Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1912)
- Date
- 1912-04-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sctit* 147 Nehmen wir nun an, eine solche Austrittserklärmig erfolge, siml die ausseheideiuleii Gemeinden berechtigt, ihren Beitrag für das laufende Geschäftsjaltr, — nur «in: dieses handelt es sich — zu verweigern? Antwort hierauf gibt uns § 10 der Satzung. Er lautet: ״Der Austritt aus den» Bunde steht den ordentliehen und aulkrordentlichen Mitgliedern jederzeit nach erfolgter schriftlicher Anzeige an den Aus* schliß frei. Diese Anzeige muß, wenn der Austretende von der Zahlung des nächsten Jaliresheitrages befreit sein will, mindestens 6 Wochen vor Ablauf des Geschäftsjahres («f 31) bewirkt werden,׳' Hieraus ergibt sich klar und deutlich: Ein nach dein 20. Februar 1012 erfolgender Austritt kann auf die Meitrigsleistung für 1012 keinerlei Einfluß ausiiben, sondern kommt erst für 1013 in Betracht. Da es nun dein Ausschuß, wie seine Freunde sagen, vollkommen femgclegen hat, eine leere Drohung uuszusprecheu, so bleibt nur die unangcnehme, aber unwiderlegliche Schlußfolgerung übrig: ״Der ,Ausschuß des D. J. G. B. kennt sein eignes Statut nicht!“ Quod erat demonstrandum. Der Standpunkt der oberschlesischen Gemeinden Die Kämpfe innerhalb des D. J. G. B. haben auch hier .n Oberschlesien ihren Widerhall gefunden. Au* fünglich schien allerdings der Ausschuß gewonnenes Spiel zu haben. Der Geheimerlaß des Professors P 11 i i i p p s o 1111 war auch hierher gelaugt, und er fand in dem׳(Vorsitzenden des Bezirksvcrbnndcs, Justiz* rat Dcrgcr, Kölugshüttc, einen ebenso getreuen wie ׳׳crständnisvollen Helfer. Von den kleinen Syuagogeu-Gemcinden des lk•• zirks wurden die Blankovollmachten auf dem ge* wohnlichen Dienstwege eingeholt, und che noch die Männer von der Gegenseite überhaupt ahnten, daß ein D. I. G. B.-Tag bevorstehe, war das Feld ahge* grast. Doch in der Folgezeit verliefen die Dinge für die Herren nicht mehr so ganz nach Wunsch. Die Aufklärungsarbeit der (,resse mul die Rund* schreiben der Opposition haben ihren Dienst getan. Es bildete sich ein freies Komitee aus den (k•• mcindevorständen von Tarnowilz, Gr.-Strchlitz und Nicolai, und dieses hat dann für den 17. März, eine Konferenz der kleineren und mittleren Gemeinden Obcrschlesiens nach Kattowitz oinberiifcn. Auf dieser Tagung fand unser geschätzter Mit* arbeiter, Herr Rechtsanwalt Dr, Ko Menscher* Posen Gelegenheit, vor den (iemeiiulevertretern überaus klar und wirksam den Standpunkt der Opposition in der Statutenfrage zu entwickeln. Es waren zwar auch die Herren Justizrat Her* g e r * Konigshiitte und Generalsekretär Neu in :111 n vom D. J. .O. B. anwesend, aber man kann nicht sagen, daß sie in der Vertretung des olfiz.icllcn Standpunktes eine glückliche l laml bewiesen haben. Den• noch zeigte sieh aut der Tagung ein, wenn auch ge* ringes Debcrgewielit der Meinungen zugunsten׳ des sogenannten Koinnroinißnntrages Apfel, welchem sieb die vertretenen. Gemeinden mit sechs gegen fünf Stimmen zii/uneigen schienen. Dieser Erfolg war jedoch ein äußerlicher, da der Vertreter der Gemeinde Zabrze, welcher gegen jede Beschränkung des pas* sivett Wahlrechts gestimmt hätte, noch vor der Ahsiiin« imuig die Sitzung verlassen mußte, und auch die Ge• incinde Gr.'Strehlitz stimmte zur allgemeinen lieber• rasclumg gegen die Richtung, zu welcher sie sich durch die Einberufung der Konferenz, von vornherein, bekannt hatte. Die Losung des Rätsels ist die, daß der dortige (iemeiiulevorsitzendc infolge eines plötzlich eilige• irdenen Unwohlseins nicht kommen konnte und an seiner Stelle ein Herr erschien, der, inan weiß nicht weshalb, seine eigene Gemeinde desavouierte. Inzwischen hat auch die Syiiagogcngemcimk• Kattowitz zu den Dingen Stellung genommen mul den Gemeindevorsitzeiulen, Herrn Stadlrat Wiener, zur Teilnahme an der Tagung des D. J. ü. B. delegiert und auch für den Obcrschlcsischen Bezirkstag in Oppeln, der sich am 5. Mai unter persönlicher Be• leiliguug des 1 lernt Professors PUsUppsohvt mH dieser Materie befassen wird, als ihren Vertreter bestimmt. Die Gemeindekollegicn Itabeti in gemeinschaft* Heller Sitzung ihren Standpunkt dahin gekennzeichnet, daß einer angemessenen, Vermehrung •der Stimmen• zahl für die Großgemeiudcn nicht widerstrebt werden soll. Hingegen sei jedwede Beschränkung des passiven Wahlrechts die Zustimmung zu versagen. Möge diese wackere Haltung seitens der größten nberschlesisclien Gemeinde dazu dienen, den übrigen Bezirksgemeinden das Rückgrat zu stärken. ft AUS.ALLER WELT ״ Deutschland Der Gesetzentwurf über die israelitische Reti* ßionsjjemeinscliaft, der dieser Tage die wiirttcm• hergisclie Kammer beschäftigte, gab dem Abg. Dr. Nübling Anlaß zu einer 1uit Heiterkeit aufge* nominellen Rede, worin er sich gegen die Bezeichnung!.israelitisch“ wandte, die durch jüdisch ersetzt werden sollte. Israelit bedeute Gottesstreiter und er könne nicht zugeheu, daß die Juden gleichsam amtlich als die wahren Gollesstrciter bezeichnet werden. Als Kultusminister Fleischhauer darauf bemerkte, seine Gelehrsamkeit reiche nicht aus, sieh mit Dr, Nübling hierüber auseinauderzusetzcii, suchte letzterer seinen Standpunkt noch ausführlicher z,u begründen, er fand aber nicht einmal hei seinen konservativen Fraktionsgenossen Auklang für die von ihm gegebene Anregung, Ernsthafter wurde die Erörterung geführt über den Antrag des staatsrechtlichen Ausschusses, die Worte ״israelitische Religionsgemeinschalt“ in ״israelitische Landeskirche“ umz.mvaiidchi. Der Be• richterstatter des Ausschusses, der Abg. Kübel, und ebenso der Abg. Dr. v. Kiene, der den Antrag im Ausschuß gestellt batte, wiesen darauf hin, daß im Gesetz immer wieder, zum Teil in einem Artikel mehrmals, die Ausdrücke: kirchliche Angelegenheiten, Kirchenverfassung, Kirdicnvorstclier, Kirdienkassc usw. gebraucht sind. Der Abg. Dr. Wolff beantragte jedoch Wiederherstellung der Regierungsvorlage, da der Ausdruck Landeskirche für die israelitische Reli• gionsgemeiiischaft nicht zutreffend sei; denn den Ausdruck Kirche könne inan nur auf die christliche Kirche ninvenilen. Der Antrag Dr. Wolff wurde auch angenommen -־ der Abg. Dr. v. Kiene sali sich von seiner Fraktion diesmal im Sticli gelassen — aber wenig hätte gefehlt, so wäre hierauf der Art. I ah• gelehnt worden, da zu denen, welche am Ausschuß• antrag festlialten wollten, die Sozialdemokraten sich gesellten, die ihren prinzipiellen Standpunkt für Trcn• nung von Kirche und Staat auch hier durch Ab• lcimung des ganzen Artikels zum Ausdruck bringen, wollten. Docli entschlossen sich, von Parteifreunden, ermuntert, einige der Herren, sich noch von ihren! Sitzen zu erheben und so verwandelte sich die an• taugliche Minderheit in die Mehrheit und unter einiger Heiterkeit des Hauses konnte der Präsident den Art. 1 für angenommen erklären. Die Unstimmigkeit, auf die zur Begründung des Ausschußantrages hinge• wiesen worden war, bleibt aber im Gesetz, da einer Anregung des Abg.'Dr. Wolff, auch hier entsprechende Aciidcriingeii, 7r B. Kultangelegcnhciten für kircli• liehe Angelegenheiten usw. vorzunchmen, keine Folge gegeben wurde. Oesterreich Den C11 r i s 11 i c h s o •/ i a 1 e n hat der erste Tag der Gemcindcratswnhle» bereits eine schwere N i c d c r 1 a g e gebracht. 21 Mandate gelaugten beute zur Besetzung. Davon ׳hatten bisher die Christlich• sozialen I I Maudnlc und die Sozialdemokraten 7 in ne. Von diesen I I Mandaten haben die Clirisllichsozialciii mir 4 behaupten können, itind •auch diese mir mit sehr geringer Majorität, in zwei Bezirken sogar mir mit je sechs Stimmen. Sechs Mandate fielen den Sozialdemokraten zu. In II Bezirken kommt es zur Stichwahl und zwar in drei Bezirken zwischen Christliclisozialcn und Liberalen, in acht Bezirken zwischen Cliristlichsozialcn und Sozialdemokraten. Auch diese Stichwahlen worden zu uiigunsten der Christlich• sozialen atisfallcu, da die Liberalen und Soz.ialdeiuo* ( kraten /tisaiiimengeheit, so daß die Christlichso/.ialen, ' im vierten Wahlkörper mindestens sieben Mandate verlieren. Die l )cutsehfreiheitliehen dürften drei, die Sozialdemokraten vier Mandate gewinnen. Galicien Sonntag, den I I. April, tagte in Lemberg eine Laudcsversantnilung der jüdischen Schächter und KuUusbeamtcn Galiziens, an der ca. 10 Delegierte aus verschiedenen Städten Galiziens teilnalunen. Die Versammlung beschloß die Gründling einer Organi• sation der Sehächter und Kultusbeamten, deren Haupt• aufgabe die Wahrung der wirtschaftlichen und Standes• interessen der Schächter bilden soll. Es wurde ein Komitee zur Ausarbeitung der Statuten eingesetzt. Griechenland Aus Anlaß der Jubiläumsleierlicbkeiten hat die hellenische Universität in Athen 00 Ausländer, unter ihnen auch Dr. Max Nordau, zu Ehrendoktoren ernannt. Türkei In Konstantinopel hat sich Vor kurzem eilte national-jUdische Studentenverbindung gebildet, die den Namen ,,A g u d a t h H a 111 i t lt 1 a 111 d i m 11 a- I b r i nt 11 a - 011 o in n n i nt B e ־ K 11 s c 111 a" trägt. Die neue Verbindung will unter der jüdischen Hoch* Schuljugend Konstantinopels für die Verbreitung der hebräischen Sprache, und Literatur, sowie für die Pflege des Nationaljiidcntuins überhaupt wirken, und ihren Mitgliedern auch materielle Hilfe bieten. Die Verbindung nimmt auch gegen Entrichtung eines Jahresbeitrages von 10 Frcs. außerordentliche Mit* glieder auf, die keine Studenten sind, aber mit den Bestrebungen der Verbindung sympathisieren. Die neue Verbindung hat auch ein Informations-Bureau eingerichtet, welches auswärtigen Kommilitonen Aus* ktmft über die Immatrikulationshcdingungcn an den Koitstantinopeler Hochschulen, sowie über die Lcbcusvcrltähiiisse in Konstantinopel usw. erteilt, den Mitgliedern Unterrichtsstunden nachweist usw. Adresse der Verbindung ״Agudath Hamithlaimlim“, Konstan* tinopcI-Galata, Postc Turque, Boite Nr. SO. Afarokko Aus Fez wird vom 3. April gemeldet: Ein fran* zösisclier Unteroffizier verhaftete einen israc* litisclien Händler, den er beschuldigte, daß er den Eingeborenen Patronen verkaufe. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf ein Askri und der jüdische Händler verwundet wurden. Eine israclitische Abordnung legte bei den Behörden Be* schwenk ein, wobei sie ausfiibrte, daß die Askris, angclockl durch die Belohnung, überall Waffen- Schmuggler sähen. Die Untersuchung ist eingeteitet worden. PALA€STINA:RUNDSCHAU Aus Kccliobot lt wird geschrieben: Wie alljährlich fanden auch diesmal in unserer Kolonie während der Hnlhfcicrtage des Pcssachfostes öffentlich c I e s t s p i e 1 e statt. Das Programm der diesjährigen Festspiele umfaßte folgende Punkte: 1. Turnübungen; '2. ScimeH.it*fen; 3. Pferdewettreunen; 4. Riiigkämpfe; außerdem Schießübungen, Wasserspiele usw. Am Abend fand unter Mitwirkung des Herrn Mopenko von der Jaffaer Musikschule ein Konzert statt. Zu den Festspielen hatte sich ein zahlreiches Publikum ans Jaffa, Jerusalem und den jüdischen Kolonien ciugefunden. Eine Anzahl Preise gelangten zur Verteilung. * In der jüngst abgelialtenen fünften ücneralvcr- Sammlung der jüdischen Winzergenossciisrhnft Pa* lästinas wurde über die Ahsatzvcrhältnissc des Weines im verflossenen Jahre folgendes bcrichtet: Der Absatz belief sich insgesamt auf mehr als II000 Hektoliter (gegenüber 31000 Hektoliter int vorhergehenden Jahre). Hauptabnehmer war Aegypten mit 14 000 Hektoliter, darauf folgten die übrigen Länder des Orients mit 12000 Hektoliter; die Schweiz war an dem Absatz, mit 4300 Hektoliter beteiligt, Frankreich nahm 3100 Hektoliter ab, Rußland 2800, Deutschland 2130, Amerika 1780 und Galizien 600 Hektoliter. Der Absatz weist seit vielen Jahren eine steigende Tendenz, auf und ist noch sehr ausdeluumgsfähig. Die Winzergenossenschnft plant, an zahlreichen europäischen und überseeischen Plätzen neue Verkaufsstellen ein/.uriebten. * Die Deutsche Levante-Zeitung, die schon mehrfach in wohlwollender Weise über unsere Bewegung berichtete, bringt in ihrer Nr. 4 einen längeren, sehr instruktiven Artikel ״Die jüdische Kolonisation Pa* liistinas“, den wir der Aufmerksamkeit unserer Leser empfehlen. ־ruRnen 5.sport Zum V. Jüdischen Turnlag Der jüdischen Ttirnsaclie hat mau neuerdings in Zionistischen Kreisen erhöhte Aufmerksamkeit entgegeugehraeht. Die uatioualjüdisehe Erziehungsarbeit, die seit Jaltr und Tag in unseren Turn- und Sport* vereinen geleistet wird, wird heute von fast allen, die hei uns an diesen Dingen Interesse nehmen, voll gewürdigt. Weniger vertraut dürfte die Mehrzahl unserer Leser mit den ernsten turnerischen und sportlichen Prinzipien sein, nach denen die praktische Tätigkeit der Turnei Schaft geregelt wird, lut Aprilheft der ״J ü d i s c h c n T u r 11 / c i t u n g״ gibt der Verbandsturnwart, Erich Burin, die Bestimmungen für die turnerischen und sportlichen Wettkämpfe bekannt, die gelegentlich des zu Pfingsten stattfiiidendeii V. Turntages in Berlin ansgelrageii werden sollen: Sonntag, 26. Mai, 8 Uhr morgens. Turnhalle h z. w. Turn h o f: I. Gerätewetturnen fiir Turner, Fünfkampf. Mehlungen bis 20. Mai. Reck, Barren, Pferd (je 2 Pflichiiilningen, l Kürübung), I loclispriing, I langein. Pflichtübungen. I. Reck. A, Schwungubting (Höehstwcrtuug 10 Punkte). Aus dem Seitstreckhang Schwingen und Schwungstemmen in den Seitstreckstütz, vorlings mit gleichzeitigem Uebcrspivizcn I.. Knievvellumscltwimg rückwärts und Rückspreizen 1״ Kipplage und Kippen in den Seitstreckstütz. (Abhangskippe), freier relguntschwung in den Seitstand vorlings.