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Jüdische Rundschau · 1912-07-05 · Heft 27 (5.7.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 27 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Juli 1912: Schekel: 113,— M. Landesorganisations• ־*beitrage 128,— M, Gesamteingang 1 Sc 11 ekel: 4535,50 M. Lau• desorganisationsbeiträge: 14 284,33 M. Adresse für Geldsendungen! Zionistische Vereinlgung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto! Berlin 6091, Bank• konto! A. H. Heymann & Co., Berlin, Unter den linden 59. Acht Jahre ohne Herzl ״Aber eines betrachte ich als gewiß und über allem Zweifel erhaben: die Bewegung wird anhaltcn. Ich weiß nicht, wann ich sterben werde, aber der Zionismus wird nie sterben.“ So schrieb Theodor Herzl ein Jahr nach dem I. Kongreß am Schlüsse einer Selbstbiographic, die er einer englischen Wochenschrift zur Verfügung stellte. Als Herzl starb, da gab cs viele in unseren Keilten, die diese stolze Zuversicht verlassen hatte; denn sie verkannten die wahre Größe dieser einzigen Führematur, die eben darin liegen mußte, daß die einmal geschaffene Organisation unabhängig von ihrem Schöpfer und für alle Zeit zum Träger seines genialen üeistes wurde. Sechs Jahre hat Herzl nach Niederschrift jener Sätze noch für uns gewirkt und acht Jahre trennen uns nun von seinem Tode; und das schönste, was uns diese Zeit, da wir ohne Herzl waren, gebracht hat, ist die Ocwißhcit, daß sein Geist in unserer Organisation und in all unserem Wollen und Handeln lebendig ist. Das ist unsere Stärke, und ein sicherer Instinkt leitet unsere Gegner, wenn sic uns jetzt immer wieder mit geheucheltem Wohlwollen versichern, daß der Zionismus von heute ein so ganz anderer geworden sei, als der, den uns Herzl — den sie nie verstanden — gelehrt hat. Wir aber wissen und fühlen, daß Herzl stärker als je in uns lebt, wenn auch die Methoden unserer Arbeit sich in manchem geändert haben. Und wir merken zu unserer Freude, daß Herzls Art, tlas Judentum und sein Geschick zu sehen, auch von einer heran wachsenden Jugend, die seine Zeit im Zionismus nicht miterlebt hat, verstanden wird. Wir merken, wie die Jahre, die uns von seinem Todestage trennen, das innere Wesen seines Zionismus immer deutlicher und klarer erscheinen lassen. Wie der Hcrzl’schc Zionismus sich immer mehr zum Hcrzl'schcn Judentum auswächst. Wir sehen sehenden Auges, 3 C; iw? c’r.a wie aus dem grollen Politiker der jüdische Volks« heros wird, und wir wissen, daß sein Platz In der jüdischen Geschichte und — Im jüdischen Mythos gesichert lat. Und wir sind die Träger dieser Ueberliefe« rnng von Herzl, die immer stärker und frucht« bringender auf das gesamte Judentum zu wirken berufen ist. Wir wissen, daß sein großes Werk bleiben wird, aber wir wollen auch, daß das Bild seiner ganzen Persönlichkeit, die uns so viel Schönheit gab, nicht untergehe, sondern immer wieder auf spätere Geschlechter begeisternd wirken möge. Nicht nur seine Ideen, die in jeder zionisti« scheu Handlung erkennbar sind, sondern seine eigenen Worte sollen werbend für uns wirken. Seine zionistische Laufbahn war allzu kurz, und die sechs Jahre so sehr eine Zeit des Handelns, daß das Material, das uns da gegeben wurde, nicht allzu reichlich ist. Aber cs ist uns eine ernste Pflicht, das wenige voll auszunutzen. Wieviele gibt cs doch heute schon unter ׳unseren jüngeren Oer.inmm,״׳:״enosr.cn, die den ״Judcustaat“ nicht gelesen haben I Verschlägt cs da etwas, daß schon Herzl selbst vieles von dein, was im Judenstnat erträumt wurde, als undurch« führbar erkannt hatte? Daß einer so träumen konnte, ,muß uns immer wieder ermuntern und in dem Willen bestärken, die Wirklichkeit nach dem Bedürfnis unseres Volkes zu gestalten. Die Kongreßreden, Arbeiten aus der ״Welt" und vieles andere, was der Kenner immer wieder mit neuem Genuß zu lesen vermag, ist in einer schönen und außerordentlich wohlfeilen Ausgabe unseres ״Jüdischen Verlags" erschienen. Auch dieser Band fehlt in der Bibliothek manches Zionisten. ״Altneuland," das im Buchhandel nur noch schwer erhältlich ist, darf aus unserer zionistischen Literatur nicht verschwinden. Die Neuauflage des Protokolls vom ersten Kongreß, die wir der Prager ״Barissia" verdanken,, war ein guter Anfang. Aber die Nachfrage nach Hcrzlschcn Schriften muß zu Neudrucken an« regen, dann wird jeder von uns und die gc• mcinsamc Arbeit ihren Nutzen davon haben. Wir glauben in Herzls Sinne zu handeln, wenn wir anderen Bedingungen, als sic sich ihm boten, auf anderen Wegen, als er sie gegangen ist, gerecht zu worden suchen. Wir vermeinen auch Irrtümcr, denen er damals verfallen mußte, zu durchschauen, Aber all das ist nicht das Ent« scheidende gewesen an dem, was er uns gegeben hat: Die große historische Betrachtung unseres Volksschicksals, eine Organisation, wie sie das Judentum zuvor nicht gekannt und großzügige Mittel zur Abhilfe der Judennot. Und je selbständiger und unabhängiger wir unsere Volkspolitik im Sinne Herzls gestalten, um so näher fühlen wir uns ihm verbunden. Seine Gcstalt ist in den, letzten acht Jahren nicht in die Ferne gerückt. Wir glauben vielmehr, ihr Wesen deutlicher denn früher erkennen zu können, und cs ist unser Wunsch, daß dieser Herz), wie wir ihn sehen, allen ״Späteren" überliefert werde. ״Landeskolonien“ Von Davis T r i e t s cli, Berlin-Wilmersdorf.*) Weil mir daran liegt, die Koloiiisatlonsfragc in Theorie und Praxis vorwärts zu bringen, habe ich die spärlichen Unterlagen die dem Bericht de» Czernowit/er .Delegiertentages zu entnehmen waren, zum Ausgangspunkt einer Darstellung gemacht, die zeigen sollte, mit einer verhältnismäßig wie geringen An- Spannung der Kräfte zahlreiche neue Kolonicgrüiidüngen durcligefiilirt werden können. Herr J. S. mm Czernowitz, der Verfasser der Antwort auf meine Ausführungen über die ״Bukowinaer Kolonie", ist aber nicht damit einverstanden, daß der Beschluß seiner Landsmannschaft, in Palästina eine Kolonie anztilcgcn, zum Ausgangspunkt einer großzügigeren Betrachtung gemacht wird. Er vcrwahrt sich dagegen,**) daß die Bukowina für den Nationalfonds mehr als 10000 Kronen jährlich auf* bringen könne. Von der Anstellung eines Agitators erwartet er keinen Aufschwung der Bewegung, sondern will damit nur den weiteren Verfall (?) des Zionismus in der Bukowina verhindern, und ,vom Nationalfouds könnte er es nicht verstehen (oder nicht für richtig halten), wenn er auf Antrag der Bukowinncr Zionisten den Grund und Boden für die geplante Kolonie bereitstcllcn würde. Sonderbare Logik. Für den Bau jüdischer Stadtviertel in Jaffa und Haifa und fiir den Erwerb der Bczalcl-Hiiuser stellte der Nationalfonds die Mittel, für einige landwirtschaftliche Betriebe und Versuche den Grund und Boden, nebst Wohnungen usw., ohne daß J, S. protestiert hätte, — Aber daß derselbe Fonds den kolonisatorischen Wünschen seiner eigenen Landsmannschaft (unter Bedingungen, die nicht günstiger zu sein brauchen als in den genannten und anderen Fällen) entgegenkonunen konnte, — dagegen muß er protestieren. Um seinen Protest plausibler zu machen, übertreibt er zunächst meine Vorschläge, andererseits sucht er die spärlichen Grundlagen, die der erwähnte Bericht bot, als n 0 c 11 spärlicher und klcinzügigcr hinzustellen. So habe ich durchaus nicht das ״Obereigentum" des Nationalfonds als einzige oder beste Modalität empfohlen. Meine Taxe, daß die Bukowina auf Grund eines solchen SpeziaIzweckes wohl jährlich 20000 Kronen für den N.-F. aufbringen könne, involvicrt durchaus kein Mißverständnis meinerseits über die bisherige Höhe der N.-F.-Eingüngc, denn 20000 ist auch von 6000 ein bescheidenes Mehrfache. Nirgends hübe ich gesagt, daß ״alle N.-F,•( leider, welche aus einem Lande cinfließcn, ausschließlich für den Aufbau und die Ausgestaltung der Kolonie dieses betreffenden Landes zu verwenden seien," — daß ferner ״jede Landsmannschaft ihre eigene große Kolonie in Palästina" auf der gleichen Grundlage habe, in welchem Falle ja tatsächlich für andere und allgemeine Zwecke des N.-F. neue Eingänge nicht mehr verfüghar blichen usw, ussv. Andererseits werden die C/crnowitzer Beschlüsse von Herrn J. S. in einer merkwürdigen Weise kom* mentiert. Während der offizielle Bericht, von dem ich ausging, im Hinblick auf die zu erwartende Ent- Wicklung wörtlich sagt: ״der Gründungsfonds zeigt die relativ stattliche Summe von 2000 Kronen", spricht J. S. von dem ״ziemlich klagliehen Fonds von 2000 Kronen", der ״durch kleine (1) Spenden zu vergrößern" sei. — Während ich aus dem Beschluß der Tagung entnahm, man wolle möglichst bald eine möglichst große Kolonie haben, bemüht sich J. S., den Anfang um Jahre hinauszuschichcn und den Plan so klein als _1 *) Der Artikel nimmt Bezug auf den früher hier erschienenen Aufsatz. ״Die Bukowina er Ko-/ lonic" und auf die Antwort, die ein Bukowinncr Zionist daraufhin veröffentlicht hat. Die Argumente des Betreffenden gehen aus dem gegenwärtigen Artikcl zur Genüge hervor. *♦) In Nr. 24 der ״Welt".

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