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Jüdische Rundschau · 1912-08-30 · Heft 35 (30.8.1912) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 35 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 3צ J U E ÜIC H f; RUNDSCHAU beite 333 re m (• a. d Ir r• »♦ ז IS I** 1• t n a » » 1 I ו 1 1 t i > * I P i I 1 * t -I II M!1 i I Besuch des neuen Gouverneurs von Jerusalcm in den Jüdischen Kolonien Palästinas Vor vierzehn Tn!;™ wurde in der Kolonie Ui• 5cho11-t.c/i11״ ein jüdischer Wächter in seiner Wacht• hiittc ermordet «»{gefunden. Wahrscheinlich halte cs der Mörder auf das gute Gewehr des Wächters nl»;׳e• leiten und hatte sieh in der Nacht hinterrücks heran• geschlichen und ihn getötet. Da die lokale Behörde nicht energisch genug zur Ergreifung des Mörders ichritt. wandten sich die Kolonisten durch Vermitt• lung des Herrn Antehi an den neuen Gouverneur von Jerus alem, Muchidi Hey, der vor 14 Tagen sein Amt angetreten hat. Der Gouverneur nahm sich der Sache sogleich mit größtem Nachdruck an und lulir in Begleitung des Herrn Antebi seihst in die Kolonien. Er besuchte ReehöbetU, Ui schon- Lc/ion und Pethach-Tikwa und sprach über den fortgeschrittenen Zustand dieser Kolonien, über die Intelligenz der Kolonisten und über die Ordnung in *len inneren Angelegenheiten seine höchste Be* wuuderung aus. In Ri s chon• Le zi0 ח berief er die Kolonisten zu einer Versammlung in das B c 111 A m und setzte ihnen in einer längeren Rede auseinander, welche Maßregeln sie zur Verstärkung ihrer Sicherheit ergreifen sollten, um Fälle, wie den vorhergehend erwähnten unmöglich zu machen. Er riet ihnen, bei der Regierung um das Recht naehzusuchen, sich als Munizipalität zu organisieren. Dadurch wiirden sie das Recht bekomme», eigene jüdische Feld- Wächter und Gendarmen anzustellcn, um sieh dadurch absolute Sicherheit zu verschaffen. Außerdem riet er ihnen, die Ermächtigung der Regierung zur Errichtung eines Tclcphonuvtzcs zwischen den Koloiiicn anzusuchen, damit im Notfälle die Wächter der einen Kolonie leicht nach der andern Kolonie berufen werden können. Er versprach den Kolonisten, daß, wenn sie ihre Gesuche an ihn richten, er dieselben ohne weiteres genehmig c n \v ü r d c.. Er empfiehlt denjenigen Kolonisten, die noch nicht ottouianisch sein, sich naturalisieren zu lassen, weil sie dadurch in den Besitz aller staatsbürgerlichen Rechte kämen. Der Pascha hat zwei volle Tage in den Kolonien zugebracht und hat bei der Fahrt von Rischon-Lezion nach Pcthach-Tikwa auch das Stadtviertel Tel- Awiw und das hebräische Gymnasium be• sucht und seine große Befriedigung über das von von den Juden hier Geschaffene ausgedrückt. Die Reise des Paschas hat unter den Kolonisten «ine lebhafte Bewegung hervorgerufen, und viele Kolonisten, die sich bisher nicht entschließen konnten, um ihre Naturalisation bei der Regierung ein/.urcichcn, haben siel» jetzt dazu entschlossen. Es scheint, daß endlich, nachdem man lange Zeit vergebens auf eine verständige Würdigtmg der jüdischen Arbeit in Palästlna seitens der Regierung gewartet hat, ein hesscrcs Verständnis dafür vorhanden ist. Natürlich muß das uns ein neuer Ansporn sein, auf dem hetrefeiien Wege forzufahreii und wcilerhln alle unsere Kräfte für die Entwicklung Pnliislhtax einzusetzen.!/־ GLOSsen פי Totschweigen.. A»»ton Erkelenz, ein liberaler Arbeitersekretär, beginnt im Leitartikel des ״Berliner Tageblatts" vom 23. August (morgens) eine Würdigung des kleinen Werkes ״Die soziale Frage und der Sozialismus", das unseren Freund Dr. Franz Oppenheimer zum Verfasser hat, mit den Worten: ״Auch wissenschaftliche Theorien kämpfen ihren ״Kampf ums Dasein". Und die Vertreter einer Herrsehenden Lehre benutzen in diesem Kampfe oft das nicht sehr anständige und nicht mutige Mittel, den neu aufstrebenden Gegner totzuschweigen. Da• gegen ist der Einporstrcbende meist machtlos, und es bedarf seiner zähen Energie, durch Jahre und Jahrczhnte hindurch, .utn dieses Mittel des Tot- Schweigens in seiner Wirkung zu brechen." ״Nicht sehr anständig’ und wenig mutig." Wir Zionisten können dieses Urteil vollinhaltlich und ohne irgendwelche Bitterkeit uns zu eigen machen. Denn wir haben die ״zähe Energie" aufgebracht, deren es nach Erkelenz bedarf, um dieses Mittel des Tot- Schweigens in seiner Wirkung zu brechen. Aber wir dürfen nach dieser Absage des ״Berliner Tageblatts" sut eine lange Zeit hindurch gegen uns geübte Politik wohl daran erinnern, daß der Kunstwart-Artikcl Ecrdi- Jiand Avcnarius’ zur Judenfrage noch auf die ' Antwort der meistgelesenen deutschen Tageszeitung wartet. Ein paar überhebliche und herabsetzende Satz- Wendungen, wie sie seinerzeit Werner Somhart *״teil wurden, müssen natürlich seht?!» heute als un- »»reichende Behandlung dieser ernsten Arbeit abgelehnt werden. Recht sonderbar scheint übrigens das Bureau geleitet zu sein, durch das der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums" die Zeitungsausschnitte jüdischen lutere: scs /»gclica. Wir finden in der letzten Aus• gäbe des Blaüc•. folgemle Nmi/: 111״ antisemitischen Blättern ist viel v,׳n u...1״ Artikel des Herrn lerd. Avcnarius im An,;:: :In ft de . , K 11 0 t w a r t' die Rede; die Bl.!Her kl .׳•::eil ju!׳cv.olmter Weise, tlall der Artikel voll den hheialeii Blättern totgeschwiegen Werde. Ich habe den Auf: atz bisher nicht zu ( ic• sicht bekommen; erhalte Ich ihn und finde etwas Beinerkeiisweite :1 darin, so werde ich nicht schweigen." , Aengstlich. IV r XIII. Dclcgierlcittag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat durch Annahme der Resolution Z 10 c i s t i E s t e r m a n n zum Ausdruck gebracht, in welcher Weise der ein- *eine Zionist sein persönliches Verhältnis zu Palastina zu regeln habe. Das ist eine ilmerzionistisehe Angelegenheit, und es ist selbstverständlich, daß die Resolution nur für die deutschen Zionisten verbindlich ist und daß nur s i e die Verantwortung für ihren Inhalt zu tragen haben. Die Resolution hat die Runde durch die ileut.-clic Presse die diesmal mit anerkennenswerter Ausführlichkeit über unsere Tagung berichtet hat — gemacht, und niemand fand etwas besonderes dazu zu bemerken. Auch keiner unserer jüdischen Gegner. Jetzt endlich — genau drei Monate sind inzwischen ins Land gegangen — meldet sich die ״Allgemeine Zeitung des Judentums". Sehr schüchtern — hinten unter ,,Korrespondenzen mul Nachrichten“, wo die Ernennungen zum Handelsrichter und die allgemeinen Ehrenzeichen registriert werden, schreibt man aus Berlin: ״Es könnte doch in der weiteren Oeffcntlichkeit der Glaube mifkoiiimen, als oh . . , um! es könnte nicht fehlen, daß eine übelgesinnte Presse aus diesem Stillschweigen (nämlich dem der jüdischen Orgauisationen, 1). Red.) in jener Entschließung den Meinungsausdniek der deutschen Judenhcit ablcitet und daraus gewisse unrichtige Schlüsse auf die Gcsininnigen und Absichten unserer deutschen Glaubens• geineinschaft zieht." . . . ״Daß dabei freilich nur die überzeugten Zionisten aufgefordert werden, ihr palästinensisches Heimatgefühl zu betätigen und aus den deutschen Landen hinaus/.iistrchen, wird die übel• wollende Außenwelt gern geneigt sein, zu über• sehen — Wir würden cs natürlich aufrichtig bedauern, wenn wir einer irgendwie erheblichen Anzahl von Mitgliedern unserer ״deutschen Glaubeiisgemcin• sehaft" durch den Poscncr Beschluß die Ruhe ge• stört hätten. Vielleicht können wir einen Teil des angcrichteten Schadens dadurch gut machen, daß wir versichern, daß uns diese krause Lesart zum erstenmal in der ״Allgemeine» Zeitung des Juden• tuins" begegnete. Wir pflegen im übrigen unsere offiziellen Entscheidungen so zu stilisieren, daß sie ein jeder, dein Augst oder böse Absicht nicht ge• rade die Urteilskraft gelähmt hat, verstehen muß. Die Dreistigkeit, die Zionisten immer •wieder als minder zuverlässige Bürger ihres Geburtslandes hin• stellen zu wollen, bleibt allerdings ein Uescrvatrecht der ״grünen Zeilnng" und ihrer Gesinnungsgenossen. Eine tragikomische Note gewinnen diese unsauberen Denunziationen lediglich dadurch, daß sie an den Stellen, an die sie gerichtet sind, durchaus kein Gehör finden. /tortino.r Tar/oblaft An leitender Stelle der Morgenausgabe vom 22. August bringt das Blatt einen Artikel des Reichstagsabgcordiicten Georg Qothcin ״Der verfassungswidrige Ausschluß der Juden von der Offiziers- Iaufbahn", der mit folgenden Worten schließt: ״. . . . Ist cs schon ein schreiendes Unrecht, daß man der Religionszugehörigkeit wegen einen Teil unserer Mitbürger von der Üffizierslaufbalm ausschließt, so ist doch die Nichtzulassung zum Reserveoffizier das unerhörteste. Denn jeder einzelne »nun dienen; er hat nicht die Wahl, es zu tun oder 7u lassen. Wenn ihn aber der Staat zum Heeresdienst zwingt, so muß er ihm unbedingt auch die Möglichkeit gehen, die Stellungen darin zu erlangen, die jedem anderen zugänglich sind. Der Ausschluß der Juden von der Stellung des Reserveoffiziers ist der schreiendste Akt der Ungerechtigkeit, den die Reaktion fort ippe bracht hat; er ist ein ständiger Bruch der Verfassung, ein Holm auf den Begrif: des Rechtsstaats, ein Rückfall in die Unkultur, der Preußen an die Seite des von den echlrussischcn Leuten geleiteten Rußland stellt. Es ist ein Zustand, den die große Mehrheit des Reichstags stets aufs schärfste mißbilligt hat, den sic mit Scham cinpfindet, den zu ändern sic aber bisher nicht den Entseliluh gefaßt hat. Dieser Entschluß müßte darin bestehen, Jedem Krieg amt nistcr das Gehalt zu verweigern, der nicht radikale Abhilfe schafft, der nur mit Worten, nicht aber mit Taten die Verfassung hochhält. wRneh &.5P0RT Ui:• S p o r t a b t e i! n 11 g des 15 a r. K o c 111> a Berlin hatte am Sonnt.1;; w!edemm zwei rvelu schone sporilji|1e Erfolge /u ver/eit Inu ii. B.׳i1n Sportfest tles Jugendklubs Neul,o|!n, das unter der Aufsicht der deutschen Sporlbvlumlc fur Athletik sMtu'und, konnte sich die lOtJÜ-m-St.ifetle (K>!<!;) m), trotzdem sic keineswegs mit der stärksten Mannschaft antrat, als Knapper Zweiter pla/ieren. Den Stabhoch• spnmg gewann Eg er mit einem Sprunge von '2,80 in. Der!,reis wurde ihm durch das Los /»gesprochen, da noch ein Teilnehmer dieselbe Hübe übersprungen hatte. Das Meeting hatte eine Teilnahme von etwa 33U Sportsleuten auf/uwcisc» und war für alle Vcreine Groß-Berlins offen, nie dem Verbände Berliner Atliletikvercine nicht angeboren. Das große S p o r t s in e e t i 1» g, das der ״j üd i s e h c f 11 r 11 v e r v i ח Bar K o c 11 b .1" am Sonntag, den 8. September, veranstaltet, erweckt in weiten Kreisen bereits allgemeines Interesse. Aus* der Reihe der zahlreichen Ehrenpreise, die dem Vcrein für dieses Fest gestiftet wurden, sei der Wanderpreis der Zionistischen Vereinigung für Deutschland g c 11 a 11111, der in einer sögenannten SchwedenstafeUe (400 in 300!» -1■ 200 m ־f־ NW m) zum Austrag gelangt. Die Mehrzahl der nationaljüdischen Jugendvereine Groß-Berlins hat seine Meldungen zu der Konkurrenz abgegeben. Der Preis besteht in einem Teller aus der Kunstgewerbeschule Bezalcl, der in kunstvoller Damaszener Arbeit (Kupfer und Silber) hergestellt ist. Die Meisterschäften der Sportahleiliing werden die tüchtigsten Sportleute des Vereins am Start sehen. Das Fest wird auf dem eigenen Sportplatz des Vereins in Schulzcndorf, nachmittags um 4 Uhr, seinen Anfang nehmen. Am Sonntag, den 1. September, nachmittags 4 Uhr, finden aut dem Spielplatz in Schulzcndorf sportliche Wettkämpfe der Selnilerabteihing cics jüd. Turnverein ״Bar Kocliha“, Berlin, statt, zu denen Oäste, besonders die Eltern und Angeiiörigen der Mitglieder unserer ScUükrabtcilnng, hcrzlichst will• kommen •sind. Abfahrt vom Stettiner Vorortbalmliot nach Station Sehul/cndorf. SäonisTisaie Bernns Aufruf! In diesem Monat jährt sielt zum 15. Male der Tag, an welchem sich die Vertreter der nationalbewußten Judenschaft zum ersten Zionistenkongreß in Basel znsainiiiciigehmdcii hatten. 15 Jahre der Entwicklung und des Fortschritts, den der zionistische Gedanke in dieser Zeit gemacht, um Uns unserem Ziele nälicrzuhringen. Durch Vergleiche lernen wir, und mir wenn wir den Anfang und die ersten Ursachen der Dinge kennen, niml wir Imstande, weiter/iih.uien und gedeihlich fortzusehaffen. Das Protokoll des ersten Zionistenkoiigresses vom Jahre 1807 ist vollständig vergriffen. Die Anzahl der vorhandenen Exemplare genügt schon lange nicht mehr der Nachfrage, und doch ist die Kenntnis jener grundlegenden Referate, die damals von begeisterten Männer.», den Veteranen unserer Bewegung, gehalten wurden, für jeden Zionisten unerläßlich. Deshalb glaubte die gefertigte Verbindung der bewußten Judenhcit kein schöneres und würdigeres Ocschcnk zu überreichen, als wem» sie jedem Zionisten Gelegenheit gibt, sielt in den Besitz des Protokolls über die Verhandlungen am ersten Zionistenkongreß zu setzen und veranstaltete mit ausdrücklieber Bewilligung des Aktionskomitees ein!: Neuauflage des Protokolls des ersten Zionistenkojt grosses in vornehmer Ausstattung. Das Buch wird zum Preise von 2 Kr. ־=־ l,7u M. (exkl. Versandporto) abgegeben. Vereinen und Vertrauensmännern werden bei Abnahme einer entsprechenden Anzahl von Exemplaren die weitgehendsten Rabatte gewährt. In Deutschland ist das Buch zu beziehen durch den ״Jüdischen Verlag", Berlin W 15, Sächsische Str. 8. Jüd. nat. akad. techn. Verbindung Barissia im K. P. I. V. z. Hd. d. Herrn Muc. Franz Ekstein, Teplitz-Schönau, Waisenhausgasse 6. * Persönliches Herr S. Hoofion, unser geschätzter Gcsinmmgsgenossc, der sich zur Teilnahme an der Sitzung unseres Zentralkomitees in Berlin aufhielt, wurde hier durch die Nachricht vom plötzlichen Tode seines zwei Monate alten Sohnes Jaccb schmerzlieh überrascht. Wir nehmen an dem Verluste, der ihn betroffen hat, herzlichen Anteil.

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