Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1912)
- Date
- 1912-10-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ortsgruppen: Dortmund 6,—, Frankfurt a. M. 51,—, Mülheim. Ruhr (Einzelbeitrag) 4,—, Hres• lau (Einzelbeitrag) 3,—, Erfurt 1,—, Stettin (>,־*, Ostrowo (Einzelbeitrag) 4,—, Kaiserslautern (Einzelbeitrag) 2,—, Stolp i. P. 2,—, W-ist-Bcrlin 18,—, Meiningen 1,—, Königsberg i. Pr. (Einzclbeitrag) 3,—, Berlin 8,— und 4 Einzclbciträgc 10,—. 2. Einzelpersonen: I. Bacr, Berlin 12, , Dr. R. Straus, Berlin 50,—, Zahnarzt Ernst Baschwitz, Bromberg 25,—, Zahnarzt Ludwig Bascbwitz, Brombcrg 5,—, Elias Marx, München 5,—, Refercndar E. David, Metz 5,—, Dr. Hofstein, Oppeln 10,—, Max lacoby, Nürnberg 5,—, Frl. B. Pcisacb, Cliarlottenburg 5.—, Marcus Trojctzki, Berlin 5,—, Dr. fosephsofin, Königsberg i. Pr, 10,- , Dr. F. Kassel, Wittenau 10,—, Frau Elwina Ladimanu, Berlin 12,— (dabei ü,-~ für 1911), Jacob Straus*, Frankfurt a. M. 5,—, Gabor Straus, Wilhelma bei Jaffa 25,—, Rechts• *nwalt Dr. Ludwig Freundlich, Berlin 10,—, Dr. med. P. Moses, Dessau 5,—, Kurt Rosenthal (V. J. St.), Berlin 5,—, A. Herzberg, Filchnc 5,—, Fritz Abraham, Berlin 5,״-, Frau Dr. Hantke, Berlin 5,—, Theodor Hantke, Berlin 5,־**, A. Sclior, Berlin 5,—.!falber- Stadt: Leopold wertheimer 10,—, Adolf lleklcmaim 10,—, Otto Lcwy 6,—. Chemnitz (3. Quartal): Aspis 1,-, Pfeffer *-,50, Ooldhuber 2,50, Geller -,50, Frau Dr. Götz 2,50, D. Klebe (3. u. 4. Quartal) 2,50, Rechtsanwalt Schachtel. Berlin 42,30, Dr. Srhcmarja Lcwin, Berlin '20,—. 3. Verschiedene Spenden: Kattowit/.: 10,30, Wronkc 28,41, Stuttgart 5,—. Eingang vom 1. bis 9. Oktober 1912 s S c 11 e k e I: 142,— M., Land esorganisations bei trüge: 494,41 M. Gesamteingang: Schekel: 0017,— M., Lanaesorganisationsbeitrüge: 17207,81 M. Der Fall Rosenthal! Er zieht noch immer seine Kreise, nicht nur in New York, sondern bis weit über die Grenzen der amerikanischen Staaten hinaus, und wenn in kurzer Zeit die Gerichtsverhandlungen ihren Anfang nehmen, wird eres in noch verstärktem Malle tun. Her!,resse ist diese Spieler- und Mordaffärc ein willkommener ^nlaß zu sensationellen, kasscfüllendcn Enthüllungen, den Politikern aller Parteien ein handliches Dcinon- *trationsmittcl für ihre Theorien, einer Anzahl von Beamten ein furchterregender Popanz und der nmcrikanischcn Judciihcit — wenigstens soweit sie ehrlich und einsichtsvoll ist — ein flammende« Menetekel. Die Geschichte des Rosentlialprozesses ist zwar aifch von der europäischen Presse genügend breitgetreten worden, soll aber mit wenigen Sätzen liier nochmals zusammcngefallt werden. Hcrmajm Roscnthal, der Besitzer einer Spielhülle auf der jüdischen Gslseitc von New York, hat Jahrelang in geheimen Beziehungen, zu mehr ovIct minder hohen Polizcibcamten gestanden, denen er genau festgesetzte Prozente von seinen Einnahmen gezahlt hat, wofür besagte Beamte das Treiben in dem Spielerhause nicht allein stillschweigend geduldet, sondern selbst daran teiigenommen haben. Als ihm einer dieser Beamten, der Polizeilcutnant Bcckcr, mit seinen Erpressungen allzusehr zusetzt, läßt Rosenthal sich hinreißen, Angaben über sein Abhängigkeit®• Verhältnis von der Polizei zu machen, die von der Presse aufgegriffen werden und das ohnehin gegen gewisse Vorgänge mißtrauisch gewordene Publikum aufregen. Gleich nach seiner Angeberei wird sich Roscnthal allerdings der. für ihn selbst heraufbeschworcncn Ocfahr bewußt und spricht die Uefürchtung aus, daß die Polizei, um die Komproniitticrung weiterer Persönlichkeiten zu verhüten, sich seiner entledigen werde. Diese Vermutung bestätigt sich unmittelbar darauf. Zu einer geheimen Unterredung eingeladen, in der seine Frau sofort eine von der I ״L'.־r esxl?clst für daa ׳.4־ ן.o vu(.:LLoeinerC׳..cnt- I 4L״׳..; a nc!:*ntr.Ua ia I Pr;.17הד.״וc? Pro<v7cn::a• 8 (l»M1wi«reT»tiffcc»«rmraaecrac1aaKSAg3»B1»Ht^^ וו■»! <«iwr׳r«w»g1J Polizei gestellte Falle wittert, begibt sich Roscnthal naclitn in ein bestimmtes Hotel in einer sonst zu allen Stunden belebten Straße, von der aber in dieser Nacht die wachhabenden Schutzleute auf eine Ordre hin alle Passanten entfernt und sich schließlich selbst zurückgezogen haben. Unter Begleiterscheinungen, die in ziemlich plumper Weise verraten, daß die in der Straße stationierten Schutzleute nicht hören wollten oder sollten, wird Roscnthal ermordet und seine Mörder entfliehen. Am nächsten Morgen erweist cs sich, daß Frau Fama klüger war als die, welche den verdächtigen Zeugen dunkler Vorgänge im Bcamtenkörpcr still aus dem Wege schaffen wollten: «las entrüstete Publikum bezeichnet unverhohlen die Polizei ab die Täterin I Um den mißtrauischen Verdächtigungen zu bcgegnen, setzt der Chef der Polizeibehörde die Untersuchuug einer Angelegenheit, die eigentlich im Zei* chen der Vertuschung und Verdunkelung stand, mit viel ostentativer Geschäftigkeit ins Werk und appelliert an die Beihilfe der. erregten Publikums zur Ergreifung der flüchtig gewordenen Komplizen. Diese Kornplizen, von denen eine Reihe sveiterer, die Polizei stark belastender Atir,ragen erwartet werden, bleiben aber trotz allem Liinn angeblicher Anstrengungen vvrscliwuuden. wi־״״ du Aussagen d'r übrigen bc* teiligten Spieler sowie des PolizcileutnniUs, der mehrere — als Opfer der Volksstimmung — ver« haftet hat, dringt verhältnismäßig wenig in die Oeffcntliclikcit. Nach einer Reihe falscher Alarinnaclirichtcn über ״Ergreifung der Mitschuldigen“, ״Geständnis des Leutnant Becker“ usw., mit deren Verbreitung eine sensationslüsterne Presse das Publikum im Augenblick reizt und dann erschlafft, flaut das Interesse an der Sache ab, und langsam beginnt Gras über die Angelegenheit zu wachsen. Man braucht kein bcsonderes Licht, sondern nur ein aufmerksamer Bcobachter der Verhältnisse zu sein, um dieses Gras wachsen zu hören. Dies i!.t in wenigen Zügen die Geschichte ries Rosenih.il-Falies bis zu ihrer derzeitigen Entwicklungsphase, und so interessant sic ist, so ist doch au und für sich, trotzdem der Täter, welcher zugleich das Opfer war, ein Jude gewesen, noch nichts darin, was die Sache - zu einer speziell jüdischen gestaltet und eine Stellungnahme jüdischer Parteien und Blätter notwendig zu machen scheint. Tatsächlich sind es auch gar nicht die erwähnten Ereignisse, sondern die durch sie ans Licht gekommenen Verhältnisse, weiche plötzlich wie ein Blitz das Milieu der beteiligten Personen erhellt und gewisse 7.1!: läude in der amerikanischen Gesellschaft ans Licht gezogen haben, die vom •jüdischen Standpunkt aus von höchstem Interesse sind. Es stellt sich nämlich heraus, daß die Vorgeschichte des Mordes sich in einer Stadtgegend abgcspielt bat, die von Spielhöllen geradezu wimmelt, Spielhöllen, die zum größten Teile von Juden gcleitet werden, deren Funktionäre gleichfalls vorwiegend Juden sind und die von amerikanischen Polizeibcmnlcn als eine reiche Einnahmequelle patronisiert werden. - Die starke Beteiligung jüdischer Personen wird denn auch co.'crt vcu denjenigen' Kreisen, die ein Interesse .in d:;,־;; Cl2 Bcamtcnrcnommccs haben, au lg׳■•״;rufen, und der Bürgermeister der Stadt New York :,־,׳ieht 1!1 .einer unverkennbar auf die Juden rcn,;,:־. Weil ד von den ״degenerierten Aus- Länder;,“, v.״!.״:kc die öffentliche Moral vergiften. Ein V! l| <!cr jüdischen Presse tut, als habe er nichts ncl ein;uulirer — kleiner — Teil nimmt die Disk: :io.1 unerschrocken auf und pariert den Angriff sofort, indcr.1 er, unterstützt von der Auslämicrprcssc aller Nationen (welche sich zu einem ״Obgleich, * allerdings — so doch“• Standpunkt ent• schließt), Bürgermeister Gaynor cntgegcnhält, daß fast sämtliche Schuldigen auf amerikanischem Boden gc• borene und erzogene Bürger waren. Damit ist wohl der allgemeinen Ausländerpolitik mit ihrer vitalsten Frage: einer Verhütung der Gefahr verschärfter Einwanderungsliestimmungcn, gedient; In der Sache des gesamten jüdischen Volkes ist damit nichts gewonnen, sondern im Gegenteil eine bcdonklichc, betrübende Erscheinung konstatiert worden. Die Tatsache nämlich, welche durch die — allerding* noch mangelhafte — Statistik und die Erfahrungen jedes neuen Tages sich offenbart: daß auf dem Boden des ״freien“ Amerika das Judentum als Gesamtheit, und eine bedenklieh hohe Anzahl jüdischer Personen moralisch zu degenerieren scheinen. Für das Judentum an sich ist das viel bedenklicher, daß der Roscnthal-Prozcß hierzu ein Beispiel bildet als wenn sich hcrausgcstcllt hätte, daß die in Spider-, Mord- und andere Strafprozesse verwickelten hiesigen Juden vorwiegend Auswanderer aus dein oiteuropäisclicu Ghetto sind. Wenn das Hauptkontingent jüdischer Ver* brccher oder moralisch Minderwertiger sich aus russisehen und galizischcn Immigranten zusammensetzte, so Linde man eine leichte Erklärung dieser Tat- Sache durch den Ehrgefühl und moralischen Widerstand ertötenden Druck des Ghettos und aus der Herkunft solcher Juden aus Ländern, wo die Kor* ruption aller Kreise wie ein Gift an der Volksmoral zehrt. Wie aber soll inan sich die Tatsache erklären, daß cs unter den in Amerika geborenen Delinquenten mehr Juden gibt als in diesem Lande, das ihnen Gleichberechtigung, Freiheit und Bildung schenkt, der Fall sein dürfte? Was macht den alten Satz zuschänden, daß ״jedes Land die Juden hat, die ea verdient?“ Es ist trotz allem die Schuld des Ghettos, die Schuld der Ungerechtigkeit und des Zu-Bodcn-Trctcn* in der alten Weit, die sich an der neuen Weit rächt — man muß nur ein wenig tiefer in die Dinge liincinsehen, als cs der mit den Verhältnissen Un* bekannte zu tun vermag. Aus der alten Welt kommen die Eltern mit ihren Kindern, kommen aus tiefstem Sklavcndruck plötzlich in das blendend heile Lieht eines Landes, in dem sic freie Menschen, Gleichberechtigte sind. Der Ucbcrgang ist für Viele zu plötzlich, als daß sie ihm innerlich gewachsen sind. In dem törichten Glauben, daß Freiheit die Loslösung auch von allen inneren Fesseln bedeute, meinen sic, zuerst das* jenige fortwerfen zu müssen, was bisher ihr schwer- Ries Hemmnis, die Quelle aller Unfreiheit ihre» äußeren Lehens gewesen ist: ihr Judentum. Man wird lau gegenüber den jüdischen Gesetzcsvor- Schriften, inan räumt mit alten pietätvollen Gebräuchcn auf und vergißt seiner religiösen Pf liebten. Dazu kommt, daß der in Amerika eilige wunderte Jude in ein Leben voll so rasender Hast, so sausenden Tempos hineingerät, daß ihm für mystischreligiöse Wcihcstundcu wenig Zeit bleibt. Mit der dein Juden eigentümlichen Intelligenz, seinem scharfen praktischen Sinn, wirft er sich in dieses Leben hinein, das ilun tausend Chancen zum Erfolge bietet — vorausgesetzt, daß er sich anpaßt, d. h. sieh in Kleidung, äußeren Formen, Sprache und Lebensauffassung der Umgebung ähnlich gestaltet. Diese Lebensauffassung aber ist vorläufig noch ein großer Wirrwarr, gebildet aus den mitgebrachten Volkskulturcn verschiedener Volksgruppen, Deutschen, Iren, Engländern usw. Der cinwandernde Jude nun bat keine ausgesprochene Volkskultur; sein einziges geistiges Gut ist seine Religion, und gibt er diese auf, so verliert er sich gänzlich in dem wilden amerikanischen Kampfe ums Dasein. Praktisch äußert sich diese Erscheinung darin, daß die Kinder cingewandertcr Juden nur in 3 von 100 Fällen jüdischen Religionsunterricht erhalten, während die übrigen in punkto Moral nichts weiter als die in der Volksschule gepredigte Utilitätsmoral loyalen Bürgertums cingcimpft erhalten. Im Hause