Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1912-01-05 · Heft 1 (5.1.1912) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2651763-2651764--08162-2665381
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

r I I I I I I I •rVii Abonnement)! \ r~'\ •uf d!« wCtlKnlIltl• •m IV• •teä •chrlnrml« ״JOclii.-lir ן^', \ f ko»l׳n bei der H»1,1.01.>ין. u!!it bei *ll»n l’o«l»mt*rn vieiUij.lirliili l״jM, •uBn'halb, DtultcbUmI• uml 'O,Vier• rcich'Unft'ni 2.— M.s für MVir^Mer jüdivAer Verein« im durch den Verein 1,— M.'. C Vorlay Jüdisch• Rundschau-'; 11 ü. m. b, I L . BERLIN W. IS, SlduUch» Straft« 8. Trlrpbon: Amt Uhland US. GaadiiifUitundra! 9-1 und 4—7 Uhr, tuller Sonnabend und Sannt*;. \ ,י*‘/ 'X Anzeigen K.. J k J ך׳ J \ ץ״•—4—ץ % ־-^ ץ״־ ־4 * ' / , , *' i \__J X», für di* «r!}.י;•?'t**ltrne Pflit• 110 ojrr tUttn K*4׳h» 4ö 1*1.4 Stell»n• Afi^Kute ur»tJ •(ie»u*ho «0* 1» Verein»• Miltniyngen und «Klein• Anzeigen* ö a nur 50 Hrmiif. Q Q Mint.skriplr Hfr-!״׳n, werm Porto Heilif gl, ■tft» lururkgeiandt. KedaktionuüitaBt MiUvmkJi vormittag•. Redaktion JUillacIi• Riinilicliatt BERLIN W.1S, SäcIuUthe S^aß•«. Telephons Amt Uhltad &15. Spreehjtunden D»en»t*g und Donnerttaf l J t ä ו 1 1 1 1 kauaui■ f I 5—6 Uhr naJimitU;«. ר¬! 8 I 1 I I! I I I I I Nummer Auswei j <j׳r י 1 c׳ n ij 40 •—♦•■*א * U '• .) cp /. 1D 40 ח c־o #o -_I r\n 43 ׳•)! , r4״ _•־ Lj ui anuar 1״ A‘■׳״', *• Ivi 15. Tebcth 5672 XVII. Jahrgang 1911. Landcsbcit rüge: München 17! M.,TTH71kfur! 102 M., Regcnsbiirg 80 M., Nürnberg-Fürth 5(! M., Esclnvcilci• mul Umgegend •ID M. Orßaiiisationsfoiids: Albert naruclt, Essen 5 M., Max Rosenthal, Glogau 5 M., Dr. J. Hecker, Berlin 10 M., I>r. Ztrker, Herlin 10 M., Rechtsanwalt Dr. Holz, Berlin 10 M., Fritz Lissaucr, Berlin 3 M., Professor Lewin, Berlin, 20 M., Frau Hianka Lesscr, Berlin, 5 M., San.-Rat Dr. Cnspnry, Herlin, 10 M., J. Hncr, Herlin 10 M.,. Dr. Locwy, Herlin 5 M., Ortsgru|)pe Hentlien 100 M., Berlin 8 M., Erlös für Koupons des J. C. T. 90.95 M. (siehe ״Verschiedene Spenden")• Eingang vom 21. bis 31. Dezember: Landes• beitrüge: •1TJ M., Organisatiousfönds: 291.95 M. Gciamtcingang: Landesbeiträge: 7506.03 M., Orgaiiisatioiisfonds: 10*178.08 M. 1912. Schekel: Ostrowo 12 M Landesbeitrüge: 1. Ortsgruppen: Ostrowo 27 M., Breslau 300 M., Ebcrswaldc 51 M. Z Finzel- Personen: Dr. liantkc 200 M., Dr. lieyinaini 200 M., Richard Lichtheim 150 M., Prof. Warlmrg, 1. Rate, 50 M., L. Fleischhacker, Elberfeld 10 M., Louis Locwcnstcin, Eydtkulmen 5 M., Robert Bergmann, Evdtkuhncn 5 M., Siegfried Miltner, Fydt• kulmcn 3 M., Louis Dcmbinsky, Gmubinncn 5 M. Eingang bis zum 3. Januar: Scliekel: 12 M., Landesorgauisationsbeitr.ige: 1009 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Verclnlgung für Deutschland, Herlin \V. 15, Sächsische Straffe §. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Herlin, Unter den Linden 5Q. Wahlen Heute in einer Woche, am 12. Januar, v.erdci. wieder einmal lür voraussichtlich fünf Jahre, nicht etwa, wie Optimisten sagen, die Geschicke des Deutschen Reiches festgelegt, aber doch' die Entscheidungen getroffen über die Zusammensetzung derjenigen Stelle, die einigermaßen hörbare Kritik an denen zu üben berufen ist, die diese Geschicke in Wahrheit lenken. Es ist unnötig, zu sagen, welches besondere Interesse wir deutsche Juden nicht als Deutsche, sondern als J u d c n an diesen Waiden nehmen. Es kann uns weder gleichgültig sein, wen die Juden in ihrer Mehrheit wählen, welcher Partei sie ihre Stimmen zuführen, noch welche Juden etwa in den Reichstag gewählt werden. Ja, die letzte Frage ist vielleicht sogar die wichtigere. Freilich ist hier aber auch die Entscheidung am leichtesten. Denn es ist ganz, selbstverständlich, dal) es unseren Interessen nur entsprechen kann, wenn die zur Wahl stellenden jüdischen Kandidaten a uch a ls Juden so charakterfest und gesiniiungsvoll sind, wie ihre Partei es von ihnen in ihrem Parteisimie verlangen muH. Daraus ergibt sieh als ebenso selbstverständliche Folgerung, daß getaufte Juden von uns unter allen Umstünden bedingungslos ah/.tilelmen sind, sie mögen sonst noch so hervorragend sein. Das ist eine primitive Bedingung unserer Seihstachtung. Und wenn in einem Wahlkreise zwischen einem Taufjuden und einem Anti- Semiten die Entscheidung getroffen werden mul), so soll jeder selbstbewußte Jude s e c I e n r u 11 i g den Antisemiten in das Haus am Königsplatz, einziehen lassen — es kommt auf einen mehr nicht so genau an! •־- soll aber mit allen Mitteln die Wahl des Getauften zu verhindern suchen. Zloiilnmim crutrebt für das jücllncho Voll: clio L'clmfrung• einer üffentllch-recJ.rgcli Gesicherten Ucknntütto ln PuKLsilna.“ Boeder Programm. Das ist nicht graue Theorie: ein Mugd a n im Reichstag macht mehr ״Rischus" wie die ganze Autiscmiteupartci zusammen! Ein aufrechter Jude würde sogar im Deutschen Reichstage die Achtung auch der nicht seiner Partei angehörenden Abgeordneten gewinnen können: ein Mugdan aber, der aus lauter Anbiederungssucht! im Verein mit Matthias Er/bcrgcr /.tun Gaudium der Rechten und zum Aergcr der Sozialdemokraten die ganze große Marokkodebatte zu einer öden Sozialistentöterci herunterziehen hilft, dieser eine Mugdan zieht sich und den Juden, denen er doch immer zugezählt wird (zumal ihm der Austritt aus der Rasse sehr unvollkommen geglückt ist), die Verachtung aller zu, wahrscheinlich sogar die der paar Parteifreunde, die zuhören und ״Bravo" rufen müssen. Also: keine jüdische Stimme einem getauften Juden, und zwar unter gar keinen Umständen! Das ist auch das einzige Mittel, die Parteien dazu zu erziehen, wenn sie schon Juden als Kandidaten aufstellen, sieh nicht gerade die moralisch miuderu ertigsien herauszustiehüi. Weit schwieriger ist die andere Frage' zu beantworten, welcher Partei die• Juden im allgemeinen ihre Stimmen zuführen sollen. Freilieh ist sie auch bei dem geltenden Wahlrecht, da die Juden nirgends einen bestimmenden Einfluß auszuüben in der Lage sind, weit weniger wichtig. Gäbe cs eine Partei, die für die Einführung des P r o p o r t i 0 n a 1 w a h I r e c h t s einträte, so gehörten die jüdischen Stimmen zweitellos, wenn nicht sehr gewichtige Gründe dagegen sprächen, dieser Partei. Denn die Proportionalwahl allein gäbe den Juden als Juden die Möglichkeit einer eigenen Vertretung, die, wir unter diesem Wahlrecht, da alle anderen politischen und sozialen Gruppen ebenfalls genugsam zur Geltung kämen, auch durchaus mit Recht beanspruchen dürften. Ganz ahgesehen davon, daß unter der Herrschaft des Proportionalsystems auch die 600 000 deutschen Juden ein Faktor wären, mit dem andere Parteien eventuell recht gern ein Kompromiß ein* gehen würden. Wie die Dinge aber einmal liegen, hallen es auch die fortschrittlichen Parleien ־ vielleicht mit Recht — für geraten, ihrerseils an dem bestellenden Wahlrecht lieber gar nicht zu rütteln, höchstens seine sinngemäße und verfassungsmäßige Anwendung zn fordern, als sich etwa der Gciahr einer Verschlechterung des freilich nicht idealen, geltenden Wahlrechts anszusctz.cn. Und so haben sieh denn die deutschen Juden stillschweigend in ihrer überwiegenden Mehrheit dem liuksliberaleii Fortschritt verschrieben, sind zu einem kleinen Teil der sozialdemokratischen, zu einem noch kleineren der uationalliheralen Pariei zuzureehneu. In allen anderen Gruppen sind sie weiße Rahen. Und das von Rechts wegen! So sehr viele von uns es bedauern mögen - aus allen mögliehen achtungswerteu und anzuerkcimenden Gründen , daß die Juden sieh so bedingungslos im wesentlichen einer politischen Partei ausliefern, so müssen wir doch zugebeu, daß sie heute letzten Endes nichts anderes mehr tun k ö u n e 11, als sieli einer möglichst weit links GERMANIA IUDÄICA stehenden Partei anzuschließen. Vielleicht war es ein Fehler, daß sie sich vor vierzig Jahren nicht anders gestellt haben, vielleicht — heutzutage jedenfalls können sic geraü.1! als Juden ganz uiimöglidi einer Partei ihre Stimmen geben, die das herrschende Regime stützt. Dieses Regime, das repräsentiert wird von einer bis ins Mark antisemitischen Verwaltungsclique, das die Prämien auf die Taute aussetzt, das in der deutschen Ostmark zum Schaden seiner eigenen I) e s t r e b 11 n gen, aus purer Judenfeindsehaft heraus, die Juden drangsaliert und schikaniert und zur Auswanderung getrieben hat, das allenthalben ir! der Welt als das Muster einer modernen antisemitischen Regierung mit Recht gilt, und das überallhin, wohin sein Einfluß reicht, den waschechtesten Antisemitismus trägt. Sogar die russische Regierung z. B. ist im Aus lande bei weitem ״judcnfrcundlich'cr“ als die deutsche. Die Repräsentanten Rußlands im Auslande nehmen sich der russischen Juden vielfach sogar recht gern an, weil ihnen das er* wünschte Gelegenheiten gibt. Nur die diplotna« tischen Vertreter Deutschlands im Auslände sind fast durchweg Antisemiten aus Prinzip, und nicht selten ist es vorgekouunen, daß sie für den Ausländer gegen den deutschen Juden, der ihrem Schutze anbefohleii war, Partei er* griffen haben. Wie diese Regierung innerhalb des Reiches, namentlich innerhalb der schwarzweißen Pfähle, nussieht, braucht hier nicht ausgeführt zu werden. Ein solches Regime stützen helfen, das heißt für einen Juden in der Tat nichts anderes als sich selber ohrfeigenI Das müßten die deutschen Juden also auch ablehiicn, wenn ihre wirtschaftlichen Interessen anders gerichtet wären. Nun kommt aber noch dazu, daß die weitaus meisten Juden — freilich durchaus nicht alle - rein wirtschaftlich schon nicht in der Lage sind, ihre ärgsten wirtschaftspolitischen Gegner zu wählen. Aus alledem ergibt sieh also, daß die Stellung der Juden bei dieser Reichstagswalil nicht anders sein kann als: links, soweit links, als es dem einzelnen seine persönliche politische Ucbcrzegung irgend gestattet! Das •gebietet uns die primitivste jüdische Realpolitik, die wir uns schuldig sind. * Das gebietet uns unsere Politik, die wirbeileibe nicht den linksstehenden Parteien zuliehe oder aus allgemeiner Sympathie mit ihren Parteiprogrammen treiben und treiben sollen. Denn wir wollen es offen gestehen: die Not der Zeit bringt uns, viele von uns da zu gar seit- Samen Parteigenossen, denen wir viel lieber weit aus dem Wege gingen. Nichts ist dafür ein deut- Hellerer Beweis als die unverhohlene Sympathie, mit welcher von vielen Juden und jüdischen Blättern jüngst die Erfindung des ״Kulturkouscr vatis m us" eines Dr. ürabowsky aufgcnuiumcn wurde. Ja, gäbe es so etwas in der rauhen Wirklichkeit der politischen Welt und nicht mir in den Spalten einer Revue . . .1 Es ist ja auch ganz klar, und unsere intierjiidisclie Politik zeigt es uns alle Tage aufs neue, dal) wir Juden durchaus nicht so einheitlich in un* seren politischen Anschauungen sind, wie cs scheinen könnte. Ucber solche sehr interessanten Fragen wollen wir uns nach den Wahlen auch gern wieder mit Freunden und Gegnern unterhalten. Jetzt aber gilt cs, nächste Woche und vielerorts in zwei oder drei Wochen noch einmal KO’r.ar \י»0 ’ ׳ wos O—ohtoiitfe des; Cav.lj heu Judentum■

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.