Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1912)
- Date
- 1912-02-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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KeilaktionieehluSl Mittwoch vormittag«. Redaktion JUdlach• Rundachan BERLIN W. 1$, SSebaladi« Straft« ft. ן Teleplioni Amt Ulilaml 845. ן Sprechatunden Dienatagund Donneratag 5—6 Uhr nadimittaga. GAG8C3G ך״״ ״ ״ ך"^ ן,—- c l מ"/ ס ף p. ג־״׳^ ף ,K.y עי uvy כ־־ש ח <~7 r־־c y,u[J u 3) [׳.ח U ü vdJ Nummer 5 Berlin, den 2.;bniar 1512 — 14. Sch’bat 5672 XVII. Jahrgang Ausweis Schekel: Ncumarkt i. H. 8.—, Dcutsch-Evlau 18,—, Cöthen '21,—, Nürnberg-Fürth 30,- , Lübeck •15,—, Königsberg 28,-•, Posen 150,-, Würzburg 8,—. Landesorganisationsbcitrilge: 1. Ortsgruppen: Würzburg 24,—, Königsberg 4,—, Cöthen 57.--, L)eulsch>Eylau 51,—. 2. I: i n z e 1 p e r s o 11 c n: A. Stein, Straßburg, 10,־־, Dr. Eliasberg, Berlin, 10,--, Max Jonas, Florenz, 20,—. Eingang vom 25. bi» 31. Januar: Schekel: 308,— M,. La 11 d e so rg u n i 8 a t io n s be i t r äg e: 179.- M. ״Dor Ztaninmua crctrcbt für daa jüdlöc’io Vcl’t die Schaf £un~ einer öffent- IicI1-recbdcU £fcnlcl:ortca Helmstütto in PalüslLaa.“ Dacclcr Progrnnus« s Gesamtcingang: Schekel: 854, ~, Lande Organisation so citrägc: 2573,93 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vcrcinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bank, konto: A. H. Heymann & Co., Berlin, Unter den Linden 59. Arbeit und Erfolge Satte Selbstzufriedenheit ist nicht jüdische• Art, und besonders wir Zionisten wissen uns von dieser Untugend frei. Unsere Aufgabe ist 10 groll und unser Ziel so weit gesteckt, daß eine jede Leistung an ihm gemessen als winzig klein erscheinen muH. Aber gerade deshalb tut es not, den Blick nicht immer nur darauf zu richten, was zu erreichen uns bisher versagt blieb, sondern bisweilen auch rückblickend einmal festzustellen, wie weit wir es gebracht haben. Gab cs nicht einmal eine Zeit, wo unsere Gegner die wenig ritterliche, aber schwere Waffe 'des Totschweigens gegen den Zionismus mit scheinbarem Erfolge zu führen wußten? Nun, zu •einem Totschweigen ist es ja nicht gekomtuen: Wir leben noch, aber das Schweigen ist gebrochen und auf allen Märkten des Lebens, wo jüdische Dinge verhandelt worden, weil! sich der Zionismus heute zur Geltung zu bringen, wie andere Richtungen im Judentum auch. Ja, unsere Qegner, deren Schweigen wir aus eigener Kraft und durch die Macht unserer Idee überwunden haben, zetern bereits über Vergewaltigung. Welch ein Wandel! Sie haben damals mit dem sicheren Instinkt aller Reaktionäre Morgenluft gewittert und ganz richtig erkannt, daß sic mit ihren hohlen Argumenten und verbrauchten Schlagworieu uns nicht stellen durften und konnten. Ihr feiges Ausweichen aber konnte unseren endgültigen Erfolg nicht hindern, sondern lediglich hinaus* schieben. Der Zionismus kann heute nach knapp fünfzehnjährigem Wirken bereits für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, das gesamte jüdische Leben in Deutschland belebt und in positiv jüdischem Sinne reformiert zu haben. ,Wo immer wir heute auch Säfte jüdischen Lebens schneller kreisen spüren als vor Jahren, — mag es sich um das ncuerwachte Interesse am Hebräischen, die Bestrebungen zur körperlichen Hebung unserer Jugend, um Gctncindefrngcn, tim die Rückgewinnung der Alliance für rein jüdische Interessen handeln, — überall wird man unseres Oeistes einen Hauch verspüren und nirßends kann und will man unsere Hilfe jetzt ganz entbehren. Denn wir sind in treuer Erfüll miß unseres 'zweiten Baseler Programm- Punktes die allein berufenen und konsequenten Vertreter der O r g a n i s a t i o 11 i m J u d e 11111 in. Erst der Geschichte wird es Vorbehalten bleiben, diese Leistung, die in so kritischer Zeit einsetzte, ganz, zu werten. Wenn heute unsere Bestrebungen immer mehr von vorurteilslosen Nichtjuden gewürdigt werden, so ist das wohl nur zu einem geringen Teile unser Verdienst. Wir haben das Glück, einer Idee zu dienen, die so groll und schön ist, daß sie sich den Beifall aller Adligen im Geiste verdienen!null. Und wenn unter den Stimmen, die Sombart in seinem neuen Buche ״Judentaufen“ gesammelt hat, noch solche zu finden sind, die den Zionismus ablelmen, so werden wir eben unsere Bemühungen zur Aufklärung der weitesten Kreise verdoppeln müssen. Was wir in unserer eigenen Organisation geschaffen haben und wie unsere Institutionen mit den verwandten und befreundeten zusammenarbeiten, das ist dem Gesichtskreis unserer Leser so nahe, daß sich ein näheres Eingehen an dieser Stelle erübrigt. Ls ist die Voraussetzung aller unserer Erfolge nach außen. Wir konnten cs schaffen, weil uns jener schöpferische jiklisehe Optimismus beseelte, der ein jedesmal auf unseren Kongressen im Zusammensein mit unseren Brüdern aus aller Welt neue Nahrung fand. Noch vor zehn Jahren mochte ein jeder, der jene Erfolge, die wir heute zahlenmäßig belegen können, vorausgesagt hätte, verlacht werden. Heute stehen unsere Gegner vor der Tatsache, und ihre erbitterte Feindschaft freut uns, denn sie zeigt uns unsere Stärke. Aus unseren Erfolgen wollen wir nicht weni• ger lernen, als aus unseren Mißerfolgen. Was wir sind, danken wir unserer festgefügten Organisation, die in erster Linie durch die finanzielle Opferfreudigkeit eines jeden von uns getragen wird. Gerade das Jahr 1011 hat uns hier ein gutes Stück vorwärts gebracht. Der Voranschlag unseres Fiuanzressorts hat im ganzen elngchalten werden können. Das neue Jahr stellt uns vor neue Aufgaben. Die erste Pflicht ist aber die Stärkung des Landesorganisationsfonds 1912, weit durch sic erst alle xvcücre Arbeit möglich wird. Und vieles ist noch zu leisten. Ein jeder Erfolg, soll uns neue Ziele zeigen, aber für Kleinmutige und Schwarzseher ist in unseren Reihen jetzt gewiß kein Raum: Der Zionismus ist auf dem Marsche. Demission des ’ türkisdien• Großrabbiners (Eigener Drahlbcricht der ״J. R.“) Konstantinopcl, 31. Jan. 1912. Rabbi Haim Nahum hat soeben infolge der Einigung des Konsistoriums (Mcdschliß) mitdenAschkenasim sein Amt nicdcrgclcßt. Antisemiten im Wahlkampf Ein eigenartiger Wahlkampf liegt hinter uns. Auf der Linken war die Parole gegen ״Junker und Pfaffen“, ״Ritter und Heilige“. Die edlen Herren der Rechten kreischten ihr Kriegsgeschrei: ״Gegen Juden und Judengcnosseu“, In dar Gesamtpresse der Rechten las man zwischen den Wahlen tagtäglich schmutzigste Verunglimpfungen der Juden. Auch das Zentrum war dabei. Die Herren Klerikalen, die Schmocks der Politik, sie können ja rechts, sie können auch links. Mannhaft schöne Worte fanden sie schon fiir unsere Sache. Diesmal waren wir das Ziel ihrer!Meile. Den Judenhaß der anderen benutzte die Linke zum Gewinn der Jndciistimmen auch dann, wenn der Gegner gleichfalls links stand. So wurden liberale, demokratische und sozialdemokratische Männer in Wahlaufrufen, auch manchmal zu Unrecht, zum antisemitischen Heerbann gezählt und vor ihrer Wahl gewarnt. Trotz, all dieser scharfen Betonung dar Gegensätzlichkeit in der Auffassung der Judenfrage, hauten fast überall die Liberalen den Antisemiten in der Stichwahl heraus. In Kurhessen flössen Raab und Kollegen fast alle liberalen Stimmen zu. Die Fortschrittler gaben die Entscheidung dem Wähler frei. Die Nationallibcralcn traten offiziell für den Antisemiten ein. ln Waldcck sogar gegen einen Fort• schrittlcr. In Eschwcge ist ein jüdischer Rcchtsan• walt Schriftführer des iiationalliheral-antiscmitiseheu Vereins. Hat er sein Amt niedergclcgt? Ich glaube es nicht. In Il*׳s׳;c11 iü alles möglich. Bei einer Iriilieren Wahl wurden in Kassel die Juden von der Kanzel herab zur Wahl des Antisemiten aufgefordert mit dem Hinweis, daß Juden, da Landesgesetz ihnen Gottesgesetz ist, fiir jeden Sozialistengegncr, auch für Herrn I.attmaim, stimmen müssen. Das brave Verhalten der Liberalen wurde nicht belohnt. Die Antisemiten rächten sieh für ihre Niederlage aus eigener Kraft, doch ihre Rache ist ein netter Scherz. Sie verschafften das Nordhäuser Mandat dem ״Juden Colm“, sozialdemokratischem Rechtsanwalt aü9 Berlin. Noch einen Gefallen tat uns die Rechte. Sie wählte Mugtlan hinaus. Er erdreistete sich, unsere Sache im Parlament zu vertreten. Er ist seit seinem Ueheitritt christlicher Germane mit mosaisch-atavitih• schein Einschlag. Er ist stolz auf sein Christentum. Doch die Fortschrittler haben diesmal einen richtigen Juden (vielleicht auch zwei). Seit den Tagen Richters, der nicht einmal jiidisehe Redakteure in der Parteipresse duldete, ist dies der erste Fall. Dr. Haas aus Karlsruhe, Angehöriger des K. C., eines immerhin hcwiillt-jüdischen Akade• mikcrverhaiides, wird hoffentlich besser als die vcrllosseiien Eickhoff, Wieiner, Mugdan für die Juden eintrclcn. (Wahlstciu soll auch Jude sein.) Als die Sozialdemokraten die Liberalen aufforderten, dem Kriegsminister, wegen seiner Stellung zu den Juden, das Gehalt zu verweigern, vertröstete Wiemcr auf den jetzigen Reichstag. Jetzt mutt es nicht mehr nur Demonstration sein. Die Liberalen haben sich doch für die Linke eine Majorität mit drei Stimmen errechnet. Also, I terr Haas, stellen Sic, bitte, gemeinsam mit Ihren ausgetretenen und nicht ausgetretenen Glaubensgenossen von der Sozialdemokratie einen sol• eben Antrag zum Etat. Weiter bitte iclt Sie, Herr Haas, dafür zu sorgen, daß der Fortschritt nicht nur von der Regierung volle Gleichstellung der Juden verlangt, sondern sie auch selbst gewährt. Ich verlange die Wahl jiidi• scher Bürgermeister in fortschrittlichen Groß-, Mittel* und Kleinstädten (cs ist noch nie ein Jude gewählt worden), Besetzung der Vcrbandsdircktorstellc von Groß-Berlin mit einem Juden, da sie nach Ansicht des Fortschritts hierfür besonders geeignet sind. Weiter verlange ich vorläufig nichts. Die Forderungen sind durchführbar. Die Regierung muß bestätigen, Die Liberalen haben im Reichstag ja die Majorität. Doch, lieber Herr Haas, lassen Sic cs lieber. Das liberale Rcchcnkunststück (U0־42־|״f"45־i-7 — 2 =» 202) könnte sonst In Trümmer gelten. Lassen Sic das t