Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1912)
- Date
- 1912-02-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2651273-2651763-2651769--08208-2665432- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r ו Abonnements 1 I | tuI di* *öthrntlidi am Kr..!*׳» n. | Itcl1rinr1xl*1 ״Jüditch* Kundathau" | kattrn twi drr K1|>r111t10n und twi * | tili ח riMl.iintcrn uii-jlrlj.ilitluii I ,.,1t M , | tuUrilmlli ÜcuUcliInnil• und Ortter• I j ל!“ M«1 für Mitjpialer I I lädiavhff Vrrisln* im Stmm<tbc<uz | durdi ■Iro Verein 1,— M. | I V*»lag JUdtach• Ituntlacliau I ן K. Cj. m. 11. H. 1 | BERLIN W. tj, SSchalathi Straß« 8. I Telephon! Amt Uhltnd 84$. Gtadiuftutundrn: 9 •1 und 4—7 Uhr, I I IUltilliiHMiuniiriit y ןי tlllil ** —/ Uhf* | •uUtr Sunnibrmi um! SonnUjr. I דt—׳ן ן־״ן י! fl —■, r*n i! C•* 1 - ״׳ץ ןיי״יי■^ ^ץי*^" * י*«י^ / 3 I י / \ (—N f~\ /* ..; * f י! J 1 'יי, I LJ L J •■...׳׳ ־A f" 1 f <*־r ך־־} 1; I J v_\ V./ ב¬; .. 3; 3^ ImI im* lJ״ *4\ rs ג 1 ( Nummer Berlin, den 9. F 1 p 21. Scli’bat 5672 r־ Anzeigen I I Vo*!*n für <11• »ז**ו1*יןיי ׳4^*11*־׳»« Petit. J | adle mirr deren Ktum 40 1'(.! Steller.• | Anjetmte und •Geauilie ...wir Verein•• I ־ Milt, ilunjen und ״Klein« Anreigen*! »DD mir 30 Vlnmig. O O ■ B Mtn uatr i|,te werden, wrr.n l'.irtnheiliegt, | | •let* «ur1nt,*r»11ndl. I.’. l ■t Imnu.liluUl I - MiUn.ieii vurmitteg«. m I I ן Redaktion JQditclia Rundadiau I I UEKUN W. 1$, SiUl.iUehe Straß« 8. ן ■ Telr|d10n1 Amt Uhltnd 815. I L ״,J \ s Jh V-, J L. ■3 s*,. .3 י'׳ ■■ L. ד ׳ ־•־£ X ' 1 1 t׳/ / . 's ־־ ־׳-, ■*״ ־״* י ׳} {'S ■ <. . ׳ל- ‘ •' .1 ׳׳ o U J C/7 ר,.) ר"/ ל ן Sprfdutundi ח Difn%U<£ uml DonrtefiUi? 1 5~6 Ui!r ^Jj in!ףחי Lj J v. XVII. Jahrgang Ausweis Schykel: Stuttgart 18,—, Königsberg 7, , Ober- Ingelheim , Kempen i. I*. *1, -, Halle a. S. 1*1, , Gncscn 37,—, llolicnsalza 29,—, Cottbus I. , Aachen 6,—. Landcsorßanisationsbeitriigc: 1. Ortsgruppen: Gr.-Strehlitz (für 1911) 25,-, Obcr-lngelheim 21,—, Kempen i. P. 5,—, Halle a./S. 63,—. 2. E i n z e 1 p e r so 11 c n; Rudolf Schick, Leipzig (für 1911) 5,—, Louis Lewin, Königsberg, /. Köln a. Uh., 10,—, Max Wollsteiuer, lleriin, 30, •, Dr. Ascher, Dessau, 30,—, J. II. Warner, Ikrlin, 5,—, Max Heymann, Aachen, 9,—, Uechisanwah Dr. Locwcnstcin, Aachen, <»,- —, Erau Rechtsanwalt Dr. Locweitslein 6.—, Hriuio Stern 6,—, Frau Helene Daviüsohn, Hiitlcshciin, 5,—. 3. Verschiedene S p c 1111 e n: I)t.-Eylau 2,—, Halberstadt 20,—. Eingang vom 1. bis 7. Februar 19121 Sch c k e I: 127,— M. L. a n d e 8 o r g a n i 's a t i o 11 8 lu׳ i t r ü g e: 251,- M. Gesamteingang: Schekel: 981.— M. Laudesorganisationsh eiträge: 2821,98 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vcr• cinißung für Deutschland• Berlin W, 15, Siiclisisehc Straße 3, Postscheckkonto! Berlin 8091, Bankkontot A. H. Heymann & Co., Berlin, Unter den Linden 59. Vom Deutsch-Israelitischen Geineindcbuud Die Kampfe im Deutsch-Israelitischen (icnicindc• blind sind in der deutschen Judenlieit mit außerordentlichem Interesse verfolgt worden. Die Stirnmung, die gegenüber den Mallnahmen des Aus- Schusses des Gemeindebundes in weiten Kreisen herrscht, ist scharf ablehnend. Wir haben uns bcmüht, in dieser ganzen Diskussion objektiv tiud ruhig zu bleiben, und werden auch in der Folge diesen' Standpunkt linvcrriickl festhaltcn. Wir müssen aller* dings offen zugchcn, dal! wir die Gereiztheit, die gegenüber dem Ausschuli des l). LG. B. entstanden ist, begreifen, und müssen weiter feststellen, dall ein großer Teil dieser Gereiztheit abgesehen tun dem Vorgehen des Ausschusses in sachlicher He* Ziehung ־ ziirückzuführeu ist, auf die eigentümliche Alt, in der einige Herren, die die Gedanken des Ausschusses vertreten, vorzugeheu für richtig halten resp. gehalten haben. Auf das provozierende Verhalten des Herrn Dr. Colin-Dessau auf dem Ge* meindetagv ist schon früher hingewiosen worden; wie cs in den Wald liineinschallt, so schallt es nachher heraus. Daß seine heftigen, durch nichts gerechtfertigten Angriffe scharf zurückgewiesen werden mußten, ist selbstverständlich. Daß sich ein Vor- Steher der Hannoverschen Gemeinde, Fischer, soweit fortreißen ließ, einem norddeutschen, übrigens nichthannoverschen Rabbiner in Stentorstimme, so daß es auf den Galerien gehört worden ist, das Wort ״Unverschämtheit“ zuzurufen, ist ein Vorgang, der in der Geschichte der deutschen Judentum gottlob einzig dastehen dürfte. Daß schließlich vom Gemcindcbundsatisscluiß, der Blankomandate als groben Unfug bei jeder Gelegenheit gebramhnarkt hat, ein Zirkular herausgeht, in welchem die Vertrauensmänncr angewiesen werden, sich Ulankomandale zu verschaffen, ein Zirkular, in dem es wörtlich heißt: Wir bitten, diesem Rundschreiben seinen streng vertraulichen Charakter zu wahren, tt n d würden namentlich bei unseren Herren Delegierten die Vorlctzung der Diskretion• für einen Vcrtraucnsbruch halten müssen. Daß derselbe Ausschuß geheim, ehe noch ein neuer Gemeindetag clnbcrufen ist, ehe Tag und Tagesordnung feststeht, sich ßlankontandatc zu verschaffen sucht, ist ein Akt politischer Unwahrhaftigkeit, der deutlich für ein schlechtes Gewissen zeugt. ״Der ZIo:»i:.murj erntrebt für tla» JR(If«cX1« Volle <110 CeJmf.ing; einer üffent- Uch-rechillcU «rcaJciicrtca IZclmoilllto iu PnlUfitina.“ Dar-clcr Programm. Die Tendenz ist klar. Die Herren waren bisher unter sich. Es herrschte eine Art Notabeinwirtschaft tintl, da nach der Auffassung gewisser jüdischer Kreise m Deutschland Notabler sein identisch ist damit, der radikal-liberalen Richtung aiiztigehöreit, so war die Folge, dall, abgesehen von ganz, wenigen Ausnahmen, die leitenden Persönlichkeiten tles Ge• ineiiidebiimles, die Vertreter auf den Gciiieindetagcn, sich aus einer bestimmten Schicht und einer he• stimmten Richtung zusanimeiisetzteii. Die Intensivierniig tles jüdischen Lehens iu I )cutsclilaiid, das Siaikirwertlen des Interesses für alle jüdischen Angelegenheiteii, das Erstarken des historischen Sinnes, hat selbstverständlich zur Folge gehabt, daß auch andere Elemente mitziiraten lind nützutaten wünsch• teil. Die Antwort des Gcincimlehtindsatisschusscs ist der Versuch einer Üelcgcnhcitsgcsctzinacherei, die den Zustand gewaltsam unter allen Uinslündcn aufrecht erhallen will, Deshalb die beabsichtigte Statuten• iiiitlerimg! Das passive Wahlrecht soll beschränkt werden, »Ile Gemeinden sollen nicht mehr wühlen dürfen, wen sie wollen, die Großgeineinden sollen iu einer ganz anderen Weise wie bisher Einfluß erhalten; alles das heißt mit anderen Worten, »lein Ratlikallibeialismtis, der unsere Grollgemeintlen bcherrscht, soll die Leitung des l)eul«ch-lsraelitischen (lenieinilebiiniles dauernd ausgeliefert werden. Berlin z. B. soll in /.ukiuift 51) Stimmen haben. I tir diese SUnimvcruieliniiig wird lediglich angeführt, daß Berlin über MO 000 jüdische Seelen umfaß(, einen Jahresbeitrag von 12 000 M. leiste und nur fünf Stimmen habe. Darauf ist allerhand zu erwidern. Zunächst mir folgendes: Der Etat des Dcutsch-lsrac* litischc:1 Gcmciiidcbtmdcs weist für 1911 einen Ausgabeposten von 12 175,68 M. für Archiv und Statistik der deutschen Juden auf. Bestände der Gemeinde* huud nicht, so müßte die Gemeinde Berlin diese Ausgabe selbstverständlich selbst tragen, d. 11. mit aitileren Worten, die Gemeinde Berlin erspart durch ihre Mitgliedschaft an diesem Bosten allein 121,68 M. jährlich. Wäre für den Deutsch-Israclitisciicii Gemeimlebuiid der alte jüdische Grundsatz: ״Isch kntadnaß jmlait" maßgebend, so müßte Berlin nicht 12 000 Mark, sondern mindestens 1211000 M. dem Gemeinde• blinde zuweisen. l:s erhellt ohne weiteres, daß sich mit der materieUcn Leistung der Üroßgemeiiulen eine Erhöhung ihrer Delcgiertcn/alil unter keinen Umständen rechtfertigen läßt, zumal die Beiträge nirgends in den Grollgemeinden a u c 11 n ti r ein» g e r m a ß e u im Verh ä 11 n i s zur Leistungsfähigkeit d e r hetreffend e 11 ü r o II g e 111 c i 11 d c n stehen. Was tut denn eigentlich der Gcmcindcbuiul für die kleinen Gemeinden, daß er ein Recht hat, bei jeder Gelegen* heit davon zu sprechen, welch kolossale Leistung vollbracht wird? 1911 wurden für, Beihilfen an Gelucinden verausgabt \8 8.18,1 [ N\. Hiervon wurde von den Beteiligten selbst aufgebracht: rund 1000 Gemcinden ä 10 M. 10000 M.; bleibt ein Rest von 8818,M M. Es bedarf keiner Ausführung, daß diese Lappalie iu keiner Weise das Lob rechtfertigt, das der Ausschuß sich selbst zollt; bei Leistungen iu dieser geringen Höhe ist es eine grenzenlose Ucbcrtrcibmig, wenn in einem Rundschreiben des Ausschusses gesagt wird, daß er in dauernder und anstrengender Arbeit für das Wohl der deutschen Jiidenhcit und ganz besonders der kleinen Gemeinden gesorgt hat; der gute Wille soll anerkannt werden, die Resultate sind doch wahrhaftig nicht bedeutsam. Hand in Hand mit dem Streben, den radikalliberal geleiteten Groll-Gemeinden das Heft in die Hand zu geben, geht nun das Bestreben, die kleinen Gemcimi.eu zu entrechten. Bisher wählte jede Genicinde den Delegierten, den sic wollte, ln Zukunft soll das passive Wahlrecht eingeschränkt werden und zwar so, dall nur noch eine Gemeinde jemanden aus ihrer eigenen Mitte wählen kann. Die Folge xvirtl sein, »laß »lie kleinen Gemeinden, iu denen iu vielen Fällen nicht »lie Persönlichkeiten vorhanden sein werden, die Zeit und Möglichkeit haben Wertteil, zum Gemeinde* tage zu reisen, imvcrtteleu bleiben, so daß das Votum der mit einer ganz besonders großen Zahl von Delcgierten nunmehr nach »lern neuen Entwurf atisgcstatteten Groll-Gemeinden regelmäßig entscheiden wird. Wie rückständig die I Icrrcn des Ausschusses sind, beweist, daß sie nicht einmal den auch nicht ausreichenden, aber doch wenigstens einigermaßen guten Willen zeigenden Antrag tles San itätsrats Apfel, Kohl, angenommen'Itahcti, der das passive Wahlrecht wenigstens so weit gewähren wollte, daß in derselben Provinz wohnende Persönlichkeiten von einer iu dieser Provinz liegenden Gemeinde delcgiert werden können. Die Opposition hat natürlich auch gegen den Antrag Apfels gestimmt, weil sic gegen jetle Beschränkung tles passiven Wahlrechts ist. Bezeichnenderweise Italien aber nicht einmal die Freunde des Herrn Sanitätsrat Apfel für seinen Antrag einzutrctcii sich veranlaßt gesehen. Lin Antrag, den kleinen Gemeinden dann wenigstens »lie Reisekosten zu vergüten, die etwa 2000 M. pro Jahr ausgemacht hätten, ist abgelehnt worden. Nach einer sehr verständigen Berechnung 11,ulen sieh »lie Reisekosten insgesamt auf 8000 M. belaufen, und da ein Gemeinde• lag s.ifziingsgem.iß alle I Jahre einheriifeii wird, würde cs sich um eine j.ilti liehe Mehrausgabe von 2(HM) M. gehandelt haben. Auch hierfür waren »lie Herren nicht zu haben. Die .Sitzung der gemischten Kommission, die der vo1i,;c üemciiiilctag eingesetzt I1.1t, um einen Ausgleich zu finden, war liherhaupt ergebnislos. Jeder Beschluß war reaktionär und verriet Inicht v»1z hreitcr Oeffcntliclikeit. Nur wenige Beispiele: Fischer, Hannover, beantragt, den Vorschlag, wonach 30 ordentliche Mitglieder einen außerordentlichen Gemeindetag cinbcrufcu dürfen, daliin zu vcrschlechtern, daß »lies nur 00 ordentliche Mitglieder dürfen und findet das sogar noch ״sehr mäßig“, Prof. Apt, Berlin, verlangt 25 <> tlcr Gemeinden für die Einbcriiftuig eines außerordentlichen Gcmeimletages. Das heißt, 250 Gemeinden sollen zusainniengehracht werden, um die Möglichkeit zu haben, einen außerordentlichen Gcmciiulctag einztibeitifeit!! Vergeblich haben die f ferren Rechtsanwalt Dr. Kl e e und Bankier Löwy, Rawitsch, darauf hingewiesen, daß solche Anträge unaimciimbar seien, daß man sich freuen müsse, daß »las Interesse in den Gemeinden steig,e und »lall mau doch eine freiheitliche Ent- Wicklung nicht deshalb vernichten tlurfc, weil sie vielleicht auch einmal mißbraucht werden könne. Bc* Schluß: Der Antrag Fischer wird angeiioiitiuen. Weiter: Der gewiß nicht im Geruch der Orthodoxie otler des Zionismus stehende Geheimrat W o 11 stein, Breslau, beantragt, daß mindestens zwei Rabbiner und ein Lehrer dem Ausschuß angeboren müssen. Fischer, Hannover, ist dagegen. Trotz eingeltender Befürwortung durch die Herren der ״Oppo• sition“• wird der Antrag ahgelvhnt und lediglich in das Belieben des Ausschusses gestellt, Rabbiner und Lehrer zu kooptieren, Ftir »len Antrag Wöllsteins finden sielt nur I Stimmen!! Die in gewissen jüdiselien Groß-Gemciudcn traditionelle Vorsteherstim• mutig, die bei jeder Berücksichtigung berechtigter Forderungen des Rabhiuerverhamlcs ״Klerikalisicning^‘ fürchtet und ängstlich zu verhüten sucht, daß ,,die Beamten" über ihre Kompetenzen hiiumsgeben, siegt. Es ist außerordentlich lehrreich, das stenographische Protokoll der Tagung vom 3. Dezember 1911, das ja vorlicgt, gerade auch in bezug auf diesen Punkt durchzuschcu und 1. B. zu diesem Punkt die Reden der Oppositionsvertreter, der Herren Dr. Klee, Löwy und Gabriel Hirsch, Halberstadt, mit den Reden der Herren des Ausschusses zu vergleichen. Unsere Rabbiner und Lehrer werden, wenn sie cs noch nicht gewußt haben, nach dieser Sitzung wissen, wo ihre wahren Freunde sitzen. Wenn irgend etwas bcrcchtfgt ist, so ist es die Fordentng der Rabbiner und Lehrer, satzungsgemäfl eine Vertretung im Aus-