Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1912)
- Date
- 1912-05-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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KnlukllonaiebluUi I I MilUuch voriinllegt.! ן Reduktion JUdUch• RimcUcbait ן I UCHLIN W. IS, SSch.t.ch« Strafe (. ן , | TelepHoul Amt Uliland 8IS. . ן ן Spreiiifctuivijro Diraitiewml Doaneritig | | S-6 Uhr ^Jß \r ח נ־ y ü Cj ü u י־/ נ״־־ # V. ) Nummer 18 * I ץ P r> f J J < ) ־« J ג~׳/ ח _ ח; 1 ( ד־ ג u ü v. j Berlin, den 3. Mai 1912,— 16. Ijar 5672 cy L 3 ר־ 09111 .. 11 1 W m *9» - ••um fxn ■ I 1a ü u vJ XVII. Jahrgang Ausweis Schckcl! Mölsheim 2.—, Mülhausen (Eis.) 80,—, Pforzheim 3,—, Hohensalza 5,—, I ialhcrstadt 12,—, mihtsch 8,—, Kosclimin 12,—, Königsberg 18,—, Berlin 19,— M. % י Lnndesorganlsatlonsbeltrlige: 1. <> rl sg r 11 |> p c n: Zwickau 60, . MoUtcim 2, - , Asclinflenbiirg 2, , Mülhausen 211), , Bcmlicn 150,—, I Ialhcrstadt 50, Miiilsch 7, , I rciburg 10, , Oncsen ■10. , Hohcusal/a 21,- , Berlin I, . vier Einrclbciträgi11 ׳, , Verein West• Berlin 10, , Posen (Spezifikation folg!) .193 M, 2. E i 11 / e I ji e r s o 11 e n: B. Spir.1, Pforzheim V*. Adolf Pollak, Berlin 5,-, Redmamvalt Dr. Zirker, Berlin 10, , Carl Soherskv, Berlin 1(1, , Herbert Schwarz, Berlin 5, , Adolf I )ess.mer, Berlin 6,־-, Rechtsanwalt Dr. lielimit l'riedeinaiin, Berlin 20, |)r, Julius Loewenlieini, Berlin 20, , Georg Wolff, Berlui 5, , l)r, i־clsenlh.1׳l, Mannlieiin 10, , Dr, Theodor Xlocisti, Berlin 20,״ , Betty Ociuant, Piplin 5, , Apotheker Boscliwitz, lelinitz 5, , L, Fricdmann, Mainz 6, , Adolf Joseph, Filchne 10,--, W. Perlis, Königsberg 10, *, Paul Koopinann, Bonn 10, , Dr. Ludwig Wassermann, München 10, ־, Max Outtiuann, Breslau 10, M. i. Verschiedene Spenden: Kattowitz 5,- , Ools 6,50 M. Eingang vom 26. April bis 1. Mai: Schekel: 159, M., Laiitlesorjptnisalionsbeifr.'ige: 1319,5!) M. Gesamteingang: Schekel: 2515,- M., Landes• organisationsbeilräge: 9052,63 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Voroinigung für Deutschland, Berlin W, 15, Sächsische Strafte 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bank• konlo ן a. H. Huyimmn &• Co•, Berlin, Unler den Linden 59. Zehntausend Nach den neuesten Aufstellungen über die jüdischen Kolonien in Palästina ist die Zahl der auf l.uulwirtscliaftliclier Basis angesiedelteu Ein־ Wanderer mniinelir auf ca. 10000 angewachsen. fm Verhältnis zu dem Umfang, den in denselben letzten 30 Jahren die städtische Einwanderung in Palästina angenommen hat (nämlich ungefähr 60000), ist dies sicherlich nicht viel. Immerhin aber hat in den letzten zehn Jahren fast eine Ver- Doppelung der Kolonistenzahl stattgefunden, und in einzelnen unserer Ansiedlungcn ist sogar ein noch viel höherer Zuwachs zu verzeichnen. Auch die Zahl der jüdischen Ansied tun־ gen im Laude ist in diesem Jahrzehnt von ‘25 auf •11 angewachsen, und wichtiger als all dies ist, daß die Kolonien, die früher trotz der großen zur Verfügung gestellten Mittel in ihrer Existenz keineswegs gesichert schienen, in der Zwischenzeit den Beweis für ihre Lebensfähigkeit erbracht haben. Heute zweifelt niemand mehr, daß die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Paläsüna — trotz all der zahlreichen Schwierigkeiten — sich schließlich zum Erfolg diuchgezungen hat, und daß auf dein bcschrittcncn Wege in naher Zukunft noch viel größere Erfolge zu erzielen wären. Besonders erfreulich ist der Zuzug vom Aus- Jand her, der in den letzten Jahren auch kapitalkräftige Ansiedler ins Land gebracht hat, und die neuerdings mehr und mehr in Aufnahme kommende Beschäftigung jüdischer Arbeiter im Kolonlcbctricbe. Es hat sich im Laufe der letzten Jahre auch gezeigt, daß die jüdische Landwirtschaft im Orient ihre besten Resultate auf dem Gebiete der i n ־ lensiven Kulturen erzielt, und da Palästina und seine Nachbarländer zu den Vorzugsgebieten für eine ganze Anzahl von Spc- .--J-—. . .. mm. .>ךו 2 ״lud* 2ionIar.ua trairebt für das I Voll: üia Cclinffungclncr üffent• 1 Iic!1-rec!1UcIa gcalchcrt.cn Ilehnatr.Uo In I *“ Dascler Programm. f 18*—■Min 1>ןו■ —<n*——M———I /ialknltuivn gehören, so können wir auch sicher sein, daß jüdische landwirtschaftliche Betätigung in diesen Ländern für alle absehbare Zukunft ein reiches l eid auch i n n e r 11 a I h der speziellen jüdischen Tätigkeit finden wird. Merkwürdig genug geht die a I i g e m e i 11 e landwirtschaftliche Entwicklung der Kultiustaaten einen Weg, auf dem sie den jüdischen Bestie* bungen auf halbem Wege entgegenkunnnt. Oie Landwirtschaft industrialisiert und ״ver* w i s s e n s e h a f 11 i c 111“ sich nämlich zusehends, und daß der Jude für Wissenschaft und Industrie hervorragend veranlagt ist, unterliegt ja keinem Zweifel. In dem Maße also, in dem jene Ent- Wicklung der Landwirtschaft vorwärtsschreitct, kommt sie den jüdischen Bestrebungen auf Rückkehr zur Landwirtschaft entgegen, und in wissenscfiaftlicli betriebener, industriealisierter Land- Wirtschaft, haben wir Juden die beste Chance, bald an der ersten Stelle zti rangieren. Schon unsere kleinen Anfänge in Palästina haben tlas gezeigt. In manchen Spezialitäten leisten die Juden nach dem Urteil einwandfreier l'aelikeuuer Besseres, als Ihre arabischen und sogar als ihre deutschen Nachbarn. Im Orangen• bau sollen sie, hinsichtlich der Technik und der Sorgfalt in der Arbeit, selbst den besten Baumzüchten! der Welt überlegen sein! Das sollte zu denken geben. Gerade in der Baumzuclit macht sich jedes Plus an Sorgfalt־ am höchsten bezahlt, und wenn unser Element hierfür Neigung zeigt, so sollte das mit allen Mitteln weiter gefördert werden. Statt dessen sehen wir allzuoft, daß unsere Landwirtschaftsschwärmcr den ״Pflanztmgskolonisten“ nicht recht als voll ausehen. Das sei ja gar kein ״Ackerbauer“. Und das Ideal dieser wahrbatt sonderbaren Schwärmer besteht viel eher darin, es dem Ochsen an Kraftentwicklung und ״Methode“ glcichzutun, als eine rat i o n c 11 c Landwirtschaft anzustreben. Das erklärt es auch, weshalb bei uns soviel von Land- Wirtschaft im allgemeinsten geredet wird, ohne daß jemals in nennenswertem Maflc die Fortschritte erwähnt werden, die jener uralte Be* ruf in der letzten Generation gezeitigt hat. Jene ״neue Landwirtschaft“, in der die Hoffnung des Menschengeschlechts liegt, jene haben wir noch kaum gestreift; allenfalls ist dafür bei einigen ein wissenschaftliches Interesse (— fast hätte ich gesagt: auf mikroskopischem Wege —) festzustellen. Uns aber sollte die Wissenschaft nicht imponieren, die uns bestenfalls für die Zukunft Vorteile verspricht, während ״angewandte Wissenschaft“ uns heute schon (und gestern und vorgestern) Material genug bielen konnte, um unseren landwirtschaftlichen Erfolg zu bcschleunigen und zu vervielfachen ... Zehntausend! Es gibt Leute, d<edamit furchtbar zufrieden sind. Solche sollte man aus Be- Strebungen ausschiicßcn, deren Existenzberechtigung in der Unzufriedenheit und im Vorwärts• wollen liegt. Wir sind auf den Plan getreten, um ״die Juden frage zu lösen“, um den jüdischen Massen im neuen Lande eine kulturelle und wirtschädlich neue Existenz zu schaffen, aber angcsichts des überbescheidenen Resultats wird ״aus der Not eine Tugend“ gemacht und von nicht wenigen das so Unzulängliche zum rauschenden Erfolge umgefälscht. Jene Zehntausend sind zehntausend mehr, al9 wir vor 30 Jahren hatten. Wir wollen’s nicht unterschätzen. Gewiß nicht. - Aber die lieber- Schätzung des (!(.׳leisteten ist nicht nur — wie jede falsche Schätzung - ein Fell Ier, sondem dieser Fehler ist fortscliriltfciudlich und deshalb mit besonderer Schärfe zu bekämpfen. Einer unserer Bewährtesten schrieb kürzlich, solange wir nicht jährlich wenigstens Zehntausend in Palästina ansinleln können, solange können wir Palästina nicht als Losung der Frage und auch nicht als einen beachtenswerten Anfang dazu hinstellcu. Er hr t recht.. Freilich, die großteil Möglichkeitei׳ liegen in den städtischen und industriellen Berufen. Aber schon der landwirtschaftliche (und noch mehr die Kombination beider Berufe) bietet ein Vielfaches der bis jetzt ausgeniit/teu Möglichkeiten. Trachten wir also, daß unsere ersten 10000 ״Kolonisten“ — ebenso wie unsere ersten 100 000 ״Städter“■ - bald zu Ziffern ainvachsen können, in denen wenigstens ein Anfang der Lösung unserer Emigraticmsfrage zu erblicken wäre. Davis ,Trictsch. Die Judenmetzeleieii in Fes Die Pariser Bläticr bringen grauenvolle Einzelheilen über die Plünderung des Judeiiviertcls in Fes und die entsct/.Iidie Lage der 12000 obdachlosen Juden. Hubert Jacques, der Berichterstatter des ״Matin“, schreibt seinem Blatte 11. a.: ״Die Plünderung der Mcllnli (des Judcnvicrtels) mit seinen 12 000 Einwohnern war derartig gründlieh, daß nicht der kleinste Vcrkaufsgcgcnstand in (len Läden, nicht das geringste ganze Einrichtungsstück in den Häusern blieb. Was wegen seines Gewiclits oder Umfangs nicht weggcschleppt werden kotuilc, wurde an Ort und Stelle kurz und klein geschlagen. In diesem Stadtviertel, das sonst von einem lärmenden und bunten Leben erfüllt war, blieb kein einziger Einwohner. Zweitausend Soldaten, unterstützt von Bewohnern von Fes, deren Zahl nie bekannt werden wird, haben volle drei Tage an die Plünderung gewendet. Bisher wurden fünfzig Judcnleiclien aulgefunden. Mehr als doppelt so viel liegen nocli unter vier Meter hohem Schutt, In ganzen Straßen reichen die Trümmer bis zur Höhe des ersten Stockwerks. Die Häuser, deren Vorder- Seite völlig eingestürzt ist, lassen die Hinterwände der Wohnungen sehen. Das heftigste Erdbeben hätte kein erschreckenderes Bild schaffen können. Am ersten Tage wurde nur geplündert. Als die Räuber jedoch das Viertel verließen, sagten sie: ״Morgen kommen wir wieder, utn euch ab/uschlachten.“ Sic hielten mich Wort, doch konnten in der Nacht die Bewohner durch eine neue Pforte, die vor kurzem in der Stadtmauer durchgebrochen wurde und die sich unmittelbar auf die nach dem franzosisclicn Lager von Dar Dchibagli führende Land* Straße öffnet, aus dem todgeweihten Stadtviertel fliehen. Der Sultan nahm in dem Hof seines Palastes auf, was sich dahin flüchtete. Er ließ an die Flüchtlinge alle Konserven verteilen, die in Kisten verpackt waren und als Mundvorräte für den gcplan* ten Zug nach Rabat dienen sollten. Das genügte aber nur für eine kärgliche Mahlzeit, und die Unglückliehen wären Hungers gestorben, wenn die französtsehe Militärverwaltung und das englische Konsulat sic nicht am folgenden Tage ernährt hätten. Die Frage der Lchensmittclbeschaffung ist übrigens eine äußerst dringliche, da Fes nicht genügend Vorräte enthält, um eine derartige Menschenmenge auf