Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1912)
- Date
- 1912-11-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Seile 431 bracht worden sein. Diese Persönlichkeit soll, wie jet/t bekannt wird, auf Sasonow eingewirkt haben, der russischen Regierung zumindest eine Milderung ihrer Judc11|X>litik naliezulegcti. Auch der englische Minister des Aeuncrcn, Sir EJward Grey, soll die Bemühungen jener englischen Persönlichkeit hei Sasouow iinterstiil/t hahen. Angeblich soll Sasonow nicht entschieden abgelelmt haben. Amerika Der überlegene Sieg des PrüsidenlschaflsUaiul!- daten Wilson hat leider sein Gegenstück in der Niederlage des Herrn Oscar Straub im Kampfe um den Goiiveriienrspostcn des Staates New York ge• funden, Straub ist bekanntlich Parteigänger Roosc• velts. Zum Gouverneur wurde derselbe Snl/er ge• wählt, der im Unterhause die bekannte ״Resolution Sul/er" einbrachte, die die Kündigung des Handels• Vertrages mit Rußland verlangte. Vom jüdischen Standpunkt ist auch Wilsons Wahl nicht ohne weiteres zu begrüben, da er in der Eiiiwnmlcrungsfragc nicht ganz, zuverlässig ist und man bei einer Wahl Uimi.sc• velts wenigstens die Gewähr gehabt hätte, daß eine Verschärfung der Bestimmungen nicht ciutreten würde. TVRneruspoRT Zu dem Aufsatze ״Jüdische Ruderregatta“ in der vorletzten Nummer unseres!Mattes berichtigen wir, daß die Regatta des nächsten Jahres nicht am 6. Mai sondern am 0. Juli ausgefahren werden soll. Mehrfache:. Wünschen aus jüdisch-sportlichen Kreisen folgend, habe ich mich mit dem bekannten Boxlchrcr Joe Edwards wegen Abhaltung eines Roxkursiis in Verbindung gesetzt. Joe Edwards hat mir für einen geschlossenen Zirkel besonders günstige Bedingungen gestellt, und ich 'bitte alle diejenigen, die an der Erlernung des ebenso nüt/Iichen wie schönen Boxsportes ein Interesse haben, sich mit mir in Verbindung zu setzen, damit ich über die Zahl der Teilnehmer informiert hin und mit den betreffen• den Herren Einzelheiten veiabreden kann. Dipl.•!ng. Joseph L 0 e \v y, Berlin NW., Wiillcnwcberslr. II. z10N1snsc1i£ B6v/3}un0 Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Oer ״Zionistische Student“, die I Ing• Schrift des Kartells zionistischer Verbindungen, bat sich, wie die'grolle Zahl der Bestellungen zeigt, als aiincrordeiitlich wirksames Agit.itionsmaterial er• wiesen. Wir machen daher Ortsgruppen, Vereine tisw. auf die besonders günstigen Bedingungen aufmerk* sam, zu denen das lieft, das sich keineswegs mir an Akademiker wendet, abgegeben wird. Hcstelhm• gen sind zu richten an Herrn Kart Cilaser, Berlin W. 15, Düsseldorfer Str. 65. Der Einzel!)reis beträgt 0,10 M.; bei Aufträgen von 10 Exemplaren an 0,30 Mark. Das vom Ei. Delegierteiltag beschlossene Statut der Z. V׳. f. D. liegt imnmclir gedruckt vor und wird von uns zum Selbstkostenpreis von 'j l'f, pro Stück abgegeben. Wir halten es für außerordentlich wün• sehenswert, daß jedes Mitglied unserer Organisation ein Statut besitzt, uml bitten unsere Ortsgruppen, für sämtliche Mitglieder Statuten zu bestellen. * Wir bitten diejenigen Ortsgriippeiivorstände, die unserer dahingehenden Aufforderung noch nicht nach• gekommen sind, uns umgehend ihre Mitgliederlisten zukommen zu lassen. Außerdem benötigen wir eine genaue Aufstellung der Scliekelzahlcr am Orte, sowie ein Verzeichnis solcher Personen, auf die mit einiger Aussicht auf Erfolg durch Zusendung von Broschüren usw. cin/mvirkcn wäre. Wir sind damit beschäftigt, unsere Kartothek auszubaiicn, mul bedürfen all dieser Angaben, um die lokale Arbeit in geeigneter Weise unterstützen zu können. Wir bitten unsere Freunde ferner, Acmlcruiigeii im Mit* gliederbestand ihrer Ortsgruppen, sowie den “Wob• nimgswccltscl einzelner Mitglieder uns allmonatlich aufzugeben, damit wir unsere Listen und Karten stets k jour halten können. * In unserem Bureau hat sich angefunden: ״Ent• Scheidungen des Reichsgerichts in Zivilsachen.“ Neue Folge. 20. Band. Wir bitten den Eigentümer, sich umgehend zu melden. Der ״Bund Jüdischer Korporationen“ hat als einen Sonderdruck aus ‘seiner Zeitschrift eine Broschüre von M. Cal vary: ״Die Aufgabe des deutschen Zionismus“ erscheinen lassen. Wir empfehlen diese, Arbeit als ein hervorragendes Hilfsmittel bei der Propaganda in gebildeten, speziell akademischen, JUEDISCHE RUNDSCHAU Kreisen. Der Preis der 20 Seiten starken Schrift, die durch uns bezogen werden kann, beträgt 30 Pf. AUS HAfABURG-ALTOMft Eine Versammlung des Zcntralvcrcins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens war zum Sonnabend, »len 26. Oktober, nach dem Saal des Logcnhaiiscs, Welckcrstraße, ciiinenifen worden. 30 ״/״ der Erschienenen waren wohl Zionisten, Als Redner war Prof. Go Idstein gewonnen worden. In überaus fesselnder und feinsinniger Weise meisterte er sein Thema: ״Der SoIida r i t ii ts g e d a n k c J m 10. J n 11 r h 11 n d e r t u 1111 d i e d e ti t• scheu J 11 d c n“. Es war für jeden Anwesenden ein hoher Genuß, diesem Gegner, dessen vornehmer Ton aus seinen Publikationen bekannt ist, zuzuhören. Seine Ausführungen könnte jeder Zionist fast ohne Ein• schr.inktmg unterschreiben. — Nach ihm sprach statt des niigckuiuligtcu Prof. N ctibcrg- Berlin der Syndikus des Zentral-Vereins Dr. Holländer. Er er• stattete zunächst den Tätigkeitsbericht des Zentral- Vereins. Er beleuchtete 11. a, die Tätigkeit des Zentral-Vereins bei den politischen Wahlen: der Er• folg sei nicht nach Sieg oder Niederlage im Wahl• kämpf zu bemessen, sondern nach der Wirkung, die die Aufklärungsarbeit des Zentral-Vereins in der Pro• vinz zu verzeichnen habe, wo er ״Tausende“ vor dem wirtschaftlichen Ruin schütze. — In der Diskussion kamen nur kommunalpolilischc Fragen zur Sprache. Dem Vorstand des Eokalkomitccs wurde zum Vorwurf gemacht, daß er sich in der Frage der An- Stellung jüdischer Oberlehrer im 1 lamburgischen höheren l.ehramt, welche seit einem halben Jahr samtliehe Biirgervcrcinc uml deren Zcntral-Ausscluilt bc• schäbige, sehr passiv verhalten habe. Hie Antwort vom Vorstamlstisch war außerordentlich schwach. Eine von Herrn Ed, Lcviuson cingchrnchlc Rcso- Intimi, welche bei Stiinniciicnthaltiing der Vorstandsmitglieder angenommen wurde, verpflichtet den Vorstand zur öffentlichen Stellungnahme in der jitdrehen Oherlehrerfragc bei den bevorstehenden halhschich• tigeu Biirgersehaftswahleii. Auf die Anfrage Dr. Marlin Auerbachs, welche Stellung der Zentral- Verein nach der Miigdnti-Affärc der fortschrittlichen Volkspartei gegenüber ein/imehnieii gedenke, ließ der Versammlungsleiter Dr. II in rieh sc 11 den Sekretär Dr. Holländer vorsichtigerweise erst im Schluß• wort antworten. Nach llotiämlei• ist Mugdan gar nicht so schlimm; schließlich könne man einer Paitei wegen eines solchen! alles noch nicht den Krieg erklären. Geber angeblich vom Zentral-Verein vor der Aufstellung Mvgdans mit der fortschrittlichen Volkspartei gepflogene Verhandlungen verbreitete I fnllämlcr sieh sein׳’■geheimnisvoll. Auch Zwischen• fragen vermochten ihn nicht zu größerer Deutlichkeit, sondern nur zu itiisueliliehcu Ausfällen gegen die zlo* nistischc Partei zu bewegen. Dem aus der Ver* Sammlung heraus erhobenen^ Protest gegen die Ileschimphiugcii seitens des Syndikus Holländer gab der Vorsitzende Dr, lliurieliscu nicht statt mit der ״Begründung“, daß er nach »lern Schlußwort Hol• läiitlers keinem mehr das Wort erteile. l/eRe1NS־RUNDSCHAU Berlin. Die ״Kndimah" (Gruppe der B. Z. V.) veranstaltet atu Sonnabend, den ö. November, 0 Uhr abends, im Restaurant Nisselhaum, Oranienburger Siralle 26, eine Versammlung, in der Herr Rabbiner Dr. L A. Rosenthnl über das Thema: ״Was müssen wir von der jüdischen Ge* s e 11 i c 111 e und l. i t e r a t u r w i s 8 e n?“ referieren wird. Dieser Vortrag ist als Einleitung zu einem Vorlesungszyklus des Referenten über ״Die jüdische Geschichte uml Literatur“ gedacht. Näheres über Zeit und Ort wird demnächst bekauntgcgcheii werden. Berlin. Der Zionistische Verein West-Berlin hält am Sonnabend, den 16. November 1612, abends 6 Uhr präzise, im Kollendorf-Kasino, Kleistslr. •10, am Ilochbnhnhof Nollcndorfplatz, seine General- Versammlung ab. Tagesordnung: I. Beriebt des Vorlandes und Kassenbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Revisoren. 3. Diskussion, t. Diverses. Schriftliche Anträge sind entweder an Herrn Julius Berger, Charlotteiiburg, Blcibtreustr. 33, zu richten oder vor Beginn der Versammlung beim Vorstand eiitzurcichen. Berlin. Der Jüdische Turnverein ״Bar Kocliba", Berlin, veranstaltet anläßlich seines U. Stiftung«• festes am Sonnabend, den 30. November er., im Kiiiistlerhaus, llellevuestr., einen Ball. Alle bofreuu• iloten Vereine werden hierdurch gebeten, diesen Abend nicht weiter zu besetzen. Die Vorbereitungen für dieses Fest sind in vollstem Gange, und es kann schon jetzt darauf liingewicsen werden, daß cs dem vorbereitenden Komitee bereits gelungen ist, eine Reihe erstklassiger Künstler für diesen Abend zu ge• wiitncn. Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung, Gruppe Kadimah, veranstaltet am Montag, den 18. November, abends 9 Uhr, in Haveriands Fest• säleii (früher Dräscl), Neue Fricdricbstr. 35, eine große öffentliche Versammlung. Herr Dr. Leo M o t z k i n wird in jüdischcrSprachc über das Thema: ״Unsere Arbeit in Pa• lästina“ referieren. Gäste, Damen und Herren, erwünscht. Eintritt 10 Pf. Berlin. Die Volksliederahcnde, welche die Re• daktion von ״Ost und West“ zurzeit in verschiedenen Städten Deutschlands veranstaltet, verdienen gewiß das rege Interesse, daß ihnen überall von unseren Ortsgruppen cntgegcngcbracht wird. Aus Leipzig und Breslau, wo die Abende bereits staltgefundeii haben, liegen uns Ausschnitte aus Tageszeitungen vor, die sieh überaus lobend über die Veranstaltungen aussprechen. Am Sonnabend, den!6. November, findet nun im Fcstsaal der ״Gesellschaft der Freunde“ der erste Berliner Abend statt, und wir dürfen wollt darauf rechiirn, daß das Interesse im Kreise unserer Freunde wieder wie im Vorjahre ein besonders reges ist. Alle näheren Angaben bezüglich der Vorverkaufs• stellen usw. sind aus dem Inserat in der vorliegenden Nummer zu ersehen. KönigshiiUc. Zu dem am Sonntag, den 10. No• veit.ber, abends um 8*,׳* Uhr, im Saale des Kaiserhofes stattfimlcmleu 3. Stiftungsfestes der Zionlsti• sehen Frnuengruppe Königshüttc laden w׳ir alle unsere obcrsclilc.üscheii Gesinnungsgenossen und Freunde hcrzliclist ein und bitten um recht zahlreiches Erscheinen. Programm: Festrede des Herrn Rabhiner Dr. Friedman 11, Troppnu. Gesänge des Herrn Opernsängers Sc 11 war/ vom Kattowit/er Stadttheater. Schwedische Turnübungen der jüdischen I>amenriege, Königshiittc. Humoristische Auflülirungeil, Tanz. Kaffeepniisc. Große Tombola zugunsten der Yememteiihäuser. — Kaltes Büfett im Saal. — Entree pro Familie 1,50 M., pro Person 1,00 M. Gäste willkommen. Berlin. Die Berliner Misracliigruppc cröffnelc ihre diesjährige Wiutcrtätigkcit am letzten Donners• tag mit einem in der Hauptsache für die. in Berlin lebenden Ausländer bestimmten Propaganda• abend. Das Referat hielt der Parteisekretär Herr Meier, Berlin, über das Hieina: ״Jüdisches L c be n i n d e r D i a s p o r a 11 n d in P .11 a s t i n a“. Fr führte ans, daß der gegenwärtige Zustand der ludeiiheit in der Diaspnrn als jüdisches t eilen überli.nmt nicht be/eielmet werden küimc, weil jede M<!g• lichkcit, aktiv jüdisch sich zu betätigen, jüdische Werte zu schaffen, fehle. Selbst da, wo Juden koii/en• friert Zusammenleben in den mudcmeii (ihettis sei ein wirkliches jüdisches Leben nicht möglich, weil im äußeren wie im inneren Leben die Fintliissc der Umwelt zu starke seien. Erreichbar werde unser Ziel, wieder produktiv jüdische Werte zu seitaffen, erst durch eine Kon/entiatiim in Palästina, wo wir heute schon in vielen He/icliimgeu in der l äge seien, uns selbst unsere Gesetze zu schreiben. 1111 An• Schlüsse hieran entwickelte er das zionistische und das misrachistischc Programm. Eine sehr angeregte Debatte, die hervorgerufen wurde durch die Entgcg• innig eines Redners, der vom orthodoxen Standpunkte aus die Bekämpfung des Misraclü versuchte, zeigte, wie sehr die Versammlung auf seiten des Referenten stand. Eine ganze Anzahl von Neii.iniiicliluiigen für die Gruppe bestätigte den Erfolg des Abends. Stettin. Am I liciistag, den 2'.־. Oktober, batte der Jüdische Turnverein, Stettin, seine diesjährige Generalversammlung. Nach dem Bericht über das Sonimcrhalbjahr fanden die Wahlen des Vorstandes statt, der sich jetzt folgendermaßen ziisamiucnset/t: Dr. Baer, Elisabetlwtr. öd, 1. Vors.; (». Tuchler. 2. Vors.; E. Sch ü flau, Kassierer; E. Meyer und II. Pleß, Schriftführer. Nach Festlegung des Winter- Urogramms hielt ein Kommers die Mitglieder noch lange beisammen. Velbert (Rlild.). Am Mittwoch, den 23, Oktober, sprach in unserer Ortsgruppe Herr Dipl.-Ing. Leo SI i osb c rg• Moskau-Elberfeld über das ״Jti• d i s e h e A u s w a » d c r 1111 g s ק r o b I e m“. I >er sympathische Redner schilderte die verzweifelte Lage der nissischcn Gliettojmleii aus eigener A11<cl1.m1mg und verstand cs, seine Zuhörer von der sozialpolitiselten Bedeutung des zionistischen Programms und der Notwendigkeit einer Agrarkolonisalioti in Palästina und den Nachbargebieten zu überzeugen. Köln. Am 26. Oktober hielt Herr Nahmn Goldmanu aus Frankfurt a. M. in der hiesigen ziouistiselten Ortsgruppe einen Vortrag über ״Zionismus und Persönlichkeit“. Selten horten wir von einem Redner in dem jugendlichen Alter des Refc• reuten ein Thema ähnlich tiefgründig und rhetorisch wirkungsvoll behandeln. Im Gegensatz /um Refc• reuten, der die geistige Struktur und die Form ktiltureiten Schaffens als das Wesen des Judentums bczeichnete, vertraten in der anschließenden Ikbattc die i lerren Rabbiner I )r. H a 11 o v c r, I >r. S c h e f telowitz, Munk und Dr. Lorch die Ansicht, daß das religiöse Ideal das Charakteristikum des jü• dischen Volkes sei uml bleiben müsse, wobei die heiden letztgenannten Redner besonders nachdrücklich und temperamentvoll die Verbindlichkeit und den hohen Wert des jüdischen Religionsgcset/es hervor• hoben. Demgegenüber präzisierte Herr l)r. Klatz• kin den zionistischen Standpunkt. Der Abend nahm einen sehr angeregten Verlauf und hielt das zahlreiclt erschienene Publikum bis Mitternacht bei• samnten. Wcißcnfels. Am Dienstag, den 26. Oktober, sprach unser Herr Kurt Rosenbaum über ״Z i c I e und Er folg c des Jüdischen Nationalf 011 d s". Ausgehend von den neuesten Zeitereig• nissen, schilderte er die Notwendigkeit einer solchen