Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 128 I U EPISCH E RUNDSCHAU Nr. 15 5: AUS ALUSR WaT « Russland linier den jüdischen Arbeitern H11ssjsch־C*<>U*ns |*t gegenwärtig eine vom ״Jüdischen Arhoileilmiid" cingeieilele I* ro I c »I h e w e g 11» g im Gange, die sien neuen die Sclbstvcrwaltungsvorlagc In Ulis• sisch-Polen, eine Spottgelmrt des russischen Chonvinismus und des polnischen Nationalismus, richtet. ״Die bürgerliche» Vertreter der verfolgten und unterdrückten polnischen Nation - heißt es in diesem Protest, der in zahlreichen Arbcilerversainmhmgen zur Annahme gelangt - hnhen den russischen Nntio* «inlisten öffentlich die Hand gereicht, uni mit ihnen vereint gegen die Juden ins Feld zu ziehe». Von der ״schwarzen Hundertschaft“ unterstützt, trat das!Klinische Kolo in der Duma mit einer Reihe anlisemitischer Anträge hervor, und die gesamte Inirgcrliehe polnische Presse, die sogenannte ״progressive" nicht ausgenommen, griff die antisemitischen Losnngen ihrer Abgeordneten auf. Die Einschränkung der Hechte der Juden ־— das ist die einzige Losung der polnischen nationalen Selbstverteidigung. Olmmächtig im Kampfe gegen die russische Ucgierung lind (len russischen Nationalismus, rächt sich der polnische Nationalismus au den Junen, die am stinksten der Verfolgung des gemeinsamen Feindes aller Völkerschaften Rußlands ausgcselzt sind. Der wilden Hetze des bürgerlichen Nationalismus müssen die Arbeiter, ohne Unterschied der Nationalität, ihre Soli* darität, das Bewußtsein der Einheitlichkeit ihrer Intcressen gegeniiberstellcn. Indem das klasscnbewußte Proletariat den vermeintlichen bürgerlichem ״Verteidigern“ der unterdrückten Nationen die Maske vom Antlitz, reißt, führt es nicht mir den Kamp! gegen alle Arten des nationalen Hasses, sondern gegen die ganze Gesellschaftsordnung, die diesen Haß hervorruft.“ In hczug auf den Gesetzentwurf seihst stellt die Protestresolution fest, daß er den elementarsten dem״• kratischcn Forderungen widerspricht, indem er den breiten besitzlosen Massen der städtischen Einwohner das Wahlrecht raubt. Mehr als alle anderen würde darunter die Arbeiterklasse zu leiden haben. Die Tätigkeit der städtischen Selbstverwaltung, werde einer strengen Kontrolle der Kegieriuigs* beamten unterstellt und von deren Willkür nbhiingig gemacht. ,Endlich schafft das Ocsetzesnrojekt eine ganze Reihe neuer schädlicher nationaler!legren־ zungeu für die jüdische Bevölkerung, vor allem für die jüdische Arbeiterklasse. Aus dieser Erkenntnis heraus verwirft die Pro- Icstresolution der jüdischen Arbeiter Russisch-Polens das reaktionäre, volksfeindliche Machwerk der rnssisehen und polnischen Rassenbelzer und verlangt, im Anschluß an die allgemein-politischen Forderungen der Sozialdemokratie Rußlands, auf dem Gebiete der städtischen Selbstverwaltung: ein demokratisches Wahlsystem, eine unabhängige Selbstverwaltung, die Votlbercehtigung der polnischen und der jüdischen Sprache und üebertraguiig der Steuerlast auf die besitzenden Klassen. Tausende von jüdischen Arbeitern haben׳ dieser Resolution auf Massenversammlungen ihre Zustimimmg gegeben. Die sozialdemokratische Duma• fraktion erhält täglich Protestkundgebungen, die mit zahlreiche» Unterschriften bedeckt sind. So wurde, aus Lode ein Protest an die Fraktion gesandt, der von I51M) jüdischen Arbeitern unterzeichnet wor* den ist. * Soeben wird in Kiew bekannt, daß auch eine Anzahl der angesehensten französischen Gelehrten, Politiker, Künstler und Schriftsteller eine ״Imliehe Protesterklärung gegen den Ritualmorchvahn veröffcntlicht haben, wie sie die Männer des öffentliehen Lebens in Deutschland erlassen hatten. Auch in Oesterreich und Dänemark veröffentlicht die dortige Presse Kundgebungen gleichen Inhalts. Die ״echtrussisclnn“ Zeitungen scheuen sich natürlich nicht, über die Unterzeichner der Proteste in Uer imflätigsten Weise ber/ufallcn und die Wirkung der Kundgebungen dadurch abzuschwächen, daß sie hebaupten, die protestierenden Intellektuellen des Aushndes seien samt und sonders Juden und Freiin au rer. Trotzdem haben diese Kinulgcbungen, die von sämtlichen großen Tageszeitungen wörtlich oder m abgedruckt werden, ihre' Wirkung nicht verfehlt. Wenn die Protesterklärungen nur, wie man hoffen kann, d i c Folge haben werden, die schämlose!Pogromhetze, die jetzt vor dem Passnilfeste in Kiew und anderen Städten Rußlands in gewissenlosester Weise geschürt wird, ein wenig cinztidämmen und neue Judcnmctzclcien zu verhüten, so werden sic ihren Zweck vollkommen erfüllt haben. * Zu einer in Kiew noch nie gesehene», überwältigenden Trauerkundgebung gestaltete sieh das Leichenbegängnis des in allen Kreise» der russischen Jiidciiiuit hochverehrte» Vorkämpfers der national• jüdischen. Bewegung, Professor M n x M nudc I - stamm. Man scluitzt die Zahl der Personen, die dem Sarg folgten, auf 30 000, Männer und Frauen, Vertreter der höchsten Gesellschaftskreise und jiidisehe Arbeiter. Soldaten, Studenten und Studentinnen in großer Zalil, die Zöglinge der Waisenhäuser und die Schüler der Chadarun gaben Prof. Mandclstamm das letzte Ocleit. Jüdischen Studenten gelang cs in musterhafter Weise, den unübersehbaren Zug zu ordne״ und die Ruhe aufrecht zn erhalten. Auf den Straße״, durch die sich der Zug bewegte, stockte jeder Verkehr. Die Straßenbahnwagen hielten, Droschken und Autos mußte» stehen bleiben. Die jüdischen Läden waren geschlossen, überall brnnnteu die elektrischen Lampen. Es herrschte eine liefergriffene Stimmung, der sieh mich die nichtjüdische Bevölkerung nicht entziehen konnte, Die Organisation jüdischer Aerzte In Kiew heschloß auf Antrag ihres Vorsitzenden, Dr. Hcnilcrsky, das Andenken Prof. Maiidelstamms durch Gründung einer Hochscnule in Paläst Ina auf seinen Na inen 7,u verewigen. Serbien Jetzt, wo Serbien vor den Skupschtina-Wahlem stellt »ml das Volk um so erregbarer ist, benützen• einige Belgrader Tagcsblätter, namentlich ״Strascha“ mul ״Wetschcrni Novosti“, die Gelegenheit, kirnstlieh eine feindselige Stimmung gegen die Juden hervorziirufen. So wollen diese Zeitungen dem im allgemeinen wenig gebildeten Publikum cinrcdcn, daß an der Benützung nichtscrbischcr Sprachen in den Belgrader Bankgeschäften, an der Irreligiosität der Jugend, ja sogar an der für Serbien ungünstigen Anncxini! Bosniens durch Oesterreich-Ungarn bist ausschließlich Juden schuld seien. Die {Mütter fordern die Seihen auf, hierfür an den] Juden Rache zu nehme».• Diese Hetzereien sind um so grundloser, aber auch bedauerlicher, als es ja bekannt ist, daß in Serbien die Juden nicht einmal ein halbes Prozent der Gesamtbevoikerung bilden und sich infolge ihres jederzeit korrekten Verhaltens bei der übrigen Bevölkcrimg wahrer Beliebtheit erfreuen. Die Führer der serbischen Juden sind auch wegen dieser in Serbien ganz, unbekannten antisemitischen Hetzereien bei der Regierung vorstellig gewesen und erhielten dort di« beruhigende Antwort, daß die serbische Regierung niemals Ausschreitungen gegen eine Nationalität oder Konfession /»lassen werde. Türkei Letzten Mittwoch fand, wie aus Konstnntiiiopcl berichtet wird, in der Militärakademie von Pancali in Gegenwart des Sultans die Vcrtcihmg der Offiziersdiplomc an jene Zöglinge, welche das Offiziers• ex,»neu mit Erfolg bestanden bähen, statt. Unter ihnen befand sich mich ein Jude. Es ist dies der erste jüdische Offizier in der moderneu ottomanisehen Armee, Die Eidesleistung der neuen Offiziere fand unter besonderen Feierlichkeiten statt. A11 denselben nahmen die Geistlichen aller Konfessionen, so auch der Oroßrabbiner Uer Türkei, Clinim Nnhuin, teil, der hei der Eidesleistung des ersten jüdischen Offiziers intervenierte und an denselben eine patriolisehe Rede hielt. Amerika Instrumente »sw. Das Schulgeld wird im laufenden Jahre ca. 8-10000 Frcs. betragen. Es gibt aber auch Freischüler und einige, die sogar ein Stipendium von der Schule erhalten. Die Lehrer der Anstalt haben ihre Studien durchweg an europäischeu Konservatorien, wie Moskau, Petersburg, Wien, Berlin, Paris absolviert. Vor kurzem fanden in Jaffa die ersten öffentlichen Sihülcriibimgsnbemle statt, die einen glänzenden Beweis für die Fortschritte der Schüler in allen Abteilungen lieferten. * Auch in J c r u s a l c m wurde vor einem halben Jahre unter Leitung von Frau Dr. Kuppin eine Musikschule ins Leben gerufen, die von Moskauer Zionsfreunden in tatkräftigster Weise gefördert wird. Die Ja ff.ר er Schule hat insbesondere in Herrn Rabbinersolin aus Kiew einen warmherzigen und hilfsbereiten Freund gefunden. * Vor kurze.!•. f! 1 1׳ in R i s ch 0 n - L e z i o n die fünfte Generalversammlung der palästinensischen Wiiizergcnossenscbaft statt, an der Delegierte aus den Kolonien R j s c h o n , K c c h o b o t h, S i c h ז o 11. Jakob, Katrn und W a d i C h a n i n , ferner zahlreiche Gäste teilnabmen. Es wurde über die Als. snt/.verhällnissc des palästinensischen Weines in den verschiedenen Ländern, über die Reorganisation des Vertriebs und über die Aenderung des Vertrags der Winzergenossenschaft mit der ica Bericht erstattet. Die Generalversammlung faßte eine Reihe wichtiger Beschlüsse, die für die zukünftige Entwicklung) der Genossenschaft von tiefgreifender Bedeutung sein dürften. : H6BRA6ISCH : Vor kurzem fand in Berlin eine Sitzung des Zentralkomitees der Organisation für hebräische Sprache und Kultur statt, an der auch die Herren Dr. E. W. Tschlenow und A. Naiditsch aus Moskau teilnahmcn. Einen I lauptgcgcnstand der IU-- ratungen bildete die Gründung des grollen jüdischen Vcrlagsunternchmcns ״Techija“. Das /.ustandekonunen dieses Veiiags ist nunmehr gesichert: er soll in nächster Zeit als G. in. h. II. konstituiert werden. Herr Dr, Rcnzion Mossinsohn vom Jaffaer Hebräischen Gymnasium kehrte am 12. März, nach New York zurück, nachdem er in einer Reihe von Proviuzstadten Vorträge im Interesse des llehriii. sehen Gymnasiums gehalten hatte. Ucbcr den Erfolg seiner Reise äußerte sich Dr. Mossinsohn sehr bcfriedigt. Zahlreiche wohlhabende Persönlichkeiten in Baltimore, Philadelphia, Pittsburg, Chicago, St, Louis, Cleveland und Washington haben aut seine Vera», lassuug für die Jaffaer Anstalt »ambnftc Jahresbei. träge gezeichnet, die bisher die Summe von!20000 Mark ergeben. Außerdem sind in New York selbst Beiträge in Höhe von mehrere» Tausend Dollars gezeichnet worden. Am 17. und 18. Mürz sprach Dr. Mossinsohn in Boston und hat auch dort Zcichmm. gen von einigen Tausend Dollars erhalten. Am 23. März, ist Dr, Mossinsohn von den Vereinigten Staaten abgcrcist. PALAeSTINA-'RUMDSCHAU In dem jüdischen Villenviertel ״Tel-Awiw“ injaffa, das eine wahre Zierde unserer neuen stiidtisehen Kolonisation in Palästina bildet, befinden sich 91 Ein- und Zwci-Eamilienhäiiser mit 502 Wohnzimmern, 135 Küchen und 106 modern ausgestatteten Badezimmern. Die Bewohner/,60׳ von TchAwhv beträgt 790 Seelen (363 männliche und 427 weibliche Personen). Voriges Jahr kamen 29 neue Häuser mit 210 Bewohnern hinzu. Die Umgangssprache von'341 Personen (•13 0/0) ist das Hebräische; 277 Personen (35״׳,״) bedienen sieh im täglichen Leben des Jüdisch- Deutschen, 89 Personen (ll״/o) sprechen Vorzugsweise russisch, 9 Personen <10/0) deutsch, je 14 (2°/0) französisch und englisch, 31 (■|0/0) spanioliscii ■und 15 (20/״) arabisch. In unmittelbarer Nachbarschaft von Tel-Awiw wird jetzt mit Hilfe des Jüdischen Nationalfonds ein zweites jüdisches Stadtviertel erhaut, das den Namen N a c 11 a I a 111 - B e.n j a in in führt. Bisher zählt• dieses Viertel 21 Wohnhäuser mit 30 Familien. Jüngst wurde dort eine öffentliche Lesehalle und ein Konsumverein ins Leben gerufen. Vor etwa l>/a Jahren begründete Frau Dr. Arthur R u p p i n eine Musikschule in Jaffa. Die Anstalt wurde mit 40 Schülern eröffnet, zählt aber gegenwärtig bereits über 80 Schüler und Schülerinnen darunter 50 für Klavier, 25 für Violine, 5 für Bla»! :.V0M״ß(:ZALeL? Am 1(1 März wurde in Kairo die Ausstellung’ des Bczatcl geschlossen. Sic war ein wirklich große!* Ereignis im jüdischen Lehen unserer Stadt. Besonders erfreulich ist es, daß die vornehme» sephardi• selten Kreise, die sonst leider sehr wenig fiir das Judentum leisten, der Ausstellung reges Interesse ent• gegcnbracliten. Die Eröffnung der Ausstellung erfolgte durch den Präsidenten der Knltiisgemeinde, Se. Exzellenz Cat tauf Pascha, der das Protcktoral übernommen halle. Audi die Spitzen der nichtjüdischen Gesellschaft und viele hohe Regierungsbeamte besuchten die Ausstellung und erkundigten sich lebhaft nach allen Einzelheiten der Bezalelschule. Besonders groß war das Interesse der hiesigen Kunst- und Kunstgcwerbeschulen Ecolc des Beaux Arts und Ocole des Arts et Metiers. Für die Museen dieser Anstalten wurden zahlreiche Ausstcllungsgegenstiimlo als Modelle .»!gekauft. Großes Aufsehen erregte der Besuch des Barons Edmund v. Rothschild aus Paris, des großherzigen Förderers der jüdischen Ackerbaukolonicn in Palästina, der wiederholt in Ge- Seilschaft seiner Gattin in den Ausstellungsräumen weilte. Kurz vor seiner Abreise aus Kairo erschien Baron Rothschild noch zweimal in der Ausstellung und unterhielt sich mit deren Leiter, Herrn Maler G o Ul b e r g, über die künstlerische Richtung des ״Bczalcl" und über die Bestrebungen der Anstalt, uic jüdische Bevölkerung Jerusalems in produktive Berufe über/uführeu timl sie allmählich unabhängig von den Almosen der Chalükka zu machen. IOWSTI5CHe BeV/£GUNfl Agitationsrciscn des Parteisekretärs Glcivvitz. Herr Parteisekretär Rosenbau sprach iu der Ortsgruppe über ״D i c S t c 11 u n der J u (I c 11 i 11 d e r G c g e 11 w a r t“, Ausgelic! yon der Emanzipation in Preußen, deren bimdci jähriger Gedenktag gerade in diese Zeit fällt, sei! derte der Redner die Gcgenwartsvcrhältnissc d Juden, die sich immer ungünstiger gestalten. M zwingender Notwendigkeit wurde bewiesen, daß d einzige Weg, der zur Gesundung führt, im Zioni imts liegt. Pebkrelschnm. Nach Jahren gelang es zu erstenmal wieder, eine zionistische Versammlung diesem Orte zu veranstalten. Der größte Teil d GcmcindcmitglicUer war erschienen und folgte n großem Interesse dem Verlauf der Versammlung, tl von Herrn Dipl.-Ing. Hecker geleitet wurde. Hc Parteisekretär Rosen ba um behandelte di? Frag ״Wn8 will der Zionismus?“, und verinoch durch seine überzeugenden, sachlichen Ausführung׳