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Jüdische Rundschau · 1912-03-22 · Heft 12 (22.3.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 12 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Hugo Ascher 5.—, Apoth, Georg Beermann 5.--, David Rackowsky 5.—, Hermann Jakob צ.— M. Aus Düsseldorf: Arthur Gelber 10.—, Dielfielt Krell 5.—, H. Lagstein 10.—, Heinrich Lurya 5. Zivil-Ingenieur Hcinridt Loewc 10.—, L. Miclialowski 40.—, Redttsanvvalt Dr. jur. E. Weyl 30.— M. Eingang vom 14. bis 20. Mürz: Schekel: 55.—״ Inndcsorganisationsbcitriige: 421.— M. Gcuamtcingang: Schekel: 1869.—, Landcsorganigationsbeiträge: 5737.88 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straffe 8. Postscheckkonto: Berlin 8091« Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin, Unter den Linden 59. Der XIII. Gemeindetag Der Ausschuß des Deutsch-lsrealitischcn Gc* weindebundes hat nun endlich dem Frage- und Aithvortspiel über den Zeitpunkt des dreizehnten (außerordentlichen) Gcmcindetages ein Ende gemacht und die Tagung zum Donnerstag, dem 16. Mai 1912, nach Berlin eänberufen. Als alle!- niger Punkt der Tagesordnung figuriert die Satzungsänderung, die auf dem vorjährigen Gemeindetage der Vertagung verfiel. Unsere Freunde wissen nunmehr, daß die Zeit drängt und daß schleunige und durchgreifende Aufklärungsarbeit zu leisten ist, wenn die beschämenden und unerquicklichen Zustände im Bunde endlich ihr Ende nehmen und die Periode der Machtpolitik durch eine Zeit der ruhigen und stetigen Arbeit zum Wohl der deutschen Gemeinden abgelöst werden soll. Keiner von uns hat wohl eine rechte Freude gehabt an den: Kampfe, der den kleinen und «niltlenen Gemeinden von seiten der liberalen Vertreter der Großgemeinden aufgedrängt worden ist. Denn keine Stelle schien so ungeeignet, dort den Kampf der jüdischen Anschauungen auszutragen, wie gerade der Gemeindebund. Und eben, weil der Kampf hier auf ein Gebiet hinübergeleitet wurde, nvo er nicht hingchört, mußten auch die äußeren Formen und die Mittel durch die die führende Partei ihren EinfluB immer noch zu vergrößern suchte, so unleidige werden. Wir haben uns in den letzten Wochen mehrmal8 mit den geheimen Rundschreiben beschüftigen müssen, mit denen die jüdischen Gemeinde- Vorsteher in Deutschland von Seiten des Aus- Schusses und seiner Helfer bedacht wurden. Mit Peitsche und Zuckerbrot, freundlichen Ver- 6prec!»ungen und unvcrhüllten Drohungen wurde da zu Werke gegangen. Glücklicherweise konnte in d;n meisten Fällen, die zur Kenntnis der Ocffcintlichkeit gelangten, eine wohl organisierte ״Der Zlonlütmio crotrcbt für dau jüdische Volk dlo Gchnffuu״ einer üfient* llch-rcchtllch gcaichorton Hcim&tätto ln Palüatiua.« Baseler Programm« Aufklärung den Umtrieben des Ausschusses, der sich in so unverhüllter und illegaler Weise zum Sachwalter einer Partei im Gemeindebunde macht, entgegentreten. Die Zeiten sind eben vorbei, wo jüdische Organisationen durch Erlasse mühelos und mit geringem geistigem Aufwand regiert wurden. Wir unsererseits werden in jedem Falle das Unsere tun, um den Einsehüchtcrungsversuchcn, die immer wieder von Berlin aus unternommen werden, entgegenzutreten und die Verhältnisse so aufzuzeigen, wie sic sind. Dieser Tage erst wurde das folgende vom 10. März datierte Zirkular an eine Anzahl von Gemeinden versandt: Geehrter Vorstand! Für das laufende Geschäftsjahr wird die Unterstützung gewährt unter der Bedingung, daß nicht die Großgemeinden aus den» D. I. O.-B. austreten. Für den Fall dieses Austrittes ist der D. 1. G.-B. nach den zu Gebote stehenden Mitteln nicht in der Lage, die Unterstützung zu gewähren. Hochachtungsvoll Der Ausschuß des D. 1. G.-B. gez. Philippsohn. Der Ausschuß scheint bei den seiner Fürsorge anvertrauten Gemeinden eine recht gcringe Kenntnis des organisatorischen Aufbaues des Bundes vorauszusetzen. Denn er selbst muß sehr wohl wissen, daß die Gemeinden im Falle ihres Austritts für das laufende Jahr wohl noch beitragspflichtig wären. Ferner weiß er jetzt — selbst wenn er es vorher nicht gewußt hätte — auf Grund mehrfacher Berechnungen seitens der Vertreter der Minderheit, daß die in Frage stehenden Beträge so geringfügige sind, daß ihr Ausfall eine derartige Maßnahme niemals rechtfertigen könnte. Also: ״Bange machen gilt nicht!“ Die Gemeinden werden sich auch durch solche kleinen Erpresserkunststückehen nicht von der Vertci* digung ihrer Rechte abbringen lassen. Sic haben den festen Willen, den Gemeindebund zu erhalten und sind -bereit, Opfer zu bringen. Schon hat sich ein Komitee gebildet,־ das für den Fall, daß die Verbündeten — Ausschuß und Großgemeinden — ihre Drohung wahr machen sollten, helfend cinspringcn und ausreichenden Ersatz schaffen will und wir sind schon jetzt bereit, entsprechende Gesuche an die zuständige Stelle wcitcrzugcbcn. Weil wir den Frieden im Oeincindebund sclmlichst hcrbciwi'mschcn, bitten wir alle unsere Freunde, die kurze Zeit, die bis zum XIII. Gemeindetag noch bleibt, mit Tatkraft und Eifer für die gerechte Sache zu nutzen. Wir wollen durch harten Kampf zum Frieden. Dann wird — das lehrt ein Blick auf das gegenwärtige Stärkevcrliältnis der Parteien — der Erfolg nicht ausbleiben. Sitzung des Großen Actions-Coinites Vom 17. bis 19. Mär/, fand in Berlin in den Räumen des Zionistischen Zentrallnireaus die dritte Sitzung des (!rollen Actions-Coinites seit dem Kongrell statt. Folgende Herren waren zur Sitzung erschienen: Professor Ö. Warburg, N. Sokolow, Dr, Jacobson, Dr. Hantkc, A. Stand, l>, Wolffsolm, Dr. Klee, L. Kclllcr, A. Podlischewski, M. Heinrich Schein, Professor CI«. Wci/manti, Dr. Hausmann, I. Simoa, S. Rosenbauin, A. Bölun, Dr. Halpcrn, A. Idclsohn, I, A. Naiditsch, Dr. E. W. Tschlenow, L. Motzkin, Jean Fischer, Dr. Friedcinanu. Auf Uruiid der Rc.-,sorteintcilung im E. A. C. erstatteten die Mitglieder desselben ausführliche R©• ferate über sämtliche laufende Geschäfte der Organ»- sation. Herr Dr. Jacobson und Herr Sokolow erstatteten den Bericht über die politische Lage. Darauf referierte Herr Dr. Jacobson über die Frage de« palästinensischen Agrarkredits. In dieser Angelegenheit wurden bestimmte Beschlüsse gefallt und mit der Ausführung derselben eine besondere Kommission betraut. Herr Professor Warburg berichtete über den Stand der Palästinaarbeit und Herr Dr. Hantkc über die Fragen der Organisation und Propaganda. Herr Sokolow referierte über die Kulturarbeit. Im Anschluß an die Beratungen des Action»- Gomitcs fanden Sitzungen der zionistischen Finanz- Institute statt, nämlich die Direktoriumssitzung und Generalversammlung des Jüdischen Natioiialfouds mid die Aiifsichtsratssitzuiig der Jüdischen Kolonialbank, sowie die Generalversammlung der Anglo-Palestinc Company. Die Berliner Zionisten haben cs schon mehrmals ausgesprochen, welche großen Verpflichtungen sic für sich aus dem Vorzüge ablcitcn, mit der Vertretung der Bewegung am Vororte des Zionismus betraut zu sein. Daß sie bemüht sind, die propagan* distischcu Möglichkeiten, die ihnen aus diesem um- Stande erwachsen, voll auszunutzen, zeigten sie am vergangenen Montag durch Einberufung zweier öffent* lieber Versammlungen, für die sich zahlreiche Herren des Großen Actions-Comitcs als Redner zur Vertilgung gestellt hatten. Die Uehcrlegnngc״, die die Leitung der Ortsgruppe zur Veranstaltung dieser ersten Doppel- Versammlung geführt hatten, haben sich als durchaus zutreffend erwiesen. Zwei der größten Säle Berlins im Westen und Norden der Stadt waren gefüllt, ohne daß der übermäßige Andrang die volle propagandistische Ausnutzung der Versammlungen behindert hätte. Die rege Agitation, die für die Veranstaltungen gemacht worden war, hatte besonders viele herbeigelockt, die sich hei dieser Gelegenheit zum erstenmal über den Zionismus orientieren wollten. In den Spiclieriisäle i sprachen die Herren Prof. Warburg, David Wolf fso hn, Dr. Klee, Julius Simon Stand, S o k o I o w und!,ruf. w 1׳ i / in a n 11 vor J000 Zuhörern, während sich in der Brauerei König, stadt 1200 Personen cingefmiden batten, um den Ausführungen der Herren Wolffsolm, Stand, Sokolow, Prof. Wci/mann, Dr. Klee, UöUm und Simon zu lauschen. Alle die Herren, die nach den anstreiigenden zweitägigen Verhandlungen ihre rednerischen Fälligkeiten m den Dienst der Sache stellten, verdienen unseren herzlichen Dank ganz besonders dafür, daß sie die Strapaze, in beiden weit voneinander ent- (ernten Sälen zu sprechen, nicht scheuten. Aut die einzelnen Reden au dieser Stelle eitiztigelien, verbietet leider der Raum. Es sei nur erwähnt, daß sich ihre Ausführungen zu einer anschaulichen, werbekräftigen Darstellung der verschiedenen Probleme des Zionismus ergänzten, und daß besonders ein jeder der Redner cs verstand, jene Fragen hervor/ukenren, die den westlichen Juden im innersten angelten und ihn zum Anschlüsse an unsere große Volksbewegung bestimmen sollten. Uns Berliner Zionisten boten diese Veranstaltungen vielleicht zum erstenmal einen Uebcrblick über die Massen, bei denen wir heute bereit» zionistisches Interesse voraussetzen können. Wer einige Jahre zurückdachtc, an die Zeiten, da cs uns kaum gelang, einen der kleineren Säle zu füllen, dem konnte nur jene Ucbcrzcugung kommen, die sich stets in neuen Mut und neue Freudigkeit zur Mitarbeit umsetzen muß: Wir sind weiter ge-

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