Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1912)
- Date
- 1912-02-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 8 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 63 Mittwoch, den 6. März:’ P u r i m f c i c r ü c r B. Z. V. Sonnabend, den 9. Mürz: J. T. V. Bar Kochba: Purimball. Montag, den 11. März: . ־״ Jahrhundertfeier der Emanzipation. Vortrag wiener. Mittwoch, den 13. Mürz: Jüdisch nationale F r a u e 11 v c r 1• i n i S11 n g: Kinder-Purimball. Berlin. Die hiesige Misrach!*Gruppe veranstaltet am Sonntag, den 23. d. M״ IU/a Uhr vormittags, in den Sophien-Sälen, Sophienstr; 17/18, eine S. Ader• (1 c di' c I» t n »s f c i c r. Die Gedächtnisrede halt Herr I h־. S. E p p e n stein, Dozent am Rabhiuersemi* nar. Gäste willkommen. Berlin. Der Kinder-Purimball der Jüdischnationalen I* raue n vere i nigung findet am Mittwoch, den 13. März im Tiergartenhof statt. Näheres in der nächsten Nummer. Charlotlcnburg. im Zionistischen Verein West- Berlin spricht am Mittwoch, den 28. d. M. der l»ekannte Schriftsteller und Kritiker Herr Julius Uab über ״Der Anteil der deutschen Juden an der Literatur der Gegenwart". Lokal: Augnste-Viktoria-Säle, Martin-Lutherstraüc, gegenüber dem Eispalast. Beginn 0 Uhr, AiischlicBend Diskus• sion. Der Abend verspricht eine interessante Bclcuch• hing des Problems der dichterischen Eigenart der Juden zu bieten. — Ort und Zeit des Vorlesuugs• zvklus von Herrn Davis Tri et sch über ״ J ü - di sehe Emigration und Kolonisation" geben wir in nächster Nummer bekannt. Näheres über die behandelten Themen an anderer Stelle des Blattes. Karten für vier Vorlesungen zu 2 M. in der Buchhandlung von Loiüs Lamm, Neue Fricdrichstr.bl und bei A. Wert he im. Zuschriften an den Verein sind zu richten an Herrn Arthur Brünn, NW.23, Cuxhavener StralJe 17. Hannover. Die Zionistische Ortsgruppe veran• staltct am Sonntag, den 3. März, abends 8 Uhr, in den Sälen des ״Neuen Hauses“ einen jungjüdi• sehen Abend mit nachfolgendem Puriiuhall. Ge• sinmmgsgenossen und Gäste sind herzlich will• kommen. Chemnitz. Wie wir erfahren, spricht liier Herr Professor Sombnrt am 5. März über: ״Die Zukunft der Juden" in einer öffentlichen Ver* snmmltmg, für die sich allenthalben reges Interesse kundgibt. A. F. Kattowitz. (Voranzeige.) Am Sonnabend, den 2. März, wird in der ״Rcichshallc" auf Veranlassung der Zionistischen Ortsgruppe Herr Josef Amb r u n n M ü n c h c n ernste und lustige jüdische Dich• tungeil vortragen. Wir machen auf diesen Abend des gefeierten Künstlers schon jetzt aufmerksam. Der Vorlesung schlicht sich ein Purimball an. Näheres in » er Geschäftsstelle Karlstr. 1 II, (Telefon 362). יי Vorlesungen über jüd. Emigration und Kolonisation Herr Davis Tri et sch spricht in einem vom Zionistischen Verein West-Berlin veranstalteten Vorlesungszyklus über jüdische Emigration und Koloui• Satin״. Die Vorlesungen, die •I Abende umfassen, finden im Laufe des Monats März, statt. Näheres über Zeit und Ort in der nächsten Nummer. Im einzelnen wird I lerr Trietsch folgende Themen berühren: 1. Abend: Allgemeines über jüdische Emigration. Die Auswanderung seit 1881 naeh Umfang und Rieh- Hingen. Notwendigkeit der ,Organisation. Bisherige Ansätze, neue Möglichkeiten. 2. Abend: Der Orient als Feld jüdischer Ein- Wanderung. Die Juden in den Ländern des Islam. Die neue Lage in der Türkei. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Türkei. Die wirtschaftlichen und Verkehrsverhältnissc der Ein/clgebicte. Die bisherige jüdische landwirtschaftliche und städtische Kolonisation. 3. Abend: Weitere Möglichkeiten des Orients für die jüdische Einwanderung. Ausdehnung des Land- Wirtschaftswerks. Städtische Ansiedlung. Industrielle Kolonisation. Die Gartenstadt als Form jüdischer Kolonisation im Orient. ¬ו. Abend: Die Organisation der jüdischen Ein- Wanderung nach dem Orient. Die bisherigen Kolon וsationsfaktoren und ihre möglichste Ausbreitung. Notwendige Ergänzungen. Jüdische Kolonisations-Politik, Ein zionistisches (jüdisches) Emigralioiisamt und seine Aufgaben. . , ״ , Hürcrknrtcn zu den 4 Vorlesungen in der Buchhandtung Louis L a nt in, Neue Friedrichstr. 61 und bei A. W e r t h c i tu. Berlin. Am Dienstag, den 13. Februar, fand in den Sophiensälen eine große öffentliche Versaiiim* lung statt, die von der Berliner Zionistischen Vercinigung cinhcrufcn war. Der grolle Saal und die Galerie waren überfüllt und das Publikum folgte mit großer Spannung den Ausführungen der Herren Dr. Thcilhabcr und Blumen feld über das ״״gekündigte Thema: ״Der Untergang der deutselten Juden.“ Dr. Thcilhahcr wies im Sinne der Ausführungen seines bekannten Buches statistisch nach, dall der Zug in die Großstädte, der aus wirtsehaftliehen Gründen in Deutschland unaufhaltsam' sei, zur Verminderung der Geburtenziffer und zu einem tatsächlichen Sinken der jüdischen Bevölkerimgs/ahl führt. Daher müsse eine jüdische Volkspolitik, für die in den jüdischen Gemeinden bisher absolut kein Verständnis herrscht, darauf bedacht sein, wenigstens einen Teil des jüdischen Volkes in Palästina zu repatriiren, da nur auf diesem Wege eine normale Berufsglicderuug und die Möglichkeit der Vermehrung für die Juden gegeben sei. In Ergänzung dieser Aus• fülmingeu sprach I lerr BI u in e 11 f e 111 über die priitz.ipielleit Gcdankcugängv, die der zionistischen Auffassting jüdischer Volkspolitik zugrunde liegen, mul wies nach, daß die Politik der Assimilation zum Untergänge führen müsse. Berlin. Die Nationalfoiuls-Kommission von Groß.|ieriin bedarf zur Durchführung ihrer Maß• iialiineii noch der Mithilfe einiger Damen und Herren als Vertrauensleute, besonders zu liüchsculccrimgcu. Meldungen werden umgehend an Dr. mcd. Julius L o e w e 11 h e i in , Vorsitzender der N.-F.-Kommission von Groß-Berlin, W. 50, Netie Bcyrcuther Straße 8, erbeten. Berlin. Der Vorstand der Berliner Zionistischen Vereinigung ii.it beschlossen, die L i c 111 h c i m sehe Broschüre in Berlin in weitestem Umfange zu ver. breiten, Fs soll au jede uns aufgegebene Berliner Adresse die Broschüre •mit einem Begleitschreiben kostenlos versandt werden. Wir richten an alle Gesinnungsgenossen das Ersuchen, uns derartige Adressen auf/.ugeheu, au der sie die Versendung für zweckmäßig halten. Die Mitteilungen sind an die Zion. Vereinigung f. Deutschi, zu richten. Gleichzeitig bitten wir unsere Gesinnungsgenossen, mm clu'iulasiu freiwillige Beiträge zur Deckung der Unkosten der Propaganda zu übermitteln (Postscheck- Konto Berlin 8691). Charlottenburg. Im Anfang des laufenden Wintersemesters wurde in Charlottenburg ein Jugendverein gegründet. Da der Winter zu Ende geht, lohnt es sich über die Tätigkeit des Vereins etwas zu sagen. Der Verein stellte sich die Aufgabe, jiidiscltes Wissen und jüdische Gescliiciitskcnntuis unter seinen Mitgliedern zu verbreiten. Bald nach seiner Gründling wuchs die Zahl seiner Mitglieder aut über 200 an. Herr Blitz aus Dessau, jetzt in Charlotten» bürg wohnhaft, trug wöchentlich jüdische Geschichte fortlaufend vor. Seinen Vorträgen ist es zu verdanken, daß die Versammlungen stets gut besucht waren. Er behandelt den Stof! klar, populär, interessant und spannend, so daß das Publikum jedem folgenden Vortrag mit Interesse eiitgegensielit. Dabei gebt er metliodisclt vor, indem er bei jedem folgenden Vortrag die früheren Ausführungen in kurzen Zügen zusammenfaßt. Die Zuhörer bekommen demnach ein Gesamtbild des ganzen geschichtlichen Stoffes. Es hat sieh gezeigt, daß man durch diese Art von Vorträgen häufig hei der Jugend den Nationalsinn besser weckt als durch Behandlung politischer Tagesfragen. Die Gesclüehtsvorträge wurden unterbrochen durch Reden anderer An. So sprach Herr Rabbiner Dr. Wilhelm L c w y aus Charlottenburg über Heine und seine Zeit, Herr Dr. Legal über die soziale Lage der deutschen Juden, Herr Rechtsanwalt Dr. Apt über die Juden vor den deutschen Strafgerichten, Herr Rabbiner L. A. Roscnthal über die altere Literatur des jüdischen Volkes. Alle diese Vorträge waren sehr interessant und wurden vom Publikum beifällig aufgenommen. Durch die regelmäßigen Zusammenkünfte lernten sich die Familien näher kennen. Der Verein verspricht eine PHcgcstätte des Wissens und der Geselligkeit zu werden. Chemnitz. Am 15. d. Mts. referierte Herr Dr. Max Sichel in unserer Ortsgruppe über den am 11, Februar in Halle,5} .״, stattgetuiulenen Gruppe n- Verbands tag der Mitteldeutschen Z ioniste n. Fr konstatierte, daß am < mippeuvcrbamls- (? Zionistischer Verein West-Berlin IHitliuoch, den 23.?ebruar 1912. abends 9 Uhr, ln den flufluste-Vildoria-Sälcn, Berlin, niartin-Cuther-Strasse (gegenüber dem Gspalasl): Vortrag Der Anteil der deutschen Juden an der':Citeratur der Gegenwart Anschliessend Diskussion Cintrltt frei Cintrill frei Vorlesungszyklus m ö lildischetrnigralion und Kolonisation 4 Voileäungen im taufe des Oloirats ITLlrz. näheres über Ort und Zeit In der nächsten flummcr HSrtrkarUn lür 4 Vorlesung« zu 2 111k. In der Ouchhandlung oon foul* famm, n<u< frl«drtch»tr. 61, und bei R. Wcrthrlm tag nach den Berichten der einzelnen Ortsgruppen ein stetiges Wachsen des zionistischen Lehens in unserem Distrikte zu verzeichnen ist, Redner herichtete auch ausführlich über sein N.-F.-Rcfcrat und skizzierte das interessante Referat des Herrn So ko- I o w!״her unsere Aufgaben in der Türkei und die Lage der dortigen Juden. Das Referat wurde sehr beifällig aulgeimmnten und gab zu einer längeren Diskussion Anlaß, A. F, Wiesbaden. Am 12. Februar sprach in der Itiesi* gen Zionistischen Ortsgruppe Herr Naliutn Gold- 111 a 1) ״ aus Frankfurt über das I‘ r o h I c m d c r j ü d is e 11 e n J 11 g e u 11. Nach einem historischen Rückblick über die Behandlung der Judenfrage in präzionistisclier Zeit und im Zeitalter des Zionismus zeigt: uns der Redner einen Teil dieses Problems: den der jüdischen Jugend. Es handelte sich dabei nur um den (ilichtassimilatonschcn) bewußt-jüdischen Teil der lugend 111 Ost und West. In geradezu glänzender Weise führte er uns die Entwicklung bei normalen Völkern vor Augen, wie sieh bei ihnen jeder Fortschritt nicht eruptiv, sondern evolutiv vollzieht, indem die Jugend die alten Kulturgüter zum Teil wenigstem konserviert und darauf organisch weiterbaut, fort• schreitet, so daß eine zusammenhängende Wirkung zwischen alten lind neuen Generationen st itthmlct und auch die neueste Kultur eine Resultante von alten mul neuen Ideen darstellt. Ganz, anders bei uns Juden. Während früher auch bei uns ein Zusaimncuwirkcn der Masse mit den erlauchten Geistern der Nation stattiaud und die Jugend die erworbenen nationalen Kuiturwerte verarbeitete und weiter ausbaute, zeigt uns das 20. Jahrhundert zwei Kategorien der jüdischen Jugend: die u u r-nationale und die 1111 r orthodoxe. Während die eine nur für das neue schwärmt und jeden Zusammenhang mit alter Kultur verleugnet, wodurch oft eine kaum üherhrückh.ire Kluft zwischen Vätern mul Söhnen entsteht, begeistert sieb der andere Feil nur für das alte, zeigt keinerlei Verständnis fiir die neuen Kulturformcn, und lebt heute noch in dem Uiceiikrcis von vor zweitausend Jahren, Die Folge davon ist, daß wir keine einlieitliehe Jugend haben, die die alte Kultur organisch weiter ausbauen soll. Der Zionismus ist dazu berufen, diese organische Cinhcit uns wiederzubringen. Der zweite Redner, Herr Redakteur G e i s Frankfurt, ergänzte vom Mittelalter, das für tms Juden zu lange gedauert hat und zur Folge hatte, daß, als die neue Zeit heranbrach, die Hälfte der Jitdenliei» der Assimilation verfallen ist. Fr wies dann hin auf die spanische Periode, die nur deshalb so schöpferisch sein konnte, weil sie in einem jüdischen Milieu wurzelte, und zeigte den einzigen Weg zur Gesundung: Palästina als eine Synthese zwischen aller mul neuer Kultur. Beide Redner fanden begeisterte Aufnahme, und sei ihnen auch an dieser Stelle herzlich gedankt. An der Dis» kussion beteiligten sich die Herren Karpin, Stern und der Referent Herr Gold mann. Rhg, Halbcrsladt. In den letzten Wochen fanden in der Zionistischen Vereinigung Tikwali Zion eine Keilte von Veranstaltungen statt, über die wir not!» nicht berichtet haben. Vor allem haben wir noch den l'.ericht über den Vortrag nachznholen, den Herr Oberlehrer M. C a Iva ry •(.'rossen am 28. IX•• zcuihcr über ״Die jüdische Note in der deutschen Lilo ratur" gc|1altcn hat. An Hand eines überaus großen Materials verstand cs der Redner, die Ergebnisse seiner interessanten Stiluntersuclumgeii klar vor/1 ׳» fuhren: Der Beweglichkeit des jüdischen Stils stellte er die Ruhe und Präzision, vor allem die Urwüchsigkeil der deutschen Schriftweise gegenüber, wahrend er an vielen Beispielen aus Werken jüdischer und nichtjüdischer Autoren zeigte, wie sich der Stil der letzteren durch eine wahre, .sinnliche, sozusagen greifbare Biidcrhaftigkcit auszcichnct — im Gegensatz zu den in Werken jüdischer Schriftsteller gebrauchten Bildern, die allzu häufig etwas Fremdes, Unnatürliches, Unwirkliches, sielt schwer Vorzustellendes an sich haben. Der Vortrag, für den uns die Bcrcnd Lehman• Loge liebenswürdigerweise zum ersten Male ihre Ge• sellsehaflsrätime zur Verfügung gestellt hatte, he» gcgnctc hei den Zuhörern überaus lebhaftem luteresse, und wir wollen auch hier Herrn Oberlehrer Galvary nochmals unseren Dank für seine Bereit- Willigkeit aussnrechen. Zwei Wochen später hatten wir das Vergnügen, an unserem Stammtisch Herrn Kurt Bl timen feld wiederum in Halberstadt zu begrüßen. Diesmal sprach er über ״Die Assimilation der deutschen Juden" und mit et suchte im Verlaufe seiner amkrthalbstumligen Ausführungen die jetzt ja besonders aktuelle Frage des ״Unterganges der deutschen Juden". Eine längere־ Diskussion knüpfte sich an das in gewohnter Weise lehrreiche Referat des Herrn Bhimcnfeld, den wir bald wieder in lialbcrstadt zu hören hoffen. — Wenn wir auch bereits im vorigen laltre bestrebt waren, eine gewisse Systematik in die Reihe unserer Vorträge licreinziibriiigcn und demgemäß nachein• ander in internen Versammlungen der Ortsgruppe das nationale, das Wirtscltafls- und das Kulturproblem behandeln ließen, so war doch schon längst bei '1111!; der Wunsch laut geworden, einmal zusammenhängend unseren Mitgliedern eine systematische Argumentation des Zionismus zu vermitteln. Daß uns dies in hervorrageuder Weise gelungen ist, haben wir Herrn Referendar Felix Rose n b I ii t h •Berlin zu verdanken, der es übernommen hatte, einen speziell für die jüngeren Mitglieder unserer Ortsgruppe eingerichteten Ausbildiingsktirsus zu leiten. Am ersten Abend unten• suchte I lerr Roseuhlüth die Frage, ob es überhaupt möglich wäre, den Zionismus wissenschaftlich zu beweisen, um dann im zweiten Teil seines Vortrages auf den ersten Versuch einer wissenschaftlichen negnuulung des Zionismus ausführlich einzugehen unii