Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1912)
- Date
- 1912-07-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30 JUED15CHE RUNDSCHAU Seite 285 beschäftigen . . .', Der israelitische Kaufmann Benno Roscnfeldter von hier beschäftigte im vergangenen Winter in seinem Betriebe tätige Leute, auf diese Verfügung sieb stutzend, an Sonntagen zwischen 10 und 12 Uhr, obwohl die Angestellten van abends 6 Uhr bis 0 Uhr beschäftigt wurden. Ls erging des• halb gegen Roscnfeldter ein Strafbefehl von 15 M. wegen Vergehens wider die Gewerbeordnung. Gegen diesen Strafbefehl legte der Kaufmann Einspruch ein mit der Begründung, da» er die Leute erst mit ein• tretender Dunkelheit nach Ausgang des Sabbats bc• sebäftigt habe und deshalb nach dem klaren Wort• laute der eingangs mitgcteiltcn Verordnung nach dem Gesetze nicht verurteilt werden könne; denn der in Klnmmefn bcigcsctztc Zusatz ״Sonnabend“ diene lediglich dem besseren Verständnis des Textes; die Verordnung habe indes unverkennbar nur den Sabbat im liturgischen Sinne im Auge.* Das Gericht war aber anderer Anschauung, cs belieb es beim Straf• befelil, weil aus den ganzen Vorverhandlungen und au» dem ganzen Zustandekommen der Verordnung und aus den Beratungen im Geineimlekollegium nichts anderes zu folgern sei, als rlali bei der »len Israelitischen Geschäftsleuten gewährten Vergünstigung nur der bürgerliche Tag, also Samstag, verstanden werden wissen wollte. Darin aber, dal! der Angeklagte an Samstagen nach Einbruch der Dunkelheit die Angc• stellten beschäftigte und trotzdem am Sonntag von der Vergünstigung Gebrauch machte, sei ein Vcr• gehen wider die Gewerbeordnung zu erblicken. — Die Frage wird weitere Instanzen beschäftigen. Castcllaun. Evangelische und jüdische Eltern hicrsclbst hegten den Wunsch, ihre Kinder in die von katholischen Schwestern geleitete Kleinkinderbewahr sch ule zu schicken. Die Schwestern suchten die nötige Erlaubnis nach, die von zwei Ministern erteilt werden muH. Die Antwort war überraschend; sie ging dem hiesigen katholischen!»farramtc vom Landrate unter dem 8. Juli zu und lautet: ״Ich bin vom Herrn Regierungspräsidenten zu Koblenz beauftragt, Urnen initzuteilcn, dal! die Herren Minister der geistlichen und Untcrrichtsangc- Icgcnheiten und des Innern sich nicht in der Lage sehen, den Antrag vom 9. Mai 1912 auf Zulassung von nichtkntholischen Kindern in die Kleinkinder• bcwahrsclmlc zu Castcllaun zu genehmigen.“ Es ist gewiß nicht sehr schmeichelhaft für die' jüdischen Eltern von Castcllaun, dal! es erst eines ministeriellen Eingreifen bedarf, um ihre Kinder vor dem recht wahrscheinlichen Schicksal der Taufe zu bewahren. Vielleicht bietet diese Nachricht, die wir der ״Neunkirchener Zeitung“ entnehmen, der jüdischen Wohl• tätigkeit Anlaß zuin Einschreiten. ' yeReiNS^RUNDSCHAU Berlin. ״Kndimah“, Gruppe der B. Z. V. Sonn• abend, den 27. Juli, fM/a Uhr abends, findet im Pensionat Bo ro wc r, Friedrichstrallc 131b, eine Ver* Sammlung statt. Tagesordnung: 1. Referat des Herrn M. Groß mann: ״Zwei jüdische Konferenzen: Ito und Agudath Jisrocl“. 2. Diskussion. 3. Vereins• angelegcnheiten. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Gäste herzlich willkommen. Berlin. Zionisten treffen sich jeden Mittwoch Abend im Garten des Restaurants Ticrgartcnhof.'‘'״Mitglicder der jüdischnationalcn Fraucnvereiniguiig sind zum Empfang der Gäste anwesend. * Karlsruhe. Für Sonnabend, den 29. Juni, hatte die Zionistische Ortsgruppe Karlsruhe ihre Mitglicder zu einer Versammlung ins Hotel Lion eingeladen, um zu den Beschlüssen und Anträgen des Pose ne r Delegiert entages Stellung zu nehmen. Nach ziemlich lebhafter Debatte wurde die Sitzung gegen 12 Uhr abgebrochen und beschlossen, den unerledigten Teil eine Woche 6pätcr zu beraten. Die zweite Ver- Sammlung fand am 6. Juli statt und wurde mit einer Gedächtnisfeier für Theodor Herz! cingcicitct. Herr. Gesinnungsgenosse Steinhäuser, der als Redner für diesen Abend gewonnen War, entledigte sich seiner Aufgabe in äußerst geschickter Weise und erntete mit seinen Ausführungen lebhaften Beifall. Die Be• ratung über den Poscncr Delcgiertentag wurde mm• mehr fortgesetzt und nach eingehender Besprechung beschlossen, von der Gründung einer Jugcudgrunpe nbzuschcn. Dagegen wurde der Antrag von rrl. Jenny Gojdbcrg, wonach unter den jüngeren Mit• gliedern alle Woche Zusammenkünfte stnttfiudcn sollen, einstimmig angenommen. Gegen Mitternacht wurde die Versammlung vom Vorsitzenden ge• schlossen. Wiesbaden. Am 17. Juli fand in Wiesbaden eine H e r / I - G e d c ״ k f e 1 e r statt, die einen sehr würdigen Verlauf nahin. Herr Dr. Adolf Friedemann, der Freund des großen Toten, hielt die Ge• denkrede. In meisterhafter Form gab er uns ein Bild von dem Leben unseres unvergessenen Führers, schil• derte seine Entwicklung vom Schriftsteller bis zum Regenerator und Führer des jüdischen Volkes. Alsdann zcjchnctc er ihn als den Abgott der jüdischen Massen des Ostens, die mit unbegrenzter Liebe und Verehrung'au ihm hingen, da sic wußten, daß er ihre Liebe erwiderte. Redner führte uns seinen Märtyrer• tod für das jüdische Volk vor, zuletzt schilderte er Dr. HerzI als Persönlichkeit in des Wortes edelster Bedeutung. Rauschenden Beifall erntete Dr. Friede• mann für seine Ausführungen. Gg. Kantor J. Bluhni trug in ergreifender Weise das Etc mole rachamitn vor, und Frl. Blättncr rezitierte einige Gedichte von Adolf Friede: ».1:1:1 (M0:;c3׳ letztes Gebet), Israel Auer• buch usw. in glänzender Form, i i .!• t 1 k ‘jj rr י י 1 4 1.3 1 äi Erklärung Die Unterzeichneten jüdischen jungen Leute aus allen Lagern ries jüdischen thoratreuen Gemeindeleben״, in innerer Stadt sehen sich durch die letzten Vorgänge in Fraul.furt a, M, zur folgenden Erklärung veranlaßt: Der in Kattowitz ln einhelliger Begeisterung angenommene Beschluß, zur Lösung der jüdischen ücgciiwartsau'gabcn im Sinne der Thora eine Welt• Organisation zu begründen* hat in den Herzen der jüdischen Jugend tiefen Lind ruck hintcrl.mscit und den Wunsch, mit allen Kräften für diese Bewegung ״Ichagdii t.iuro ukliaadiroh“ zu arbeiten. Wir hekl igen es datier auf das tiefste, datl seit der Tagung in Kattowitz, die schon nicht ganz ungetrübt verlief, bis auf den heutigen Tag leider ein kleinlicher Streit und Zank wegen der Mitarbeit des einen oder anderen Rabbiners, speziell unter Berücksichtigung der!־'rankfurter Gemeinde verhältnissc, sich )(erausgcbildct hat, ein Streit und Zank, der nichts mit den großen erhabenen Ideen der Aguddnh gemein haben kann mul weitab von deren großen Zielen liegt. Es liegt uns fern, diese imliebsamen Streitereien in ihrer ganzen unerquickliehen Natur liier nochmals der OcftenUichkeit gegenüber aufzurollen, wir beschränken uns vielmehr, wohl im Einverständnis mit der überwiegenden Majorität der besonnenen ücsetzcstreucn aller Lager, darauf hinzuweisen, daß die offiziellen Führer der Aguddah von jeher seihst ausdrücktichst betont haben, »laß die Aufgabe der jungen Organisation nicht der Kampf gegen Andersgesinnte, geschweige denn die sein kann, Streitigkeiten dieser Art unter — doch im Grunde — Gleichgesinnten auszutragen. Es ist ferner mit Autorisatiou der bedeutendsten Gcauuim festgelegt worden, daß jeder, der auf dem Böden des Schuld!,1־» ArucU stellt, welcher jüdischen Organisation oder Institution er auch sonst seine Kräfte weihen möge, sei cs als Misrachist oder Zionist, Separatist oder ״Gemeindeorthodoxer“ u .w. der Aguddah zur Mitarbeit will* kommen ist. (Steile ״Vorläufige Bestimmungen“ der Agudas Jisrocl.) — Die gemeinschaftlichen Aufgaben, die alle Gesetzcstrcueii gemeinsam interessieren, 1111 Sinne der Thora zu lösen, haben sich bereits jetzt eine grolle Anzahl von Jereiim alter Länder zusammcngcfumlcn. Soll dieses in! triebsfähigsten Kein! befindliche Werk mm durch unbesonnenes Vorgehen einiger Kampf- Elemente in beiden Lagern in seiner schönsten Ent- Wicklung gestört oder gar Vernichtet werden? Wir erwarten mit^ Bestimmtheit, daß diejenigen, die für die Idee des Zu:;nmmcn$el1h1s׳;t׳s der gesamten Orth»־ doxic noch nicht reif sind, die Konsequenzen ihrer Anschauung ziehen und fernblcibcn, zum mindesten aber der jungen Bewegung keine Steine in den Weg werfen, wie dies seitens eines jungen Rabbiners in einer jüdischen ungarischen Zeitung jüngst geschelicn ist. Wir protestieren naelulrücklich gegen das 1111• würdige Spiel, das sich seit einiger Zeit in unserer Stadt entwickelt, und welches auch Herr Dr. Meier Hildesheimer in seiner Schlußrede in der hiesigen Aguddah-Vcrsammhing so treffend gekennzeichnet hat. Ein solches Spiel, wo von allen Seiten gehetzt und gestritten wird, ist mir geeignet, Zwietracht zu säen, und die Orthodoxie als ein zerrissenes und zerfahrenes Gebilde erscheinen zu lassen. Die jüdische Jugend weiß nichts von diesen gehässigen Streitereien und will von ihnen nichts wissen. Sic hofft, daß die A g u d d a s J i s• rocl stark und geeint aus dem Feuer dieses Zankes hervorgeht, und daß die Frankfurter Gesetzestreuen sich ein Vorbild nehmen an dem Chassidim und Misnagdim, die bekanntlieh trotz größter Gegensätze in ihren Anschauungen in der Agtuklas Jisrocl gemeinsam durch ihre Geau* nim und Führer vertreten sind. Wahrlich an Männern von der überragenden Bedeutung des liris* ker Rn ws und des L 11 bn wi t sch c r Rebbe, die alle bisherigen Partcikämpfe zurückgcstellt haben, und nur das allen gemeinsame Ideal vor Augen haben, sollten sich unsere westeuropäischen Rabbiner unu Laien ein Beispiel nehmen und ihre weit weniger tiefgehenden Differenzen der großen gemeinsamen Sache unterordnen. Gezeichnet: Robert Bamberg״, . . Fcuditwmigcf, Max Davis, Fritz Fcuchtwangcr, Hermann Fnmkeüthal, Edwin Feist, Martin Feist, Max Goitciu, Ernst üottheirner, Emil Gottlieb. Leo GohDchinidt, Js. Grimbaum (Nürnberg), S. I lochschild, A. Horovitz, Ernst Herzfeld, Hugo lioflmaun, Emil lsa.1c, A. Kornblum, Max Mainz, Josef Mayer, Max Mayer, J. Michael. Sally Michel, W. Lehmann, Julius Niißbaum, Josef Oppen* licimer, Leopold Oppenheimer, L. Perlmutter, Gabriel Plaut, Eugen Neuberger, Wilhelm Rosen, Ernst Rothsetiild, lonas Sänger, J. Schulmann, Manfred Schamcs, Leopold Schwab, Vorsitzender des Nacl11as*Zwi־Vcr• eins, Adolf Schwarz child, Isaak Weil, Hugo Weingarten, Ludwig Westhcün, Isidor Wohlfahrt, Benno Gustav Zuntz. Aron, Jakob Ahrend, Selmar Ansbachcr, Jos. rger, Noah Bender, ü. Bendix, Jos. Bollag* . - "י" Emden, Emil Wolf, Freitag, »len 71/z Ui.r. Sonnabend, Kaiserstr, Jüdische Gemeinde, Berlin Gottesdienst! 20. Juli, abends: in allen Synagogen den '27. Juli, vormittags: u. Rykcstr. •Synagoge 9 Uhr, in der ‘,i der Neuen, LinUcnstf.- u. Lützowst'r.-Synagoge: Frühgottcsdieiist 7'/j Uhr, Hauptgottesdienst 10 Uhr. Predigte n: Synagoge L i n d e n s t r.: 101/z Uhr: Rabbiner Dr, Bergmann. Synagoge Liitzowstr.: 10!/* Uhr: Rabbiner Dr. Hochfeld. Abcndgottcsdiciist: 9 Uhr 1 Min. Gottesdienst an den Wochentagen« M o rg e 11 s: in der Alten-, Kaiserstr.- 11. Rykcstr.- Synagoge (»«/, Uhr, in den anderen Synagogen 7 Uhr. Abends: in allen Synagogen 7 Uhr, Die Alte Synagoge bleibt baulicher Reparaturen wegen bis 23. d. Mts. geschlossen. * J ft Schluß des redaktionellen Teils. Zcntrnlo für Deutschland GeUicndunecii lind au-tcliUcMlich zu richten an Herrn Mag Wollilelntr, Clioflolltnburg, RoacXtr-StraBe S. Dar Jlldhrlio Nntlonnifonila l»t dazu bi'itlmmt. palAaUolarhaa U011011 Ma ()ntamtul|{011lu1n >10■ JüüUchon Volk״« au «rwarbaa and nur owl|»n Zoiinn 1u orlmiton Vom 0. 'Z.lonlttanknograa« 1001 KogrUudot, boaiut ״r!!״ule ״io VormOgoa von nabata It MlUion״u Mark. Dlo Wohnung unseres Horm Wollstolnor bofindot sich soit dom 16. Juli: Chnrlottonburfl 4, Roschorstr. 8. In Nr. 29 der ״Welt“ sind an Spenden für den Jüdischen Nationaltonds ausgewiesen: Insgesamt 10 200 M. Aus Deutschland 1500 M. * M. S. J. Koppel ווו a n 11, St. Petersburg . 50,— Martin Sultan (V. J. St.), Berlin, gratul. s. I. Lcibb. Dr. •Erich K r c t s c h m c r zum Geburtstag.1(— Berlin. Ges. auf einem Ausflug des jüd. thcol. Vereins .2,— Max Böhm, Hntihor, blufft (durch Sicgfr, Fröhlich) ........... -,50 Staniolcrlös von Lehrer Ehrlich, Schwelm 1,— K. Hl u 11111 (V. J. St.), Wiesbaden, gratul. s. I. Bbr. Hbr. M. R o t h s c 11 i I tl und A. Eisberg zum bestandenen Examen.1,— Ges. von Lucicn M c y e r, Mölsheim, auf der Hochzeit G r o II M e y e r.9,— Von Herrn Sclutoif f, Petersburg .... 5,— Restsammliing in llarzburg am 14. 7. . . . 11,50 Thoraspende von Edgar Meyer, Emden . 4,— R.-A. G l ü c k s m a n 11, R.־A. Dr. P i n c u s. Dr. A. Sachs, Dr. J. Hirsch, Berlin, und aus einer alten Sammlung.27,— Dr. K a I m u $ und Frau, Hamburg, gratul. Dr. Pcrcy Zadik und Frau zur Hochzeit .... 1,— Die Z. O. G. Kattowitz gratul. i. bewährten Gründungsmitglied Frl. Ernestine Aronadc zum 23jährigen Aintsjuhiläuiii.2,— Dr. S. W c i II, I bniiliurg, gratul. Dr. Pa rd o und 8, 1. Bbr. I)r. Gut t s ch a Ik zum Assessor 1.-, gratul. l)r, Pcrcy Zndik und Frau zur Vermahlung 1,—, Dr, Walter Weigert, Ham* bürg, aus ders. Veranlassung —,50 .... 2,50 Hermann Koltonsk i, Breslau, verzeiht K. Rosenberger und O. Wittenberg . —,50 Adolf ScUwhm ann , Nürnberg.I — Abraham Schindler, München, anl. Hcrzis Jahrzcit.. . . —,50 Ges. auf der Hcr/Ifeicr חי Stuttgart .... 4,25 Tlioraspcnde von Haspel, Stuttgart, 1,—, Schatten{ cid —,50.1,50 Eduard Joel, Lübeck, dankt dem ihm unbe• kannten ״Jori“.1,— Aus Bad Harzhurg: Verlorene Wette Seligm a n n R a t z e n d 0 r f e f.. 5,— Else S c I i g in a n 11, Köln, nach der Lektüre von Louis L c w i n s ״Memoiren einer Nationalfonds-Büchsc“ .1,50 Berthold Höllenstein verabschiedet sich bei allen Hallenser Gesinnungsgenossen . . 3,— Edipir W e i 11, Mölsheim, verlorene Wette mit Frl. Paula Hammel.2,— Ders. entschuldigt sich für sein Fernbleiben vom Hcr/Iabend des V. J. St. Straßburg . 1,— Simon S c h e r c k, Posen.20,— Leopold Landauu, Frau gratul. Dr. L a n * d a u s, Lübeck. —,50 M. Sambursky u. Frau gratul. F. Ro* ■< 1 t I י־ i