Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1912)
- Date
- 1912-08-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 304 J Ul: DI SC H E RUNDSCHAU Nr. 32 bringen eine wichtige Errungenschaft beim: Sie wur-. den als eigene jüdische Gruppe anerkannt und konnten daher, so oft es notwendig war, selbständig hervortreten ohne Rücksicht auf die Kadetlenparlei, auf deren Programm sie seiner/eit gewählt wurden. Die eventuellen jüdischen Deputierten der kommenden vierten Duma, so schlicht Nisselowilsch seine lehr* reichen Ausführungen, müssen dessen eingedenk sein, dall die Leiden der Juden in Ruüland unerträglich geworden sind und dall daher jede Hilfe, die ihnen ohne Verletzung der eigenen Ehre geboten .wird, mit Freuden akzeptiert werden 1111111. Deshalb müssen die Juden in Ruhlaiid nur dieses eine Ziel vor Augen haben, alle kleinlichen inneren Differenzen beiseite legen und geeint und geschlossen sich an der Wahl in die vierte Duma beteiligen. PALAeSTINA-’RUMDSCHAU Neuerdings wirst in assimilatorischen blättern mit verdächtiger Ausführlichkeit über die jüdische Aus- Wanderung aus Palästina berichtet. Dazu schreibt die ״Jüdische Zeitung“ in Wien: ״. . . Es ist richtig, dall es momentan eine jüdischc Auswanderung aus Palästina gibt. Aber diese .stammt aus den Kreisen der Jerusalemer Chalukajitdi■» und ist hauptsächlich verursacht durch den Zusammenbruch einiger Wohltätigkeilsanstalteii. Ls gehört ein starkes Stück ״Chii/.puh“ dazu, dafür die Zionist :וו und die zionistische Pa’ästinaarbeit verantwortlich zu machen. Die Zionisten haben seit 20 Jahren das System der Chaluka aufs schärfste kritisiert und unablässig Reformen verlangt, freilich, ohne etwas ausiaricliten. Sie haben nicht nur protestiert, sondern si: haben gleichzeitig eine neue Art von jüdischer Ansiedlung ins Werk gesetzt: eine solche, die nicht mf Schn orrerei, sondern auf prodt! kt i vc Arbeit basiert ist. Sie haben z. H. «len llezale' in Jerusalem gegründet, der heute schon über (1110 Sr beit er beschäftigt, deren Zahl sich stetig verr, ehrt 11. a. in. In l'.ilästiua pflegt 111:111 vom r. 11 c 1 und vom 11 e 11 e 11 J i s c h u h zu sprechen. Wie sehr sich der neue, zionistische Jischuh ausdehnt, das ist mir zu bekannt, als dall wir darüber viel Worte verlieren miilitcn. In Jaf.1 gah cs z. IE 188(1 IUI), DlI111)0 10 2׳ luden, also in 32 Jahren eine Vermehrung auf das Hundertfache I Freilich gibt es auch Auswaiulcnmgen aus den neuen Jisehuh, aber das stammt daher, dall die zionistische Arbeit noch viel zu wenig Unterstützung findet, so dafl es nicht möglich ist, allen Einwanderern Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Eine kleine Auswanderung ist aber in jedem Lande eine normale Ersdieimmg. Wo Freizügigkeit h.'i'ischt, da fluktuiert die Bevölkerung in der Richtung der lockendsten l.ebeusbedingimgeii, Es soll aber zugegeben werden, dall die Auswanderung von aus dein alten Jiselmh stammenden jüngeren Elementen momentan infolge mancher Ursachen, wie der Krise einiger Woldtätigkeitsaiistalten, der LehcnsmiUeltcueruug, die keine spezifisch palästinensische Erschei* innig ist, usw. gröber ist als normal. Dieser Auswanderung zu steuern, könnte nur durch Schaffung von Arbeitsgelegenheiten geschehen, und die Assiiuil.mtcnlilütter, die so religiös tun und den Clialukaiuden Jerusalems sehr nahe stehen, sollten, anstatt Krokodilstränen zu vergieflen, lieber dafür Stimmung machen, dall die Chaluka reformiert werde, so dall iure Gelder zur Prodiiktivinncliung der Jcrusalemer Judcuschaft und nicht zu Almosen verwendet werden. Um die zionistische Arbeit brauchen die Assi- 1ml.־u1lcul1latk־r sieh keine Sorge zu machen. Gerade• heuer ist die Zahl der einwandernden Juden nach Palästina bisher rund dreimal so groll gewesen als die Auswanderung, Die Einwanderung bringt junge produktive Elemente. Deshalb wächst der neue Jiscluib in Palästina unaufhaltsam, und er ist kräftig genug, auch die heuchlerische Fürsorge der Assiinilaulcnblüttcr zu überdauern.“ Wie die ״Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum“ im Ausland berichten, ist man in Syrien und Palästina bestrebt, d i e e v a 11 g e I i s e h e 11. Schulen u 11 d d i e der w ii r 11 e in b e r g i 8 c 11 e 11 T c 111 p I c r zu vereinig e 11 und darauf atifgehaut höhere Lehranstalten zu gründen, die die Ablegung der Eiiijnlirigcn.Prüfiing ermöglichen.. Eine solche höhere Schule, die bis Untersekunda* einselilielllieh reicht, also bis zur Einjährigciistufe, besteht äugenlilicklieli bloll in Jerusalem milcr I.eUung des Direktors Weller. Die bezüglichen Verhandlungen, die in Haifa zwischen der Templer- und der evangelischen Kirchengemeinde geführt werden, scheinen günstig auszugehen. Heide Schulen zählen zusammen etwa 80 Kinder und werden gleichiiiüllig vom Reiche unterstützt. Der geplanten Schule will inan nach dem Vorhilde der andern einen Handels• und l'orthildmigs- »cliulkursus sowie einen Kindergarten angliedern. Natürlich würde dementsprechend auch das Lehrerpersonal vermehrt werden. Leihbibliotheken ln der vorletzten Nummer der ״Jüdischen Rund• schau" tritt Herr I), T, für die Schaffung von 1.1111• hihliolhekeu ein mul wirlt die Frage aut der Ziisain• iiienarheit zu diesem Zwecke mit der Gesellschaft zur Verbreitung jüdischer Eiteraturwcrke e. V. in Hain• btirg. Wir sind selbstverständlich geru bereit, initz'1helfen, in jeder Ortsgruppe eine recht umfangreiche jüdische Bibliothek zu schaffen und denken, dall sich die Sache am einfachsten in der Weis.• uiaclicii lallt, dall die Gewinner ihre Ihielior nach dem I fiireldeseii linier Wahrung ihres Fige11t11111sm11׳ls den lühliolheken zur Weilcrheimfzmig überlassen. Nach oberflächlicher Berechnung dürften die aufgezählten IJiicher ea. 100׳ M. kosten. Der Einband dürfte durch den Buchhümllerrabatt gedeckt werden können. Eine OiPgnippc von 2i!0 Mitgliedern könnte also bereits in Jahresfrist eine solche Bibliothek ihr eigen nennen, wenn jedes O.*(!!׳.•Mitglied nur mit dem gelingen Jahresbeiträge von 2 M. unserer Ge• scllsrh.ilt beitreien winde. Natürlich würde die llihli 1• llick viel schneller zustande kommen, wenn die wohl• hallenderen Mitglieder einen höheren Mitgliederhei• trag, vielleicht •I oder O M., bezahlen wollten, wo• durch ihre Gliaure, ein Huch zu gewinnen, sieh \er• doppelt bz.w. verdreifacht. Eilähruiigsgemäll treten aber auch Niehtzionistcu gern unserer Gesellschaft hei, mul sicherlich würde mancher Gewinner auch aus diesen Kreisen bereit sein, seinen Gewinn der Bibüotliek leihweise zu überlassen. Dali durch intensive Arbeit viel zu erreichen ist, wissen wir aus Erfahrung mit verschiedenen unserer Vcrtiaiiensstelleii, wo es einem einzigen Vertrauens* manne (h/.w. einer Vertrauensdame) in verhiiltnismäliig kurzer Zeit gelungen war, recht viele Mitglieder für uns /11 gewinnen und damit auch recht viele gute Bücher ins Publikum zu bringen. Wir sind gern bereit, den Ortsgruppen-Vorständen oder •.׳mistigen Freunden des Gedankens der Schaf׳־ hing jüdischer Bibliotheken Hielt Kräften heizusteli.'ii und bitten Sie, sieh au uns zu wenden. G e s e 11 s c h a f t zur Verbreit u n •' j ii d i s e h e r Literatur w e r k e e. V. I I b g. Der gescliäftsfiilirende Ausschlill, l)r, A, C 11 wolles, J lainburg-llahrenfeld, Mozartstr. 31. Zahnarzt Alfred Unna, Hamburg•!)., Roteiibaimichaussee •15. Sitzung des Zentral-Komltecs des Misrach! Am 28. und 2•'), Juli tagte in Berlin das Zentral• komilec des Misraehi, Autler den Mitgliedern des Zentralkomitees aus Berlin, I lamhurg-Altona, l.üheek, Antwerpen, l.ida, Ghaikow, Warschau, waren einige hervorragende Gesinnungsgenossen auf besondere Einladung des Zeiitralhure.iiis als Gäste erschienen, darunter die Dozenten Dr. Haue (11, Dr. Eppcu• stein, König), Bibliothekar Dr. Pick und Iler• mann Struck, Nach Begrünung der Erschienenen erstattete der Vorsitzende Dr, Frank (Altona) den Geschäftsbericht. Trotz mannigfacher Schwierigkeiten, ist ein bemerkbarer Fortschritt der Bewegung zu verzeichnen. Die Arbeit winde noch erfolgreicher sein, wenn die Vertrauensmänner prompter aut die Zuschriften des Zeiitrallmreans antworten würden. Die Agitation in Rtillland ist sehr schwer, es sind aber •auch dort eine Reihe hervorragender Person• liehkeiten neu gewonnen worden. In Galizien sind infolge der Agitatioiisieise des Rnbhinatsassessors S e 11 u IS 11 e i in mehrere neue Gruppen entstanden. 111 Amerika hat Herr Struck die Bewegung nett organisiert, und es ist von seinen Bemühungen leiiher Erlolg zu erwarten. In Aden (Arabien) ist eine neue Gruppe entstanden, ebenso wurden die Beziehungen zu Südafrika gepflegt, In Deutschland, Holland, England, Frankreieh, der Schweiz, Italien mul Dänemark sowie auch in der Türkei wurde eine lege Tätigkeit entwickelt. In der Person des Redakteurs Berlin hat die Partei einen sehr rüliri• gen Generalsekretär gewonnen, dessen Aufgabe darin besteh!, die angekiüiplten Verbindungen, inshesoude re in Rutllaiul mul Galizien weiter zu pflegen und die Bewegung in den östlichen!.ändern, darunter Ungarn und Rumänien zu organisieren. Das Organ des Misraehi — die Misraehi-Korrcspondcn/. — kann z.urzeit in nur geringem Umfange erscheinen; sic verlangt auch noch einen erheblichen Zilschufl aus der allgemeinen Kasse, Im Vordergründe des Inter* esses steht die Begründung der (]:irtciihaiiUolonic, deren Realisierung׳ energisch betrieben wird. Es wur* den n.'i 11111aItc Beträge für den Zweck gezeichnet. Die Angelegenheit <ler T a e 11k e in 011 i e S e 11111 e wird eingehend besprochen. Es wird berichtet, .dall das Zeiitrallmreau verschiedene Flugblätter in hebräischer und deutscher Sprache verbreitet bat, Agitatimisbrosehi'ircii sind in Arbeit, Das Milglied des Zeiitralliurcaws, Referendar M ö Iler (Altona), erstattete den Kassenbericht, der trotz gröllerer Aulweiidiuigen für Ihireau, Saläre usw, doch balanciert. Es wird nuchdrüeklichst darauf bin• gewiesen, namentlich den Organisationsfonds z.u stärken, In der Debatte wurde dem Zentralliureati die Anerkennung für die geleistete Arbeit und das Ver• trauen ausgesprochen, Anträge, betreffend Atisgc. Stallung der Parieipresse, Begründung eines üuremis in Palästina imd Begründung der Gartenbaukoloiii.•, fanden einstimmige Aniialmre. Heber die Slcllimgiinlmic des Misraehi zur Agudatli Jisroel relerierleii Dr. 1.1• wy (Gharlotteiihiir;) und J ti r<>. vitz (Berlin). Nach sehr lebhafter Dcbitlc konsi!. tierie das Zentralkomitee sein Einverständnis mit der Teilnahme des Vorsitzenden Df. Fra 11k au der Kon• feren/ in Kattowilz und der Zurückweisung der Breiierschen Aiigeille, Es wurde folgende kes״|״. tion gelallt: ״Die in Berlin veiviiiimcllcn Mitglieder des Zentralkomitees des Misraehi protestieren auf־, sch.irlslc gegen die Beschiiupfiiiigeu des Misraehi durch Ralibmer^ Dr. Breuer am der Koufeiniz. m Kattowilz. Sie erwarb* 1 eine offizielle und <>|. fcnllidie Zurückweisung dieser Angriffe durch das provisorische Komitee, da sie sonst nicht in der Lage sind, den Mitgliedern de׳• Misraehi den An. seiiluh ,111׳ die Agudatli Jisroel zu empfehlen.'1 Das auf Grund des neuen Gig.iiiisalioiisstaluls der Gesamtheweguiig notwendig gewordene neue M!sra1it1*S;,׳(tut limlct vorläufige Ami dune, da die ein!• gültige ISest'ldkTimg dem ordentlichen Delegierten• tage Vorbehalten bleibt. Damit ist die Tagesordnung erschöllt!. Scliluli der Sitzung 28׳. Juli, abends 8 Uhr. Ti/Rnen 5.sport In U s k 11 b (Mazedonien) ist eine Zweignieder• lasstmg des Makkahi gegründet worden. Die ״Jüdische Zeitung‘• in Wien bringt in ihrer letzten Nummer eine Unterredung zwischen Juda Makkahi und einem jüdischen Sjiurtsinaim, in d'cien Verlauf gezeigt wird, wie unwürdig die Stellung sei, die unseren Athleten in den frcmdiiationaleii Man.1• schäften znfällt. Es wird auf ein Olympia der Zu- Run ft verwiesen, hei dem den Juden auf heimischem Boden die Rolle der Gastgeber znfällt. Bei einem Schülermeeting, das dieser Tage in London von der ״Jewish Atliletie Association“ ab. gehalten wurde, wies die Tcilnehmerliste die Rekord• zahl von 102:> Schülern auf. t Der Berliner ״Bar Kocliba“ unternahm am Sonn• abend mul Sonntag eine Nacht• und Tagesturufahrt nach l’augscldeiise, Altliurtmauusdnrf, Wedziger See, Fredersdorf, 51 Mitglieder der Mänuerahteihingeii nahmen daran teil, was 22״״ der ciiigeschriel!. neu Mitglieder gleichkonuut. Besonders erfreulich dall die alteren Mitglieder recht zahlreich vertreten um.•11, יי Der Petersburger Aeroklub hatte einhellig he• schlossen, dem jüdischen Aviatiker A 11 r a 111 o v i ez ankiltlkli seines Fluges Berlin■ ■Petersburg hei seiner Landung einen feierlichen Empfang zu bereiten. Zur Erinnerung an diesen denkwürdigen Flug, der in Rulllaml als eine russische Errungenschaft von den Blättern gefeiert wird, ist den! Flieger ein silberner Palmzweig überreicht worden. Ironisch warf ein progressives Blatt die!Tage auf, oh der Jude Abrantovicz seinen Flug nur durch das jüdische Ansicdhmgsgcbu t nehmen werde, da er ja anderswo kein WolmrccU in Rulllaml 11;111c, ferner 011 Ahramowiez, wenn er seine Reise nach Petersburg per Eisenbahn gemach, hätte, überhaupt nach Petersburg liereingelasseii worden wäre. Avsven GeMe/MDeN Berlin, . . . Der Bau, der nach Entwürfen de Architekten Hessel geschaffen wurde, ist nun nahezu fertiggestellt und wird Ende dieses Monat•׳ m Anwesenheit eines kaiserlichen Prinzen crölfnct werden. Das Gebäude ist ein mächtig•• Kuppelbau, in Anlehnung an die siidiran/ösische U״ ntaiitik gehalten. Die drei Kuppeln sind in Eisen• helonhnii ansgeführt. Ebenso ist der Eigtirenschuiiicl. der Fassade m südfran/ösiscliem Stil gehalten. Du grobe Beihalle hat Platz (ur zweitausend Person:n lind is| reich, aber ju diskreter Wirkung, mit Gold drapiert, Nur an den besonders hervoitieteiideu Ar• eliitcktiireii, wie am I loeliallar, haben reiche Mosaiken Verwendung gefunden, l in besonderes Schmuck• stiiek wird der 80 Quadratmeter grolle Tr.msaai bilden. Die Wände dieses Raumes, zu dem mächtige Bronze* tiiren führen, werden mit Kadiner Kacheln im ro• manischen Stil verziert. Die Modelle dieser Kacheln werden gegenwärtig in Gips mit entsprechender Ile• m,־düng fcrtigpcstellt. Erst 11 a e 11 G e u e 11 m i g u ״ g «ler Modelle durch den Kaiser werden die Kacheln in Kadinen angcfcrligt. Der linden des Trau• saales besteht aus Marmor, ebenso sind die Wand• tciungcn mit Marmorplatten belegt. — Es handelt sich lim den Tempel, den die Berliner jüdische Ge• meiiido in der Fasancnstrallc zu Charlottcuhurg er• richtet hat.