sondern auch für das Judentum und für unsere Bewegung einen herben Verlust. Von ganzem Herzen Jude, schloß er sieh unserer Bewegung, von einem sicheren Instinkt für die Gute unserer Idee geleitet, als Greis noch an. Keine Veranstaltung, keine Feier, keine Beratung fand statt, au Hier er sieh nicht mit einem Interesse und einer Lebhaftigkeit beteiligte, <lie seinen 70 Jahren Holm sprach. Für ihn war es eine harte Geduldsprobe, wenn er die Rede eines Gegners über sich ergehen lassen mußte, und erleichtert atmeie er erst auf, wenn dann der Zionist mit Begeisterung seine Argumente dem andern ciitgcgcnschlemlerte. Wer den Verstürbeneu noch in iiiisem letzten Sitzungen m voller Rüstigkeit sah, der liatie ihm ein biblisches Alter vorher• gesagt. An seinem Grabe sprach unser Freund, Herr Dipl.-ing. Slinsberg, schlichte Worte des Gedacht• nisses zu Ehren des braven Mannes, der von uns schied. Noch halte die Erde den Vater unseres |)r. Grüneberg nicht atifgenommen, als seine Mutter, von schwerer Krankheit getroffen, aufs Krankenlager sank. Ihr Leben, ganz dem Gatten und der Familie geweiht, war gleichsam gegenstandslos geworden, nun, da der treue Gefährte ihr entrissen war. Ihr inniger, oft geäußerter Wunsch, noch einmal das Land zu sehen, dem unsere Sehnsucht gilt, sollte diesem Vor• bild jüdischer Mütter nicht erfüllt werden. Am 29. September vereinte der Tod sie mit ihrem Gatten. «־־SPR6CH5AAL Sehr geehrter Herr Redakteur! In der Angelegenheit des tendenziösen Berichtes, den der ״Israelit" über meine Rede in Köln unter der Spit/markc: ,,Eine Kundgebung Jungzions" veröffeilt• liebt hat, bitte ich Sie. folgender Erklärung in Ihrer werten Zeitung Aufnahme zu gewahren: Ich kann mich, was den theoretischen Inhalt meiner Ausführungen betrifft, der in der vorigen Nummer dieser Zeitung von Dr. J. Klatzkin veröf feilt־ lichten Richtigstellung voll und ganz .•uischlielieii, da Dr. Klatzkin und ich durchaus denselben Standpunkt vertreten haben. Nur eins habe ich dem noch hinziizufügen: Es ist völlig unwahr, daß ich erklärt hätte, ״Dr. Klatzkin hätte aus taktischen Gründen dieses Prinzip nicht so ohne weiteres aussprechen sollen". Diese Behauptung des Korrespondenten des ״Israelit" ist für mich im höchsten Grade beleidigend, da eine solche. Erklärung meinerseits einem bewußten Verhüllcnwollen der Tatsachen, einer Täuschung gleich• käme. So habe ich denn auch unmittelbar, nachdem Dr. Lorch mir diese Erklärung zuschricb, mich energisch dagegen verwahrt.

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