Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1912)
- Date
- 1912-09-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Und wir wissen wohl, daß es auf der Gegenseite Orden und ldcl zu verdienen gibt (dickere <>,,]«•״ ״och u״d noch prächtigere Titel für Getaufte); wissen auch, daß cs bei uns nur den stillen Dank eines klein״'׳, kumpfenden, neu emporwachsenden Kreises gibt'nebst der Aussicht, in diesem niemals vergessen ru weiden. Und doch erscheint uns die Gegenüber. Stellung Kgnistmw und Altruismus falsch und lächer• IM,. Her Kauze Irrtum ergibt siel! daraus, «lab «I«•,• kuniiitme .Sprachgebrauch Kg«>is11uis gleich F.igen. sucht und AllrtnsituiH etwa gleich Güte ni'tzt tinil nun beide!!«•griffe als unvereinbar einander gegenüber• stellt. M ׳> hört das eine denn auf und wo beginnt das .liniere? Wann setze ich mich denn für eine Sache «•in, wenn nicht gleichzeitig für mich selbst? Vnd wann »t Wahrheit für mich selbst, wenn nicht gleich׳eilig für eine Sache, die letzten Kmles auUer nur li ■gt? 1 er Kampf aller gegen alle scl1li«־ßt doch auch ein Stück Altruismus in sich; allerdings nicht im Sinuc Güte, sondern nur als Mittel, den eigenen (inibi u tt oder inneren) Gewinn zu erhöhen. Audi «las einst 1 ah proklamierte und im wesentlichen noch heute gellende ״laisscr faire, Inisser passer" des Wirts׳ haftslebens hat doch stillschweigend den zMtruis• mus ׳‘inor bestimmten Gesetzgebung zur Vorausset* * zung. Denn lediglich blindes Wüten egoistischer Krält• gegeneinander — und von unserer ganzen ׳ Kultiu wäre nicht ein Atom. Altruismus ist so wenig Güte, wie etwa das Vorgehen des Landwirtes, der viel Kost.ii auf seinen llodcn verwendet, weil er ja aiulei ilalls Raubbau triebe. Altruismus ist Erzeugerin und Erzeugnis fortschreitender Kultur, wechselseitig betlin 1. Er ist die Erfindung . . . nicht guter, 8011• dem Tiger Menschen. Ebenso ist reiner, durch nichts gi'inil «vier Egoismus nicht böse,, sondern dumm; um! findet sich auf der Kulturstufe etwa der I'apuas. I.'att«! inan nicht seine Kinderstube, man wäre versu. u. die jüdische Politik aller Kreise der gleichen Entwi klungsstufe citmirangicren, sowohl im Vor• gellen von Gruppen wie von einzelnen. Das Prinzip ist jedesmal reinster, durch nichts gemilderter Egoisimis. Wir wollen ja schon gar keine Rücksicht• nnliin auf die jüdische Gesamtheit aus moraliselicu Erwägungen verlangen, aber dann zu mindest doch aus H eimischen. Ihr sollt ja gar nicht gut und auf• opferengsvoll sein, nur Verständnis sollt ihr zeigen. Da i*1 einmal die große Gruppe; deutsch«• Jmleii. Di׳• hat mit den Juden des Ostens nicht die geringste liizielmng. llie kultivierte Germanen, hie barbarische •Sl.iveii, JCs ist ganz offensichtlich mich keinem ein• gekommen, daß alle Nichtjuden gern geneigt sind, »uclt zwischen den Herrschaften vom Kurfürsten- (f.iintn und den östlichen Kaftanjuden Aclmlichkeitcn frstzusteUcn. Dafür erinnert man selbst um so lieber an Disracli, an Luzatti und ähnliche Köpfe. Hier erkennt man selbst den Zusammenhang an, weil einem dies recht förderlich scheint. Warum (so könnte man fragen) sollen eigentlich die andern in uns eher Disracli als den Keb Aron aus Minsk sehen wollen? Wahrscheinlich doch, weil cs überhaupt in der menschlichen Natur liegt, in andern viel mehr das Gute als weniger Erfreuliches zu sehen. So psychologisch aber sind unsere jüdisch liberalen Politiker; aus solchem Geist wird ihre Politik ge• boren. Vor wenigen Wochen erst haben Angehörige einer jüdischen Korporation (der K. C.-Korporation Licnria in München) gegen die zahlreiche Anwesen• heit russischer (lies: jüdischer) Studenten an den deutschen Universitäten gestimmt*). Mit Rußland, das jenen Unglücklichen die Möglichkeit zum Stu• dium, zu Streben und Aufschwung glatt abschneidet, gehen solche deutschen Staatsbürger jüdischen Glau• bons Hand in Hand. Das ist nur ein kleines Bei• spiel, allerdings von typischer Kraft. Wir verlangen ja keine Güte, aber das Verständnis, daß der Auf• stieg jener auch uns zugute kommt, und daß jener Dahinsicchcn gleichermaßen unser Konto belastet. Raubbau' sollt ihr nicht treiben. Genau analog ist das Verteilten der einzelnen, yon ihrem Judentum haben die wenigstens die Spur einer Ahnung einer Idee. (Man hat halt soviel anderes zu tun.) Ab« davon sind alle innigst durchdrungen, daß cs etwas sehr l'aulcs ist. Man versäumt deshalb auch nicht, das immer wieder zu betonen und zu unterstreichen. Man glaubt sich den andern angc• nchm zu machen, wenn man durch solche Kritik seine LosgeSöstheit von der jüdischen Gemeinschaft möglichst augenfällig macht. Selbsterkenntnis ist sehr schon, aber seine eigene Familie zu beschimpfen, «* . . . nicht nur gemein, sondern enorm dumm. Da man ja schließlich doch all sein Lcblang der m Sohn seines Vaters bleibt, fällt aller Schmutz auf einen selbst zurück. (Raubbau . . .1) Nicht anders steht cs mit den Getauften. Der Egoismus des einzelnen führt dazu, eine Lüge, eine *) Es war nicht cinwandsfrci fcstzustellen, oh die Korporation als solche oder nur eine Anzahl Mitglieder 80 vorging, Es bleibt ja חוו Effekt das* *cibc: auch aus dem Vorgehen einzelner »pricht der horporationsgeist. Während des Monats September licfcrn^wir die ״Jüdische Rundschau“ allen jenen neu hin/.utretenden Abonnenten״”* vollständig kostenlos, die ,uns schon! jctzt^ihrclIBcstcHung* für! das IV. Quartal 1912 aufoeb“ ... <■ Der Preis betrügt demnach für die vier Monate nur Mark 1,50. Bestellungen beliebe man aufzugeben an den Verlag ״Jüdische Rundschau“ Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Gemeinheit also zu begehen. Man mißtraut infolge• dessen nicht mit Unrecht auch der Gemeinschaft, die solche Renegaten erzeugt. Der Stempel der Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft bleibt aber auch den Getauften (sogar ihren Kindern noch) auf• geprägt. Und wenn sich sonst gögen die Taufe nichts einwenden ließe, gegen die Getauften bliebe der Vorwurf; aus einer Gemeinschaft zu stammen, die Milche Lügner gegen das Heiligste erzeugt bat. Sic lass« :11 das bißchen Altruismus vermissen, das Technik ist. » Man kann zusammenfassend sagen: das gesamte Vorgehen unserer jüdischen Kreise ist (wenn man von moralischen Erwägungen auch weiterhin Abstand nimmt); reiner, ungemilderter Egoismus, welcher Raubbau bedeutet und sich sonst nur noch auf der Entwicklungsstufe etwa der Papuas finden läßt. Und deshalb entspringt auch der Zionismus nicht dem altruistischen Triebe allein, der der Arterhal• tung dient und Aufopferung bedeutet (wie etwa das niedere Lebewesen seine Art nur durch Aufopfc• ruiig, d, i. Teilung, erhält), sondern dem einen großen Lebemtricbe überhaupt, der Egoismus und Altruismus unaufhörlich miteinander verknüpft, «ler den einzelnen fördert, indem er die Gesamtheit für• dert, der der Gesamtheit dient, indem er den ein• zelncit zum starken und willcnsbcwußten Menschen erzieht. Und somit zum Schluß stellt sich der Zio• nisinus in diesem Sinne nicht dar als moralische Forderung, sondern als Selbstverständlichkeit für auf• rechte Juden, die Zeit und Mühe nicht gescheut haben, mit klarem und hellem Verständnis die Dinge zu durchblicken*), III. Arterhaltungl .SelbstcrhaltungI Und von beulen getrieben, wirken die mächtigsten Affekte alles Lebens: Liebe und Haß. Uns treibt die gewaltige Liebe zu unserem Volke und der starke Haß gegen alles, was uns bedroht: gegen die Assimilation gleichermaßen wie gegen die östlichen Völker, die jüdisches Leben in dumpfer Knechtschaft dahin• siechen lassen. Und unsere Liebe umfaßt unser Volk und sein Wesen wie cs da ist: mit allen seinen Schwächen ebenso wie mit seinen herrlichen Fähig• keilen. Diese Liebe und dieser Haß treiben uns in den Kampf. Für das Gute wie das Schlechte in uns — es ist ja unzertrennbar — stellen wir gleichermaßen: als Parteigänger und Verkcnncr so• mit. Zum Erkennen müßte man ganz willcnsbcfrcit sein. Dann lütte man den Standpunkt außerhalb der Welt, sie aus den Angeln zu heben. Nur: dann läge mir nichts daran. Wo mein Wille kühl und gleichgültig gcgcnübcrstcht, versagt auch der Er• kenntnisdrang. Und plötzlich denkt man an den Narren im Schauspiel. Da toben die Leidenschaften; Haß und Blindheit, Liebe und Verkennen. Und aus dem Zusammentreffen äußerer Geschehnisse mit inneren Notwendigkeiten entsteht das Schicksal der Menschen. Der Narr aber geht als geistreicher Glossator neben dem Schauspiel her. Er durch• schaut alles; er sicht klar durch Blindheit, Blöd• heit, Verkeimen, Haß. Und witzelnd steht er über dem Gcwogc. Stellt er wirklich darüber? Trotz alle• dem verläßt ihn seine N’arrcnnehnsucht nicht. Das ist die Sehnsucht, mitzutun. Einmal verrannt zu sein wie jene, einmal blöd verliebt zu sein wie jene, einmal in wildem Haß aufzulodern . . . statt der furchtbarsten Erkenntnis, daß eigentlich immer beide Parteien recht haben. Einmal nur mitzutun ... das ') Natürlich läßt sich der Zionismus von Anfang bis zu Ende von der moralischen Seite betrachten und ist auch meist so gefaßt worden. Aber mit mora• lischcn Forderungen kann man nur Leuten kommen, diu dafür oiupfüiiglicli »iml. Und wieviel •sind «las? ist Narrensehnsucht. Es gibt viele solche Narren, die das doppelt elende Los haben, unglücklich zu sein und «loch das Leben und damit die Erkenntnis nicht zu fördern. Der Inhalt alles Lebens ist; Partei ergreifen können, Partei• ganger seines Willens sein. W as wis s cmi die Witzler u 11 d Spötter von u 11 norrr Wonne, Kämpfer zu scin?l l.iche und Haß: (las sind die Kräfte, die un׳ ser«• Bewegung schuf«•!!. Und si«• haben in fünfzehn Jahren gut gearbeitet. Aus einzelnen wurden Ko• lonncii, aus Kolonnen eine Armee. Und sie mar• schiert; ihre Marschmusik ist Hoffnung aufs Ziel. Und schon, da wir uns vorwärts bewegen, wird unser Blick freier, unsere Gestalt aufrechter. Wie fernes Rufen hallen eure Gegenargumente an unser Ohr. Sie hemmen den Zug nicht. Denn uns bleiln die große Freude, im Kampfe zu stehen, und die nbso• lute Gleichgültigkeit gegen eure Widerreden . . . Dies etwa und mehr müßte man allen Dis• kussionen einleitend vorauszuschicken Gelegenheit haben. Als Ablösung der Rosch-baschannli-Glückwünsche spenden für den Bau von Yemeoitenhüusern In Palästina; Mlsrachl-Ortsgruppe Hamburg-Altona Am Sonntag, den 6. Oktober, beginnt das neue Semester des Hebräischen Sprachkursus für Fortgeschrittene unter Leitung des Herrn M. F1 c i s c 11 in a n n. Unterrichtssprache Hebräisch, Es werden unter Anderem Texte aus hebräischen Zeit- Schriften usw. gelesen, sowie das Buch Jc&aias mit AUS HAMBURG-ALTONA י Zionistische Ortsgruppe M. 1 M. HO Leo J.!,«•!•*mann . , , 5 ilO Frau IC. Lulmmch , , 20 10 Frau Lehmann .... 20 10 Nut 11 au L.tmhm. . , . 50 20 Leojuild La miau , . , 50 ft F. Levinnou. 5 10 Futti. Luelike. 3 10 F.mil. 11. l.ipstadt . . 5 ft caiuLined.liochciiateiu 3 r> ca ml. jnr. la’vy . , , 3 5 Dr. Lipschuetz .... 5 5 eaiul. jnr. Meltiniursoit 3 5 8. .Mehrgut. ft r> Leo M. Michael . . , ft ו 50 Dr. med. Moeller. .. ,5 10 Alex .Moeller ..... ft 20 Zuhnar/.t Mmdlor . . 10 20 i 1 <■ i 11 rieh Mayer . . , ft 5 «•und, ined. ilciit. Mayor 2 10 Hof. Minden ..... ft 5 Ludwig MathlaHon. , 10 10 N. N. 10 10 N, N, ••••••»!■ 10 20 <N4 N, ••(«%•«•* ft 20 X. N. 2 10 Julius Neumann . . . 10 5 R.-A. Dr. I’arilo ft 10 l'hilipp Pein. 20 10 Otto Kuben. 30 5 Dr• med. .Schutz . , , 2 5 rnnd.jur.Schwabncher 2 5 Dr. med. Stiebei . . , 20 5 Dr. Max 8ddoeaningor 20 r» Dr. med. Simon . . . 10 HO J. Simsskind ..... 10 25 Seinfelil. 30 20 Dr. 8. Soskin. 20 20 Zahnarzt Saluinon . . ft 5 Dr. med. Tebrich . . 10 5 l)r. B. Tannenwald . 6 5 Zahnarzt Alfred Unna S 2 Dr. med. W. Unna , Frl.SelmuVeilchonfohl 10 2 10 10 Dr. Willy Victor. . . Sally Victor. 50 3 10 2 Dr. med. Weins . . . ft 10 Ernst L. Wolf . . , . 20 10 Dr. mcd. Weissbrcm 6 5 Moritz 8. Wolff . . . 30 o «* Herl Weissborg . . , 20 »1 M Gustav Weisslmt. . , 50 20 Dr. Wnseliitz. 5 20 Dr. Walter Weigert 5 50 Zacharias Zadik . . . 10 5 Dr. med. P. Zadik . . 5 5 Befer. Mnnfr. Zadik. 6 5 10 zusammen , , U43 10 Ferner Spendo den 10 Herrn Konsul Paul 10 Ed. Nueltitig.... 200 00 30 zusammen . . 1043 Dr. I״ Allen. Dr. Adam.. lamp, Ahrulmin .... l)r. Aul'lim'iMcr. , . . Dr. Max llesner . . . David Bcnczra .... F11111. KjelmisH .... Herr Horuschek . . . Dr. Jilunienthal . . . Apulp. Bluvlt. Dr. Jini« sehne wski , . Tierarzt E, Bhtuck . Dr. (i. Bhicih’ ..... Dr. ltuttcnnilch . . . Frau Gustav G. Cohen Frl. Ella Cnlii'ii . . . (liiHiav Odin. Fr. ltnxu ('«ihmiim , . Fr, Dr. Gnlmniiii',. , , Dr. l!h wollen. R.־A. Gotlh. Colin . . K.\A. Herab. David . Dr. mcd. David . , . Dr. mcd. FiicIih . . . Dr. med. Fink .... LmUv. Flicne. Ernst• Fink. J. & 11. (i. Unser Stammtisch . . citml, jnr. (Iiddsehmldt l wiin (IriM'imr .... H.-A. (öitßfhnlk . . . Leon GohRehmult , , Klfrieil«׳ (inhltrco . . Moritz lfclumnn . . . ltef. Herrn. Hirsch , . Dr. Georg liulpern . Jakob Hirsch . . . , . Julius Holländer . , , Dr. ined. HolVmana . Dr. Hildesheimer . . rund. jur. Ilirndifcld Alf. 110 Hans. Horzlcliib Hamburg . Frau JInskd ..... Sydney Haskol .... Dr. W. JacoliHobn , , Alb. Jannulowsky . . Zahnarzt Iscnberg. . A. lf. Israel. ciiml. uieil Max Israel M. Karlsberg. M. Kempiunky .... Dr. ined. Knlinus , , Dr. Knrrein. Dr. med K U:\vansky Dr. Kronhcim. Felix Levy. Siegfr. Levy ..... Dr. Max Levy .... Dr. Lurlo. Boris Leibowitsch , . M. IiCSHIUIUllt. Weite) re 8 p 0 11 den erbet 011 an «lau Konto der ,,ZionistiHcheii Ortsgruppe Hamburg-Altona‘' bei der Dresdner Hank in Hamburg oder auf Pontnchockkouto Hamburg Nr.;11170.