Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1912)
- Date
- 1912-09-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ו 1 I onnements «ul dia wöOirnllidi «m pr*i|ir ... jch״n״>a« ״jUdl.che Runtl.J,*״״ k״*u" d״ K«pn!ition und bei •Ilen I o^UmJtrn vierietjiihrlich ],SQM.. «uBetlialb Dculichland■ und Oeeler* feid..Ung1״n* 2,~ M.| für Milalirdef jQdttcber Verein» im Semmeibeiu» durch den Verein I,— M. * Varlag JUdt.ch« Rundicheu E. G. m. b. H. H f- \ I I '3{1יS» SScheieehe Straß« 8. I ■ Telephon! Amt UhUnd lue * --, —•vereiawic «lir« | Telephon! Amt Uhlend 645. GeechnfUetundcn! 9-1 und 4—7 Ubr, I |^זז״ו1»«».«,.״,| * —* und <1—7 * •uttff Sonnabend und Sonntag. ■ ו 1 ץ j r*\ I 1 U 1 > ׳■ .־ ׳׳.. //^ ז; מ י \־־ ׳'׳,.י \ ""־' י¬ 'v: ,.) / \ כד/ ח ח כד/ ר D י! .. I j \ J vJ ü U "O n r—\ n p An: cijcn ך■׳ f\ ü U i « I ’ יו . j L/ I koelen für die «rth(gf«pei!rn* Pelil- I |!eile oder deren Raum 40 1*1.! Stellenjj ■ Angebote und •Geeudie ■owie Vereint• 1 5 Mitteilungen und ״Kleine Aorrigeo* i 1 O Q nur 30 l'lcnnig. O 0 I 9 Manutknplewtrdcn, wenn l’ortolxilifjjt, | ■ •Iota lurüdgetandt. KedaktioiiudiluSl j ן Mittwoch vcrmittn!*. J ן RedaLtloa JUdtaüie Rundathaa | g BERLIN W. 1$, Sachatadte Streß«•. ן ן Telephon! Amt Uhtand 845. ן ■ Spredutunden Dienet«» und DnnnertUg I 5—6 Uhr nadimitUgi. A L(L(<I (10 C3 G י־"/ ף ף-ך-) ‘ ( - י! / r כ״/ ח ״ח כ־׳/ ס ח ו > i, ׳kJ c. '>ל ü U 1 V... ) יי""׳ ח^ז ח תי3~£יח ס» 7־r CiU U l'jjtruUJ^ Nummer 35 Berlin, den 25. September 1912 — 14. Thiscliri 5673 XVII. Jahrgang Ausweis Schekels Licgnit/ I, Konstanz 23, •■־, Berlin ל,- , llcrzl*Klub Berlin Frankfurt a. M. b,~ % Landcsorganisatlonshciträgc: 1. Ortsgruppen: Berlin 1, , * Herzl-Klub Berlin Jl,—, Frankfurt a. M. f>,—, ־• Einzelpersonen: Max Reich, Liegnitz, % , Siegmun'd Sichel, Schlüchtern, 21),—, Albert Levi, Neukirdien, 5,- , Rechtsanwalt Alfred Fischer, Berlin (2. Rah20׳ (׳,—, Hans Levy (K. Z. V.), Berlin, 20׳,—. Liiißang vom 18. bis 24. September 1912: Sei! ekel: *M, M., La n d e 8 o r g a ״ i s :11 i an sbeitrage: 108,-- M. Gesamteingang: Schekel: 5852,־־ M., Laudesorganisutionsbeiträge: 10158,10 M. Das Aktionskomitee hat den Schluss des Schekel• iahrcs auf den 31. Oktober festgesetzt. Die ״Zionistische Vereinigung für Deutschland ־ ist daher gezwungen am 20. Oktober Ihre Sammlungen abzuschlicsscu und wir bitten daher alle Vertrauensleute und Ortsgruppen die Schekel• agitatlon in den wenigen Wochen, die bis dahin vor• bleiben mit besonderem Nachdruck und tunlichster Itc• schicunigung zu betreiben und die Gelder pü nktlich bis zum festgesetzten Termin nbxulidern. Line statistische Uebcrsicht über die Zahl der von den einzelnen Gruppen abgcfiilirtcn Schekel, die wir liier veröffentlichen werden, wird nur die rechtzeitig cingegangenei» Betrüge berück• sichtigen. Wir empfehlen den Ortsgruppen dringend, durch Veranstaltung besonderer Scliekelvcrsammluugen, Rundschreiben usw. darauf hinzuwirken, dass die deutsche Landsmannschaft auch in diesem kongressloscn Jahre Ihren Verpflichtungen gegen die Gcsamtorganbatioii In vollem Umfange gerecht zu werden vermag. Adresse ftlr Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische StraUe 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bank• konto: A. H. Heymann & Co.. Berlin, Unter den Unden 59. Neutralität Der deutsche Dclcgicrtcntag hat einen erheb• liehen Teil seinerzeit der Frage der Jugcndpropaganda gewidmet und dadurch zum Ausdruck gebracht, welche Bedeutung er der Aufgabe zu• erkennt, die heranwachsende Jugend mit dem (deal des nationalen Judentums zu erfüllen. Das Problem ist überaus ernst; denn es handelt sich darum, einen Nachwuchs zu schaffen für die Arbeit zur Verwirklichung unserer Idee. Und die Lösung ist schwer. Im normalen Volksleben teilen sich Schule und Haus in die Aufgabe der Volkscrzicluing. Beide ergänzen sich in dem Bestreben, ein tüch• tiges, aufrechtes und stammcsstolzes Geschlecht hcranzubildcn. Wir haben vorläufig leider nicht die Möglichkeit, dieser natürlichen Mittler uns zu bedienen. Das jüdische Haus steht noch stark im Banne der Assimilation. Und von der Schule wird der belebende Hauch dos modernen Juden- (ums mit Eifer und bisher mit Erfolg fernge• halten. Wir stehen noch ziemlich' machtlos der Tatsache gegenüber, daß Schule und Haus die Entwicklung zum Volksuntcrgang fortzuführen und zu krönen trachten, und müssen Zusehen, wie die Wurzeln nationaler Kraft in den Kindern unseres Volkes weiter verkümmern. Erst die so zugerichtetc Seele unserer Jugend kann Gegenstand unseres Erziehungswerkes sein. Und doch sind wir berechtigt, mit großer Zuversicht an diese Arbeit zu gehen, Denn wir sehen bereits Erfolge bei einem wichtigen Teile .unseres hcranwachscnden Geschlechts. In der studierenden Jugend wächst uns eine Mannschaft 1 '-fl, die uns zukunftsfroh stimmen muß. Die großen nationaljüdischen Studentenverbände leisten in der Gewinnung und Ertüchtigung der 1■ha ״Der Zionismus erotrebt für da■ Jüiilncho Volk 4220 Schaffung einer öffent• ilcla-rcc!; flieh gesicherten Hcirastätto la?alTizlhirJ* Easclor Programm. MMaar&caacwt heranblühendeu Generation eine so erfolgreiche und mustergültige Arbeit, daß da wohl nur Worte des Lobes und der Anerkennung am Platze sind. Was uns einige Sorge bereitet, ־ das׳ ist der Einfluß auf die Masse der nichtstudentischen Jugend. Zu dieser müssen wir den Weg finden. Und auch hier ist der Weg uns nicht versperrt. Nun hören wir allerorten schon seit geraumer Zeit das Wort von einer Bewegung der jüdischen Jugend, in kurzer Zeit schossen Vereine aus dem Erdreich heraus; Und es wurde und wird eifrig organisiert unter dem Zeichen dieses wirk• lieh zugkräftigen Schlagwortes, das cs verdient, mit lebendigem Inhalt angefüllt zu werden. Und sicher wäre eine jüdische Jugendbcwe* gung eine Tat* würdig der großen Zeit des Wiedererwachens unserer nationalen Kraft' — ein Aufrichten der Jugend, deren Geist und Gemüt volkszersetzender Beeinflussung ausgesetzt gc* wesen ist. Inhalt einer solchen Jugendbewegung könnte mir eine einzige große Anklage sein, — ein wildes Aufbegehren gegen die systematische Unterdrückung der jüdischen Seele in Schule und Haus. Von der Zcitwelle. des Zionismus müßte sie cmporgelioben sein und von der Idee des nationalen Judentums getragen werden. Auf keinem anderen Grunde kann sie erwachsen, wenn sie den Namen einer Bewegung mit Recht führen will. Was gegenwärtig als Jugendbewegung bc• zeichnet wird, ist sicherlich nichts, was die gc• quälte jüdische Seele als erlösende Notwendigkeit ersehnt und gefordert hat. Nichts Umwälzen• des, Beunruhigendes, irgendwie Erregendes ist im Werke. Kein Gedanke ist darin lebendig, der nicht schon in den vergangenen Jahrzehnten in der Aera des um sich gicifcnden Antiscmitismus zur Abwehr geformt und abgesehliffen vvor* den wäre. Diese Bewegung enthält nichts, was mit dem jetzt und ehedem in Schule und Haus herrschenden Geiste in Widerspruch geraten könnte. Nicht aus dem Bedürfnis der Jungen geboren, sondern von unseren Offiziellen als gradlinige Fortsetzung und Befestigung der bishörigen Erziehung gedacht, ist sie eine künstliehe Schöpfung, die abseits von der gewaltigen jüdischen Zeitströmung vegetiert und darum zu• kunftslos ist. Und wie könnte es anders sein1. Denn die sogenannte Jugendbewegung ist ein Gedanke unserer Gegner, ist als ein Schutzwall gedacht der aus der Schule entlassenen und der häus* lieben Einflußsphäre entrückten ins Leben hin• austretenden Jugend gegen den gefürchteten zionistischen Geist. Unsere Gegner haben die Jiigcmlgcfalir klug vorausgesehen und haben gc• handelt, ohne erst unseren Angriff abzuwarten. Sie haben die Jugendbewegung gemacht und durch Aufrichtung dieses Scliutzwallcs einen glän• /enden Beweis ihrer Kriegskunst gegeben. Unsere Widersacher wissen genau, daß der jiidiseh-nalionalen Idee kein Kampfruf sich ent• gegensteilen läßt, der auch nur annähernd mit ihr an sieghafter Kraft verglichen werden könnte. Man hat deshalb, weil ctsvas geschehen mußte, den ungleichen Kampf von vornherein ausgc* schallet und die Jugendvereine so ausgebaut, daß auch Zionisten als Mitglieder und Mitarbeiter ztigelasscn waren, und ־ was wohl die geheime , Absicht war - an der wundervoll geschickt aufgerichteten Programmmaucr sich den Schädel einrennen konnten. Diese Jugendvcrcine sind nach ihrem Programm neutralisiert. Sie sind in jüdi• scher Beziehung ohne jede Farbe und vermeiden ängstlich jede Stellungnahme in der brennenden Frage unserer Volksexistcnz. In diese neutralen Sammelstätteu der Jugend wird mit ncrvöscr Hast alles Mögliche hincingctragen, um nur ja die überall pochende Forderung des Tages umgehen zu können. Aus Neutralität. Eine verwirrende Fülle von Vorträgen wird dargeboten. Darunter sind manche Worte, die von edelster Begeisterung getr.gcn, unter normalen Umständen die Seele des jugendlichen Hörers hinreißen und seinen Willen anfeuern müssen zur Tat. Hier muß aber alles ohne Spuren voriibergehen. Denn jene, die sich für ihn verantwortlich fühlen, haben die Jiinglingslmist mit Neutralität gepanzert. Und dieser Panzer ist vollkommen kugelsicher. Für den Starken ist er zwar eine Qual; und er muß darin ersticken. Aber das Gros der Schwachen fühlt sich' wohl darin und wird das ganze Leben hindurch den Schutz der Neutralität nicht missen wollen. Das ist die Erziehung unscrer künftigen Männer und Frauen nach dem Sinne der maßgebenden Schichten. Was Jugenderziehung ist, hat J. G. Fichte in den Tagen größter nationaler Depression dem deutschen Volke gesagt. Er hat dargclcgt, wie ohnmächtig und nichtig eine Erziehung ist, die sich nur darin gefällt, dem Zögling Werte zu seiner Auswahl dar/.ubieten und die cs unterläßt, mit aller Kraft den Willen zu beeinflussen und zu bilden, und seine geistigen Schwungfedern zu entwickeln, zu üben und kräftig zu machen. Das ist cs, was den neutralen Geist in den Jugcndvcrcincn kennzeichnet. Dieser Geist muß weiter entartend auf unsere Jugend wirken, muß sic kraftlos und flügellahm machen. Jede Willens'• heeinflusstmg wird in der Atmosphäre der Neutralität gehemmt; jede Erziehungsmöglichkeit durch ihren Gifthauch' paralysiert. Es bedarf kaum einer Erwähnung, daß cs in der Frage unserer Volksexistenz eine Neutralität nicht geben kann und darf. Ein selbstbewußtes. Volk gibt in dieser Frage dem Individuum nicht einmal das Recht der Stellungnahme, sondern verlangt mit unbedingtem Recht volkscrhnltcmic Tätigkeit. Merkwürdig ist jedenfalls, daß die Kreise, in denen man Neutralität in der Frage des Volks-׳ lebens als Erziehungsprinzip für möglich hält, da die Neutralität vermissen lassen, wo sie wirk■• lieh angebracht ist, daß sie sich durch’ scharfe Stellungnahme in die Streitigkeiten fremder Natio-, nalitäteu hineindrängen und dadurch Unglück über ihre Volksgenossen bringen. Unsere Gesinnungsgenossen, die eifrige Mitarbeitcr in den Jugeudvcrcinen geworden sind, haben die Gefahr des neutralisierten, Bodens verkannt. Mögen sic weiter mitarbeiten; Erfolge können ihnen niemals bcschicdcn sein. Wollen wir aber das Judcubcwußtscin in unserer Jugend wecken, das bisher in ihr schlummert, und den Willen zur Tat in ihr bilden, den das Interesse des jüdischen Volkes verlangt, so können wir das nur in einer jüiliseh'-nationalcn Sphäre. Und die ist nicht dort zu finden, wo wir liiit dem Ociste der Assimilation diskutieren und nur diskuticren können, wo es uns aber unmöglich gemacht worden ist, diesen Geist totzuschlagcn. I