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Jüdische Rundschau · 1912-02-16 · Heft 7 (16.2.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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E i n z c I n e r s o 11 e n: Rechtsanwalt Jacohsoltn, Memel, 5,—, Dr. Gustav Bradt, Berlin, 10,—, Dr. Leo Loewenstcin, Berlin, 10,—, Rosa Hohle, <!rossen, 10,—, l)r, H. Feitli, Frankfurt a. M., 10, , I)r. Schwär/, Breslau, 25,—, Dr. Walter Steinit/, Breslau, 10, -, lleinrielt Salomon, Berlin, 5,— , Dr. Jacohsoltn, Hrfnrt, 15,—, Dr. Sautllcr, Breslau, 25,־ B. Snlinann, Berlin, 20,—, Dr. Hans Mühsam 10,—, Moritz Stern* herg, Varel, 5,-—, A, Lewisohn, Frankfurt a. M., 5, ~, Marlin Ruppin, Magdeburg, 10,—, Ref. I lernt. Hirsch Dr. ineil. Jos. Mayer, Berlin, 5, L. Fürst, Berlin, 5,--, Julius Busse, Berlin, 100, -, Oesehwisler R. und J. Meyer, Gey hei Düren, 5,—, Dr. Walter Munk, Berlin, 20.—, J. Hahn, Stettin, 5, -, J. Biihr Karlsruhe, 5,—, rritz Markreich, Bremen, 5,־, M. W., Kattowilz, 20,—, E. Z., Katlowitz, 20, -, N. N. {für 1011), 3. Verschiedene Spenden: I lauilntrg 11,20, Kattowitz 10.—. Eingang vom 8.—14. Februar 1912: Schekel: j 188,— M. L a n d c s o r g a u i s a t i o 11 s b e i t r it g e: 170,20 M. Gesamteingang! Schekel: MhO,— M. Lau* tl esorga n is a l ion s bei t r n g c: 3)01,18 M. Judentaufen (Eine Enquete über die Judcnfrngc.) Der Unfug;, aus einer weltbewegenden Frage dureil Zusammenstellung der Meimingsäußerungen einer Anzahl beliebiger Personen ein Buch zu machen, ist heutzutage leider weit vor* breitet. Die Sache ist ja auch in der Tat zu ein* fach, um nicht öfters einmal versucht zu wer• den: man verschickt hundert oder zweihundert Fragebogen an Leute von Namen und kann mit einiger Sicherheit darauf rechnen, daß einige zwanzig oder dreißig davon aus den allvrvcr* schiaienstcn Gründen die Gelegenheit benutzen werden, ihr Licht leuchten zu lassen. Warum diese Biichcnnncherei ein Unfug ist, braucht kaum bewiesen zu werden. Vor allem, weil jedesmal eine gute Zahl von Antworten solcher Leute in Kauf genommen weiden müssen gefragt hat man sie vielleicht mir, weil sie nicht übergangen werden durften oder sollten, aber gerade die antworten eben immer! die sich um die in Frage stehende Angelegenheit ihr Leben lang noch nie gekümmert haben, und die dann natürlich jene oft geradezu bis zum 1111freiwilligen Humor komischen Antworten liefern, die auch nicht von der leisesten Spur von Sach* kennt.lis getrübt sind. Herr Dr. Artur Landsberger, der Her* ausgeber des Buches ״Juden tau fen“ (Georg Müller, Verlag, München) bat die assimilatorisehen Ideen, denen er ״als dummer Junge nach* ging, langst aufgegebeii und bereut.4' Das ist erfreu :ich, aber gerade der lange Irrweg, den er brauchte und die jahrelangen Studien, die ,sein Mitherausgeber Werner So m hart nötig hatte, um ein sicherlich hochinteressantes und wertvolles, aber doch keineswegs einwandfreies Werk über die Wirtschaftsstellung der Juten zu schreiben — diese beiden Tatsachen allein hätten doch von der Veranstaltung einer solchen Umfrage bei Dichtern, Politikern, Professoren und Rechtsanwälten aller Art genugsam ab* schrecken sollen, Man kann doch schließlich schlechtere oder bessere Dramen oder Gedichte schreiben, ohne von der Judciifragc das allci- ״Dee ZloziHrrtun crutreljt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rcchtllch gesicherten IlcImatUtto In Palästina.“ Daselcr Programm. mindeste zu verstehen, was über die beschränkte persönliche Erfahrung oder die weitgespannte allgemeine ״Weltanschauung" hinnusgeht. Auch ein bedeutender Rechtsanwalt oder Rechtslehrer kann über das jüdische Problem * ־ wir haben es ja schon mehr als einmal schaudernd er* leben müssen — recht beträchtlichen Unsinn vorzapfen, und nicht einmal jeder Berufspolitiker ist (wobei mau freilich ״leider" sagen muß!) über unsere Frage orientiert genug, um eine maßgebliche Meinung äußern zu dürfen. Ja, wie ein natürlich auch in diesem Buche *nicht zu vermeidendes Excmplum beweist, man kann sogar Herausgeber einer jüdischen Zeitung sein 11ml langjähriges Mitglied des Repräsentanten* kolLgiums der jüdischen Oeineinde Berlins und man kann dabei doch — sagen wir es korrekt* wissenschaftlich — nicht berufen sein, über so ernste jüdische Fragen mitzusprechen. lis wäre zu verstehen, wenn angesichts des ungeheuren Umfanges der Judcnfrage, au dem sogar Sombart in einem gewissen Sinne go scheitert ist, sielt einige geeignete Autoren zusamnieiitäteii, um jeder einen nach irgendeiner sachlichen Einteilung bestimmten Teil des Pro* blems selbständig und doch nach gemeinsam aufgoslelltem Plan in einem also einigermaßen einheitlichen Werke bearbeiteten. Vielleicht hekommen wir ein so werlvolles und ernsthaftes Werk noch in Zukunft. Aber so, wie es Dr. Landsberger macht, ein paar Fragen verschicken j und von 29 alphabetisch geordneten Leuten ' hübsch hintereinander die Antworten ahdrucken, i in denen natürlich fast keiner klar auf die!־ragen eingeht, sondern erzählt, was ihm gerade am Herzen liegt so kann man doch schließlich ernste Dinge nicht behandeln. Was dabei allein herauskonimeu kann, sieht man ja in dem sauber gedruckten Büchlein mit dem Titel ״Jiulentaufen'‘, in dem freilich die Druckfehler und die Denk* fehler miteinander wetteifern. Die alphabetische Ordnung ist die einzige, die darin ist, und die einzige, die hineinzubringen war. Ein paar Männer mit bekanntem Namen, die sich geistreiche Betrachtungen abquiilen, dazwischen reich* lieh viel aufgeplustertes, absolut unbedeutendes und langweiliges Zeug, und zwei oder drei Aus* lassttngen, die zu lesen einigermaßen lohnt. Summa: Intellektuelle Eisenbalmlektürei Muß man also vom Standpunkte eines, dem es tun die Frage der Assimilation und des Zio* uistmts im positiven oder negativen Sinne ernst ist ־ denn diese Fragen werden, um das kurz zu sagen, in dem Buche beredet ״*־, solche Enqueteii im allgemeinen und' ebenso diese im besonderen abichnen, so sollen doch dem Buche einige freundliche Worte auch noch mitgegeben werden. Wegen der sicherlich guten Absicht, der es seine Entstehung dankt, und weil cs ja schließlich doch der Anlaß ist und sein wird, in gewissen Kreisen wieder einmal (nach Somhart) ״über Thema" zu sprechen und zu schreiben. Das zu veranlassen, bleibt immer verdienst- 1 lieh. Freilich wird dieser Zweck durch ein Buch wie Sombarts großes Werk ״Die Juden und das Wirtschaftsleben" oder seine kleine ,Broschüre ״Die Zukunft der Juden", über die hier noch später einiges gesagt werden soll, weit besser erreicht. Aus dem Sammelsurium ,von Ansichten, deren Kenntnis Dr. Landsberger vermittelt hat, seien hier zwei kleine Stichproben gegeben. Richard Dchmel, der seine Antwort zur Propaganda für das Dissidententmn mißbraucht, erhofft sich, ״ein massenhafter Zudrnng intelligenter und energischer Juden zur dissidentischcu Bewegung würde ihr frischen Schwung beibringen und so auch deutsche Freigeister mitreißen, männliche und weibliche. Gerade die mutigsten deutschen Geister werden nicht gesonnen sein, sich durch jüdischen Freimut beschämen zu lassen." Ein sonderbarer Idealist, denkt man. Und wenn min die Juden nicht wollen? ״Wenn sic es aber nicht ernst damit meinen," nämlich mit der ״Eindeutschung", mit der Ausgleichung der Unterschiede und dem Vorantritt im Dissidententmn, ״dann wird allmählich der sogenannte Sauerteig dermaßen zum klietschigcn Klumpen ausclnvcllen, daß er unser tägliches Brot verdirbt Und dann freilich würden wir eines Tages beim besten Willen nicht anders können, als sie (die Juden) höflichst aufz.ufordern: schert euch zum Teufel, d. 11. nach Zion!" Ein sonderbarer ״deutscher Freigeist", nicht wahr? Entweder ihr Juüenpack seht zu, daß ihr ״deutsche Freigeister" werdet, oder es gibt deutsch-freigeistige Pogroms. Allerhand /\chtung vor solchem Deutschtum, solcher Freiheit, sol* ehern —• Geist! Zum Ausgleich dafür ein kurzes Zitat aus einer der bei aller Kürze gründlichsten und zugleich einer der wenigen von Sachkenntnis ge* stützten Ausführungen des Buches. Professor Alfred Weber (Heidelberg) schreibt: ״Das, was die Juden in irgendeinem ״Zion", einem eigenen Lande wirtschaftlich und allgemeinzivilisatorisch leisten würden, hinge einfach von den Entwicklungsuiöglichkciten desselben ab. G ii b e m a n ihnen P a I ä s t i n a und die d a z. 11 g e 11 ö r i g e K ii s t e, so steht bei ihrer heutigen Intelleklu.ilisiertheit ganz außer Frage, daß sie daraus nicht nur ein neues Phöniz.ien, soitdern überhaupt das wirtschaftliche Sch 1 ii s s e 11 a n u 11 e s ganzen wieder zu e u t w i c k e I n d e 11 nahen Orients machen würden." ib. Zionismus und jüdische Turnbewegung Es liegt in der Natur der Dinge, daß der Kampf, den wir um den nationalen Gedanken führen, mehr und mehr nur die Jugend zum Objekt hat. Die ältere Generation hat zum grolle» Teil ihre Stellung zum Zionismus schon gefunden; aber um so aussichtsreicher und zukunftsfreudiger ist die Arbeit unter der Jugend geworden. Unter den vielen Arten der Jugendarbeit ist in den letzten Jahren eine zum Schaden der zionistischen Bewegung in den Hintergrmul getreten: näinlieh 'die in den natioualjüdischen Turnvereinen. Ich möchte gleich vorweg bemerken, daß dies nicht nur von dem Standpunkte rein zionistischer Politik zu bedauern ist, sondern die jüdische Turubewcgiing verdient auch als selbständige Iknve* gung, in der sich die jüdische Renaissance wohl bis* her am körperlichsten und greifbarsten gezeigt hat, viel mehr Beachtung und Interesse, als sic in der letzten Zeit gefunden hat. Vom rein zionistischen Standpunkt zunächst nun ist zu bemerken, daß die jüdischen Turnvereine infolge ihrer naUonaljiidischen Tendenz uns an! leich-

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