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Jüdische Rundschau · 1912-07-12 · Heft 28 (12.7.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M. 51, , Zionistischer Verein West-Berlin 20,—, Fraustadt 1,— JEiuzcIbcitrag), Mainz 3,— (Ein/clbcitrag), Mühlheim — (Einzclbcitrag), Qlojjau, 3,־־• (cinzelbcitrng), Erfurt 3,- (Einzeibeitrag), 2. Einzelpersonen; J. Natlian, Frankfurt a. M., 5,—, Bildhauer Norbert Joseph, Berlin. 8, -, Dr. Örünfelder, Berlin (K. Z. V.), Fritz Löwenstein, Berlin (K. Z. V.), je 5,-, Bruno Wolff, Leipzig, 10,—, Edmuml Levy, Berlin, 5.—, Dr. Walter Fischer, Berlin (K. Z. V.), 5.— (1. Rate), Betty Peisach, Ologati, 5,—,, Apotheker Boschwitz, Jeßnitz, 5,—, Daniel Treu, Essen, 10,—, Adolf Koch, Essen 5,—, H. Motzkin, Berlin, 10.—, S. R. Casnari, Berlin, 10,—, Dr. Emil Levy. Berlin, 5,—, Albert Barttch, Essen, 5.—, Ferdinant! Bloch, Floß 5,—, S. Rosen• blüth, Berlin, '10,—, S. Hurwitz. Dresden, B. Hurwitz, Dresden, je 10,—, Dr. Kassel, Posen, 20,״־, Dr. S, Korchland, München, 5,—, Kurt Bettsack Friedenau, 5,—, Hermann Salomon, Löcknitz, 5,—, Dr. Albert Ooldbcrg, Neuenahr, 15,—, Hermann Struck, Berlin, 20.—, Hcimann Bo ebner, Schöniankc, 15, ~, Gustav Schwabe. Varel *. O., 200,—, Ref. Meyer, Escliweiler, f5.—, Rot. Dr. Max Ncthcim, Hamburg-Altona, 2,50 (I. hatcL ' ״ 3. Verachiedene Spenden: Kattowitz 6,—. Eingang vom 3. bis 11. Juli 1912! Schekel; 107,— M., Landesorganisationsbeiträge: 510,50 M. ... Gesamte!ngang 1 Schekel, 4612,50 Landet• OrganisationBDelträgc: 14 794,83 M. Berichtigung. in Nr. 24 der ״J. R,“ sind durch einen Druck* fehler 30.— M. Schekel und 1,— M. Landesbeitrag aus Frankfurt a. M. ausgewiesen, während die Bei• träge aus Breslau stammen. Die Addition ändert sich nicht. ' Zur Taktik unsrer Gegner Man hat cs in Deutschland lange Zeit ver• sucht, den Zionismus totzuschweigen. Wir haben uns Gehör verschafft und unsere Gegner ge• zwungen, ihre Taktik zu ändern; da bequemte raan sich dazu, den offenen Kampf gegen die unaufhaltsam vordringende Bewegung eufzu• nehmen, in den Mitteln war man nicht allzu wählerisch, nutzte den Einfluß in der Presse und Ip den Gemeindestuben weidlich aus und scheute selbst vor Denunziationen nicht zurück. Den Er• folg zeigte u. a. unser Delcgiertentag in Posen, wo die Beauftragten von 9000 deutschen Zionisten versammelt waren, gegen 6000 im Jahre 1910. Gewiß ein triftiger Anlaß für unsere Anti* Zionisten, ihre Kampfesweise abermals zu ändern. Bedenkt man, daß dieser Delcgiertentag für uns den Abschluß einer natürlichen und durch• aus gesunden Entwicklung in der Anschauung von den Methoden zionistischer Arbeit bedeutet, so versteht man auch, daß unsere Gegner um eine ״zeitgemäße“ Kampfeswcisc gegen den Zio• nismus nicht lange verlegen waren. Man konsfriiicrt einen neuen Zionismus, der mit dem ehemals so heftig bekämpften gar wenig gemein hat, hofft ihm so seinen Oiftzalm zu ncluncn und lobt diesen Schemen so lange, bis man nicht mehr recht weiß, weshalb unsere Ortsgruppen nicht in corpore der Organisation des liberalen Judentums oder Irgendeinem Kolonisationsvcrcin beitreten. Auch dieser Versuch' wird fchlschlagcn und bald durch einen neuen ersetzt werden müssen, .well er zu viel des Unwahren in sich trägt, als er langen Bestand haben könnte. •JSXrr^ irr XL...: . ' .. ־-srt- -^crsmtBsaarJ trwxjffta’ Ein prächtiges Paradigma für die so gclcennzeichnete Katnpicsv/cisc liefert ein Artikel, den Rabbiner Dr. Samucl-Esum in der letzten Nummer der ,,Allgemeinen Zeitung des Judentums“ unter dem Titel ״Wandlungen im Zionismus“ veröffentlicht. Dr. Samuel geht von der unbestreitbaren Tat* saclie aus, daß der Zionismus in neuerer Zeit eine auffallend große Zahl Anhänger unter den deutschen Juden hiazugewonnen hat. Man könnte daher glauben, daß er sich vermöge seiner Werbekraft und seines Wahrheitsgehalts durch• gesetzt Wabe und noch täglich an Boden gewinuen werde. Dem Ist aber nach Ansicht des liberalen Rabbiners nicht so. ״Er hat sich vielmehr so oft gemausert und im Laufe weniger Jahre so gründlich gewandelt, daß nicht viel anderes von ihm als der Name übriggebücben ist.“ Diese angebliche Mauserung trägt uns nun verschiedentlich recht gute Noten von selten des Herrn Dr. Samuel ein, und es wird erlaubt sein, bevor wir Über dieser, Lob (;•’י’:׳-:n, ein wenig zu unterr.u:.!:en, v .:h'v. I.• e; ' ..t heb.,ו und' wie hoch es zu bmverie.i cd. Um die Argumente voll zu würdigen, die in dem Artikel zum Beweise der zionistischen ״Mauserung“ angeführt werden, muß man sich vergegenwärtigen, daß der Aufsatz nach dem Poscncr Delcgiertentag geschrieben wurde und daß in der Einleitung ausdrücklich auf die Ver- Handlungen im allgemeinen und das Referat Leo Motzkins im besonderen Bezug genommen wird. Außerdem wird Auerbachs Palästinabroschürc genannt. Der Zionismus ist also ״aus dem Stadium politischer Schwärmerei zu dem positiver Arbeit übergegangen“. Das mag hlngchen. Denn hätte Herr Dr. Samuel Hcrzl und seine Politik zu begreifen vermocht, so wäre er — bei dem zweifellos gut jüdischen Wollen, das ihn bc* scclt — wohl zu uns gestoßen. Recht banal ist nun aber die Erklärung, die er für diese Wandlung gibt. Nicht etwa die politische Entwicklung und Umwertung aller polillocl.cn Werte, der das osmanischc Reich in den letzten Jahren unter* worfen war oder irgendeine sachliche Erwägung hat uns ״bekehrt“, sondern lediglich ״der starke Widerstand, den der Zionismus besonders bei den deutschen Juden fand“, ho.t Um xu dlcoem Schritte genötigt. Dar» ir.t eine vniadnit einfache Erklärung, und all die jah. :!־.;־: ׳ Dislaisoion, die wir zur Klärung unserer Anschauungen gcführt haben, war eitel Odltn־,•!:.:'־ um unseren schmählichen Rückzug zu vcrdccncn. Recht eigentlich wird unsere zior.i:,!;.;ciie Politik demnach nicht vom Kongreß gmi xbt, condvr<1 maßgeblich sind letzten Emk:s nur Jene liberalen deutschen Juüenseelcn, auf deren rang wir es abgesehen haben, und die d:n Zionismus so lange abichncn vrcrdoti, bio wir ihn ihnen in einer Aufmachung kredenzen, die ihnen gcnelim Ist. Wir wollen I Tn Dr. G r. u c I!xine Zu* ge hörig keit ziu.i ii.־ -1 Jr.ß uUr.n, (Ic.:scn Par.־ ׳1־.: teidogma eine hnl ׳!. 1:!:Lv ״,‘■..ent, zugute halten. Für Iln '־ i;1 ׳ גי.’,.׳ ‘n. Uigc Grien* ticrung nach de:: . Jr.g :.נ, die er dem Judentum erhalten und seinen Idealen gewinnen will, eine Grundforderung der Taktik sein. Wir aber wissen, daß wir einen schönen und großen Irrtum, der vielleicht wertvoller Ist als hundert banale Wahrheiten, erkannt, neue politische Faktoren in Rechnung gestellt haben und so unabhängig von irgendwelchen Tagesströmungen im Judentum zu einem Zionismus gelangt sind, der sich in seinem inneren Wesen von dem der Herzischen Zeit nicht unterscheidet. Ob nun manche in unseren RciJien meinen, daß dieser Zionismus weniger werbekräftig sei als ,der der früheren Epoche, oder ob Herr Dr. Samuel ihn für wirksamer hält, das beeinflußt unsere Haltung durchaus nicht. Die erste gute Note für unser Wohlvcrhaltcn scheint uns demnach nicht ganz verdient. Der Verfasser geht nun aber weiter und behauptet, daß wir auch in nationaljüdischer Hinsicht vielfach klein beigegeben hätten. Diese grobe Verkennung der Tatsachen ist wohl nur aus der Lobelaune zu erklären, in der der ganze Artikel verfaßt wurde. Oder anders ausgedrückt: aus dem Wunsche, den Zionismus aller jener Attribute zu entkleiden, die ihn eben zu der Volksbewegung im Judentum machen. Wir haben ein Recht darauf, zu verlangen, daß die Erklärungen, die der Präsident unserer Lamiezorganisation auf unserer offiziellen Tagung abgegeben hat, als maßgeblich für unsere Sfellungnahinc überhaupt angesehen werden. Und in der Eröffnungsrede unseres Poscncr Del©• giertentages Ist mit ganz besonderer Eindeutigkeit und Klarheit all das betont worden, was uns von allen jenen Organisationen trennt, die das deutsche Judentum kennt. Die Erziehung^• arbeit im streng nationalen Sinne ist dort wieder einmal als eine unserer vornehmsten Aufgaben für die nächste und alle spätere Zukunft hingestellt worden. Noch eingehender wurde diesen Gedankengangen in dem .Referate Kurt Blumenfelds über die ״Erziehung zum Zionismus“ nachge« gangen. Es wurde dort auscinandcrgcsetzt, wie wir jene jungen Juden, die wir brauchen, nur dann gewinnen können, wenn wir viel und Großes im nationalen Sinne von ihnen verlangen, und wie wir bei unserer Propaganda die, welche wir gewinnen wollen, weniger zählen als wägen müssen. Nur so konnte cs gelingen, im Verlaufe weniger Jahre die straffcste Organisation zu schaffen, die das Judentum je gekannt hat. Daß auch der Zionismus, wie eine jede große Bewegung, seine Mitläufer hat, soll nicht geleugnet werden. Aber wir können ruhig behaupten, daß wir von denen, die wir zu unseren ״Mitläufern“ zählen, immer noch mehr Opfer verlangen, als andere-von ihren treuesten Anhängern. ' Mit dem Maßstabc der anderen gemessen, wäre ein jeder, der sich zu uns bekennt, zur Kerntruppe der’ Bewegung zu zählen. Also: auch dieses Lob Ist unverdient. Dann weiter: ״Herrschte noch vor 10 und 5 Jahren in den zionistischen Versammlungen hitzige Lärm- und Streitsucht, so ist endlich eine weise Mäßigung in den Ansprüchen und eine größere Klarheit in den Zielen erreicht und damit ein Weg zur Verständigung gefunden worden.“ Also die Formen unserer Polemik sollen an Schärfe verloren haben. Zugegeben I Aber verdienen wir damit das Lob, das uns neuerdings in so reichlichem Maße gespendet wird? Der Zionismus war von Anfang an eine Kampfe»•

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