Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1912)
- Date
- 1912-09-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Q Q B Manuel! rlplo werden, wcnnl’ortolieilie»(, ■ itete tuiurk^riandl• Kfd»ltion**<l1luBl ן MitlwoOt vormitleg*. ן Rodnktlua JUillac*»• Ruudacltaa I | BERLIN W. 15, SSrlialtcAe SlraO« I. ן ן Telephon 1 Ami Uhltml 845. ן ■ Spredietundrn Diroelav uni DonocrtU! | 5 5—6 Uhr nachuiitUgt■ g 0סגק ו•4׳ ■ v 1522 9.TI1iscbri5G73 XVU. Jahrgang { V* [f f r t * % f f 4' i! I Ausweis Sclickcli Berlin 5, , Grimberg i. Schl. ■I, {)iiwlilurf 10, , Mannheim '21,-, Breslau 10,—, Katlmvilz (cinschl. Nicolai) 251,-•, Well 28,—, LandcsorganisationftbcltrUgc: I. Ortsgruppen: Mannheim 138,—, Berlin * 2. Einzelpersonen:. Dr. Jneobsolin, Osimbrück, 5,—, ürünberg i. Schl,: Curl Bincus, Georg Alilid'l, Erl. L. Lipiiiamisoliii, Lehrer II. Koscutlial je 5, . .1. Verschiedene Spenden: KnUowilz 91.HL l;i11L׳nnt| vom 3.-17. Scptcmhcri Schekel: 31S, M. 1.1111 desorg 1111 iאn 110 11 8 b e 11 rii 1׳e: 255,1« M. (ieMimlelngangi Schekel: 5808, י Landesorga n is a t ion suc i t r ä gc: 1(10511,10 M. Das Aktionskomitee hat den Schluss des Schekel- Jahres auf den 31. Oktober festgesetzt. Die 7״.i011lstiscI1c Vereinigung für Deutschland•* Ist daher gezwungen am 20. Oktober ihre Sammlungen abznschlicssen und wir bitten daher alle Vertrauensleute und Ortsgruppen die Schekelagitation in den wenigen Wochen, die bis dahin verbleiben mit besonderem Nachdruck und tunlichster Dejclilemiißung zu betreiben und die Gelder pünktlich bis zum festgesetzten Termin abzutlcfcrn. Eine statistische Uebersicht über die Zahl der von den einzelnen Gruppen ibgcführten Schekel, die wir hier veröffentlichen werden, wird nur die rechtzeitig cingcgangcnen Betrüge berück• sichtigen. Wir empfehlen den Ortsgruppen dringend, durch Veranstaltung besonderer Schckclvcrsammlungcn, Rundschreiben usw, darauf hinzuwirken, dass die deutsche Landsmannschaft auch in diesem kongrcsslosen Jahre ihren Verpflichtungen gegen die Ocsamtorganisation in sslicm Umfange gerecht zu werden vermag. ״Judenpresse“ und jüdische Politik Von Dr. Ö u s t a v W i t k o w s k y. ״Judcnpresse“ — ein heikles Thann, seihst für Zionisten, die gelernt haben, über jüdische Dinge frei und offen zu sprechen. Antisemiten haben diesen Ausdruck geprägt für jene Presse, die Juden gehört, von Juden geleitet wird und unter dem Deckmantel des Liberalismus jüdisehen Interessen dienen will. Offenkundigen Tatsachen zum Trotz, hat das offizielle Juden• tum die Existenz einer solchen Journalistik auf das entschiedenste bestritten. ״JudenblätterV In ihnen schreiben liberale Männer, die zufällig Juden sind. Soll ihnen das Recht der freien Meinungsäußerung genommen werden, weil sic zufällig Deutsche mosaischer Koufcs• siou sind, und sollen wir verantwortlich sein für die Acußerungcn von Leuten, die zufällig desselben Glaubens sind, wie wir?“ Seit Jahren hören wir cs, und wissen, wie- Wiel Unaufrichtigkeit hinter diesen Argumenten steckt; wir glauben aber, schweigen zu müssen, weil «.ich uns eine schwer zu entscheidende Frage aufdrängt: Sollte nicht politischer Instinkt uns verbieten, die einzige und stärkste Waffe, die uns im Kampfe für unsere Rechte geblieben hl, mutwillig zu gefährden. Muß nicht auch nationaljüdische Auffassung in der Existenz der Judenpresse mit ihrem weit reichenden Einfluß «inen Faktor zur Wahrung unserer Staatsbürgerliehen Stellung erblicken? Leicht wäre diesen bedeutsamen Fragen eine Antwort zu finden, wenn wir nach ethischen Prinzipien zu entscheiden hätten. Einmütig müß- Rn wir dann diese unaufrichtige, verschlagene Methode jüdischer Politik verurteilen. Doch ver* *Rht s cli ja in der Politik das Moralische nicht *a״• '״'•׳r.״1::!״cj:acrd..aut- :—*•;׳c.4״ **•,:,v'cczi Uchvalülio In •a... ..״״*..• r'acr'.c? Pro srncs;12, ׳ ■c:■?יייו «tmai»rrr* rtum *^*assan mmm •jror^nit mmmmm—m von selbst, und wenn zu allen Zeiten der Er• folg die Alethodik de:; politischen Kampfes bc• klimmt hat, warum!;olllcii wir Juden uns nicht auch zu dem im übrigen uns nicht unbekannten Tnchlisstandpunkt bekennen? Wer aber verbürgt uns die Zweckmäßigkeit Jüdisch •liberaler Taktik, wer vermag zu eilt• scheiden, oh es zur Frlaiigiiiig 41er vollen Gleich• herechtiguug, de:, höchsten Zieles modern-ji'ulisehen Strcbais nicht auch andere Wege gäbe? Vergegenwärtigen wir uns einmal, was \ms Zionisten bei gleichem Ziel — denn auch wir haben neben unserer nlljiulischen Aufgabe mit dem heimatlichen Judenproblem uns zu bcfassen ־ - in der Kampfesweise von jenen trennt. Unsere Politik ist vor allem aufbauend, positiv, indem sic eine nationale, in sich gefestigte Juden• heit schaffen will, die im Rahmen ihrer jüdischen Son d o r heit kulturell wirken soll, und sie ist defensiv, indem sie Angriffe ab• wehrt und wiederum in dem verfassungsmäßig festgelegten Rahmen politische Freiheit erstrebt. Ganz anders die jüdisch-liberale Taktik. Sic ist im Jüdischen zerstörend, negativ, nicht eine Kräftigung jüdi.ichor Ar« i •t iiir Ziel, sondern die Anpassung, das Glcichwcrdcn, die Ver- Schmelzung der Konfessionen. Darum muß ihre Methodik auch nach der anderen Seite aggressiv sein; die Radikalisierung und Demokratisierung der Massen, Vernichtung der im Volke wurzelnden traditionellen, konscr• vativen Werte kirchlicher Denkart, nationaler Cjc• siunting, sind die Mittel, mit denen das hehre Ziel erreicht werden soll. Aus dieser Sehnsucht, unterzugehen, wird also das gesamte deutsche Kulturleben begriffen und der Versuch unteruommen, es in ein schemenhaftes Weltbürger• tum hinciuzuzcrrcn. Der Antisemit nennt das mit einem falschen Ausdruck die Vcrjudung des Deutschtums. Im Vcrjudcn, d. h. Jüdischmachen, läge nämlich eine positive Tendenz. Im Grunde ist aber jenen Leuten bewußtes Judentum ebenso ein leerer Wahn, wie nationales Deutschtum. Daher schweigen sie uns, die wir ihre Kreise wohl am empfindlichsten stören, tot, wo sie es können, und bekämpfen uns, wo sie müssen. Daher führen sie einen empörenden Kampf gegen die Orthodoxen beider christlicher Kirchen, gegen Gcburtsadcl, gegen Gcistcsaristo• kratie, sofern sic der heiß ersehnten InternationaUsiemng der Kunst und Literatur ein Hindernis ist. Daher schmeicheln sie den Pöbeliustüikteu, um all das Große, das einer geistigaristokratischen Kultur dienen könnte, hinabznzielien in den Dunstkreis ihrer platten Gleich* macherci. — — — Dürfen wir einen .Augenblick den grotesken Wulm teilen, daß ein solch kulturwidriges Haudein uns politisch förderlich sei? Daß cs je gelingen könne, die durch Jahrhunderte gewordene germanische Kultur, 11mg sic uns in ihren einzelnen Erscheinungen Zusagen oder nicht, in das jüdische Glcichheitsideal hineinzupressen? Ich meine, solche Politik ist nicht mir über alle Maßen unbescheiden, sic ist, was viel schlimmer ist, dumm. Sind wir denn, dank der Judenpresse, imserm gemeinsamen politischen Ideal um einen Schritt näher gekommen? Sehen wir nicht, wie die Pfeile, die den andern galten, auf uns als Gesamtheit zurückprallen? Ein Beispiel für viele aus jüngster Zeit. Das von Richard Wagner in Bayreuth verwirklichtc deutsche Kunstidcal, ein grandioses Wahrzeichen nationaler Eigenart, mußte gerade jüdische Zeitungsschreiber alteriercn. So ließen sic plötzlich die Volksseele ״nach dein Parsival lechzen“. 1111 Bumlc mit einigen Intendanten verlangten sic im Namen des deutschen Volkes stürmisch die ITeigalve über die Stimmen deutscher Intelligenz hinweg, ohne Rücksicht auf die Bedenken religiöser Christen, die eine Profaniertmg christlicher Symbole, wie Abendmahl und F'ußwascluiug befürchten, unbekümmert um den Protest jener zahlreichen intellektuellen Kreise, die durch die ״Tägliche Rundschau“ vertreten werden. Rühren muß uns und tief beschämen die Zurückhaltung, mit der der alte Hans Richter sich hierüber äußert. ״Höchst bezeichnend ist es,“ so war es im ״Berliner Tageblatt“ zu lesen, ״daß Leute in die Sache sich mischen, die weder in Deutschland geboren sind, noch so heißen, wie sic sich nennen; die mangelnde Bcrechti* gung zum Mit- und Drciniedcn ersetzen sie durch kecke Vordringlichkeit. Mit pfiffigen Phrasen suchen sie das gerade Urteil der Unparteiischen zu verwirren.“ Deutlicher brauchte er nicht zu reden, er ist nicht mir von uns verstanden worden. Wieviel Deutsche werden aus diesen Worten seine Empörung zähneknirschend mitempfunden haben!-Und jene Armseligen bilden sich ein, dem jüdischen Enianzipationsstrcben wertvolle Dienste zu leisten. Sie wähnen, jüdische Interessen zu fördern, warn sie das Judeiiproblcm totschweigeu, oder wo sic einer ernsthaften Diskussion nicht ausweichen können, diese in eine Abwehr vermeintlieber antisemitischer Angriffe mnwamleln. Indem sic aber die Entrüsteten spielen und eine ruhige Auseinandersetzung auf beiden Seiten unmöglich machen, tragen sic zu weiterer Verwirrung und Verkennung bei. Als Goldsteins trefflicher Aufsatz eine lebhafte Diskussion im ״Kimstwart“ hervorrief, da freuten wir uns. Nun mußte ja endlich die langersehnte bündige Antwort aus dem Lager der Assimilation kommen, ein Ausweichen war ja besonders bei der delikaten Art, in der Avenarius die Diskussion führte, ganz undenkbar. Und doch geschah das Unmögliche. Erstaunlief! war die — sagen wir — Pfiffigkeit, mit der das ״Berliner Tageblatt“ sich der heiklen Situation entzog. An den taktischen Fehler, den Avenarius mit der Veröffentlichung der antisemitischen Pöbelei Stauffs beging — zweifellos in der Absicht, beiden Seiten gerecht zu werden —־ knüpfte cs eine geradezu perfide Polemik. Es erzählte seinen Lesern, daß der Herausgeber des ״Kunstwart“, der sich auf seine objektive Stellung zur Judenfrage, viel zugute halte, antisemitische Zuschriften veröffentlicht habe. So sehe der ״vornehme“ Antisemitismus aus. Es verschwelgt, daß zuerst ein Jude einen viele Seiten langen Aufsatz über das Judcnproblcrn im ״Kunstwort“ veröffentlichen durfte, daß diesem Aufsatz eine ergiebige Aussprache folgte, an der sich überwiegend Juden beteiligten, daß wohl zum ersten Male in einer angesehenen dcutsehen Zeitschrift in ruhiger, fast wissenschaftlich zu nennender Form der kulturelle Antiscmitls- %