Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1912)
- Date
- 1912-10-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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D /O r**. ״ , i f I Anzeigen 1 I kalten (ur «(>« *ז>10ג<]י׳»צי<11ז« Petit• |!eile oder deren Rnufn 40 l’(.| Stellen• g Anveleote und •Geiuitie «n»ie Verein!• 1 _ Mittrilunecn und .Kleine Anreigen* . 1 □ □ nur 30 Pfennig. DD* | M«n11«»׳i|]|r wrnlrn, urennPortoUeiliegt, | I ilela lUfinl geiamlt. Ke«Iaktiun»»d1lu#l I “ MittwmJi vnrniitlegi. ן ern n ר Abonnements 1 ul die uodirntliüi «in rreile? er• •clieinemle ״JUdiedie KuncUchau" koitrn bei der K«|«n)ition und bei eilen Pottümtern vierteljährlich 1,S&M (ulierhnlb Deuledilende und Ociter reich-Uitgmn* 2,— M.| für Mitglieder jüdischer Vereine im Semniribeiug durrh den Verein I,— M Verlag JUtlUtha Rundichnu li. Ci III, h. II. BEKLIK \V. 15, Süchilicbo StraOe i) Trlqihiini Amt Ulileud #45. Geediliftnlunden: 9-1 und 4—7 Uhr. •ußtr Sonnabend und Sonntag J r־> n ן netlahllon JUtllath• llunrlaehau i ן UKKLIN 'V. 1$, Sldialaelie SlraU« I. ן Telephon 1 Amt Uhtand #45 ■ ■ Sprediatuaden Diemteg und Donneratag | '5—6 Uhr natümittagi. ח י;r ר״) p \׳c י״׳/ ח q׳cn >l.i Ü Berlin, den 2. Oktober 1912 — 21.TI1ischri 5673 XVII. Jahrgang Nummer 40 Ausweis Schckcl: Meiningen 1 M., Berlin 2 M., Eyütkulmen 20 M. LandesorßanlsationsbcltrUge: t. Ortsgruppen: Berliner Zionistische Vereinigung 500 M. 2. Einzelpersonell: Dr. Hcymaiin, Berlin, Erlös für Coupons der A. P. C. und des J. C. T. 55 M. Eingand vom 25, September bis 1, Oktober 1912t Schekel: 23 M., Landesorgaiiisationsbeiträgc 555 M. Gesamteingand: Schekel: 5875 M., Lnndesorganisationsbeiträge: 16 713,10 M. Adresse für Geldsendungent Zionistische Vcrelnlgung für Deutschland. Berlin W. 15, Sächsische Stratic 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bank• kontot A. H. Hcymani» & Co., Berlin, Unter den linden 59. Zum Schlussfest Ein Wort für Hnuschnno Rnbbo, den letzten Festtag, der noch den Charakter des Hütten• festes trägt. Da haben wir /.um letzten Male den FestslrauB in der Hand, ziehen /tun letzten Male, und zwar siebenmal, mit den vier Pflaiiz.cii des Festes durch unsere Gotteshäuser. Um ihn dann fortzulegen und nur noch die Arowoh, die einfache Weide vom Uacli, in der Hand zu be* halten. Was kann uns das lehren? In den vier Pflanzen haben die Alten von jeher das Bild der verschiedenen Arten von Juden gesehen. Versuchen wir au ihrer Deutmigsweisc für die Gegenwart festzuhalten. Da ist denn der ragende Luiow das Bild des angesehenen Juden von heule, der durch seinen Namen und seine Stellung uns zur Ehre gereicht; der Esrattg, dessen Form nach Meinung der Alten an das Herz erinnert, das Bild des Juden, der heute uns so oft entgegentritt mit dem Wort: ״Von Herzen bin ich Jude“, der, wenn er attcli sonst wenig vom Judentum weih und hält, doch, wie er selber sagt, von Herzen Jude ist und bleibt; die lieb• lidhc Myrthe, auch von den Alten schon so vor• standen, ist das Bild des wohltätigen Juden, und die schlichte Arowoh ist der einfache, fromme Jude, wie wir ihn von früher her kennen, und wie er sich auch in der freieren Gegenwart noch erhalten hat, der noch sein Gotteshaus kennt und von Sabbat zu Sabbat aufstielit und sielt bemüht, in den altjüdisehen Wegen weiler/.uwandein. Wir fragen nicht, wer ist der bessere Jude, sic sind uns am Hüttenfest alle gleich lieb und wert, wir gehen mit allen ins Gotteshaus und preisen den Herrn. Aber wir fragen, wer bleibt uns am längsten, wessen sind wir am sicher• sten, wer dauert als Jude am längsten? Und die Erfahrung zeigt, was uns der Hauschano Rabbo zeigt. Wenn wir Esrattg und Luiow und Myrthe schon fortgelegt haben, behalten wir noch die Arowoh in der Hand. Die einfache Bachweide bleibt am längsten. IXt schlichte Jude, der reügiösc Jude, sozusagen die Bachweide — der ist uns der sicherste J.udc. Er hält aus. — Ein zweites Wort zum Sehmini AzcrelJ, dem SchlulJlag des Hütlenfcstes. Da sprechen wir das Gebe! tun Regen. Die Israeliten im heiligen Lande waren Ackerbauer, sie batten am I liittenfest den Ertrag ihrer Arbeit in den Häusern, sie hatten Vorrat für den Winter, die erntelose Zeit. Aber ein rechter Wirt weiß, daß jeder Vorrat sich aufzehrt, wiir׳ er auch noch so groß. Und so dachten sie an die neue Aussaat und baten den Herrn, daß er ihnen Regen gäbe, damit es wieder von neuem wachse und reife auf den Feldern. ״Der Zionismus erstrebt für da»!0ז!שב Volle dlo Schaffung einer üffentilch-rccIvlTicb gcelcliortou IlclmsUltto Lu Bnnolcr Programm. Palüallua.“ Auch das wollen wir für die Gegenwart deuten, für unser jüdisches Leben. Wir haben noch Vorrat. Wir zehren noch von dem Vorrat, den die religiösere Vergangenheit aufgehäuft. Es war sehr viel. Aber wir zehren schon lange daran und haben schon ein gut Stück davon aufgezehrt. Es wird Zeit, daß wir daran denken, unsere jüdisehen Felder von neuem zu bestellen. Mögen wir das Gebet um Regen sprechen, d. h., mögen wir Gott bitten, daß er uns erkennen lasse, wie wir am besten die Herzen wieder wecken für unseru heiligen Glauben, und uns dann seinen Segen geben für unsere Arbeit am Judentum. Es ist viel zu tun. Die Winterzeit ist die Zeit der Aussaat. — Ein letztes Wort fiir Simchas Tauroh, die Verlängerung des Sehhißfestes. Da ziehen wir mit allen Thorarolleu freudig und stolz durch das Gotteshaus. Denn das I liittenfest ist das Fest der Freude am Leben, ausklingen, aller will es in die Freude au der Tlmra. Wir liabeu uns mit den Gabe:״ der Natur gefreut, dem Symbol un* scres Lebensertrages; das letzte ist: Freut euch mit der Thora, dem Leheusqttell des jüdischen Volkes, Diese Freude an der Thora will uns die Festeszeit zum Abschluß mitgehen. Ein freudiges Bekennen der Thora, des Judentums; ein liebevolles Verständnis für die Thora, die jüdische Wissenschaft; Freude ob jeder guten Tat, die wir im Dienst und im Geist der Thora üben; Freude an der Uebuiig unserer religiösen Vor- Schriften, Simchas Mizwoh nannten das die Alten. Die reinste und schönste Freude des Lebens ist für den Juden die religiöse Freude. L. Ein Hauch der Renaissance 111 der jüdischen Geinciiulc zu Konstnntinopct spürt man einen Hauch der Renaissance. Eine starke Kulturbcwegmig, .die an 70000 Gesinnungsgenossen zählt, macht siel» unter allen Klassen bemerkbar, die Epoche der Uneinigkeit und «1er Mißhcltigkciten ist vorüber, eine Aera der Harmonie ist eingetreten. Das vierjährige konstitutionelle Leben hat auch in der grollen Gemeinde des Türkischen Reiches neue Erscheinungen zutage treten lassen. Der zwischen > den beiden extremen Parteien — Assimilanten und Nationalisten — bestehende hartnäckige Kampf hat den rulü.gcn üricntjndcn aus der Betäubung und Gleichgültigkeit aufgeweckt. Die Arbeit der von der jüdischen Renaissance erfüllten Gebildeten trägt ihre Früchte im türkischen Vaterland. leb will nicht im einzelnen die positiven Rcsul* täte beschreiben, <lie wir einerseits der am 13./24, Juli 1008 proklamierten Konstitution,'an deren Zustande• kommen auch eine Menge von Juden beteiligt war, und andererseits auch der Kulturpropaganda zur Erweekung unseres Volkes verdanken. Nur von einigen Faktoren soll die Rede sein, die deutlich genug den Fortschritt in den Kreisen unserer Gemeinde hekünden. Die ״Agmlat Makkabi", die die körperliche Entwieklung der jüdischen Rasse und die Erhöhung des jüdischen Nalionalhewulltseiiis bezweckt, zählt heute fast 1000 Mitglieder. Der Verein, dessen Zentral«} sich in Pora, einem der wichtigsten Kreise Kon• stautinopels befindet und der zur Zeit des hamidischeu Regimes kaum funktionierte, zählt heute fast in allen Bezirken der Stadt Sektionen. Die durch den Turnverein veranstalteten Feste, die sowohl im So»»• liier wie auch im Winter abgehalteu, werden, werden nicht liloli von Juden besucht; auch die andern Na• tionalit.iteii finden sicli dazu ein, auch Offiziere, die die Gewandtheit der Turner schätzen. Die ״Agiulat Makkabi“ will die den verschiedenen Ständen aitge• hörenden jungen Leute vereinen und ihnen Liebe /um ottomanischen Lande und treues Festhalten am Judentum einflöllen; sie arbeitet an der physischen und moralischen Bindung ihrer Mitglieder. Ein anderer Verein, der besonderer Wertschätzung würdig ist, ist die seit einigen Monaten bestehende Agudat Itamillaimlim, eine Vereinigung von Studie• rciulcn, die sehr gute Resultate zeitigt. Zu den türkischen Studierenden, die die hiesige Universirät besuchen, gesellt sich eine grolle Zahl russischer Studenten, die mit offenen Armen atifgeiuiniineri werden. Die Vereinigung läßt den Gegensatz zwischen Aschkenasini und Scfardim verschwinden lind bildet eine gut organisierte Genossenschaft, die den tiirki* scheu Juden auf intellektuellem Gebiet grolle Dienste zu leisten berufen ist. Bis vor kurzem begnügten sich unsere Eltern damit, ilire Söhne in der ״Talmud Thora“ oder in den Alliamesclmlen erziehen zu lassen, Wo sie lediglieh elementare Bildung erhielten. Diejenigen jungen Leute, «lie sich eine höhere Bildung aiieiguen woltteil, mulileii die fremden Mittelschulen besuchen; nur eine kleine Zahl benützte die türkischen Institutümeu. Das ist anders geworden. Mehrere unserer Brüder verlassen die l'reuuleuselmleu, um sich den 1iei1g<,;:rü11dcten und auf moderner Basis aufgehauten Lehren /u/inveiulen, und statt, wie das früher der Fall war, möglichst baiil Bankbeamte oder Kaufteilte zu werden, setzen sie, von neuen Idealen hegeistert, ihr Studium an der ottonianisclicii Hochschule fort. Viele ziehen ins Ausland, um dort ihre Studien zu vollenden, teilweise mit Stipendien der türkischen Regierung ausgestattet, die hierbei keinen Unterschied /wischen den einzelnen Nationen macht. Die heutige Jugend strebt nach höherer Bildung, um die grollen Aufgaben, die die Reorganisation des türkischen Reiches bringt, erfüllen zu können. Die Proklamation der Konstitution hat eine Fülle von Vereinen ins Lehen gerufen. Wir erwähnen «och: L’Amieale, La Bene-Israel, L'Hatikwa, La Kadimah, La Renana (Musik); sie alle bezwecken die Veredluiig der türkischen Judeiischaft. Der Verein, der hierbei zweifellos die wertvollsten Dienste zu leisten berufen ist, ist die iieugegründete Loge Bnc Brith, die die Aufmerksamkeit der Besten auf sich gelenkt hat. In diesem Erwachen zu einem neuen kräftigen Leben haben unsere aschkciinsischen Brüder eine grolle Rolle gespielt, die aus Zcntraleiiropa und aus «lein Osten zu uns gekommen und türkische Staatsangehorige geworden sind. Die hervorragendsten Persönlichkeiten in ihrer Mitte sind: Rabbiner Dr. Markus, Dr. Victor Jacobson und Dr. Israel Auer b n c h. Der erstgenannte, Direktor der Schulen des Hillsverein* der deutsche»» Juden, hat «turch seine ausgedehnte Tätigkeit und seine edlen Eigenschaften die Sympathien aller gewonnen. Man muß ihn in der Schule selten, wie er die Jugend in Hebräisch mul Deutseli unterrichtet. Während «ies Winters veranstaltct er für diejenigen, die nicht in der Lage sind, die Schulen besuchen zu können, Abendkurse. Durch sein Beispiel, seine eindrucksvollen Reden und seine aufopfernde Arbeit hat Rabbiner Dr. Markus viel zur neuen Entwicklung der Gemeinde beigetragen. Dr. Jacobson ist der tüchtige Direktor der ״Anglo Levantinc Banking Co. Ltd.“; er ist beliebt durch sein gutes Herz, mul seine guten Taten. Dr. Au er ha cli ist bekannt als glänzender Redner; er ist der Direktor der Schule des Hilfs- Vereins der deutschen Juden in Balat, einem Bezirk der Stadt Konst.uitinopcl. Es besteht keine Schranke mehr zwischen Aschkennsim und Scfardim, die bisher fast zwei vorschieden!! Nationen darsteUten. Die nationale Arbeit hat die Versöhnung zustande gebracht; in kurzer Zeit wird es nicht mehr Aschkcnazim und Scfardim