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Jüdische Rundschau · 1912-10-18 · Heft 42 (18.10.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 42 (18.10.1912)
Date
1912-10-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 400 JUUDISCHE RUNDSCHAU Nr. 42 oder tlie Ziunisteuangst, 4tic «Irin AMinnc wirre t räiitnc bereitet? Jcilojif.ills tat er die Aciiltcrunj^: ״Wir «Vollen nicht, datt ihIu-u Moutem־gr«1 ein Jmlcnstaal auf dem Balkan entsteht, deshalb sind wir gegen den Zionismus!" Wir raten I lerrn Kaeinpfcr, sieh /uniiehst einmal in einem ganz gcwöhnli«‘i1eu Schulatlas über die Entfernung Palästinas vom Balkan Klarheit zu ver* schaffen. Die noch wichtigere Klarheit über die ungeheuren diplomatisch-politischen Vorteile selbst eines Staates vom Range Montenegros gegenüber der Situation der Juden dürfen wir nicht hoffen, ihm beibringen zu können. Nur noch ein köstliches Zitat von ihut: ״Die Zionisten verderben das Kolmtisationswerk in Pa* liistiua.'‘ ,Mit so trefflich informierten Leuten wird sich gut kämpfen lassen. Sie mögen uns nur kommen! I s e h i w r i. Ein zionistischer Protest gegen die Vertretungen der Berliner jüdischen Gemeinde Zu iiuscreni vurwöcliigcn kurzen Bericht über die am vergangenen Atiltwoeh im Tiergartcnltof ahge* ballene öffeutliebe Versammlung tragen wir noch fol* gendes nach: in seinem eiideitemleii Referat besehäf* tigl«׳ sielt Herr l)r. Ile ynin n n iiisbesoinlere mit den Ausführungen «Ies Syndikus der Jüdischen (iemeindc, Jnstizrat l.ilienthal, und seinem Aussprueli, man könne nicht wünschen, ״solchen Elementen, die sieh in Deutschland nur vorübergehend aufhalteii wollen, die (leuieinde aus/.uliefern. Herr Lilicuthal habe damit jeden jüdisch Fühlenden, der unter allen Umständen sein Judentum erhallen will, in höhnisch verletzender!•'oriu ironisiert und gchraiulmarkl. Die zionistische Partei ist als Kampfpartei geboren. Der Kampf ist ihr l.ebenseieiuent und sie ist um so dankbarer, je härter dieser Kampf ist. Sie wird gemäll der Posener Resolution weiter ihr Programm lioebbalten, Wold denen, die willens lind in der Lage sind, in das alle Stanimland jiml die künftige Heimat von Hundert■ tausenden aus Osteuropa und vielen Tausenden ans Westeuropa lunhhci/itsicdcln. Die dies aller nicht können, sollen vorübergehend )tingelten, sollen selten, sielt überzeugen, wie dort jüdisches l.eheu neu ersteht mul sielt kräftig entwickelt und sollen mit geistigen und materiellen Interessen dort sich verwurzeln, wie cs stets seil der Zerstörung des Reiches nach den Vorschriften der Lehre ein integrierender liestumlteil jüdischen Pfliehtenlebcns war, seine Interessen mit dem heiligen Laude zu verbinden. Freilich werde Kolonisation auch von liberalen Institutionen unter• stutzt. Aber es bandelt sieh dann immer mir um andere. Wir aber kämpfen für unsere eigene Sache, Und dies erschien durch die Posener Fassung «len Liberalen als etwas!׳atu Neues, sie erschraken ob der Klarheit unseres Willens, «4» der täglich wachsen• den Verbreitung unserer Ideen mul sie fürchten, seblielllieh *verdrängt zu werden aus ihrer jetzigen Position. ,.Richte dein Augenmerk nach Palästina, richte dein Leben nach zionistischen, nach palästiuensi• sehen (icsiclilspunkten ein." Diese Thesen sind den Assimilniileii etwas so Ungeheuerliches, sic fühlen die werdende Ncn»1rgnnk1ti»11 des deutschen Judentums und deshalb dürfen nach ihrer Anschauung Männer dieser Lebensauffassung in die Berliner Jüdische (1c* meinde nicht eiutreten. Sie sind für sie (ieineimlentilglicdcr find - auch diese Konsequenz wird bereits gezogen S t a a t s b ii r g e r minderen Rechts. Jene Assimilauten sind in dieser Auffassung eins mit Heiner, der die Zionisten unter Ausnahmegesetze gestellt wissen wollte. Sie, die Assimilauten, wollen «lein Judentum als politische Bewegung keinen Platz in der (leuieinde gönnen. Die (ieiueinde ist aber nielit nur eine < ilanbe11s);emeinscbaft, sondern sie ist der soziale und nationale Brennpunkt der Jiidcnhcit' in der Diaspora und soll dies auch bleiben. Diesen C.barakter, der von der jetzt malfgebliehen Partei zum Teil beseitigt worden ist, wieilcr/iigewninen, die (re• meinde wieder zu dein zu machen, was sie bis zur Emanzipation bei uns gewesen ist, und im Osten heute noch ist, zu dem Zentrum, in dem alle Juden Zuflucht, Schutz und Unterstützung finden, das ist unser Programm, das ist eine der Forilcruugcn, durch die wir uns fundamental vom Standpunkte der Assimilan• ten unterscheiden. Sie werden scheiß wie wir in stets umfassenderer Weise von den uns zu (reimte stehenden Mitteln zur Durchführung unseres Programms (ichrauclt machen weiden." Der Redner schloff mit der Verlesung der unten wörtlich wietlergcgel>cncn Resolution. * I Icir Dr. W i t ko w s k y wies darauf bin, wie erst durch die Konsequenzen der verschiedenen Auf• fassuii[. der (iegensatz zwischen /.ionismus und Liberalismus klar wird. Der Zionismus lehrt, dalf ein Leben in wahrem jüdischen Sinne mir auf eigenem Roden möglich ist, der Liberalismus will aber nach seinem Programm ein neues, von den alten Formen losgelöstes, religiöses l.eheu schaffen. Nach unserer Uvhcr/cugung ist aber die gegenwärtige Lage der Judenbeit keineswegs dazu angetan, ilas Ritual, «las so lallte ihre verbindende Kraft bewährt habe, ent* bchrlich zu machen mul «las Judentum ist aueb gar nicht imstande, eine solche Religion zu begründen. Wir leben und wirken mein 1111 Sinne der Propheten, auf die sieh die Liberalen immer be/ielicn, wenn wie die Schilden, tlie jene grollen Männer stets ge• geilfeit, aueb bei unseren heutigen Verlialtuissen auf• «lecken und bekämpfen. Von prüder Wucht war der Hinweis tles K'eilucrs auf unsere P.dastiuapinm.Ti׳, die nach Meinung des llerni l.ilienthal «loch ««.■!11 aueh nicht «vürdig gewesm wären, in tler iicrlmcr Jiitlischeu (ieineimle Mit/uaiheiteu. Herr M a r g «»11 i n s k y bestreitet «lein Zionismus «las Recht, zu hdiauptcu, dalf mau uns Juden immer s*1gcu wird, ihr sci«t Freimle und werdet initiier Fremde bleiben. Er glaubt, «lall mit der Zeit «ler Jude seine änderen!Merkmale immer mehr ahh-gcu und «tu* walire (ilciclihcrcchtiguug erhallen wer«le. Die Aeulfc• *ציוויי «ies Herrn Justi/ral Liheulhal wolle auch er nielit verteidigen. Herr Kuno Lewiu erklait, «lall er bisher «lern Zionismus nielit ohne Sympathie gegenüber gestanden habe: infolge der letzten Vorlälle und der heutigen Versammlung müsse er sich alter als entscliieileueu Hegncr «ler Hc«\־cgu11g erklären, Er gibt zu, «Ialf auch ihm manches in der Vcnvalumg der jüdischen < ieineimle nicht passe, aber er sicht in der (ieineimle mir eine (ilaubeusgenieiuscliaft mul verurteilt «len Streit darüber, welche Richtung «las wahre Juden• tum darstclle. Opponenten, Herrn Professor Dr. Hlocb, förmlich korainicrtc: er sei hier nicht als Vertreter rabbinischcr . Anschauungen, .sondern als DcRgicrler, der tlie <ie• samtiuteressen «Ies liberalen Judentums zu wahren habet Dahci ist Hloch einer der Veteranen «ler liberalen Rabbiner und Vorsitzender ihrer Vereinifr1111|rt hat überdies seine wissenschaftlichen Meriten — so etwas kann eben nur in jüdisch-liberalen Zir• , kein Vorkommen. Echt jüdisch-liberal war auch sonst die ganze Leitunt' 4er Verhandlungen. Nach dein Finanzbericht, der übrigens trotz, tler vielen potenten Mitglieilcr ein Defizit von 37<H) M. aufweist, erteilte «ler Vor• »vit/ende, ohne Antrag mul Abstimmung, selbslherr• lieh dein Kassierer mul «lern (lesaintvorsiaml Ile- Charge. Hei den wichtigsten Abstimmungen wurde ׳lediglich gefragt: wer ist dagegen? — was offenbar bedeutet: wer wagt es? Hie Vorstumlswahl war«l mit zwei Worten abgetan 1111«! die zu hihlenileu Konimissioncit, erklärte der Vorsitzende, selbst er«1em:eu zu wollen. Und uicmaml begehrt «lagegen auf and) ein Zeichen, mit welchem Ernst mul selbsländigern Interesse die liberale Jtidenlieit selbst die Auf• gaben ihrer Vereinigung verfolgt. Dem entsprach auch im übrigen das ganze Riid des Delegiertentages. Itei (ifVOO Mitgliedern, von denen je 21) einen Dclc• gierten entsenden dürfen und auch die Einzelmitgliciler tler Hauptvereinigung Sitz, und Stimme haben, war es nicht gerade imposant, ganze 130 Vertreter «Ies jiidischen Liberalismus zu einer mit solchem Aplomh angeküniligten Tagung versammelt zu sehen.- Und was bei unser!» Tagungen so das Herz jubeln macht: die Fülle von Jugend hier fehlte sie fast gänzlich. Schlimmer noch, «lall «lie Indifferenz von jung und alt siel» in «ler Zahl von ganzen 27 («ästen hcschaincml enthüllte. Nein, nein, diese Leute haben wir gewilf nicht zu fürchten.' -- Sie sollen uns nur kommen! Und sie wollen uns endlich kommen - wie es selieint. Nachdem die religiösen Fragen des liberalen Judentums mit «len feierlich bestatteten Riebt• linieu eigentlich ihren Ahschhili gefunden haben, und da wold ohnehin ‘)״•> ל «ler ,Mitglieder «ler Vereinigung durch «lie Erörterung religiöser Details herzlich gelang• weilt sind, iimli jetzt «lie liberale Vereinigung, um ihr Leben zu tristen, siel» mich neuer Tätigkeit um• selten. Da s«!ll nun «ler Zionismus!(erhalten. In der «ffl'cutliehen Versammlung lielf Herr Justizrat Hl au /iiiiachsl eine «ler sattsam bekannten liuriapaiijotiseheu Rctlen vom Stapel, um die Vaterlandslosigkeit der Zionisten am Feuerschein des angc/iüuk’ten Scheiterhaufens um so heller erstrahlen zu lassen. Denn diese Zionisten sind ganz gefährliche Leute. Wir Stollen jelzt in allen Orgauisalionen auf sie. Sie dringen selbst in «len Deutseh• Israelitischen Ucmeimlebund ein lind droben uns, unsere geliebte Alliance zu zerschlagen. Der Kampf gegen «lie Zionisten, die ״alle ihre (iegner «huch Demagogie einsehüchtern", muH eine Aufgabe des liberalen Judentums sein. Aus der Fülle «ler teils salbungsvollen, teils kauventioncllTlaeheu Reden ver«livnt mir noch die des Herrn Rechtsanwalt Dr, K a e m p f e r• Posen her• vorgehoben zu werden. Auch ihm hat cs vor allein der Zionismus augeiaii, trotzdem er zugeheu muH, «lall es auch ״einzelne anständige Leute unter den führenden Zionisten gibt“. Ist es das Kriegsgeschrei e- ״ ״ .....- 1 ׳ ———— Richard Huidschincr: ״Narren der Liebe“ Novellen hei Albert Langcn*München. Eine nachdenkliche Innerlichkeit lind ein stiller, überlegener I Iimior, ein wenig dem des Karl Emil Franzos' mul so durchaus allem jiUlisehcu Wesen verwandt, gehen iliesem neuen Iftitbe Dr. Richard Hulilschiners, dessen Stoffwabl keine Hcriihruugs• punkte mit unseren Hcsirelningcn hat, ein Anrecht auf Besprechung in einer jüdischen Zeitung. Zwar wird mir jeder tüchtige Literat antworten, dalf es überhaupt nicht auf die Art, somlern nur auf die Behandlung des Sioffcs ankoinmc, aber um der Sache willen ist es um!;«> mehr zu he«lauu1־t, dalf I Inldsehiuer, «ler vielleicht geeigneter dazu als llrod und (ieorg Hermann wäre, sieh in seinen literarischen Arbeiten nicht «len modernen jüdischen Problemen '/uwemlcl. Ein Ausspruch wie: ״Ich mag eigentlich diese Sorte Menschen gar nicht, die erst weint und dann gleich wieder lachen!kann. Es ist so etwas * Rohes in diesen primitiven Seelen . . enthüllt mit einem Schlage. die Psyche iles kultivierten, nio• dernen Juden und beweist, wie sehr 1 luldscbiner den Blick dafür hat. Das Wort selbst stellt in dem dritten dieser Ocdichtc in Prosa, Hirtenlied genannt, das in autobiographischer Form den unfreiwilligen Aufenthalt auf einer weltverlorenen Alm schildert und auf den Leser selbst wie ein Erlebnis wirkt. Hier erhebt sich auch die Sprache, auf die wenige inotlerne Schriftsteller soviel F'lcilf und Sorgfalt verwenden weiden, zu ihrer grollten Schönheit. Sie ist frisch und klar wie die Älpeiilwfl, in der sieh alle die eiulat'licii (iesehelmisse tlc!i Huches ahspieten, «lie uns alles Alltägliche, jede Farbe so rein mul neu erscheinen lallt, als hätten wir nocli nie eine grüne Wieso gesellen. Die lyrischen Stellen sind «lie schönsten und herzlichsten Fretuleii «Ies Huches, und das Kapitel von «ler Madonna in «ler Kartause zu Allerengelsherg, die in «len Sommernächten saug, wird jedem I csec in der Erinnerung bleiben. Dalf in dieser Novelle dem Dichter die Schilderung des Klosterlebens, «ler Landbevölkerung und des blonden Hirtenmädchens besser gelang, als «lie des wilden Malers des bekannten tingezügciten Kraftmenschen mit «lein Kuiilerlieiveu , bleibt freilich eine psycho• logische Schwäche der Erzählung. Die zweite Novelle jedoch wächst sieli durch «las I lei'einspieleii (ioethes und der Werthcrzeit in «ler je«ler unglücklich Liebende sich verpflichtet fühlte, gleich Wcrthcru siraelds zur Pistole zu greifen fast zur kulturgeschichtliche«! Studie aus. Den Ver• .such, üoethe seihst rcdcml auftrelcu zu lassen, aller• dings in starker Anlehnung an «lie Berichte der ״Italienischen Reise", dürften nur wenige Dichter wagen ׳ Laube z. B. ist «lies bei Schiller ziemlich schlecht geglückt ► aber mir selten «lürfte es auch so «>hnc Entweihung gelingen, wie hier, wo seihst die Sprache die Illusion ,־ortreiflieli aufreehterhiilt. Ucber die «bitte Novelle, «las ״Uirlenlied", habe ich schon gesprochen. Sie ist die hei weitem schönste des Buches um! strömt eine leise und feine Musik aus, die den Leser Ins /ur lelz.tcn Zeile im Banne ball, Sie ist auch ein Beispiel «iafur, wie unter «len \ lläiiileu eines Dichters selbst ein ans Frivole g1«׳n• Zemler Stnlf, die Liebschaft /wischen eiueiu Süültcr und einer Kellnerin auf «ler Alm, zum wirklichen Kunst* werk werden kann. Daneben ist sie voll eines feinen, klingenden Humors, unil ein Wort wie: ״Ein junges Mädchen külft ein anderes immer nur, wenn es eigen!• lieh einen Mann mein!!", darf nicht unterschlagen werden, Die letzte Novelle, die ohne viel Delikatesse «las unglückliche Licbcslehen «Ies jungen, rotwangigen Kaplans, Don Martina, schildert, wäre vielleicht besser fortgebliebcn, dem ganzen Werke aber kann sie nichts von dem Eindruck nehmen, der sielt besonders dein, der die Alpen keimt, voll und tief mitteileu wird. Denn diesen gilt Uultlsilüiiers ganze Liebe um! ganzes Sinnen, mul mir hier oben wird ein Wort verstand* lieb, das am Ende einer faustisch anmutcudcu Episode steht und auf das ganze spintisierende und dispu* tieremle junge Judentum gemünzt sein könnte: ״Denke nicht! Leite!" . . . St. Ulrich•( iröden. Fritz A s c h. Lassalle. - Ein Lehen iiir Freiheit 1111 «I Liebe. — (icschichtlichcr Roman von Alfred . S e 11 i r 0 k a u e r. Verlag Richard Bong, Berlin. IQ 12. Es ist eine inililiclic Sache mit geschichtlichen Romanen, besonders — wenn ihr Stoff noch nicht

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