Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ד-ד־ד T r I I I I I I I a 1 Abonncmontfl —1 ו ■ul di• wWimllidi •m Kroll,» «r• | •chrin«nd• ״JUdlich• Rundlciiau" | kotlrn M uw E»!>t1l!|ion und btl י tllrn l'oillmlefn vierteljklirlitli 1.E0M , | tuBwMb DtuUdiland• und Orater• j raich>Un!arna 2,— M.| für MUalinder! JOdiachrf Vtrcin• im SaatmallMiuf I durch d«a Vrrain I,— M, | V#rl•* JOdladi• Rundjcba■ I U O. m. b. II. ן ■ BERLIN W. IS, SlclutacJ»• Strafe I, | ■ Trlrplioni Amt Uliland IM}, ן 5 Oead1aft*1lundcn1 9—1 und 4—7 Uhr, ן auliar hannaband und Sonnlif, ך•׳"׳■׳-" / Anzeigen I V., «J krtiti« iÜt di'• IVti»• »eil• ojer tlfr*n Rnurn 4u J*f.j SleUfn• Angebote und •Cirnuih• •owir Verein!• '!ilUilungen und •Klein• An1e»g«0“ nS ־*׳I ü nur 30 I'ftnnlf. □ O 9 r״ י\י •^anuikrlpUwrrdrn, wrnn Porto!•»iliril. 4*1• 1urü11;r,*n(lt. Ke.laklionaaddudi 1. | ’ Wiliwinji vorra1||j|a. rtg' n»dnMloa JUdtr.'h• Rundwhau ן ÜI HLIN W. IS, LSch.l.d.• iilraüa I,;1' Tel*|>l1<jn1 Amt Uliland SIL fl 11 ,Eprrdiatundrn Dlanalaf und DoimaraUf I 5-6 Uhr naunnlllaga. j lu* r\ n U J L3 (י*׳־׳. I ׳' ן v ך ־ r נ: C ח י׳^ C j ü סי/, ח '*n n r כ—c ח ד ui Lj w \... ..j Nummer 26 Berlin, den 23. o ז• \1 rT־ S, ,1 jsl iä 3. 5672 XVII. Jahrgang Ausweis Schekels Berlin 2, , Königsberg i, |>r. 11,-*, Massow 1,-, Xions (Posen) 12,—, Flamburg 300—, Jarotscliin 25,־—. LandesorganUatlonsboItrüjjei 1. Ortsgruppen: Berlin 2,—, Strnllburg ». E. 108,-, Xions (Posen) 23, -. 2. Einzelpersonen: Joseph Sal/mann, Königsberg i. IV. (2. Rate) 20,-, Karl Bacr, Neu• kölln 5,—, Max Silbersohn, Massow 5,-, R.-A. und Notar Jacob Schachtel, Berlin 43,03. Aus Halber* stadt: Jakob Holmann, New York, Hermann Rosenthal je 10,—. 3. VersehicdcncSpenden: Freiburg 85, ־, Kottowitz 5,—. Eingang vom 19. bl* 26. Juni 19121 Schekel: 351M, Landesorganisation sh eitrAge: 232,50 M. Gcsamtcingangi Schekel: 4122,50 M. Landesorganisationsbeiträge: 14 150,33 M. Berichtigung. In Nr. 21 ist ein Betrag von 3,— M. aus Frank• furt a. M. als Landesorganisationshcitrag ausge• wiesen, der, wie sich jet/t licrausstellt, als Ahonnementsbetrag für die ,,Jüdische Riindschau״ eiligezahlt worden war. Die Gesamtsumme der Landesorganisationsbeitrage vermindert sich daher tun 3 M.* Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vcreinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische SiraUc 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bank- Konto: A. H. Heymann & Co., Berlin, Unter den Undcn 59. Seele und Portemonnaie ln dem köstlichen Buche des Anatolc France: ״Die Insel der Pinguine“ erklärt in der konstituierenden Notablcnversammlung der Führer der Junkerpartei: ״Ich bin adlig, des• wegen zahle ich keine Steuern, denn Stcucrzahlcn ist gemein.“ Er spricht damit allen herrschenden Klassen seit Urzeiten aus der Seele: ob der römische Patrizier den ager publieus stahl, ob der erste Ucbcrtrcter des licinischen Gesetzes, betreffend die Parzellierung des Stantslandcs, der reiche Plebejer Licinius — ein Vorfahre des braven Crassus — in eigener Person war, ob der mittelalterliche Ritter das Stcucrzahlcn dem Hörigen, der taillablc et corvdable ä merci war, überließ, ob endlich sein heutiger Nachkomme und Rittergutsbesitzer individuelle Einkommen- Steuerdeklarationen abgibt und in Gemeinschaft mit den reichen Plebejern und Schlotbaronen die Verbrauchssteuern erhöht, — sempre la stessa cosa. Jeder Edle und Reiche nimmt, was er kriegen kann und schreit, wenn er zahlen soll. Und noch eins: er ist ein Mordspatriot. Der gute, alte Livius erzählt in einem der Teile seiner dickleibigen römischen Oeschichte, der gemeinhin königlich preußischen Gymnasiasten vorcnthalten bleibt, daß so ums Jahr 396 nach Gründung Roms, als der Senat der seit acht Jahren obstruierenden Voikstribunen Licinius und Scxtius gar nicht mehr Herr werden konnte und die Annahme ihrer verhaßten, demokratischcn und kostspieligen Gcsejzcsvorschlägc voraussah, er mit den Volskern — dem Erbfeinde — Krieg anfing, um ״durch die äußeren Wirren das Volk von den inneren abzulcnkcn“. Und auch zu diesem patriotischen Portemonnaieschütz findet sich die Analogie durch alle Zeiten über den ehrenwerten Mann Brutus, der den Cypriotcn 48®/0 Zinsen abnahm, hinweg bis zu Heydcbrand, der im Reichstag gegen das Ausland Brandreden hält und damit die schwarz* blauen Wahlchanccn für Liebesgaben und gegen Erbschaftssteuer zu poussieren hofft. :**־' i. , Doch wie es sich chriotclt, so jüdclt es sich. Jene Portcmonnaicgefühlc sind leider nicht wie die Leutnanlswürdc ein Reservatrecht der ״blonden Bestien“, sondern sic finden sich in einzelnen Fällen auch bei uns Juden, so sehr wir seit dreitausend Jahren das Volk der Moral zu sein behaupten. Schon dem Könige David mußte der Prophet die Geschichte vom Schafe des Reichen und dem Lümmlcin des Armen entgegenhalten, und die französischen Sepltardim, die im 18. Jahrhundert die um Wohnrecht bittenden Aschkenasim als Menschen anderer Rasse hei der Regierung denunzierten! verdienten heute noch zu der historischen Höllenstrafe der Ehrenmitgliedschaft im Geigerschen Liberalismus verdammt zu werden. Aber selbst in unseren zionistischen Reihen passiert Menschliches, allzu Menschliches, und sind Seele und Portemonnaie, Patriotismus und Zahlungseifer oft nicht im richtigen Einklang. Und da wir nun eifernde Reformatoren sind und alles Faule im Judentum auebrennen wollen, so müssen wir d p ׳; .kr,[: Jr.7 .bei uns selbst bcginnen, selber von iCamchn.^ren leben und unsere Lenden mit wildem Honig gürten, und so lege ich für meinen Teil den Finger in die Wunde. Vor einigen Wochen ist in diesem Blatte das erste Verzeichnis der Organisationsbeiträge für das E. A. C. aus Deutschland erschienen; da sah ich viele, die nicht da waren und viele, die mit einem zu kleinen Teile ihres besseren Selbst, ihres Portemonnaies, vertreten waren.׳ Da iiabc iclt mich geschämt. — Unser jüdischer Adel ist sehr eigenartig, beruft sich auf sehr verschiedene Nobilitütsqucllen und ist durch keinen ״Gotha“ gesichtet und geordnet. Da unter diesen Umständen so ziemlich alle Juden den König David und Raschi zu Vorfahren haben und sephardischon und kohänitischcn Geblütes sein wollen — es gibt übrigens auch Käuze unter den Assimilantcn, die verlegen werden, wenn man sie in ״anständiger“ Gesellschaft an ihren jichus erinnert —, so fühlen sich im Grunde der Abstammung nach alle als gleich, und das einzige principiuin divisionis ist das Geld, Bei uns heißt es riehease obligc, und die jüdische Geldaristokratie hat auch da manchen Fällen ihre p{licht getan, so gut und so schlecht sie es eben verstand. Nun haben wif sic bis auf wenige Exemplare nicht in unseren Reihen — die früher einmal attackierten Salonzionisten nannte einer unserer professionellen Littaucr Witzbolde ״die kleineren Juden aus Berlin W“ —, aber es gibt doch erhebliche Vermögcnsuntcrschicde zwisehen wohlhabenderen und weniger wohlhabenden Gesinnung'״:;׳essen, die auch außerhalb der Zentrale bekannt sind, wenn sie sich auch in den verschiedenen Spenden- und Betciligungsausweisen nur sehr unvollkommen dokurnentieren. Schreiber dieses trägt hauptsächlich die Vcrantwortung, wenn heute jeder richtig organisierte Zionist in Deutschland für seine Organisations- Zugehörigkeit das für viele nicht geringe Opfer von 12 M. jährlich bringen muß. Er war sich der hierin liegenden Härte und Zumutung wohl bewußt, doch war diese Zwangsmaßregel unumgänglich, weil eine große Organisation nur auf ausreichenden Steuern der großen Zahl bcruhen kann. Aber sittlich gerechtfertigt kann eine so odiöse Kopfsteuer nur dadurch werden, daß die leistungsfähigeren Elemente von selbst, freiwillig sich soweit an allen Gaben bcteiligen, wie es in progressiver Skala der Prozentsätze ihrem Einkommen und Vermögen entspricht, wenn davon ausgegangen wird, daß 12 M. jährlich bei einem dem Existenzminimum entsprechenden Einkommen zu zahlen sind. Und das geschieht leider nicht! Schon vor Jahren s.agte mir ein russischer Gcsinnungsgenossc -־ der auch Wasser predigte und Wein trank: ״Die Juden wollen übrigens den Zio* nismus gar nicht, denn sie geben jährlich für die dressierten Schweine des Zirkus Dubnow das fünffache aus wie für den Zionismus.“ Im übertragenen Sinne gilt dies für die übergroße Mehrzahl unserer müßig und reichlich begüterten Gesinnungsgenossen. Die Spenden in jeder Form für die zionistische Organisation bilden nur einen ganz verschwindenden Prozentsatz ihrer Luxusausgaben, und die am begeistertsten reden und speziell das Endziel hochhaltcn, sind oft die, welche materiell am wenigsten tun. Seitdem der Cliarterismus verschwunden ist und im heutigen Palästina, ohne Zukunftsstaat, der Zionismus für das jüdische Volk als Gesamthcit und für jeden einzelnen von uns persönlich verwirklicht werden muß, sind die wirkliehen Zionisten schon im Lande drüben — und wir alle, die wir hiergcblicbcn sind, sind schlappe Kerls, die sich mit genau so fadenscheinigen Gründen rechtfertigen, wie die Sozialdemokrat!• sehen Millionäre iin Besitz ihres Geldes. Aber selbst zugegeben, daß viele von uns noch im Golus vonnöten sind, um die Organisation auszubreiten und von hier aus die Kolonisation Palüstinas zu stützen — im übrigen zerfallen die, die besser hicrblcibcn, in zwei Klassendie An- Wesenheit der einen in Europa ist ein Nutzen, ihr Fehlen in Palästina ein Schaden für den Zionismus; die anderen schaden der Organisation dadurch, daß sie in Europa sind, nutzen ihr aber wenigstens dadurch, daß sie in Palästina keinen Schaden anrichten können —, so sollen sie es docli wenigstens tun, ihre Entschuidigungsgründe für das Nichtübersicdeln zur Tat und zum Leben machen. Der Zionismus, der die Entwicklung zweier Jahrtausende umkehren will, Ist doch wahrliaftig keine so leichte Sache, daß man durch Warten, die Hände in den Schoß legen und Nichtstun ihn seiner Verwirklichung näherbrächte. Da heißt es für jeden von uns, der noch nicht drüben ist: arbeiten und Geld gebe 11. Und gerade die' hierzu am ehesten imstande wären, die versagen. Was habe ich schon alles für saubere Argumente zu hören bekommen. Da ist einer unter uns, der cs sich geistig und matcrieli leisten kann, Anhänger des preußischen Dreiklassenwahlrechts zu sein, der findet die höheren Organisationsheiträgc der einzelnen ״undemokratisch“ und hält entsprechend den seinen auf einein Niveau, das ihm sonst plebejisch erscheinen würde. Da gibt cs andere, die können nichts geben, weil sic zur zukünftigen Ucbcrsiedlung nach Palästina erst das Kapital ansammeln müssen. Andere wieder, die sonst brave Leute I sind, wollten zeitweilig nichts spenden, weil das