Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1912)
- Date
- 1912-01-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 13 oben, nach vorwärts gerichtet, Wandelte er, die Thora im Arm, als ob *lic Jahrtausende lebendig׳ neben ihm schritten, daliin.!).um erschien Rebekka auf dem Wege /tun Brunnen. I ine anmutige, schlanke, in bräunlicher Schönheit und Süßigkeit, j״ elastischen Schritten sich ergehende Mädeheugcstalt. Nun mul! ich aber, so bedauerlich dies auch ist, alle folgenden wolilgehmgencii Figuren, wie Je nie• netischer Jude, jüdischer Fuhrmann aus I.Italien, 1 etuaiiisclie Jüdin, Wnnderrabbi, Rabbi Reines, ja sogar die Ponle Zion, Fraktion beim Zionisten• kougrvß, in Begleitung der Marsallaise und noch andere übergehen, tun nur einen Moment bei der lieblichen Ruth, der Heldin Judith und der königliehen Esther /u verweilen, denn der Prophet Jeremias, der wohl auf alle den nachhaltigsten Ein• druck machte, darf nicht ungenannt bleiben. Eine holte, schlanke Mnnncrgotalt, mit laiigwallcndem, düsterem, um die Hüfte gegiirtetcui Gewände, schritt er dabin, das Auge weit offen, in die Ferne |;e• richtet, als ob es alle kommenden Zeiten durch• slrinyen wollte, kehrte er langsam, /ulet/t gesenkten Hlickes, zur Huhne zurück, um dort auf den Irummcin Jerusalems /usnmmenbrcehen. Und nun muH ich wilder tapfer ״nusschreiten" und wacker ״über* schreiten״, um nach meinem Begriffe zu dem ״Resten״, was der Abend bot, zu gelangen. Und dieses Beste, das zu schildern mir eigen(• lieh am schwersten wird, ist (ioluth, Erc/ Israel und die Ansprache der Kohmistenkinder. Zur Erde gehuckt, schwer beladen, seufzend und keuchend, ipiälte sich das erstere vorwärts, vergebens ver• suchend, sich zuweilen aufzuriebten, um uiif/.iiatmcn, gintf es weiter, immer weiter. Immer tiefer beugte sich der Rücken, immer schwerer schien die East da, auf einmal kam ilun eine jubelnde Menge, ein Schar lieblicher Kinder, wohlgenährte, stramme feklnrbeiter, enlgcgengestiir/t, entledigten es seiner Lasten, richtete es in die I lohe, und inmitten dieser fröhlichen, glücklichen Menschen zog es hochauf• gerichtet, mitsingeud und mitjuhiliereiid in das Land der Freiheit, ins langgesüchte Heimatland, in Erez i Israel ein. Dort hielten die Kolonistcnkiuder he• * britische Ansprachen, und unter Musik, Gesäugen, lledadrufen und Eulmenschwingen erwacht Jeremias. Ich schäme mich, nicht bessere, erhebendere Worte für diesen ergreifenden, ja geradezu erschütternden Vorgang zu finden. In tiefster seelischer Erregung, der Gegenwart vergessend, verharrten die Zu• schauer einige Minuten stumm und sprachlos, ehe der wohlverdiente Beifall losbrach. Dem Veranstalter aber, dem Leiter mul Führer des so überaus gelungenen Ganzen, der keine Mühe, keine Opfer scheute, um es auf diese Höhe zu bringen, dem M ס n U׳ u r M o r d c c I! c i Kor 11, sei an dieser Stelle gedankt und der Wunsch ausgcsprochen, dail er das noch in guten Jahren er• leben möge, was er hier mit soviel Wärme, mit soviel Begeisterung gezeigt hat. « AusflueR waf ״ Deutacliland Das sächsische Kultusministerium hat beschlossen, an der Universität Leipzig eine Lektorstelle für s p ä 111 e b r ä i s c h c, j ü d i s c 11 a r a in ä i s c 11 c und t a I u! u d i s c h c Wissenschaften zu er• richten. Sie wird vom 1, April uh dem Privatgelelirteii Israel Issnr Kali an in München übertragen mit der MalJgabe, daß dessen Unterricht mit dem alttcstainentlich-cxegetischcn Seminar in Verbindung steht und gleich diesem der Oberleitung des I*rofcssors Dr. Kittel unterstellt ist. Die Leipziger Universität ist die erste, die endlich die Bedeutung der tahimdischcn Wissenschaft durch die Stellung dieses Lektorats anerkennt. Türkei Dieser Tage wurde in Beirut ein jüdischer Arbeiterklub nebst Bibliothek und Lesehalle er• öffnet. Dies ist der zweite jüdische Klub in Beirut. Einen solchen besitzen nämlich auch die jüdischen Hörer des hiesigen amerikanischen College. Dieser Studentenzirkel führt den Namen ״Kadimah". Russland Die achte Generalversammlung des .0 d c s s a c r Palästinnkoinitccs findet in der Zeit vom 1 •I. bis zum 18. Februar statt. Zur Beratung stehen die verschiedensten wirtschaftlichen und kulturellen Fragen der Pnläslinaarbcit. Die Tagung verspricht sehr inhaltsreich zu werden. Nach den bisherigen Erfahrungen (die Generalversammlung der Chowewc• Zion findet alle drei Jahre statt) ist eine überaus große Beteiligung der Mitglieder aus alten Teilen Rußlands zu erwarten. i i C C״f UOI i! »1'׳j 'י, יו (״ Ev! HUU Die diesjährige Orangen!,aisnn in Petliach-Tik* wah schließt mit einem außerordentlich günstigen finanziellen Ergebnis ah. Die Kolonie hat heuer über fünf/ighiiisciul Kisten Orangen auf den Markt gebracht, 11ml der Reinertrag einer Kiste stellt sicli im Durchschnitt auf 11 Eres. Sehr erfreulich ist auch der Umstand,!lall diesmal heim Pflücken, Verpacken und Verladen der Früchte eine weit größere Anzahl jüdischer Arbeitskräfte Beschäftigung fand als in früheren Jahren. Der neue Chaehambaselii von Jaffa, Uablti Benzion U s i c I, unternahm dieser Tage eine Rundreise durch die jüdischen Kolonien in Judäa. Er ,wurde überall mit großer Begeisterung empfangen und seitens der Waadim eingehend über die Lage der einzelnen Kolonien informiert. Dem Vernehmen nach plant die Gesellschaft, die im Besitze der Konzession zum Betrieb einer e l c k* (rischen Straßenbahn in J c r u s a I e 111 ist, auch in Jaffa eine solche ein/urichteu. Dieselbe soll späterhin möglicherweise über Tel-Awiw nach Sa ron a und I* e 111 a c 11 T i k w a 11 (lurchgeführt werden. »,וי « ןי , üC D* . Agilaticnsrciscn des Parteisekretärs Hagen i. Wcstf. Nachdem Herr Dr. Rosenf e I d I I Tage zuvor im hiesigen Jiigciidvercin über ״Die Jüdische Jugend in Deutschland" gesprochen hatte, hielt in der ersten Woche des Dezember I lerr Parteisekretär Kurt Rosen ha um vor einer überaus zahlreich besuchten Propagandaversammlimg einen Vortrag nlier die Ziele des Zionismus. Mit reger Anteilnahme folgten die Zuhörer seinen interessmüen Ausführungen. Die scharfe Diskussion wurde dureli Herrn Dr. Rosen fehl, der sieh mit einigen I lei reu der Fiberfehler Ortsgruppe ciugcfuudcn hatte, eröffnet; sie zeigte außer einigen Lichtblicken insbesondere, welcher Beliebtheit sich die völlige A'-similatiou hei einigen eingesessenen I Eigenem erfreut. Aussprüche wie: ich hin in erster Linie Westfale, und wer mich als Westfale beleidigt, trifft mich weit schwerer, als er mich als Jude überhaupt beleidigen kann, besagen mehr als das. Jedoch vermochte keiner der Gegner mit seiner unklaren Stellungnahme den von zionistischer Seite mit prägnanter Geistesschärfe gemachten Ausführungen st.imlziihalkn, und sicher hatte jeder den Eindruck, daß liier d i e Frage des jüdischen Volkes behandelt worden war, der ein bewußter Jude nicht aiiswciclieii dürfe. Die Zahl der von uns neu Gewonnenen und der Wunsch der noch Unentschlossenen nach weiterer Aulkläning, lassen zuversichtlich hoffen, daß auch der trockene Wcstfaleiibodcu bei richtiger Kultur in kurzer Zeit jung-jüdische Früchte tragen wird. Velbert (Rhhl.). Seit Menschengedeiikcn hatte in unserer 25 000 Einwohner zählenden Stadt, in der kaum ein Dutzend jüdische Familien wohnen, keine jüdische Versammlung mit einem allgemein-jüdischem Thema statigcfmuien. Ja, seit etwa 5 Jahren hatte sogar der gesellschaftliche und persönliche Verkehr, der durch einen selig entschlafenen ״Verein zur Förderung israelitischer Interessen" getragen weiden sollte, mit diesem seihst den Betrieb eingestellt. Allseitige Freude rief daher die Einladung zu einem sorgsam vorbereiteten Vortrag des Herrn Dr. Julius R o s c 11 f c I d Königsberg hervor. Am Bult• mul Bet• tage sprach der Unermüdliche über das Thema: ״W a s II u s J u d c• 11 b e w e gt". Aus den Nnclibargeineindcn Neviges und Langenbcrg war man licrbcigccilt, und die aus 10 Personen bestehende Versammlung folgte in atemloser Spannung und steigender Begeisterung den ihr aus so beredtem Munde verkündeten jungjüdischen Gedanken. An den l'/z Mündigen Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion, die Zeugnis ahlegte von dem Interesse, das man den packenden und kristallklaren Ideen des Redners entgegenbrachte. Bis auf wenige Auswärtige, die steh wegen ungünstiger Zugverbiiiiiung vorzeitig entfernen mußten und einige andere, die aus rein persönlichen neben der Sache liegenden Gründen fernhleihcn wollen mul werden, trug sich die ganze aus ״Deutschen" hestellende Versammlung, überzeugt von der Hoheit und Macht des zionistischen Gedankens, in die Listen!!er zu gründenden Ortsgruppe ein. Die üegeisterung in den Augen von Jung und Alt möge unserm liehen Dr. Rosenfeld gezeigt haben, wie sehr seine Worte gezündet hatten; cs herrschte nur eine Stimme: alle waren d e in, der ihnen diese neue Weit in so glänzender Form erschloß, aufrichtig dankbar und sahen ihn in später Nachtstunde nur ungern scheiden. 26 Schekclzahler waren der äußere Erfolg seines Vortrags. Am 13. Dezember sprach dann in einer trotz dringender Weihnachtsgeschäfte gut besuchten Versammlung Herr Parteisekretär Kurt Rosenha 11 m nlier ״den Zionismus und seine Organis.ilioii". in knappen und!reffenden Worten fulirte er den Zuhörern das Gebäude des Zionismus vor Augen und weihte sie was ilun auf Grund in• timer Sachkenntnis mul einer dureli Klarheit ausge/ck'liiietcn Darstellung vorzüglich gelang hesonders in die praktische kulturelle Paläslinaarhcit mul in die Ziele unserer liistilutione.1 ein. Auf ver• sdticdeiic Anfragen hin verbreitete t־r weiter Auf-, klartmg über die Stellung des Zionismus zur Re• ligion, zur Alliance mul Türkei und erreichte so, dal! alle erschienenen (iäste ihren Beitritt erklärten. Die Versammlung, die durch die Ausführungen unsercs Parteisekretärs voll befriedigt war, brachte ihren Dank durch Stiftung eines Oclbamns auf Herrn Kurt Roseiihaiims. Namen zum Ausdruck. - Am Silvester• abend endlich konstituierte sich die neue Ortsgruppe Velbert. Als jüngste aller Ortsgruppen wird sie, von Elberfeld durch geistige jmig-judisclie Nahrung kräftig unterstützt, eine treue Mitarbeiterin an der Wieder• gehurt des jüdischen Volkes werden. Ihr Vorstand bestellt aus den Herren Referendar Aaron, Vor• sitzender, Harry Arrongc, Schriftführer und Sally Herz, Kassierer. Regensburg. Am 16. Dezember BMI (25. Kislmv 5672) hatten wir unsere Makkahaer-Feier, die diesmal ein besonderes Interesse b<»t, weil der Partei- Sekretär, Herr Kurt Kusenbaum, als Festredner gewonnen wurde. Nach der Begrüßungsansprache des zweiten Vorsitzenden, Herrn Theodor Wolf, hielt der Parteisekretär, Herr Kurt Rosenbamn, in formvollendeter Weise die Festrede, welche auf die Versammlung ihren Fiudruck nicht verfehlte. Musikalisehe und deklamatorische Vorträge (die Herren Otto K o 11 i g s h e r g e r, Konzertmeister Rehholz mul unser Mitglied Alexander S c h n ti r 111 a n n) ver• schonten den Abend. - An Uebercrlös aus ver• kauften Lichtstein-Broschuren und Ansichtskarten wurde der Betrag von ,׳irka 12 M. dem National• fonds überwiesen. N. Erlangen• Am 20. Dezeniher sprach hier im zionistischen I )iskntierkluh der Parteisekretär Dr. Kurt U o s e 11 h 1111 m über ״Die Juden der Gegen• wart." In äußerst klaren und zu Herzen gellenden Worten führte derselbe den llorcrn die physische Notlage mul unhaltbare Sim.ition der Ostjmlen vor Augen, indem er gleichzeitig darauf limwies, daß die Lösung des jüdischen Problems in Osteuropa auch die l.ösimg der Jmlenfrage überhaupt bedeute; und diese Lösung sei der zionistische Gedanke: jüdische Majorität im Lande Israels. Den Redner belohnte reicher Beifall. Eine anschließende Diskussion gab demselben noch Gelegenheit, auf einige Detail!ragen näher eüi/ngelicii. Die erstmalige Anwesenheit eine« zionistischen Parteisekretärs in Erlangen hat den Ent• wicklmigsgnng unseres noch jungen Klubs sehr günstig beeinflußt. Auf den Namen des Herrn Partei• Sekretärs wurde ein Oclbanm gestiftet. S. D. Würzburg. Am 21. Dezember sprach Herr Parteisekretär Kurt Rosen bäum in der hiesigen Zionistisehen Ortsgruppe über das Thema: ״Die Juden der Gegenwart." Da die letzten Wochen dem Würzburger jüdischen Publikum lowolil in Abhaltung von Chaimkalifcilrii, Vergnügungen und Vorträgen viel Abwechslung brachten, so war das Auditorium an diesem Abend kein besonders großes, aber um so aufmerksamer folgten die Zuliörir den Ausführungen des Herrn Referenten. Redner skizzierte zuerst die politische und gesellschaftliche Stellung der Ost- und Westjuden, ging daun zur Schilderung der Lebensweise und Lchcushctatigimg über und ließ in seinen Aiisliilirmigen die Ueherzeiigimg erstehen, daß int Jiidenproblein des Ostens auch gleichzeitig die Juden* frage der Gesamtheit enthalten sei. Die Assimilation, das Untergehen des jüdischen Volkes in den nuderen Nationen bedeutet den Tod unserer Nation; die Zionisten dagegen erstreben seine Erhaltung und Regelte• ration. Dann verwies Redner noch auf die Mittel, die der Zionismus zur Losung Vorschläge, und bctunte überzeugt und wirkungsvoll, daß alle anderen I Versuche der Lösung keine Lösung sind. An dem ' Vortrag des Herrn Parteisekretärs schloß sich eine äußerst interessante Debatte an, in der der Wille unserer Gegner nach Klarheit und Verständigung zum Ausdruck kam, wozu der Vortrag Viele Anregungen geboten hat. AUS D£N 66M€IMDeM Zweibrückern Eine allgemein interessierende, prinzipielle Entscheidung betr. das Budgetrecht der israelitischen Kultusgemcindcn der Pfalz hat die kgl. Krcisregieriing in Spever, Kammer des Innern, erlassen. Bereits im Vorjahr stellte eine Reihe Mitglicilcr der israelitischen Kultusgciucindc Zwelbrückcn an den Synagogcnatissclmß das Ansuchen, das Jahresbudget der Kultusgciucindc öffentlich aufztilcgcn, damit analog den Bestimmungen der pfälzischen Ge-