Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1912)
- Date
- 1912-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 r I I I 1 I I I *Abonnements |יי««« I <«•»־* •uf dir witHtnUieJi am Freit»; *•lifiBrnd« ,JüilUtlif Rundarhau" kmlrn bei der EipediÜon und bei allen l’oalimlern virtleljibfl1,50 ,{״ M , aoBetballi DeutacliIawU utul Oealei• •f״h-U״S׳״M M.; fdr MilyliciJer |«di»rh»r Vereine in» Sammribeiu( durdi *len Verein . \f. Varlag JQdlach• Rundsclian E. C. m. 11. H. UERUN W.15, SSchalaihe SlraQe 8. Telephon: Amt UIiIaiiJ 815. Q(׳»d1iifU1tuml<-n: 9-1 und 4—7 Uhr, außer Sonnabend und Sonntag, ץ־׳/ V r ^J|. | — lj V,נ ר־ L j ׳׳< ץ־ 'V■־''•' X ך־־׳/ O ^s■—׳r■^ ץי"** /O L.,i '' *ץ־ r K.J n ע ־"י! Anzeigen liiHlen für ■ha »r<l״;rt;1»llrn• Petit, «eile oder deren Raum •W Pf.ן Stellen• Ao.elmte und •Ge»u»11e aowie Verein». Mittri'unje!» und .Kl'ina Anreifen* O Q nur 30 14»״״׳*. Q Q Manuihrlptr wrrrtrn, wenn Porta bedient, •teil 1UM■ :.,■1'.ivlt. Reduktionaadiluli Mitlwu.ii vormittag». Kodnlttlem JQilUtha Runtladiaa UERUN W. IS, SSchaUeho Straße 8, Telephoat Amt Uhland 845. Sprcditlundrn Dienetag und Donocratag 5—6 Uhr naJunittaga. <״׳/ ח.n (■׳/ o Nummer 25 XVII. Jahrgang Ausweis Schekel: Glogatt 2,—, Altkloster 1,—, 1,—, llildcsliciin 2,—, Hameln 31,— M. Aachen Landesorganlsatlonsbcitrllgc: 1. Ortsgrtippen: Misrachi-Ortsgrimpe Berlin 09,-, Saucrnuihlc bei Osche (Eitizdhcitrai) •1,— M. 2. Einzelpersonen: Cliefretlakteur Leo \V1n/, Berlin 10—, Viktor Winz lü,~, Leo Fürder, Berlin 6,--, Referendar Ernst Pittner, Berlin 5,—, l)r. Roscnfeld, Könmsberg 5.—, Emil Stern, Aachen *־־•׳. Halberstadt: Rnben Samson, David Freund je 10.—, John Wolf-Stadthagen, Isaak Feucrring je 5,— Mark, 3. V c r s ch i c d c n c Spenden: Hamburg 3,—, Knttowitz 11,— M. Eingang vom 13.—19. Junli Schekel: 37, - , L a n de s o rga 11 i s a t i o n s b e i t r ä g e: 120, - M. Gosaintcmgangs Schekel: •1071,50, Landes• Organisationsbeiträge:!32יי(>,$) M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vercinigung filr Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: .Berlin 8091, Bank• konto: A. H. Heymann & Co., Berlin, Unter den Undcn 50. Der Ito-Unfug ״Ungefähr bei Kilometer 310 der Lobito-Balm be• ginnend . . .“ Dort also liegt das neueste Tcrri• torium für das jüdische Volk, mit dem Mi>tcr Zung• will wieder eine Weile von sich und der ״ho•‘ reden machen wird. Dazu hat er seinerzeit eine ״geographische Konimission“ aus den bekanntesten jüdischen Namen (unter sorgfältiger Vermeidung etwaiger Geographen und Kolonisationsleute) zusammengesetzt, mul einen ״Interuationalrat“ dazu, um nach siebenjähriger Internationalratlosigkeit als jüdischen Obergeographen Herrn W. Terlo ״aus Lissabon“ auf den Ito-Schild zu heben. Der Werdegang der ״Ito“ sollte nachgerade allen zur Warnung dienen, die da glauben, 11:111 von allen Weltproblcincn gerade die J 11 d e n w a n tl e r u n g s * frage sich ohne Ernst und ohne Kenntnisse losen lasse. Erst war den Zangwillisten Palästina zu türkisch, und die dortige Arbeit zu langsam und zu klein. Aber in diesen sieben mageren Jahren der ״Ito•‘, die inzwischen mehrfach von ihren eigenen Anhängern als definitiv tot und abgetan erklärt worden war, hat sich die erwerbende jüdische Bevölkerung Palästinas immerhin mehr als verdoppelt. Trotz Zangwills An. griffen auf die zionistische Bewegung ist gerade in dies c 11 sieben Jahren Palästina wieder zu einem /.entrinn der jüdischen Welt geworden, wie seit langen Jahrhunderten nicht mehr, und noch dazu ist in• zwischen die von jeher jiideiifrctindlichc Türkei auch eines der freiesten Länder der Welt geworden. ״Uganda“ hatte es ihm angetan. Das Land war so englisch, so weit, so absolut unbekannt, so schlagwortmätlig — alles, was Zaugwill brauchen kamt. Und als die Uganda-Sache an ihrer inneren Wertlosigkeit zunichte wurde, lancierte er — vor der türkischen Umwälzung — das türkische Maze* donien und die ebenso türkische Provinz. Gyre- ״ a I c a. Eine Weile ließ er von dem Nachbargcbict . . Marokkos, dem Lande ״Adrar“ reden und schreiben. Dann wurde wegen irgendeines mibevö!• kerten Gebietes auf dein australischen Kont i n c n t ״verhandelt‘•', und zwischendurch wurde ein bißchen in der G a 1 vc s to 11 Affäre ,,gemacht“, — einer Sache, die so wenig mit ״Territorialismus“ (der doch auch eine — wenn auch schief verstandene — Konzentration sein will) zu tun hat, daß sic in einem der Länder der Zerstreuung jene Zerstreuung »och vollständiger zu machen sucht! Und diese bodenlos fahrige Manier, an der Judenf״ffc herunmjpfuschen, will uns nun mit dem ganzen Tamtam einer großen Konferenz (nicht weniger als lb Referate usw.) das allerneucstc rerritorium bescheren.- 5״Düi* Z;o::!s:m:a crslrolit für daa jäcIZircäo Volle dlo ScIiaCzunrz einer üffent» ucTi-rceliGItfa ^ccicLcrtcu HcinislUlto ln k *-—"•5• ׳n. Danclor Programm. nw■in 1>11i1׳t1i,1 myipm»ילד ו■*«■• ■lu1 ׳niironriii———fc3 An jenem unglücklichsten Tage der zionistischen Bewegung, dem Tage, der unter anderen bösen Dingen uns die Uganda-Frage brachte, fand ich die Zeit, im Kongreligehäudc in Basel eine große Kartenskizze anziibringeii, die Palästina, Cypcrn, El-Arisch und Uganda umfaßte. Dazu schrieb ich folgenden Text: Entfernungen von Palästina: nach Hl Arisch . . . 0 Meilen ״ Cypcrn .... 28 ״ ״ Uganda .... 1050 ״ Das sollte die ״Konzentration“ .illustrieren. Aber auch die Nähe Palästinas und seiner Nachbarländer zu den AtKw.iinlenmgsgchieten ging aus der Karte zur Genüge hervor, gegenüber der riesigen Entfernung naeli Uganda. Jetzt hat Mr. Zangwill, von dessen bisherigen Projekten wenigstens Makedonien und Cyrciinica den Vorzug der Nähe hatten, ein Gebiet ge• filmten, das sowohl von Osteuropa wie von Palästina etwa doppelt so weit ist wie Uganda! Und noch nicht genug mit der weiten und kostspieligen Seereise, kommt noch eine etwa zwüUsti'mdige Bahn• fahrt durch ungesundes Küstenland, um zu dem neuen Paradiese zu gelangen! Bisher ist es den Portugiesen nicht gelungen, auch nur einen nennenswerten Teil ihrer eigenen, ziemlich starken, Auswanderung nach Angola zu lenken. Fremde kommen auch nicht hin, und die Festsetzung fremder Kapitnlislcugnippeii, die etwa Bodenschätze oder Plantagenmöglichkeitcn ausnützen könnten, wäre den 1 ׳ortiigicsen nicht einmal recht, weil sie sich nicht stark genug fühlen, ihre Kolonien gegen die politischen Konsequenzen einer Erschließung durch fremdländisches Kapital zu halten. in dieser Hinsicht wären ihnen die Juden wohl willkommen, denn hinter diesen stehen die Kanonen der Mächte keinesfalls. Aber cs müssen Verhältnis• mäßig reiche Juden sein. Der arniy Auswanderer kann die extensive Kultur, die hier auf rthseli• bare Zeit a Hein in Frage kommt, nicht durch• führen, und würde bald der Regierung zur Last fallen, soweit nicht die jüdischen Milfsgesellschnftcn sich seiner nmichmcn. Demgegenüber würde es sehr wenig besagen wollen, daß den Ansiedlern das Land, d. 11. (»0 100 oder noch mehr Hektar pro Familie, gratis überlassen wird. Es wird nicht allzu viele reizen, mit großen Kosten 12 001) km weit zu reisen, um den Grtuul und Boden umsonst zu bekommen, den sie viel besser für die gesparte Ueherfahrtsdiffcrenz — z. B. in Palüxtiifci und im enge» Konnex mit der jüdischen Entwicklung usw. — kaufen können. Portugal verlangt von den Ankömmlingen außer hiureielietulem Kapital die portugiesische NaturaUsaUou mul die Pflege der portugiesischen Sprache. Die extensive Kultur (und anderes) macht die Anstellung vorwiegend schwarzer Arbeitskräfte nötig. Es blich Mister Zangwill und seinem famosen Pfadfinder, dem russisch-portugiesischen (prachtvolle neue Nuance!) Juden W. Terlo Vorbehalten, die Eignung ostcuro• päischer Juden, unter den Bantu-Negern Angolas als portugiesischer Kulutrdittigcr und als Kulturmissiouärc zu wirken, entdeckt haben. Inzwischen debattieren bereits die Blätter darüber, ob die jüdischen Auswanderer bettelarm seien oder kapitalkräftig genug, um nach Bezahlung der lieber• fahrt usw, in Angola extensive Kultur zu treiben. Auf den Einwand der Bctlelnrimit erwidert jemand triumphierend, die jüdischen Einwanderer in Nord• amerika hätten pro Kopf einige Dollars mehr als die portugiesischen! — Als oh das ein Maßstal) wäre. Nach dem letzten Ausweis hatten die •1000 Im März. 1012 in New York gelandeten Juden KM) IKK) Dollars an barem Geitlc mit sich. Das ist 25 Dollars pro Kopf. Es ist nicht gleich bettelarm, aber bis zu dem weiteren Reiseziel Angola hätten sie auch das nicht gebracht, und mit 25 Dollars per Kopf in einem halbtropischeii Ncgcrkmdc extensive Landwirtschaft zu treiben, wäre eine Aufgabe, zu der man die Zangwill, Terlo und Konsorten verurteilen sollte. Verdient hätten sie es. Hier trifft alles zusammen, um ein abschrcckendes Beispiel zu zeigen. Eine ideell und materiell komplett konfuse jüdische ״Organisation“, ein Kolo־ nialkmd von während der. letzten 400 Jahre unglaub* lieber Erfolglosigkeit, ein ״Territorium“, so schwer erreichbar wie irgendeines auf der Welt, ein Kolonisatioiissystcm, das sich speziell für Juden noch überall als verfehlt erwiesen hat, mul schließlich die platte Unmöglichkeit, für dieses Projekt überhaupt Juden zu finden. Nein. Weint die ״Ito“ wirklich noch existiert (und ich wäre konziiianterweise bereit, das schon dann zu/ugeben, wenn die Mehrzahl der als Referenten zu der bevorstehenden Konferenz genannten Herren wirklich existieren mul sich zur Ito bekennen), so sollte sie — wenn nicht zu dem Palästina-Plan, so doch zu den Nachbarländern Palästinas zurückkehren und den Kontakt mit der Volksstimmung wiedergewinnen. Ich habe Herrn Zangwill bei der Geburt der ״lto“ auf Cypcrn und El-Arisch hin/tilenkcn gesucht. Er fand aber, daß Cypern, das bessere von beiden Ländern, das an 7(M)l)00 Einwanderer aufnehttten kann, für seine Pläne zu klein sei. — Vielleicht haben ihn die sieben so mageren Jahre seiner Organisation eines besseren belehrt. Wenn nicht, so ist ihm wirklich nicht mehr zu helfen. Davis T r i e t s c h. Nacliklänge vom Gemeindetag Der scheinbar harmonisch beendete, in der Sache aber durchaus unbefriedigend verlaufene Gemeindetag hat in allen jüdischen Blattern eingehende Bcspredtungen •gefunden, die je nach der Parteistcllung von begeistertet Zustimmung bis zur strikten Ablehnung variieren. Bei den Organen der Mehrheit hat tlie brutale Nicdcrringung der gegen das mtdcmokratischc und!!!!jüdische Vorgehen des Ausschusses gerichteten Opposition einen wahren Paroxisnuts hervorgerufen, der allen Andersdenkenden jede, auch die sachlichste Wahrung ihres Standpunkts und ihrer parlanicntarisehen Rechte als fluchwürdiges Verbrechen anrechnet. Wie sollte es auch anders sein? Leute, die alles gutheißen, was der Ausschuß in diesem ungleichen Kampfe an Mitteln an/uwcmlen für gut hielt, die selbst in der Drohung mit Entziehung der Subvention für den Fall der Ablehnung des Attsschußantragcs nicht etwa einen Stinmuiikauf, sondern eine absolut einwandfreie, sachliche Handhabung der Geschäfte erblicken durften, können selbstverständlich kein Gefühl für das Italien, was Männern von Rückgrat und Frei- UeUsgefüM /imrt. Die V.mU'sWn Uulcr im Streit sind selbstverständlich das Lciborgati Geigers und das ״I lamburger Familienblatt“. Bemerkenswert ist, daß beide offenbar systematisch daran arbeiten, eine Scheidelinie innerhalb der Opposition zu zielten und die Zionisten als die iiitratiMgcntcii Elemente hinzu• stellen. Ein vergebliches Bemühen, denn der Führer des orthodoxen Flügels hat im Kampfe bis zuletzt seinen Mann gestanden, und der ״Israelit“ bedauert ausdrücklich, daß ״die Opposition in viel zu weitgehender Friedensliebe den Schein erweckt hat, als oh sie diese Umwandlung des Bundes in einen Großgemeindebund für eine Forderung des Rechts und der Billigkeit halte, statt in offener Feldschlaclit nach wackerem Kampfe sielt besiegen zu lassen.“ Vielleicht ist aber trotzdem die Spekulation der Mehrheit«• presse nicht ganz imberechtigt, wenn inan an das Verhalten eines der kleinen Götter aus dein orthodoxen Lager denkt, - wenngleich uns die begeisterte Anerkennung des Geigersciten Monitors doch als eine allzu barte Strafe für seine überaus durchsichtige