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Jüdische Rundschau · 1912-06-14 · Heft 24 (14.6.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 24 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 24 Seite 218 kommen wir damit im Zioiiisiiu'S ein Stück Weges weiter Demi niciits kann unseren Bestrebungen zu jeder Zeit so dienlich sein, als eine prinzipielle Aus. spräche über unsere grundlegenden Frage 11, die uns immer von neuem bewegen müssen. Ist doch ui ht erst seit der jüngsten I-.poche des Zionismus, sondern von Anfang an Palästina 11er Mittelpunkt unseres Ideals, und darin sind wir ja allesamt einig, daß der Zionismus den Zweck hat, Palästina dem jüdiselien Volk wii’dcrziigrwnincii. Worin bestellen aber heute noch die Differenzen in unseren Keilten? I: x i s t i e r e n überhaupt mich jetzt noch bei uns solche Meinungsverschiedenheiten, und, falls sic existieren, wäre cs nicht besser, sie zu vertuschen oder möglichst aus der Weit zu schaffen, damit sie unsere Arbeit nicht stören sollen.׳־ Nun, kirn• nett wir sie durch Zucndeilcnken aus der Welt schaffen, so wäre cs gewiß ein Glück mul eine Stärkung tut• sercr Werbekraft. Nicht energisch genug kamt ich hingegen «las Bestreben׳ naclt Vertuschung der Met• nungsvcrschiedeiiheiteii verurteilen, vor allem auch schon deswegen, weil damit der Zweck nicht eireield wird nmi gar nirht erreicht wenlen kann, weil die vorhandenen Itleemliffemizcn schließlich von neuem d(irchdringci) oder aber «las Gefühl |׳,e|;c1iscitij;er Au• heuiiiching erwecken. Am allerwenigsten aber darf es «ier Wunsch irgendeiner Kartei oder Gruppierung unter itns sein, durch Majoritätsbeschlüsse ihe Mino• ritiit zur Umänderung oder Niederdrückung ihrer < '10saiiifauffassitngcn zu zwingen, geschweige denn kiiust. liehe Majoritäten zu züchten. Für mich steht cs fest, «lall cs auch Itonlzulage innerhalb der Zionisten Differenzen gibt, Differenzen nicht mit Bezug auf die Schlußfolgerungen liinsieht. lieh der Palästina a r b e i t. wohl aber Differenzen in der Ideologie dieser Arbeit, und ich werde den Nachweis erbringen, dali die Konstatierung der Differenzen unsere Arbeiten nicht nur nicht stören, sott• dern im Gegenteil fördern wird. Vielleicht ist cs nicht ausgeschlossen, dal! die Differenzen auch in der Ideo• logtC nach und nach ebenfalls schwinden werden, daß sie scltliclllich bei dauerndem Meinungsaustausch einer einheitlichen Auffassung Platz machen werden. Allein vorläufig existieren sie und sind auch von praktischer Bcilctitimg. Denn von ihnen hängt die Art der Propaganda unseres Palästiiingedankcns alt. Demgemäß werden unsere Betrachtungen zwei Problemen gewidmet seilt: dem Problem der theore* tisehen Propaganda Palästinas und dem anderen der praktischen Arbeit in Palästina. II. Wie wenig einheitlich, ja widerspruchsvoll die gegenwärtige Propaganda ucs Zionsgedankeits ist, kann man sielt leicht überzeugen, wenn man die vor• tchiedcnen Begründungen des Pnlästinaideals, soweit sie in der mündlichen Agitation und in der zionisti• sehen Literatur ztttn Ausdruck kommen, systematisiert. Ich will nur die wichtigsten herausgreifeii. und jedermann wird erkennen, welch bedrohliche wand. Hing der Zionismus gerade hierin ihirelminchl, eine Wandlung und Ztisammensclirumpfuiig, der mau nur durch Klärung Einhalt zu tun vermag. Je nach der Summe der iniierzionistiseheu Erlebnisse lind dem eigenen Temperament bat jetzt für die einzelnen Zio• nisten Palästina eines der folgenden Probleme zu lösen: 1. Die Lösung der Juden frage im umfassendsten Sinne und nach den verschiedensten Richtungen bin. 2. Die Lösung der Frage des Judentums durch Schaffung eines geistigen Zentrums in Palästina. 3. Die Schaffung mehrerer nationaler Zentren in Palästina, die zur Erzeugung nationaler Güter geeignet wären. 4. hinc Antwort auf das individuelle Bedürfnis, voll und ganz Jude zu sein und als nationaler Jude leben zu können. 5. Die Befriedigung der Sehnsucht nach Palästina, der Liebe zu Zion. Initiier seltener wird «lic erste Motivierung des Zio. nisimis, und häufig stoßen wir auf eine Kombinat iou von zwei oder drei der anderen genannten Begniuduugs• formen, es begegnen aber 1ms auch nicht nur solche I (opagaudisten, die sich allein mit «Ier /.weiten Formel bi-gnügen, sondern auch solche, die als Ausgangspunkt fm־ den Zionismus eine der drei letzten Formeln lieh, imn uuil darauf ihre ganze Palästina.hieologie auf• baue״ oder aufzubauen sieb bestreben. Das sind vor allen Dingen jene Geister, die der Ucber/eugung leben, daß eine Umwertung aller theoretischen Werte im Zio* in:mus wegen ilircr Unerreichbarkeit unumgänglich ist, und ihrerseits das Gefühl hallen, da« jede große Bewegung von «mein monistischen Prinzip getragen sein muH. Nun ist jede der nufgezähHcn Begrün* duiigcn unter Nr. 2-5 an und für sieb nicht falsch, jede von ihnen enthält eine gewisse Dosis zionistischer Gesinnungen und Stimmungen, sie wird aber azio• mstisch und unter Umständen selbst anti/.ionistiseh, Robald sic sich als das von uns zu erstrebende und zu propagierende Endziel ausgibt. Denn nicht in «ier zeitweiligen Aeudcrung unseres praktischen Vor. geliens, nicht in der durch geänderte Verhältnisse hervorgerufeucn Beschränkung unserer Forderungen gegenüber der Außenwelt liegt eine Gefährdung des Zionismus, wollt aber in einer Verzichtleistung auf unsere eigene Ideologie. Als llerzl zum Zionismus kam und die jüdiselien Massen mit ungewöhnlicher Kraft zu revolutionieren begann, formulierte er seinen Zionismus — und so war auch seine Palästinapolitik gedacht — als Lösung der Judenfrage durch nationale Konzentration, Mit diesem seinem Rut war er ja nicht der erste, seit Heß waren ihm ja zahlreiche jüdische Apostel zu- ׳ J UED1SCH E RUNDSCHAU vurgekommen, darumer mit besonderer Deutlichkeit mul Pj'ügnan/ Piusker in seinem gktii/ciulen ,,Malui* ruf au die Slainiuesgeuosseu", von dem llerzl ein* mul sagte, daß er seinen Judenstaat nicht geschrieben hätte, falls ihm Piuskcrs Autocniau/ipatiou früher hekaiint gewesen wäre. Ls war aller von alUrgiolSk'r positiver Bedeutung-, «laß llerzl «lic Ucsdiitlitc des Zionismus nicht gekannt, seine Vorgänger iiieiit st 11dierl 1111(1 sich mit frischem Radikalismus als selbständige Natur au tlie Jjidetiheit gewandt hat. Der erwähnte Ausspruch I ler/ls ist glücklicherweise durch die Geschichte, ilurch «lie Wirkung, «lic sein ״Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen**, in unzweideutiger Weise widerlegt worden. Was seine Vorgänger trotz aller Glut der Begeisterung nicht vermocht hatten, ist ihm hei seiner glücklichen Kombinierung eines hin• reißenden Glaubens an «las große Zukunltsideal, eines nie rastenden! lehleiisiiiiics lind mutiger Organisatioiis. kraft gelungen: die Schaffung wenigstens eines Fun• daiueuls für eine interierritorielle Konsolidierung gewisser Teile «les Judentums in einem zielbcwußten Stieben nncli »Irr bisloiiselien Lösung der Judeufrage. Allerdings in der Feststellung seiner Seelenverwandt• sehaft mit «lern Verfasser der Antoeniau/iiudiou balle er recht; ihre grundsätzlichen Gedanken waren «lie nämlichen. Heide gingen davon aus, daß «lie Frage der jüdiselien Nation eine in der Geschichte stets wicdcrkchrcudc Erscheinung bildet, und beide lehrten sie, daß diese Judeufrage, «lie ebenso eine spezifische Jmlcnnot schallt wie «lie Entwicklung «Ier jüdischen Individualität hemmt lind lähmt, nur durch territo״ rielle Kou/eutratiou abzuschaffen ist, und nur solange ein Problem bleibt, bis der Gesamtwille des jüdischen Volkes und der jüdischen Maclitfaktoren zu dieser Einsicht gelangen wird. Eine solche Parole, au Zion nnkmipfend, war es, die die Juden* heit aufgerüttelt und unsere Gemeinsamkeit hervor• gerufen hat. Stehen wir aller in unserer Ideologie noch auf «Icmsclltcn Boden? Müssen wir nicht bekennen, «laß die kühne Auffassung ller/ls im Schwinden begriffen ist, «laß sieb in der letzten Zeit immer mehr eine An* schaumig durelizuriiigeu sucht, die eigentlich bereits vor llerzl, in der Zeit zwischen Pinskcr und llerzl, anfgekomnien war, die iilcc, «laß Palästina nur dazu berufen sei, ein geistiges Zentrum für ilas Judentum zu bilden? Was aber ist «laran so gefährlich, werden Sie fragen? Ist denn diese Idee so gering, daß es nicht lohnte, ihr seine ganze Kraft zu wiiinicii? Die Definition «les Zionsgcdaiikeiis als Strehcns nach Schaffung eines Zentrums für «len jüdischen Geist ist zunächst sehr reizvoll, reizvoll Deswegen, weil der Zionismus in seiner Beantwortung des ge• samten Judemiiuhlcins naturgemäß die Schaffung einer jüdischen Ku.hir von der Konzentration in Palästina abhängig macht. Einerseits ist unter den Anomalien des Jiulenlebeiis die schmerzlichste; die Unmöglich• keit einer normalen Entwicklung der ifidisclunntin• nalen Persönlichkeit. Andererseits, wann hat es je seit ließ eine Propaganda des zionistischen üleals gegeben, ohne eine Ausmalung dessen, was alles «Ier jüdische Geist, frei geworden und national sieh entwickelnd, «Ier Meuschheitskultur gehen würde? Oder haben die I leß, Suioleusky, Gonlon, Lilicnbliun, Bcii-Jclmda u, a. nicht gleich zu Anfang den Gedanken variiert, «laß Zion abermals eine Stätte jüdischer Kultur mul all• gemeiner Erkenntnis werden würde? Haben nicht Pinsker und selbst der anfänglich »jüdische llerzl ähnliche Geilanken, in ein anderes Gewand gekleidet, ebenfalls vorgetrngen? Wer vermag überhaupt von «Ier Renaissance eines Volkes zu sprechen, ohne gerade an seine geistige Fortentwicklung zu denken? Was für einen wert hätte überliaupt irgendein nationaler oder sozialer Kampf, wenn an ihm sich nicht das Ideal großer Kulturgevviiuie knüpfte? Und dies ist «loch wahrlich nicht neu, am wenigsten für die zio. nistische Ideologie neu, daß das höchste Streben im Wirken eines Volkes darin besteht, «lic ihm imicwohnenden geistigen Kräfte zur größtmöglichen kulturellen "Entwicklung gemäß seinem Geiste, gemäß seiner Eigenheit zur Entfaltung zu bringen. Was also könnte uns an der Definition von dem geistigen Zentrum in Palästina stören? Nun, nicht «jie Bejahung dieses Streitens, sondern «lic ausdrück• liehe Verneinung der anderen Bestrebungen, die im lUgrift der Lösung der Judeufrage zusammengefaßt sind, Zweifellos enthält «fiese Verneinung ein großes Stück Tragik; denn in ihr mul aus ihr spricht die Resiguntion oder Vorbeugung aller möglichen Eventua* litüteu. Es sollen mir solche Wechsel auf die Zukmift ausgegeben werden, die auch eingelöst werden können, und es sollen nur solche Behauptungen auf• gestellt werden, welche die Wirklichkeit nicht wider• legen kann. Psychologisch erklärt sich die Entstehung der Rico, logie vom geistigen Zentrum sehr einfach: Der Zioiiismus hat ebenso wie vor ihm der Chowewe-Zionismus nicht im mindesten die Lösung der Judenfrage praktisch iiähergebracht, so daß die Deklaration dieser Möglichkeit, sobald sic in vergröberter Form zmn Ausdruck gelangt, schlimmer als eine Phrase, ja, wie eine bewußte oder unbewußte Lüge erscheint. Wie oft wurde nicht dabei von leichtsinnigen oder ungescliulten Anhängern des Zionismtis das Streben nach Abschaffung der Jmlcnnot aller Zeiten^ mit «Ier Abschaffung «Ier momentanen Not der jüdischen Massen verwechselt?! War es mul ist es nicht ein Gebot der Ehrlichkeit, diesem ״Geschwatz." ein Ende zu machen, den Jiidcnmasseu zu sagen, daß alle ihre Hoffnungen aut eine Erlösung aus dem Elend vermittels Palästinas trügerisch sind? Wie weit dies berechtigt ist, werden wir später erlautern. Bleiben wir vorläufig bei den Gedanken, gangen des nur geistigen Zionismus I Denn nicht diese Motive allein können es sei», «lie «lim Gedanke* eines geistigen Zentrums in Palästina uns |iI,uk,I>c| machen. Es können «lamit noch weitere Gi-l.ihren veiuiieden wenlen und Probleme im voraus g<i!At wenlen. So seien nur zwei Probleme hervorgel1-'»ben: Solange d«׳r Zionismus als Antwort auf die Juden! finge in «lie Erscheinung tritt, ist seine |)roj1;n.an. «list’iselu- Kraft gewissermaßen von «Ier Situ.üion der Juilcn abhängig. Ni«־l1t als Wert au sieb, sondern als Reaktion auf «lie traurige Lage «Ier Jinlcn wirbt er seine Anhänger. Wie aber, wenn die Judeufrage infolge veiämlerter psychologischer Stimmung« 11 wem. ger prekär wirtl, oilor gar als solche von «Ier Tages, onluung schwindet? In vielen Ländern leugnen die luden das Vorhandensein einer Judenfrage für sich, 111 anderen wird vielfach in Aussicht gestellt, dal! die Judcnfragc «lureli eine Wandlung «ier allgem« inen politischen Verhältnisse ihre Lösung finden wird. 1,'״«] wenn gar auch das ethische Niveau der Nicht,««den sielt dermaßen erhellen sollte, «laß jeder Autisemdis• ums, 'auch «Ier national«־, schwinden würde. Hort daun «lie rsislen/b«n־el1tigm1g «les Zionismus .)«!(? Sicherlich nitht! Wm«l«־ nicht gerade daun (tu m«.erc u.itional«־ Iml1udnal1l.il «las Problem des Siihiuv• Ichciis in seiner gau/en Intensität erst«ln־n> Seme Losung ist von den Stimmungen und Umstimmungen der umgehenden uiclitjüdischen Faktoren völlig 11n. abhängig. So schaffen wir uns mit «lein Gedanke״ des palästinensischen Kulturzentrums eine geistig um einnehmbare Eestimg. Ich brauche keine Beweise für mein nationales Fortlebenwollen, ebensowenig, wie ich Beweise dafür brauche, daß ich seihst forth-hen will; und dieses Ziel, «las auch mit der eventuellen äußerlichen• Lösung «Ier judeufrage in den Diaspor». läiuiern nicht erreicht wurde, kam« eben durch *las geistige Zentrum in Palästina erreicht werden. Noch ein anderes Problem kam! diese Definition des Pa• lästina-ldeuls scheinbar aus «1er Welt sehaflcn: «las Problem der zwei Vaterländer. Judenfeinde und, noch mehr, jüdische Antizionbteii, haben oft den Zio• nistei* den Vorwurf gi’iiiacht, daß sie für <le»1 Staat, dem sie angehören, nicht «lie nötige Liebe haben könnten, da sie ja gedanklich und seelisch au Pa• laslina gebunden seien. Wie leicht wird «liese heikle Frage aus der Welt geschafft, wenn cs heißt, daß die Jtulen Zion nur für eine Zuchtwahl «les jüdisch«•״ Geistes brauchten! Kein Mctiich kann «laran Anstoß ״«•Imien, «laß dir Juden sieh irgendwo ein geistiges Eigentum verschaffen wolkli, mul von einer Zwei• seelentheorie würde nicht mehr die Rcile sein können; ja seihst die Völker «les Ottoiiianischeii Reiches wür* den mit einer derartigen Auslegung «1er zionistischen Bestrebungen sich am ehesten nussöhuen. Wir hallen mit Absicht alle positiven Seiten dieser Form der Bcgrmuhmg des zionistischen Ideals — und seien sie seihst auch mir opportunistischer Art — angeführt, um ihre Fehlerhaftigkeit naclizuwcisen. Def Orniulirrtum besteht nämlich in der Teilung der Juden• frnj׳c mul der Frage «les Judentums. Es gibt aber keine Lösung der Judeufrage ohne L ü s 111t g d e r J 11 «I e 11111 m s f r a ge, noch eine l. ö s u 11 g «Ier J11 «1 e 11111 1״ s f r a g e 011 u«: eine Lösung «Ier Judcnfragc — in Palästina eben• sowenig wie in «Ier Diaspora, Dies r.oll bewiesen werden. III. In diesem Zusammenhang kann ich «len ersten Teil meiner Behauptungen nur kurz, streifen. Was heißt es, daß die Judcnfragc ohne Lösung der Juden• tumsfrage unlösbar sei? Es bedeutet, daß jeder Vcr• such einer äußerlichen, rein mechanischen Lösung der judeufrage ohne Beantwortung der E'rage der jiuli• sehen Individualität schließlich gerade «laran scheitern muß. DkWieschk’htc der EmaiizipationslHstiebuiigcn in «len Ländern, in «lenen «lie Jtulen in ansehnlicher Zahl wohnen, bietet eine Fülle trauriger Beweise iur den aufgestellteu Grundsatz. Sehen wir von Rußland ah, da dort die Gleiehherectitigiingsliestreliimgen tlcr jüngsten Epoche - d. h. der einzig in Betracht k<»11• inenden stüi mischen Jahre 1005 1007 wesentlich unter dem Einfluß der modernen jüdiselien Bewegung gestanden und ik'iugemäß einen nationalen Cliarak• ter getragen haben! wie war es aber in «len mvistui anderen Lüniicrn? Da wurde in den entscheidenden Knuipf/citcn beim Streben nach gesetzlicher Emu11/i• »alhm von seinen bedeutendsten mul anerkanntesten Vertretern die l'rage des Judentums geflissentlich aus• geschaltet otlcr gar geleugnet. Sie wollten die abnorme gesetzliche Situation der Juden abscliaffeu und glaub־ ten damit die judcnfragc endgültig lösen zu können, während sie für die Juikiifumsl'rage kein inneres 111• teress«: hallen und deren Zusammenhang mit der Judenoage verkannten. Sehen wir uns «las Beispiel Deutschlands an: Niemand von den Emanzipations• kämpfern beanspruchte liier irgendwelche nationale Rechte oder auch nur eine Anerkennung der jüdiselien Individualität, ja manche von ihnen versprachen sogar in gutem Glaulien «lie Auflösung der jüdiselien Nation, und einzelne gingen seihst so weit, diese Auflösung schon damals als fait accoiupli zu verkünden. Es war kein geringerer als «Ier für das Judentum als Re• ligion begeisterte Gabriel Kicltcr, der iui Rahmen seiner Emanzipationshestreliungeii schrieb: ״Die Nat'onali• tat der Juden lebt nur in der Erinnerung, in der Wirk* lichkeit ist sie gestorben seit mehr als 1500 Jahren, erliegend unter dem unwiderstehliche» <V4achtgcbotc der Vorsehung; sie mag friedlich und ruhmgekrönt ün Grabe der Geschichte ruhen; denn es ist um sic gekämpft worden mit Heldenmut und Todesverachtung, wie um eine. Was übrig geblieben, was aller Wut der Zerstörung standgchnltcn, und sich bis hier• her als unvergänglich bewährt hat, ist die Religion, welcher jene Volkstümlichkeit als eine vergängliche

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