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Jüdische Rundschau · 1912-05-10 · Heft 19 (10.5.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 19 (10.5.1912)
Date
1912-05-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r I I Abonnements tu( £.» %»<kh*nlti«K tm Freit«? er• »cheintwl« ״JUdUch• Rundienau" liotlen bei der Kipedition und bei tllrn l’oilindern vieiuljiihrlirh 1.60M., tuSeil 11b DcuttdiUndi und Oaiterf«i<h-Ung#fn• 2,— M.i (ür Mitglieder jüdi«J1״.r Vereine im Stmmelbe1u7 durch den Verein J,— M. Vor lag JQdladio Hundt chau E. C. in. b. II. 0ERUX UMS, SUchiitche StrafieH. 1. U'pluin: Amt UhUnd 845. Ct•thii(U*tuulen 1 9-1 und 4—7 Uhr, oul r Sonnabend und Sonntag. כ// ח ח 0/ 1/ n״A־ >־ כ /prtn l J olJ IjV׳׳»״ יי^ן B B I B 1 I B B B B I B Anzeigen Veden (ür die tedugopallrnn Petit• *eite oder deren Raum '10 Pf.ן Stellen. Ar.jt»l,u|e und •Cetuihe «owi« Verein«• Mitteilungen und ״Kieme Anreigeo* Q Q nur 30 Pfennig, Q ם Mtnuikriple werden, wenn Porto beiliegt, atcU 1urütVge«.mdl. Hcdtklionuchluät Mittwoch vorinittege, Rodalcttoo JUdUitro Rundaehaii BERLIN W. 15, SdcbaUche Slroße 8, Telephon 1 Amt Uh'end 84$. Sprechitundi n Dirnitng und Dnnneritag ' 5—6 Uhr nadimittag«. f״N r* |\ U 4m G 3MG0O8G כ"/ ך_ר cy /כ״׳ C J U vJ Lzi \J l ITdDlXj /׳P CiD Nummer 19 Berlin, den 10. Mai 19J2 — 23. Ijar 5672 i XVII. Jahrgang Ausweis Schekels Königsberg 29,—, Breslau 1S6,—. Guben 12,--, Stallupönen 1,—, Frankfurt a. O. 7,—, Dresden 25, ־, Zabrze 22,—, Stettin 25,—, Mühlhausen i. Tb. 6,—, Mainz 50,—, Tilsit 28,—, Dortmund 28,—, Chan• nil/. 10,—, Berlin (Hasmonaca) 21,—, Berlin (llerzl• kiul)) 35,—, Berlin 28,—. Landcsorganisationsbeltrügc: 1. Ortsgruppen: Rybnik 15,—, Elberfeld 30, , Breslau 270,—, Guben Ti,—, Frankfurt a. O. 7, -, Zabrze 22,—, Stettin 22,10, Dresden 5t),—, Frankfurt a. M. (Einzclbcitrng) •I,—. Mainz 50,—, Chemnitz 120,—, Dortmund 51,—, Nürnberg-Fürth 60,— , Breslau 3 Einzelbeiträge 9,—, Berlin (Das• nionaea) 31,—, Berlin (Herzlklub) 58,—, Berlin 30,—. 2. Einzelpersonen: Carl Lcvy, Berlin, 5,—, Simon Strand, Cassel, 25,—, David Hamburger, Frank• fml a. M., 5,—, W. Schenker, Dresden. 5,—, A. Nach• iiiaiinsolin, Königsberg, 5,—, Max Markreich, Bremen, 5, -, Dr. M. Jimgmann, Berlin, 10,—, l)r. Sclimar Berloxvitz, Königsberg, 10,—, Albert Fischer, Danzig, 10,—, Henryk Cohn (V. J. St.), Berlin, 5.—, Frau Und. De Taube, Karlsruhe, 5,—, Oberlehrer Calvary, Crossen, 15,—, Dr. Föritz, Gottesberg, 0,—, M. Bo• danski, Kottbiis, 5,—,!•’rau Therese Moser. Frankfurt a. M., 5,— Zahnarzt Alfred Lichtwitz, Guben, 5,—, Frank S. Hermann, München, 25,—, J. Postawelsky, Stalhipönen, 5,—, Dr. Fritz. Müllerheim, Stoip i. I-*., 5, Martin Zernik, Breslau, 5.—, Dr. Otto Jonas, Düsseldorf. 20,—, M. Albam, Königsberg, 5,—, Arthur Stein (V. j. St,), Strallburg, 20,—, DipL-Iug. Hecker. Gleiwitz, 10,—, Max Feig, Gleiwitz, 5,—, Salo Grün• ,- ־ •--׳*׳* “י■ Baer, Köln, ft,-, üerger Gleiwitz., 10,—, karl H Max Elias, Mühlhausen i. Th., 5,- . 3. Verschiedene S p c n d e n Kattowitz. 2,—, Stettin 14,50. Gleiwiu 1,50, Eingang vom 2. bls’8. Mai 19121 Scliekel: 543, M. L u n d e n o r g a 11 i s a t i o 11 s b e 11 r ä g e 1 1130,10 M. Gesamteingang: Schekel: 3058, Landes• 0 r g a n i s n t i 0 n so c i t r ii g e: 10 182,73 M. Unsere Zukunft Für und wider Werner Sombart Matt wird nächstens einmal anfangen müssen, sich ernsthaft mit Sombart auseinanderzusetzen. Es ist kein Schreibfehler: aufangen! Denn, was man diesem zweifellos Bedeutendsten unter allen Nichtjuden, die sich neuerdings griindlieh mit dein Judenproblem befaßt haben, bisher angetan hat, war alles mögliche, von der Hurra• Begeisterung Weniger, die jeder etwas extra- Vaganten Erscheinung zuteil wird, bis zu dem nörgelnden Gckrittele der Vielen, die allem Feind sind, was sie aus ihrer Ruhe stört — nur nicht das eine, was ein Mann wie Sombart verlangen darf, eine ernsthafte Auseinandersetzung. Der Zentralvercin, der wie alle politischen Organisationen, dafür die denkbar ungeeignetste Stelle ist, weil ihm seine Satzung bereits seine Befangenheit attestiert, hat sich gleichwohl — ganz natürlicherweise, denn er fühlt sich ge* troffen — aufgemacht, Sombart zu widerlegen. Daß er die Sache an dem Ende anfängt, wo diese Aufgabe am leichtesten ist, kann nicht weiter wundcrnchmcn. Aber das beweist aus sich, wie überflüssig cs ist. luv letzten Heft seiner Monatsschrift ״Im Deutschen Reich0 findet sich ein offizieller Bericht über eine Vcrsamm• l״n8 des Zentralvcrcins, in der Justizrat Eugen Fuchs-Berlin und Dr. Alfred Goldschmidt-Königs• mitte die Ideen Sombarts, die er in seiner kleinen Broschüre ״Die Zukunft der Juden0 nicdcrgelegt ״at, einer ״scharfen Kritik“ unterzogen. Fuchs sencint viele Mühe daran verwendet zu haben (sein Referat soll im Juniheft in extenso er- ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volle dlo Schaffung einer off entlicli-rcchtllch gesicherten Kclmotütto in Pnlilatina.“ Daaclcr Programm* scheinen!), das Prinzip der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung gegen Sombart zu verteidigen, der bekanntlich u. a. gesagt hatte, die Juden würden von den Staaten die volle Glcichberechtigung erhalten, aber sic müßten die Klugheit und den Takt besitzen, diese nicht überall und nicht in vollem Umfange auszunutzen. Also hat er Sombart offenbar nicht verstanden. Denn daß ein Justizrat und Doctor juris imstande ist, eine sozial und juristisch so unhaltbare These wie die eben genannte Sombarts zu widerlegen, dazu bedarf e's nicht des Beweises eines langen Referates. Das kann jeder logisch denkende Mensch in drei Sätzen. Und im Grunde zeigt diese — wie Sombart selber unmöglich verkennen kann — schwächste Stelle seiner Schrift eben nur, daß er sein System einer ״Juden- Politik“ noch nicht gründlich genug durchdacht hatte, als er damit aus verschiedenen Gründen an die Ocffentlichkeit trat. Aber ihn darum als •Antisemiten ausschrcicn, wie es der Zentralvcrcin versucht hat, das ist noch schwächlicher, als Sombarts scltw.icn.ste Thesen. Und läßt gar z.11 leicht die anderen Molive für diesen Versuch erkennen, die in Wahrheit die treibenden gewesen sind. Zu allem Ueberfhiß hat der zweite Referent jener Ver- Sammlung, den mau sich eigens aus Königshiitto verschrieben hatte, Dr. Alfred Goldschmidt, diesen Hauptgrund der zentraivercinlichen Antipathien gegen den Berliner Nationalökonomen klar aufgedeckt. Sombart hat den Fehler begangen, sich bis zu einem gewissen Grade mit dem Zionism u s zu idemifi/.ieren — woraus manche Zionisten fälschlicherweise die Notwendigkeit einer freundschaftlichen Revanche gcschlos* sen haben —, und das hat ihm die Gegnerschaft aller derer hauptsächlich eingetragen, die überall Antisemitismus wittern, wo man sich ihren aus der Apologetik geborenen, nun schon versteinerten ״liberalen“ Anschauungen über Wissen und Entwicklung der Juden nicht restlos anschlicßt. Der größte Teil der Ausführungen Dr. Gold* Schmidts ist denn auch keine Polemik gegen Somhart, sondern vielmehr eine — Wiederholung Sombarts mit etwas anderer Belichtung. Erst, wo es gegen den Zionismus geht, wird Goldschmidt originell. Er stellt nämlich frisch und frei die Behauptung auf, der Zionismus habe Palüstina aufgegeben! ״Nun hat der Zionismus in der letzten Zeit einige Pflöcke zurückgesteckt: die Palästina ho f f n tt n g ist geschwunden, das Palästina z i e 1 — ohne Palästina ־ ist geblieben. Man sucht die nationaljüdischc Idee im Lande — gewissermaßen als Ortsidcc — ausz.ubreite» und zu vertiefen,“ (״lin Deutsehen Reich“, Maiheft 1912, Seite 212.) Angesichts der Tatsache, daß die reine Palästinaarbeit der Zionisten, die Arbeit in und für Palästina als Land unserer Zukunft, seit dem IV. Kongreß im Jahre 1903, von Kongreß zu Kongreß stärker betont wurde und unter lebhafteil inneren Parteikämpfen einen immer breiteren Raum in unsere.- Tätigkeit und in unserer Agitation einnimmt, ist cs ein starkes Stück, das gerade Gegenteil *u behaupten. Nun sind w 1 r an solche durch Sachkenntnis nicht getrübte Objektivität bei unseren Gegnern ja gewöhnt. Aber was muß ein Mann wie Sombart, der als Nichtjude den Zionismus immerhin erheblich besser kennt wie Herr Dr. Goldschmidt, von einer Gegnerschaft halten, die mit einem solchen Maß von Unwissenheit operiert. Und die ihm, dessen anfechtbarste Kapitel demgegenüber lauteres Wissen enthalten, Unkenntnis und Oberflächlichkeit vorzuwerfen den Mut hat! Vielleicht wird Sombart — die Aufgabe könnte ihn reizen — später einmal ein neues Buch schreiben und darin die Erfahrungen verwerten, die er mit der Aufnahme seiner ersten Publikationen bei den Juden gemacht hat. Sollte das revidierte Porträt der Juden dabei noch wemgcr schmeichelhaft atisfallcn, als das erste, cs dürfte wahrlich niemanden in Erstaunen setzen. Darum ist es hoch an der Zeit, daß man an* fängt, daß Juden, die dazu befähigt und unbefangen genug sind — allzu viele gibt es nicht! —, anfaugen, sich mit Sombart ernstlich auseinanderzusetzen. Natürlich genügt dazu nicht die billige Um* drehung der Sombartschcn These: nicht die Juden haben den Kapitalismus geschaffen, sondern der entstehende Kapitalismus hat die Juden angc* zogen, und sie zu dem gemacht, was sie heute sind. Dam ri.11.1it v.-iid irichis :;cs.!׳•(. Die F1־.,ge wird mir verschoben. Und ebensowenig ist etwas getan mit der Umkehrung der persöulieh-politisehen Anschauungen Sombarts in seiner ״Zukmift der Juden“, indem mau lang und breit erklärt: nein, der Zionismus ist unmöglich, und die Gleichberechtigung ist möglich. Selbst wenn man diese Behauptungen mit wahren, statt mit erfundenen Tatsachen stützt! Wie damit, so ist es mit dem Wissenschaftliehen und mit dem subjektiven Teil der Som* bartschcn Publikationen überhaupt: er hat im letzten Grunde recht, mul er hat doch am letzten Ende ganz und gar unrecht. Aus diesem Gefühl heraus resultiert vielleicht auch, je nach dem Uebcrwiegcn dieser oder jener Stimmung, dieses oder jenes Endeiiidruckes, tic so verschiedenartige Beurteilung Sombarts selbst bei ruhigen und unvoreingenommenen Kritikern. In der Einleitung seines Werkes über ״Die Juden und das Wirtschaftsleben“ gibt Sombart selbst den Punkt, an dem vielleicht am besten der positive Kritiker cinzusetzcn hätte. Dort sagt Sombart (auf Seite X), sein Buch sei ״ein eins c i t i g c s B 11 c h “, und erläutert das dahin, daß er eben die Bedeutung der Jude n für das Wirtschafulebcn untersuchen wolle, daß man natürlieh ebenso die Bedeutung der nordischen Rassen für den Kapitalismus untersuchen oder statt der These ״Ohne Juden kein Kapitalismus“, die andere Behauptung ״Ohne die Entdeckung der Silberschätze Amerikas kein Kapitalismus“ aufstellen könne. Das ist nun aber — der Leser verzeihe das gewagte Bild — nur die eine Seite der Einseitigkeit Sombarts. Denn auch diese Einseitigkeit hat eben noch eine andere Seite. Man könnte — und sollte! — statt unfruchtbarer Polemik, die auf solchem Gebiete selbst dann immer unfruchtbar bleibt, wenn sic mit geschärfteren Waffen und geschickter geführt wird, als von den Matadoren des Zentral- Vereins, die Bedeutung der Juden, nicht wie Sombart für das Wirtschaftsleben, son* dem in Sotnbarts Art und Methode, zum Beispiel, für das geistige Leben, *ür die Wissen*

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